Input zum Heidelberger Katechismus

Überlegungen

In 129 Fragen und Antworten bietet der Heidelberger Katechismus (im Folgenden HK) eine sehr kompakte, gleichzeitig umfassende Darstellung des Christlichen Glaubens. Dabei folgt er der Dreiteilung: Elend (8 Fragen) – Erlösung(74 Fragen) – Dankbarkeit (42 Fragen)

Dabei wird die Gotteslehre,die Christologie un die Lehre der Sakramente im Teil der Erlösung behandelt. Der Schwerpunkt auf die Christologie ist ein besonders beeindruckendes Beispiel für reformierte Theologie. Der Abschnitt zur Dankbarkeit macht deutlich, dass zwischen Dogmatik und Ethik nicht getrennt wird, behandelt hier der Autor die zehn Gebote und das Gebet. Insgesamt reiht sich der HK durch diesen Aufbau in die Tradition der Reformation aber auch des Mittelalters ein, Theologische Fragen systematisch zu ordnen.

Dennoch machen einige Umstände den HK zu einem besonders wertvollen Katechismus:

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Die Herausforderungen eines Pfarrers im 21ten Jahrhundert – Mit Michael Freiburghaus im Gespräch

Auf Michael Freiburghaus und sein evangeliumszentriertes Denken bin ich zum ersten Mal durch einen Artikel von Hanniel Strebel gestoßen. Als ich ihn einige Zeit später noch persönlich kennen lernte, wusste ich sofort, dass ein Interview her muss. Viele werden meine 10+1 Fragen bei Nimm-Lies kennen, doch diesmal haben wir uns an ein anderes Format gewagt: Eine Audioaufnahme. Doch damit nicht genug: Zusätzlich haben wir das Interview hier auch in schriftlicher Form angefügt. Für mich, der kaum Berührungspunkte mit der Landeskirche hat, war dieses Treffen in vielerlei Hinsicht hilfreich, die Herausforderungen eines bibeltreuen Pfarrers zu verstehen.

Michael Freiburghaus, Jahrgang 1986, seit 2015 verheiratet mit Christina und Pfarrer in Leutwil-Dürrenäsch (Schweiz). Präsident der Schweizerischen Traktatmission und der Stiftung Zukunft CH. Außerdem ist er Armeeseelsorger im Schweizer Militär.

PERSÖNLICHES:

F.: Was bewegte dich in die Berufung des Pfarramtes?

A.:Mit 15 Jahren hatte ich ein Bekehrungserlebnis, dass Jesus in mein Leben kam. Zwei Wochen darauf war für mich klar, dass ich Pfarrer werden wollte, um möglichst vielen Menschen von der Liebe Gottes, die er uns in seinem Sohn Jesus Christus zeigt, zu erzählen. Danach habe ich das Gymnasium besucht und an vier Universitäten im In- und Ausland Theologie studiert.

F.: Wovon hast du im Studium am meisten profitiert und welche Lehrinhalte hast du vermisst?

Am meisten konnte ich von den Professoren lernen, die selber an Jesus als persönlichen Herrn und Heiland glauben. Das vertiefte Verstehen des Alten und Neuen Testaments fördert den Glauben. Ebenso ist es hilfreich, wenn man die Kirchengeschichte kennt und nicht alle Fehler selber wiederholt 😊

Die Philosophiegeschichte und Sektenkunde geben einen Überblick über aktuelle Herausforderungen.

Die Gemeindeentwicklung und Evangelisation ist ein Thema, das man gar nicht genug behandeln kann.

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Die wahrhaftige Buße eines lästigen Hofnarrs

Ein Artikel von Carl Trueman:

Fools Rush In Where Monkeys Fear to Tread: Taking Aim at Everyone (English Edition) von [Trueman, Carl R.]

Der typisch britische schwarze Humor im Sinne von „jesting, which is inconvenient“ bis zur Beschreibung protestantischer Literatur, die „beyond satire“ sei, lässt sich kaum übertragen. Geradezu grenzwertig ist das Empfinden der Single-Ladies mit „very deep“. Auch das Zitat von Wordsworth konnte ich nicht gut übersetzen. Wer also kann, sollte lieber dass Original lesen. Wer nicht kann, muss sich mit meiner Übersetzung begnügen. Übrigens: Dieser Essay ist auch Teil der wunderbaren Essay-Sammlung Truemans: Fools Rush In, Where Monkeys Fear to Tread.

Vor einigen Monaten kritisierte ein presbyterianisches Magazin eine meiner Antworten auf Kommentare über mich von einem bestimmten gut bekannten Autor bekannter Christlicher Schriften. Meine Antwort, so führte der Autor in frommer und üblicher Weise aus, war misslungen, denn sie enthielt „unangebrachte Scherze“ und behandelten eine „altehrwürdige Person“ unangemessen. Der Autor war überzeugt davon, dass Prosa, die gelegentlich Sinn für Humor zeigt, viel verwerflicher sei, als die Verleumdung der „altehrwürdigen Person“, auf die ich reagierte. Ja,Verleumdung wie in „absichtliche und böswillige Fehldarstellung des Handelns einer Person, um ihren öffentlichen Ruf zu schädigen“ – offensichtlich eine ziemlich triviale Anschuldigung, soweit es die Meinung meines presbyterianischen Keuschheitshüters betrifft. Schließlich war der Vorwurf der Verleumdung, wenn auch falsch, nur ein Verstoß gegen das neunte Gebot und somit nicht so ernst wie ein bisschen „unangebrachtes Scherzen“. Und wenn er auch berechtigt wäre, würde sich wohl niemand die Mühe eines kirchlichen Verhörs machen, sowie die Anklagen, Verteidigungen und ein faires kirchliches Verhör für den Angeklagten (um sich reinzuwaschen) und den ganzen sonstigen liberalen Quatsch durchführen. Welch Zeitverschwendung und Mühe das doch wäre. Was den harten Umgang der „altehrwürdigen Person“ angeht, muss ich mich wohl in der Tat entschuldigen: Ich kann lediglich darauf plädieren, dass mir zum Zeitpunkt des Schreibens nicht bewusst war, dass die Einhaltung des Neunten Gebotes oder des Anstands und die Reihenfolge eines ordentlichen Verfahrens unnötig sind, sobald man eine Busfahrkarte und ein Rentenbuch besitzt.

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Warum deine Pornographie-Sucht nicht dein größtes Problem ist!

Es ist unmöglich, Pornografie anzusehen und demütig zu sein.

(Heath Lambert in Endlich frei!)


Ich denke der CLV Verlag hat wirklich etwas großartiges geleistet, als er sich entschied, dieses seelsorgerliche Werk Lamberts zu übersetzen und zu veröffentlichen. Vor Jahren veröffentlichte ich ausführlich einen Bericht über meinen Kampf mit der Pornographie, der so oft so verzweifelt war.

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Der unsichtbare Dritte im Tempel

(c) Faithlife Logos

Selten wird die Zielgruppe bei einem Gleichnis Jesu so klar angegeben, wie bei der Erzählung über den Pharisäer und dem Zöllner im Tempel (Luk 18,9-9). „Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern“, Jesus erzählte nun, wie ein Pharisäer mutig betete und seine Gerechtigkeit vor Gott bekannte. Abseits stand ein Zöllner. Überwältigt von seinen Sünden wagte er nicht einmal seine Augen empor zu heben. Verzweifelt ruft er aus: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ und geht daraufhin gerechtfertigt in sein Haus. Kaum ein Gleichnis wird häufiger besprochen und doch habe ich den Verdacht, dass wir uns allzu gerne eine dritte Person im Tempel wünschen würden, eine Art Über-Pharisäer.

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Treffen sich Knox, Foxe und Cox in Frankfurt…

Beim Hören der wunderbaren und insgesamt 33 h. dauernden Vorlesung von Carl R. Trueman zur Reformationsgeschichte (in iTunes oder youtube) bin ich auf diese spannende Anekdote englischer oder eher schottischer Kirchgeschichte gestoßen, die sich tatsächlich in Frankfurt abgespielt hat und die sogar in einem eigenen Wikipedia-Artikel besprochen wird. Doch zunächst ein paar Infos zum Hintergrund und den Hauptfiguren:

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Der tiefe Fall eines jungen Prinzen

Absaloms Lebenslauf, wie er uns in 2. Sam. Kap. 13 bis Kap. 18 berichtet wird, fasziniert mich regelmäßig: Ein Mensch, der alles hat, der jung ist und auch noch schön. Und dennoch immer noch unzufrieden und gierig. Also durch und durch ein moderner Westler. Somit geht die Geschichte Absaloms auch knallhart der Frage nach, ob wir glücklicher wären, wenn wir jünger und reicher wären. Das motiviert mich zu diesem Gedicht, obwohl ich mit dem etwas pietistischen Ende nicht ganz zufrieden bin. Absaloms Geschichte sollte uns aber zur Demut anleiten und nicht zu einem verbitterten Versuch der Selbstrechtfertigung.

Absaloms Mahl in einem Gemälde des Niccolò De Simone um 1650. (Bildrechte: gemeinfrei)
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