Das Evangelium erreicht einen Zöllner

Lukas-Evangelium, Kapitel 19, Vers 1-10:
„Und er zog hinein und ging durch Jericho. Und siehe, da war ein Mann genannt Zachäus, der war ein Oberster der Zöllner und war reich. Und er begehrte Jesum zu sehen, wer er wäre, und konnte nicht vor dem Volk; denn er war klein von Person. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, auf daß er ihn sähe; denn allda sollte er durchkommen. Und als Jesus kam an die Stätte, sah er auf und ward sein gewahr und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend hernieder; denn ich muß heute in deinem Haus einkehren! Und er stieg eilend hernieder und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murrten sie alle, daß er bei einem Sünder einkehrte. Zachäus aber trat dar und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und so ich jemand betrogen habe, das gebe ich vierfältig wieder. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, sintemal er auch Abrahams Sohn ist. Denn des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist.“

Dieser Text zeigt die ganze Pracht des Evangeliums von Jesus, und seine Wirkung auf die Menschen. Wie das Evangelium im Menschen wirkt, wollen wir im Folgenden zusammen betrachten.

1. Zachäus, sein Stand und Leben:

Zachäus kann im besten Fall als ein Self-Made-Man bezeichnet werden. Ist man ihm nicht so wohlwollend eingestellt, weiß man, dass er einen korrupten Lebensstil führte: Denn er war Zöllner. Ein Beruf, denn man im Zeitalter der Globalisierung und der Europäischen Union scheinbar ganz aus den Augen verloren hat. Zur Zeit der Antike und der Großreiche, spielte er jedoch für die oktroyierten Imperatoren die große Rolle, die besetzten Gebiete zu kontrollieren und finanziell auszuschöpfen. So musste auch das jüdische Volk diverse Steuern und Zölle an die römischen Besatzer abgeben. Dementsprechend verpönt war auch der Beruf des Zöllners. Viele jedoch sahen darin eine Chance gesellschaftlich aufzusteigen, da die römische Macht gerne mal ein Auge zudrückte, wenn man mehr Steuern erhob, als eigentlich vorgesehen, – natürlich um die Differenz in die eigene Tasche zu stecken. Dadurch wurde dieser Berufszweig jedoch als umso verruchter angesehen. Somit wurde ein Zöllner ein Schaubild für einen ausgemachten Sünder, also für einen Menschen, der gewissenlos mit seinen Sünden umging. Im Volksmund wurde ein Zöllner sogar gerne mit  Huren in einem Satz erwähnt (Vgl.: Math. 21,31 und Math. 9,11).

So ein Mensch war Zachäus. Einerseits ein erfolgreicher Geschäftsmann, denn er war ein „Oberster der Zöllner“, wie unser Text sagt. Andererseits jedoch konnte er seinen Reichtum nur durch Korruption und Betrug angehäuft haben. Ob er sich seiner Vergehen bewusst war? Oder war es vielmehr so, dass er für all seine Sünden gute Ausreden und Rechtfertigungen hatte, schließlich hatten die Pharisäer ja noch mehr Fehler…

so stellte sich der Künstler N.L. Stevns die Begegnung von Jesus mit Zachäus vor

2. Zachäus hat den Wunsch Jesus zu sehen

M. Luther gelingt eine schöne Übersetzung: „Er begehrte Jesum zu sehen“. In Jericho ging also das Gerücht durch die Stadt, dass Jesus nach Jericho gekommen wäre. Was er hier wohl wollte, da doch sein eigentliches Ziel, wie Jesus es selbst mehrmals sagte, Jerusalem war. Jericho bedeutete nur eine Abweichung von mehreren Tagesreisen. Auch Jesu Jünger waren mit dabei. Unter Ihnen war auch ein gewisser Matthäus Levi aus Kapernaum. Von dem hatte vermutlich auch Zachäus schon was gehört. Schließlich war Matthäus auch ein Zöllner, der alles verlassen hatte, als Jesus ihn aufforderte ihm nachzufolgen. Was hatte dieser Jesus bloß an sich, dass so viele Menschen sich nach seiner Nähe sehnten. Was tat Er, dass sich so viele änderten, wenn Sie ihm begegneten.

Solche oder ähnliche Gedanken bewegten Zachäus so sehr, dass er einen tiefen Wunsch verspürte Jesus zu sehen. Doch Zachäus hatte ein Problem: Trotz seiner gesellschaftlichen Größe, war er nur klein von körperlichen Größe. Durch die ganze Menge konnte er kaum durchkommen. Schließlich gab es im Volk auch genug Leute, die diesen Makel ausnutzen würden, um Zachäus endlich eine auswischen zu können. Jedoch,- nicht zum ersten Mal-, Zachäus zeigte sich als erfinderisch. Ihm war klar, dass Jesus einen bestimmten Weg durch Jericho einschlagen würde. Am Weg entlang gab es Maulbeerbäume in Menge. Ein passender war schnell gefunden, und schon war Zachäus auf einem Ast in luftiger Höhe und wartete nun darauf, dass Jesus ihn passieren würde.

War es nicht eine große Demütigung für ihn? Er der große Oberzöllner, klettert auf einen Baum, wie ein Schuljunge? Und dass alles, nur um jemanden zu sehen, denn er kaum kannte, von dem er kaum etwas Genaues wusste? Jedoch, wir werden sehen, dass das „Begehren von Zachäus“ für sein eigenes Leben einen großen Segen hatte.

3. Jesus begehrt Zachäus zu besuchen

Gott wurde nicht nur Mensch, sondern auch Gast der Menschen. Das wunderbare Geheimnis der Erwählung wird am Beispiel von Zachäus sichtbar. Denn nicht nur, dass Zachäus den Wunsch hatte Jesus zu sehen, Zachäus musste feststellen, dass Jesus nach Jericho gekommen ist, um im „Hause von Zachäus einzukehren“ (V.5). Wahrlich wunderbar musste es Jesus erscheinen, als Jesus durch die Volksmenge hindurch immer näher an den besagten Maulbeerbaum kam und schließlich vor Zachäus stand. Auch seinen Namen kannte Er schon. Und Jesus sprach zu ihm: „Zachäus steig eilend hernieder“. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Eile, mit der Jesus Zachäus zur Eile drängt. Dieser lässt sich auch nicht zweimal bitten. Vers 6 sagt deutlich: „Und er stieg eilend hernieder und nahm ihn auf mit Freuden“. Zachäus wurde durch das Wunder ihrer Begegnung deutlich, dass das die Chance seines Lebens ist. Diese nutzte er dann auch. Überhaupt spielt in der Bibel der aktuelle Moment eine wichtige Rolle. Der Hebräerbrief lehrt uns (Hebr. 3,7-8): „Darum, wie der Heilige Geist spricht: Heute, so ihr hören werdet seine Stimme, so verstocket eure Herzen nicht“. Nein Zachäus verstockte sein Herz nicht. Oh wie viele Argumente hätte er vorbringen können: Herr, ich bin nicht würdig dich aufzunehmen. Herr, ich habe für heute gar keinen Besuch erwartet. Herr, am Nachmittag habe ich noch einen wichtigen Termin, und der Ausreden noch mehr, hatte Zachäus glücklicherweise nicht auf Lager. Zachäus erkannte den Tag des Herrn, als er auf dem Ast eines Maulbeerbaumes saß. Erkennen wir, den Augenblick, an dem Gott uns ruft, Frieden mit ihm zu machen, und die Errettung aus Gnaden anzunehmen?

4. Die Bekehrung des Zachäus

Die Bekehrung ist in unseren Tagen ja ein altertümliches Wort geworden. Doch scheint mir dieses Wort mehr Inhalt zu haben, als uns heutigen Tages bewusst ist. So meint Bekehrung immer die Abkehr von der Sünde und die Hinkehrung zu Gott als dem Erretter. Wenn man so möchte, kann man mit der Bekehrung den menschlichen Einsatz bei der Errettung beschreiben.

Bei der „Bekehrung des Zachäus“ nun wird deutlich, wie das Reich Gottes in sein Leben eingezogen ist.

Seine Bekehrung lief ganz in der Ruhe ab. Es gab keinen fantastischen pompösen Gottesdienst mit einem gewaltigen Chor. Es gab auch keinen großen Zuruf. Nein, Jesus, war einfach sein Gast geworden, und Zachäus wurde sofort klar, wie er sein Leben ändern kann.

Eine Bekehrung kann auch nicht ohne Bekenntnis ablaufen. Zachäus „tritt dar, und spricht zu dem Herrn“ (V.8). Haben wir schon mit Gott gesprochen? Für Zachäus, wurde Jesus zu seinem Herrn. Das bedeutete vor allem, dass ihm klar wurde, dass Jesus der Messias ist, den Gott gesandt hat. Das Jesus zu einem Herrn wird, hat für Zachäus jedoch vor allem eine moralische Bedeutung. War es ihm bisher eher leicht gefallen, auf Kosten anderer reich zu werden und durch Betrug im Leben voranzukommen. Auch sein Gewissen litt allem Anschein nach gar nicht so sehr darunter. Doch jetzt wurde ihm klar, wie ein Mann Gottes, denn dies war Jesus, wirklich lebt. Er legt also seine moralischen Vorstellungen ab, und nimmt die Ansprüche von Jesus war. Diese lauteten in Bezug auf das Leben von Zachäus: „Leg dein sündiges Leben ab und ändere dich“. Zachäus also bekennt nicht nur Jesus als seinen Herrn. Für ihn bleibt die Bekehrung nicht nur ein metaphysisches Ereignis. Nein, wie wir sehen, ist er (freiwillig und voller Freude), bereit sein Leben zu ändern. Er verzieht sein Handeln nicht, sondern bekennt frei: „Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und so ich jemand betrogen habe, das gebe ich vierfältig wieder“. Hier bezieht sich Zachäus auf ein Gebot aus 2 Mose 21,37, das die Hebräer aufforderte, für ein gestohlenes Schaf das Vierfache wiederzugeben. Hier könnte jemand einwenden: Reicht eine Bekehrung denn nicht aus? Wir werden ja nicht aus Werken selig? Richtig gesprochen, und doch kann man nicht glauben ohne gehorsam zu sein. Du bekennst, dass Christus dein Erretter ist. Dann bekenne deinen Glauben durch gute Werke und gehorsam dem Worte Gottes. Bei vielen Menschen, die erst seit kurzem Christen sind, besteht dieser Gehorsam vor allem darin, seine Vergehen gut zu machen. Natürlich kann man nicht jeden Fehler wieder korrigieren, jedoch war Zachäus sofort klar, was er gut zu machen habe. Es hat große Vorteile, den Weg des Gehorsams und der Wiedergutmachung zu gehen, wie wir im nächsten Abschnitt sehen werden.

5. Zachäus erfährt das Heil Gottes

Der erste Vorteil in Zachäus Handeln liegt darin, dass seine Nachbarschaft und seine Umgebung so leicht sehen können, dass er sich geändert hat. Man stelle sich das Erstaunen vor, mit dem seine ggf. unterdrückten Nachbarn reagierten, als Zachäus ihnen Geld brachte, dass er zu viel verlangte, und noch eine große Entschädigungssumme drauflegte. Da wurde manchem sofort klar, bei Zachäus geht es nicht nur um eine Frömmigkeitsbewegung des Alters oder um ein bloßes Wortbekenntnis. Interessant ist auch, dass für viele Nachfolger Christi klar war, dass sie sich von ihrem Vermögen trennen müssen. Ich denke, dass wir heute oft das Gebot Christi vergessen, dass man nicht zwei Herren, nämlich Gott und dem Mammon dienen kann.

Der größte Vorteil jedoch ist, dass er im Tausch für seine Sünden und seinen Materialismus das Heil erfahren konnte.

Heil bedeutet Errettung und meint immer ein Geborgenwerden in der Hand Gottes. Wie oft haben Neubekehrte Schwierigkeiten mit Zweifeln an ihrer Errettung und mit dem Kampf gegen die Sünde. Wie oft erlebt man Niederlagen. Oftmals lässt es sich darauf zurückführen, dass nicht wie im Falle von Zachäus radikal mit der Sünde gebrochen wurde. Zachäus tat dies, und konnte wahre Heilsgewissheit erfahren. Er konnte dessen gewiss werden, was uns der Römerbrief lehrt (Röm. 8,16): Gottes Geist gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Zachäus bekam das Zeugnis des Heils direkt vom Sohne Gottes.

6. Die Bedeutung von Zachäus für unser Leben

Ich denke Zachäus, hätte es am Morgen dieses Tages der Begegnung mit Jesus Christus, nicht für möglich gehalten, dass Jesus gerade wegen ihm nach Jericho gekommen ist. Jedoch, auch ein korrupter Zöllner war des Besuches von Jesus wert. Wenn dich Sünde und dein verpfuschtes Leben plagt, dann fange an Jesus zu suchen. Bitte bei Gott, dass er dir ein Begehren gibt, Jesus zu sehen. Gott hört Gebet, wenn es ernstlich ist. Hast du erst einmal ein Begehren nach Jesus, bist du nicht mehr fern davon, ihn und sein Heil zu finden. Denn es heißt, dass Jesus niemanden von sich stoßen wird, der zu ihm kommt (Vgl. Joh. 6:37). Das Begehren des Zachäus wurde über seine Erwartungen hinaus gestillt. So wird auch dein Begehren in Jesus Christus gestillt werden.

Manch einer mag einwenden, er wäre nicht so schlecht wie Zachäus. Er wäre weder ein Lügner noch ein Dieb. Wohl geredet. Jedoch, ist das eine Ausrede an Jesus vorbeizugehen. Unter den Jüngern Jesu waren nicht nur Zöllner. Ihm folgten Fischer, Ärzte, Revolutionäre, Gelehrte und Theologen gemeinsam nach. Jeder von ihnen jedoch erkannte, dass er einen Erlöser und Erretter benötigte. Wie viele gute Werke du auch hast, und wie wenig Fehler du besitzen magst, so glaube ich doch nicht, dass du ein Leben ohne einen Erretter führen kannst.

Amen.

Autor: paulisergej

Christ, Ehemann, Vater, Ingenieur und Literaturliebhaber

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