Laban, ein Götzendiener

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„Da sprach Laban zu Jakob: Was hast du getan, dass du mich überlistet und meine Töchter wie Kriegsgefangene weggeführt hast? Warum bist du heimlich geflohen und hast mich überlistet und mir nichts gesagt, dass ich dich mit Jubel und Liedern, mit Trommel und Leier hätte geleiten können? Du hast mich nicht einmal meine Enkel und Töchter küssen lassen. Töricht hast du gehandelt. Ich hätte wohl die Macht, euch Übles anzutun, aber der Gott eures Vaters hat vergangene Nacht zu mir gesprochen: Hüte dich, Jakob im Guten oder im Bösen anzusprechen. Nun, du bist gegangen, weil du dich so sehr nach dem Haus deines Vaters gesehnt hast. Aber warum hast du meine Götter gestohlen?“ ( 1 Mo 31,26-30)

Neulich packte mich diese Begebenheit: Zwanzig Jahre dient Jakob dem Laban, und das bei weitem nicht nur unter guten Bedingungen Jakobus klagt durchaus berechtigt: „Zwanzig Jahre bin ich jetzt bei dir. Deine Schafe und Ziegen haben nicht fehlgeworfen, und die Widder deiner Herde habe ich nicht gegessen. Was von Raubtieren gerissen war, durfte ich dir nicht bringen. Ich selbst musste es ersetzen, von mir hast du es gefordert, ob es mir am Tag geraubt wurde oder in der Nacht. Am Tag verzehrte mich die Hitze und in der Nacht der Frost, und der Schlaf floh meine Augen.“ (1 Mo 31,38-40). Laban sah, dass Gott Jakob segnete, und er durch diesen Segen reicher und reicher wurde. Aus diesem Grund war er auch mehr als entsetzt, als Jakob plötzlich nicht mehr da war. Er stürzte sich in eine Verfolgung, und hierbei erschien er bereit zu sein, sogar zu töten aus Rache. Er vergaß alle verwandtschaftliche Bindung, die im Falle Jakobs ja sogar mehrfach bestand. Nun Laban lernen wir in 1. Mo als geizig, gierig und undankbar kennen. Was mich aber am meisten fesselte, war sein Götzendienst. Laban konnte Gott auf vielfältige Weise kennen lernen, was er sogar selbst mehrfach bezeugt, aber er verharrt weiter in seinem Götzendienst. Beachtet die Abfolge:

a. Gott erscheint Laban und spricht mit ihm
b. Laban weiß, dass es Gott, der HERR ist
c. Laban weiß, dass dieser Gott stark ist
d. Laban interessiert sich weiterhin nur für seine Götzen

Im Detail:

a. Wenn wir in 1. Mose überhaupt die Leute aufzählen würden, denen Gott der Herr erschien, wäre die Liste nicht besonders lang. Zur Lebenszeit Labans haben wir Abraham, Isaak und Jakob. Vielleicht könnten wir noch Lot dazu zählen. Zu dieser kleinen Schar Gläubiger gesellt sich nun Laban. Beachtet wie umfangreich Laban Gott kennen lernen konnte. Er hatte:

  • Das Zeugnis Jakobs. Jakob hat ihm berichtet, wie Gott seine Familie gesegnet hat. Es heißt, „er erzählte Laban alle diese Begebenheiten.“ (1. Mo 29,13). Hierbei erkennt Laban auch an, dass er ein Verwandter von Jakob ist (1. Mo 29,14). Dabei dürfte ihn eine Erinnerung besonders bewegen.
  • Er war ein Verwandter Jakobs, denn Jakobs Mutter, Rebekka war seine Schwester. Schon viele Jahre zuvor, konnte Laban hautnah erleben, auf welch wunderbare Weise Gott eingriff, um für Abraham einen Erben zu bereiten. Damals kam auch unbedingt zur Sprache, dass Isaak ein Sohn der Verheißung war. Das hat Laban gewusst, dass Isaaks Geburt ein Wunder war. Laban bestätigte die Echtheit dieses Zeugnisses (1.Mo 24,50). Damals sprach er mit seinem Vater Betuel: „Das ist vom HERRN gefügt“. Von diesem HERRN wollte er viele Jahre später aber nichts mehr wissen. (Und im Zweifel wäre es durchaus möglich gewesen auch Abraham und Isaak zu besuchen).
  • Laban konnte sehen, dass Gott mit Jakob war. Nicht, dass Erfolg immer ein Zeichen vom Segen Gottes ist, aber unverkennbar war für Laban, dass Jakob ein Gläubiger ist, trotz all seiner Fehler. Aber offensichtlich drang das kaum durch. Denn die Erfolge Jakobs wollte Laban zu seinen Gunsten wenden. Ob ihn das endgültig blind machte?
  • Schließlich aber, beachtet den Wortlaut in 1. Mo 31,24: „Aber Gott kam des nachts im Traum zu Laban, dem Aramäer und sprach zu ihm. Stellt euch das vor. Gott sprach höchstpersönlich zu ihm. Wie schon oben aufgeführt, das geschah nicht oft in den Erzählungen der Genesis.

b. Die Erscheinung Gottes hätte Laban als Albtraum abtun können. Es lag ja sogar eine Ausrede bereit: Die lange Reise (nun musste er ja sogar die Landesgrenze überschreiten) war beschwerlich, er war müde von dem Dauerritt auf den Kamelen und konnte nur schlecht in einem Zelt schlafen, er war ja auch nicht mehr der Jüngste. Doch das macht er nicht. Er bekennt frei vor Jakob: „Aber der Gott eures Vaters hat vergangene Nacht zu mir gesprochen“.

c. Interessant ist, dass Laban sich dazu zwingt freundlich mit Jakob zu reden. Er ist also sogar diesem Gott gehorsam, der zu ihm sprach. Zähneknirschend zwar, aber doch zwingt er sich zur Selbstbeherrschung. Von Rache bleibt nicht viel übrig, und so klammert er sich an den einzigen Zipfel fest, der ihm bleibt: „Wo ist mein Götze!“

d. Jakob kann es sich zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen, dass jemand in seinem Haushalt noch an Götzen hängen könnte. Später wird er besseren belehrt und reinigt seinen Haushalt vor denselben (1. Mo, 35,4). Labans Götzendienst war also auch ansteckend, und so hing zumindest Rahel an denselben. Ob Rahel diesen nun aus Furcht versteckt, weil Jakob eine hohe Bestrafung androht oder tatsächlich deswegen, weil Sie selbst am selben hängt, lasse ich offen. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass Rahel in einer spontan arrangierten Flucht nicht vergisst, die Götzen ihres Vaters einzupacken. Laban interessiert sich für einen Götzen, den er nicht einmal finden kann. Warum interessiert er sich nicht für Gott, den HERRN, der ihm so viele Möglichkeiten gab, ihn zu finden!

Wir lernen: Obwohl Gott spricht, führt, mächtig ist, wirkt und obwohl wir dass alles spüren, wissen, anerkennen und sogar teilweise überprüfen könnten, bleiben wir so oft weiterhin einfach ungläubig. Unser Herz hängt weiterhin völlig unverändert an unseren Götzen. Was hätte noch geschehen müssen, um Labans Herz zu verändern? Wenn ich an Laban denke, denke ich auch an Matth. 22,14: Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“ Dies sagte Jesus, als er das Gleichnis vom Hochzeitsmahl erzählte. So viele lehnten eine Hochzeitseinladung des Königs ab. Wie im Falle Labans lagen ausreichend Evidenzen vor (man kannte König und Sohn, man hörte die Einladung etc…), doch man verwarf die göttliche Einladung mit Nichtigkeiten. Manch ein Geladener hing weiterhin an seinem Götzen. Gott mahnt uns ständig zur Buße. Etwas was wir Menschen, aber auf gar keinen Fall tun wollen. So enttarnen wir uns selbst als Verräter und Bundesbrecher.

Wie sehr müssen wir die Gnade Gottes schätzen, wenn diese bis in uns durchdringen konnte und erwecklich wurde und uns wiedergebar zu einem neuen Leben im Geist.

Vor allem aber bringt es mich zum Erschaudern über mich selbst, der ich ja auch ein Mensch bin wie Laban, auch ein Sohn Adams. Wie sehr liegt mir Götzendienst näher als ein rechter Gottesdienst vor Gott dem HERRN!

Autor: paulisergej

Christ, Ehemann, Vater, Ingenieur und Literaturliebhaber

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