Ein Held unserer Zeit!

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Viele Pastoren sind Helden! Gestern durfte ich eine kleine Gemeinde in Böblingen (Kopernikusstraße 10) besuchen und ich durfte einem solchen Helden bei seinem Kampf zu schauen. Die Gemeinde ist eher klein, aber umso bunter. Viele unterschiedliche Verständnisse treffen aufeinander, manche durchaus auch problematisch Doch der Pastor hält die Gemeinde zusammen. Ein sowjetisches Mechatronik-Studium wurde natürlich nicht anerkannt, so arbeitet er als „ungelernter“ Arbeiter in einer Fabrik um sein täglich Brot zu verdienen. Hinzu kommt ein immer noch vorhandener „Akzent“. So lernt man schnell den Preis der Demut und die Lieder tief unten in diesem Tale.

Neben einer großen Familie schafft er es, sich um Jung und Alt zu kümmern. Um Menschen, die den Anschluss verloren haben, als sie nach Deutschland kamen. Um Menschen, die als Hiesige auch den Anschluss verloren haben, oder sich im Glaubensleben verirrt haben. Seine Frau unterstützt die vielen Mütter in der Gemeinde. Selbst an einem runden Geburtstag, als das Haus voll war mit Gästen, stieg er in sein Auto und fuhr mehrere Kilometer zu einer jungen Schwester der Gemeinde um diese und ihr Kind zum Kinderarzt zu bringen. Auf die Frage: „Na alles klar“, ruft er seinen Kollegen zu: „Mit Christus ist alles klar, aber ohne Ihn ist alles trüb“. Einmal war ich mit dieser Gemeinde einige Tage auf einer Freizeit dabei. Niemand war mehr und länger in der Küche und am Aufräumen beteiligt, als er. Fußwaschdienst vom allerfeinsten. Man gewöhnt sich allzu schnell daran und vergisst die Dankbarkeit. Immer ist die Gefahr dabei ausgebeutet und ausgenutzt zu werden. Als ich diesen Sonntag ins Gemeindehaus laufe, ist der erste den ich treffe ein Slowake, der sehr gebrechlich etwas davon murmelt, dass er nach Hause will, dass er krank sei, dass er auch Christ ist, dass er kein Geld hat. Später erfahre ich vom Pastor, dass man ihn nicht zum ersten Mal im Versammlungsraum hat. Mitleid und Weisheit kämpfen im Herzen. Viele Geschwister sind schon älter, so werden für alle Liederbücher in Großschrift besorgt. Ich kenne so viele Gemeinden, die überaltet sind, aber diese Rücksicht auf Ältere habe ich noch nie getroffen! Das hat mich bewegt.

Kurz bevor der Gottesdienst beginnt, und er eigentlich zum Gebet aufrufen möchte, sieht er hinten, dass ein Rollstuhlfahrer ankommt. Wer hilft ihm vom Treppenlift in den Stuhl? Natürlich er. Nach dem Gottesdienst wird keiner übergangen, stets bestrebt, jeden wenigstens zu grüßen. Und auch den Kindern wird ein ungewohnt hoher Respekt entgegengebracht. Nur gute Werke, aber keine Schriftkenntnis? Weit gefehlt, der Bruder lebt im Wort Gottes und hat immer einen wichtigen Hinweis aus der Schrift auf den Lippen.

Die Gemeinde ist im Verband klein und kaum beachtet, so wird vielleicht echte Anerkennung für immer ausbleiben. Wirklich für immer? Spätestens im Neuen Jerusalem wird es heißen: Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! (Matth. 25,23)

Macht euch selbst ein Bild: Gottesdienst ist um 10.00 und um 17.00 Uhr jeden Sonntag. Bibelstunde  jeden Mittwoch um 19.00 Uhr.

 

 

Der alternative breite Weg

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Es wird gerne davon geredet, dass manche den schmalen Weg unzulässig breit machen. Es fallen dann Stichworte wie: „Das Evangelium verwässern“ oder „liberale/ verweltlichte Gemeinde“. Auf der anderen Seite vom wahren Weg gebe es dann wiederum jene, die den schmalen Weg unnötigerweise zu schmal machen. Hier lauten die Stichworte: „gesetzlich“, „die halten sich für die einzig wahren“ etc…

Nun, die Bibel spricht durchaus von der Mäßigkeit (z.B. 2. Pet. 1,5), und wohl auch in der Möglichkeit zur linken und zur rechten Seite vom Pferd zu fallen (z.B. 2. Kor. 6,7), dennoch denke ich, dass es eine zu sanfte, ja zu verständnisvolle Beurteilung der Gesetzlichkeit. Das Gegenargument darauf, man wäre unnötig streng liegt doch auf der Hand: Lieber übertreibe ich ein bisschen, um doch sicher zum Ziel zu führen.

Paulus, in seiner Ansprache an die Galater kennt da wenig Verständnis. Ja er warnt sie davor, ein „falsches Evangelium“ anzunehmen (Gal. 1,6-7). Das ist doch mal ein hartes Urteil! Doch viel mehr, er sagt sogar, dass die Legalisten nur Angst haben auf den Schmalen Weg zu treten. Zu vielem wären sie bereit, nur um nicht um des Kreuzes Willen verfolgt zu werden.

Gesetzlichkeit hat also wenig mit dem schmalen Weg zu tun, und ist auch der breite Weg, nur in anderer Verkleidung!  Nebenbei gemerkt ist es auch viel zu kurzsichtig gedacht, dass Gesetzlichkeit nur das „konservative“ Lager treffe, vergleich hierzu auch den Vergleich zwischen dem Phari- und dem YOLO-Typ auf hanniel.ch. Ich habe lange um eine geeignete Darstellung des Problems gekämpft und komme auf eine Erzählung! Ich habe versucht, einen möglichst fiktiven Fall zu erfinden, den Verzicht auf Schuhe, doch auch das gab es bereits in der Kirchengeschichte. Doch wenigstens können wir uns dann auf die Seele streicheln, dass wir doch nicht so extrem sind. Ich habe die Geschichte durchaus überzeichnet, doch fürchte ich, dass wir die Lektionen nicht so erkennen, die ich gezielt gekennzeichnet habe:

„Es war einmal vor gar nicht so langer Zeit, in einer Freikirche, die das Evangelium kannte und mutig verkündigte. Doch von Jahr zu Jahr wurde man immer stolzer darauf, dass man besonders „bibeltreu“ sei. Man war froh, viele historische Fehler der Kirchengeschichte, wie die Kindertaufe oder die Irrungen der Reformation überwunden zu haben. Entsprechend hielt man auch wenig von Bekenntnissen, denn man glaubte an die Schrift allein. Eines Tages, als der Eifer für die Sache des Herrn immer mehr nachließ, entdeckte einer der Diakone der Gemeinde beim Bibellesen den regelmäßigen Aufruf zum Verzicht auf Schuhe.Natürlich, Mose musste die Schuhe ausziehen, als er heiliges Land betrat (2. Mo. 3,5). Ein Gebot, dass bei Josua wiederholt wurde (Jos. 5,15), als er dem Fürsten über das Heer Israels, einer Christologie im AT, entgegentrat. Kein Wunder rief auch Christus seine Jünger auf, im Dienst auf Schuhe zu verzichten (Luk. 10,14 Anmerkung: Der Diakon kam ganz schön ins Schwitzen, als er die Parallelstelle in Mk. 6,9 zum Vergleich heranzog, doch sein Urteil war bereits gefällt). Das die Gemeinde ein heiliger Ort ist (vielmehr natürlich im neuen Bund), daran kann gar kein Zweifel sein, dass Schuhe etwas profanes sind, ebenso: Man läuft auf dem schlimmsten Dreck und bringt in dann in das Haus Gottes!

Der Diakon war bekehrt, und bei der nächsten Brüderversammlung setzte er sich vehement darauf ein, dem Worte Gottes gehorsam zu sein. Es gab durchaus einigen Widerstand im Gemeinderat, doch wollte der Pastor, als Schwager des Diakons nicht unnötig Frieden in der Gemeinde haben und man einigte sich relativ zügig auf eine Kompromisslösung: Schuhlosigkeit für alle mit Verantwortung in der Gemeinde. (LEKTION 1: Gesetzlichkeit findet einen guten Nährboden in Vetternwirtschaft und Ansehen der Person)

Nun, zunächst gab es durchaus etwas Irritation, einige riefen etwas von: „Das galt nur im AT“, doch die Verweise auf die Reden Jesu waren schließlich überzeugend. So erkannte nun jeder an, dass eine gewisse Geistlichkeit auch eine Verantwortung gegenüber den Geschwistern bringt, denn die Brüder „werden sich dabei ja etwas gedacht haben“, und man „könne nicht unnötig streng werden, selbst wenn man nicht hunderprozentig wisse, ob es wirklich ein Gebot Christi sei, wolle man seine Ehrfurcht vor Gott ausdrücken“ (Lektion 2: Gesetzlichkeit führt geradezu automatisch zu einer Unterteilung in „Geistlichen Adel“ und „Geistlichen Pöbel“, oder modern: in „geistlich“ und „fleischlich“, in „Diener“ und „Normale, doch was sagte Petrus in 1. Pet. 2.9? die Kirchengeschichte lässt grüßen!)

Nun so ging es eigentlich geradezu unverändert weiter, nach einiger Zeit (es ging schneller als man dachte), gewöhnten sich eigentlich alle daran, auch die weniger regelmäßigen Besucher. Doch der Sauerteig wächst unsichtbar und doch schleichend.

Man muss dazu wissen, in dieser Gemeinde gab es relativ viele aktive Geschwister (Laienpredigt, Hauskreis, Kinderarbeit, Musikarbeit), und schon bald erkannte der Diakon, dass er seine drei Söhne irgendwie auch zum Dienst motivieren sollte. Doch diese gingen in geradezu kindlicher Unschuld immer noch in Schuhen in die Kirche. Dabei wurde aktuell ein neuer Musikleiter gesucht, eine perfekte Aufgabe für seinen Sohn. Wie konnte er das aber der Gemeinde deutlich machen, dass hier geistliche Gaben vergammelten? Nun, er war ja nicht von schlechten Eltern und hatte schnell eine Lösung: Er überzeugte seinen Sohn auch zu einem Barfüsser-Gottesdienstbesuch. Viele waren beeindruckt: So jung, und schon so eifrig! Mehrfach wurde er in der Predigt als Beispiel für Bibeltreu erwähnt.Und so wurde er, ehe man sich versehen konnte, zu einem würdigen Nachfolger in der Musikarbeit. Sein Beispiel reizte viele zur Nachfolge, und in wenigen Jahren war der Gottesdienstbesuch mit Schuhen geradezu profan. (Lektion 3: Gesetzlichkeit ist heuchlerisch)

Die Gemeinde erkannte in dem neu erwachten Eifer der Jugendlichen eine Erweckung. War es nicht das, wofür man schon seit Jahren gebetet hatte? Und so war man sehr stolz auf sich, ja im Vergleich zu den anderen über 50 Gemeinden im Gemeindeverband war man dem Wort Gottes gehorsam. Und hier blubberte der Sauerteig schon ordentlich vor sich hin: Drei Mal im Jahr gab es nämlich Verbandskonferenzen. Mehrere Tausend Christen kamen hier zusammen, zu Lobpreis und Gebet. Nun, unsere Mustergemeinde ging natürlich auch auf diese Veranstaltung ohne Schuhe hin. Zunächst belächelt, gab es aber schließlich einen Konzil, und obwohl ziemlich genau die Hälfte der 50 zusammengekommen Pastoren dieses Verhalten durchschaute und ablehnte, wollte man doch einen friedlichen Kompromiss finden und einigte sich schließlich auf vollständigen Schuhverzicht auf allen gemeinschaftlichen Konferenzen. Siehe da, bei der ersten, dieser geweihten Konferenzen verzeichnete man auch zwei Bekehrungen mehr als sonst, und sah dies als ein klares Zeichen dafür, dass Gott hinter diesen Maßnahmen steht (Lektion 4: Gesetzlichkeit wird blind für das Evangelium)

Doch natürlich blieb es auch nicht dabei stehen: Denn einige Gemeinden des Verbandes wollten das wohl für eine Konferenz vertragen, aber als Sitte anerkennen, fiel das doch zu schwer. Nun, was unternahm unsere liebe Kirchengemeinde? Man stellte fest, dass die Sache doch ernster war, als man dachte, ging es doch schließlich darum, dem Worte Gottes treu zu bleiben. Also nahm man diese Regel schriftlich in die Gemeinderichtlinien auf. Ja, es wurde gar eine Handreichung (der Diakon durfte kräftig mitwirken, übrigens war er nun auch Präsident der Diakonie des Gemeindeverbandes, was er als klaren Segen Gottes verbuchte) verfasst, die diese Sitte erläuterte. Zunächst wurde, wieder war es unser Diakon, der immer mehr als eifriger Prediger auffiel, ein Themen-gottesdienst gehalten, der die Barfüßigkeit zum Thema hatte: Zunächst wurde die Heiligkeit des Hauses Gottes in den schönsten Farben gezeichnet, dann die Profanität der Schuhe dargestellt und mit völliger Überzeugungskraft unsere Verantwortung, würdig vor den Herrn zu treten, geschildert. Schließlich aber auch die raue Zeit des Abfalls geschildert, in der so viele, die sich Christen nennen, nicht bereit sind diese klare Lehre der Schrift anzuerkennen. Nun, es war ja auch die letzte Zeit! Die Gemeinde war geradezu euphorisch! So wurde immer weniger das Evangelium gepredigt, und immer mehr, dieser Punkt, diese Sitte, dieses Gesetz von allen Seiten beleuchtet, man war froh, vielen anderen Christen überlegen zu sein. (Lektion 5: Gesetzlichkeit macht stolz, separatistisch und unzufrieden) Wie diese Entwicklung endete, muss nicht lange erläutert werden: Der Verband zerfiel in zwei Teile, unsere Gemeinde blieb im „bibeltreuen“ Teil. Doch wir verweilen bei unseren Treuen Schäffchen:

Bekanntlich geht der Krug solange zum Brunnen bis er bricht. Und so nahm diese Entwicklung ein ganz schmähliches Ende. Man muss wissen, dass natürlich Ananias und Saphira, aber auch der reiche Jüngling und der reiche Kornbauer aktive Mitglieder dieser Gemeinde waren. Eines Tages geschah es auch, dass der Reiche Mann und Lazarus sich hierhin zum Gottesdienst verirrten. Der reiche Mann gewann schnell die Herzen der Gemeinde. Ihm fiel es mit seinen wohlbehüteten Schuhen leicht, nach intensiver Pediküre und Balsamierung auf den kalten Fließen des Gemeindehauses zu wandeln.  Zweifel an seinem Glauben wurden durch eine großzügige Spende für ein geplantes Fußwaschbecken im Foyer schnell beseitigt. Doch was sollte Lazarus tun? Seine ganzen Füße waren voll von Wunden. Mit mehreren Lappen waren diese nur notdürftig umwickelt. Mit diesen war das Gehen gerade noch möglich, doch ohne Lappen, geradezu unmöglich. Auch wollte er seine Wunden nicht unnötigerweise, auch aus Scham entblößen. Doch sollte man darauf Rücksicht nehmen? War das nur nicht eine alte Ausrede, und zeugte sein ganzer Zustand nicht schon glasklar von einer geistlichen Oberflächlichkeit. Man wollte es partout nicht dulden, dass Lazarus seine Verbände wirklich brauchen sollte. Musste man wirklich diesen Unfrieden stiften? Alle anderen kriegen das doch schließlich auch hin! Und so musste man schweren Herzens Lazarus schließlich Hausverbot erteilen. Die Heiligkeit des Hauses Gottes durfte nicht einfach so profanisiert und geschändet werden. Ja es wurde in der Gebetsstunde sogar zum Gebet für Lazarus aufgerufen, dass er doch zur Erkenntnis der Wahrheit kommen möge. So stieß man den, der in dem Schoße Abrahams ruhen sollte, aus seinem Kreis.  (Lektion 6: Gesetzlichkeit macht lieblos) An dieser Stelle war die Gemeinde nur noch eine Haaresbreite davon entfernt, nicht mehr die Gemeinde des Herrn zu sein. Ob sie wohl noch zur Erkenntnis der Wahrheit kam?“

Die obige, allzu wahre Geschichte ist so natürlich schon zu oft passiert. Ich hoffe zeigen zu können, dass die Symptome des Legalismus und des Antinomismus sich sehr ähneln:

  • Verlust der Evangelistischen Botschaft
  • Verkündigung des Moralismus
  • Separatistische Hochmütigkeit, Gleichgültigkeit
  • Lieblosigkeit und zunehmend unweises Verhalten.

Da wir so viel von Schuhen geredet haben, ein Vers aus Amos 2,6 zum Schluß:

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Sieben Gründe warum Christen keinen „Zehnt“ geben müssen.

Ein Artikel von Thomas R. Schreiner:

Hinweis des Herausgebers: Dieser Artikel ist eine Hälfte der Serie „TGC Asks“ zur Frage: Müssen Christen heute den Zehnt geben?  Die Verteidigung des Zehnt stellt William Barcley im Artikel : The Bible Commands Christians to Tithe, dar. Bei der Begriffswahl „ZEHNT“ orientiere ich mich am Vorschlag von Wikipedia.

Viele denken, dass gläubige Christen den Zehnten von ihrem Einkommen spenden sollten, so dass auch von einem „Zehntopfer“ (engl. „thithes and offerings“) gesprochen wird. Andere sind gleichermaßen davon überzeugt, dass dieser Brauch für Gläubige nicht notwendig ist.

Welche Sicht ist näher an Gottes Wort?

Sicherlich ist dies keine Frage, an der christliche Gemeinschaft zusammenbrechen sollte. Die Liebe ist viel wichtiger als unsere Meinung über den Zehnt(1. Kor. 13). Dennoch würde ich behaupten, dass die Gläubigen an Jesus Christus  nicht ermutigt oder gar dazu aufgefordert werden, den Zehnt zu geben. Jedoch sollte ich meinen Standpunkt erläutern. Weiterlesen „Sieben Gründe warum Christen keinen „Zehnt“ geben müssen.“

Können wir glauben, dass Gottes Wort wahr ist, weil unsere Eltern es uns gesagt haben?

Ein Artikel von Michael J. Kruger:

Woher weißt du, dass die Bibel das Wort Gottes ist?

So gut wie jeder Christ hat diese Frage schon einmal gehört. Und wenn das passiert, schlägt unser Herz schneller und wir fühlen ein Kribbeln im Magen. Wir wollen eine umfassende und zufriedenstellende Antwort liefern. Am besten Etwas, dass uns nicht als Narren dastehen lässt.

In Gedanken gehen wir all die apologetischen Thesen und die zahlreichen historischen Daten durch, die wir vor Jahren gehört haben. Doch, weil wir uns an die Details nicht mehr erinnern, murmeln wir etwas darüber, dass die Bibel gute „historische Beweise“ für ihre Wahrheit besitzt (in der Hoffnung dass keiner genauer nachhackt).

Doch unterschwellig schlummert in  solcher Diskussionen eine Annahme, die herausgefordert werden sollte. Und diese Annahme ist, dass externe „historische Beweise“ der einzige geeignete Grund sind, um unseren Glauben an die Bibel zu untermauern. Oft denken wir, dass wir eine Berechtigung für unsere Überzeugungen können nur dann vorbringen können, wenn wir diese mit einer Reihe von wissenschaftlichen Fakten untermauern können.

Um es klar zustellen: Es gibt nichts falsches dabei, die Bibel aufgrund historischer Tatsachen zu verteidigen. Die Bibel hat beeindruckende historische Zeugnisse und es gibt Zeiten, um diese zu besprechen. Doch, wenn wir denken, dass diese Zeugnisse die einzige Grundlage für unseren Glauben sind, stoßen wir auf einige Probleme.

Zunächst bedeutet es, dass kaum ein Christ überhaupt wirklich wüsste, dass die Bibel das Wort Gottes ist. Wenn man erst einen Doktor der Theologie benötigt, um der Bibel zu vertrauen, dann kommen nur sehr wenige Christen in den Genuss eines solchen Privilegs.

Zudem deutet die Bibel selber andere Wege an, mit denen man erfahren kann, dass sie Gottes Wort ist. An dieser Stelle lässt sich dieser Ansatz nicht in voller Länge verteidigen, doch habe ich anderswo darüber ausführlich geschrieben (z.B. hier), wie auch andere Experten(siehe hier).

Doch es gibt auch einen anderen Weg: Das Zeugnis anderer, denen wir vertrauen. So seltsam es auch klingt, wir sind gerechtfertigt, weil wir glauben, dass Gottes Wort wahr ist, weil diejenigen, denen wir vertrauen, uns gesagt haben, dass es wahr ist.

Ja, selbst Paulus weist Timotheus darauf, als er ihn ermutigt dem Worte Gottes zu vertrauen: Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. (2. Tim 3,14-15)

Beachte, dass Paulus‘ Ermahnung an Timotheus, weiterhin dem Wort Gottes zu vertrauen, darauf beruht, wer es ihm beigebracht hat: du weißt ja, von wem du gelernt hast. Es besteht kein Zweifel, dass es sich um Timotheus‘ Mutter Eunike und Großmutter Lois handelt ( 2. Tim 1,5).

Anders ausgedrückt: Ein Grund (aber nicht der einzige) dem Worte Gottes zu vertrauen, ist das Zeugnis derer, denen wir vertrauen. Und dies gilt insbesondere für Eltern (oder Großeltern).

Natürlich klingt eine solche These in unserer antiautoritärer Kultur lächerlich. Einige übliche Einwände klingen so:

1. „Das Zeugnis anderer ist kein gültiger Grund für unseren Glauben. Wir müssen es persönlich überprüfen.“

Gemäß diesem Einwand können wir nur etwas glauben, von dem wir selbst genügend Beweise gesammelt haben. Doch dies ist für die meisten Dinge, die wir wissen nicht wahr. Darüber hinaus verrät es ein naives Vertrauen in unsere modernen investigativen Fähigkeiten – was der Philosoph Alvin Plantinga als „Aufklärungsoptimismus, der aus dem Ruder läuft“ bezeichnet. (Warrant and Proper Function, 78)

Platinga führt aus:

„Kann ich wirklich unabhängig von jedem Zeugnis erfahren, dass es im fünften Jahrhundert vor Christus einen Krieg zwischen Athenern und Spartanern gab? Kann ich so entdecken, dass Plato ein Philosoph war? Oder dass die Frau, die ich für meine Mutter halte, es wirklich ist? Oder dass ich den Namen bekommen habe, von dem ich es denke? Oder dass es ein Land mit dem Namen „Australien“ gibt?“

Er folgert: „Wir sind daher für das meiste, was wir wissen, auf Zeugnisse (testimony) angewiesen“.

2. „Meine Eltern könnten sich irren“ Weiterlesen „Können wir glauben, dass Gottes Wort wahr ist, weil unsere Eltern es uns gesagt haben?“

Der Tag, an dem ich den Glauben verleugnete…

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Sprüche 28,13: Wer seine Missetat leugnet, dem wird’s nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.

Die Bindung an eine Sünde führt oft dazu, dass man für viele andere Sünden, die vielleicht schlimmer oder gar die Ursache für die praktizierte Bindung darstellen, blind wird. So war ich immer geneigt, meine Pornographiesucht als mein größtes Problem anzusehen und übersah viel dickere Schnitzer! Einer davon ist Menschenfurcht. Da ich als Sonderling immer eher abseits stand, habe ich lange nicht ein bisschen gemerkt, dass ich ein Mensch bin, der geradezu krampfhaft ein Feigling ist. Eine Episode bereitet mir bis heute schlaflose Nächte, obwohl das Erlebnis nun über 12 Jahre her ist.

Damals war ich Mitglied in der höchstwahrscheinlich konservativsten Gemeinde in ganz Deutschland. Nicht, dass dort alles schlecht war, waren es schließlich Leute, die mich zum Glauben führten, und Onkel Jakob, den ich für einen großen Glaubenshelden halte, war dort ebenfalls aktiv! Aber ein Erlebnis war möglicherweise doch durchaus typisch!: Als ich mich mit 17 Jahren in der Gemeinde taufen ließ, war ich überaus aktiv und suchte überall nach Christen, war die Ortsgemeinde ja über 30 km von meinem Wohnort entfernt. Schnell fand ich einige Christen auch in der Schule. Ich stellte mich damals furchtbar unfreundlich und hemdsärmelig an, den natürlich wollte ich erst prüfen, ob diese Menschen wirklich echte Christen waren. Die Kleider fand ich zumeist schon immer sehr problematisch…. Ein Mädchen aus der Parallelklasse hat mich jedoch besonders beeindruckt. Nicht nur, weil ihre Blöcke und Mäppchen mit Bibelversen verziert waren, ich war auch beeindruckt über ihr immer weises Zeugnis gegenüber den Klassenkameraden. Zu solchen weisen Antworten war ich oft nicht in der Lage. Sie war den meisten Mädchen, die ich in meiner Ortsgemeinde hat, meilenweit überlegen. Nun dauerte es nicht lange, bis ich mich auch überwand die Gemeinde, die sie besuchte, auch zu besuchen. Einige Male war ich auch auf der Jugendstunde. Es war eine kleine Brüdergemeinde, und es hat mir eigentlich alles im Gottesdienst gefallen. An einer anderen Stelle habe ich meine Hochachtung vor der Art und Weise wie die Brüdergemeinden ihre Gottesdienste durchführen, ausführlich geschildert. Ich war wirklich froh, Christen in meiner Umgebung entdeckt zu haben (so blöd sich dieser Satz jetzt auch anhört). Leider war ich auch zu tollpatschig meine Entdeckung für mich zu behalten, und besprach meine Erlebnisse relativ offen mit den Jugendlichen meiner eigentlichen Ortsgemeinde. Die Kinder des Pastors, – er hat viele und vertraut ihnen in besonderem Maße-, klagten mich entsprechend schnell bei Ihrem Vater an. Entsprechend bald folgte auch eine Ermahnung! Der Pastor führte ausführlich aus, dass ich mich doch vor diesen verirrten Christen fernzuhalten habe (er selbst war aber nie dort), und ich bringe mich nur vom Schmalen weg ab, etc… Man kennt ja die Argumente zu Genüge. Nun, natürlich habe ich versucht zu widersprechen und versuchte zu schildern, dass diese Gemeinde unserer SO ähnlich ist, dass die Frauen dort sogar Tücher tragen. Aber alles half nichts! Es wurde Gehorsam erwartet, ansonsten nur die Alternative Gemeindezucht möglich.

Das ich damals eingeknickt bin, dass empört mich heute in höchstem Maße über mich selbst! Ich erschrecke vor dieser Feigheit! Ich habe mich lieber angepasst, anstatt dem Wort Gottes zu gehorchen und die Dinge und Argumente zu prüfen! Und gewonnen habe ich dadurch nichts! Der Pastor, der natürlich sich wieder bestätigt sah, dass er seinem Aufseheramt nachkommt, hat ja nun einen schwachen Christen erneut zurechtgewiesen. Dadurch war meine Stellung vor ihm schon determiniert. Im Übrigen will ich aber gar nicht sein Verhalten kritisieren, irgendwo hat er auch meine Sympathie dafür, dass er ein Auge für die Situation hatte! Es soll hier wirklich um meine Reaktion gehen. Damals, aber auch einige Jahre später, redete ich mich ganz leicht damit heraus, dass ich doch kaum christliche Sitten kannte, ganz „frisch im Glauben war“ und bei weitem nicht die Erkenntnis eines Pastors beanspruchen konnte. Und so wie oben angedeutet habe ich dieses Erlebnis zunächst so gut wie vergessen.

Aber in den letzten Jahren ist es wie ein Mahnmal für mich, wie anfällig ich persönlich für Menschenfurcht bin. Mit Menschenfurcht gewinnt man nichts, verliert aber sehr viel! Immer wieder gibt es diesen Druck, etwas um des „Friedens willen“, wie man es gerne verpackt zu tun. Weil man ansonsten nicht mehr predigen darf, manche These nicht mehr so klar zu formulieren. Weil man sonst als „geizig“ verschrien wird, etwas „offiziell“ zu spenden. Der Anzahl der Fallen mit dem Label „Menschenfurcht“ ist Legion!

Nun habe ich bekannt, Gott gebe mir die Kraft, zu lassen!

Mehr unter:

10 Hinweise auf Menschenfurcht.

Menschenfurcht – kein Kavaliersdelikt

Hinweis an den Leser: Ich rede in meinen Beiträgen regelmäßig relativ offen über meine Fehler. Ich bin in besonderem Maße der Vergebung und der Gnade in Christus bedürftig. Echte Gnade für einen echten Sünder – das beanspruche ich für mich! Auf keinen Fall möchte ich jedoch den Eindruck erwecken, dass zu einer echten Vergebung ein öffentliches Bekenntnis nötig ist. Die Schuld muss vor Gott bekannt werden und vor den Betroffenen! Man sollte auch nach Möglichkeiten suchen, Schaden zu begleichen. Aber sich vor anderen zu entblößen, dass muss man nicht! Hier ist viel Weisheit und Einsicht nötig. Bete darum!

Zwei Essays von J. Gresham Machen

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Heute möchte ich auf die Übersetzung zweier Essays von J. Gresham Machen hinweisen.

„Geschichte und Gott“  war seine Antrittsrede zum  Assistent-Professor für Neutestamentliche Literatur am Princeton Theological Seminary.  Sachlich und Direkt rechnet Machen mit einem „historischen Jesus“ der liberalen Theologie ab.

In „Meine Gottesidee“ ringt Machen um die Verknüpfung der Transzendenz und Immanenz Gottes! Wie kann ein begrenztes Wesen einen unbegrenzten Gott aufnehmen? Besonders gelungen ist die Verknüpfing zwischen spezieller und allgemeiner Offenbarung Gottes.

Frei zum Download verfügbar als .epub, .mobi, .azw3.:

J_Gresham_Machen_Zwei_Essays

als .pdf:

Echter Glaube an einen echten G – J. Gresham Machen