Schau ich zurück…

Schau ich zurück, wie hat mich Gott getragen! Heute möchte ich etwas davon erzählen!

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Zerschundete Seele

Immer wieder wurde meiner Frau und mir in den letzten Wochen bewusst, vor wie viel uns eigentlich der Herr gerettet hat! Mit wie viel Segen und Glück und Gaben mich Gott geradezu überschüttet hat. Hört sich super unnötig euphorisch an, ich weiß, aber genau so ist es. Dafür muss man einfach nur wissen, was für ein kaputtes Wrack ich als Teeny war. Ohne unnötig in die Tiefe einsteigen zu wollen:

  • Mit 8 Jahren verlässt mein Vater meine Familie: Er war die Super Leitfigur für mich. Er nahm sich super viel Zeit für mich. Für mich brach damals eine Welt zusammen, aufgrund des Alters konnte ich das aber noch nicht einmal artikulieren. Da das mit einem Umzug aus Kasachstan nach Deutschland einherging fand ich in der neuen Umgebung gar keinen Anschluss
  • Irgendwie gab es das Anschlussproblem auch für meine Mutter. Sie verlor dadurch auch den Draht zu uns drei Kindern, mein deutlich älterer Bruder driftete in die Drogensucht ab.
  • Entsprechend sah mein Alltag jahrelang so aus: Mutter geht schaffen, ist frustriert von Deutschland, kommt nach Hause und lässt ihre Verzweiflung stundenlang in Geschrei, Tränen und Gebrüll an mir aus! Und das Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr
  • Entsprechende Begabung konnte nicht entwickelt werden, da aus mir heute nicht ganz erklärlichem Grund, meine Mutter nicht bereit war, mir auch nur eine Kleinigkeit zu zutrauen. Entsprechend wuchs ich ohne Rückgrat und super verweichlicht auf.
  • Statt mich kreativ zu betätigen floh ich in den Konsum der Pornographie. Das war mein Ventil um meinen Frust rauszulassen. Manchmal griff ich bis zu einem Dutzend Mal täglich zur Selbstbefriedigung. Gleichzeitig erkannte ich mich, als einen Knecht eines niedrigen Triebes, was eine tiefe Selbstverachtung schürrte. Das auch Tag für Tag über viele Jahre hin.
  • Seltsamerweise hielt meine Mutter öffentliche Beschämungen und Demütigungen für ein geeignetes und wohl auch einziges Erziehungsmittel (ich will nicht gegen das fünfte Gebot verstoßen, und doch muss gesagt werden, wie die Dinge waren): Als sie mich einmal bei einem Pornofilm erwischte, erzählte sie dies einfach allen ihren Bekannten (auch in der Gemeinde), zumeist auch in Anwesenheit von mir. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand sie auf ein Problem so einer Strategie hinwies, da viele Christen davon ausgingen, so lerne ich wenigstens Demut…
  • Bei mir kam von der Mutter die Botschaft an: „Ich wollte dich nicht, du bist eine Last und eine Enttäuschung, es wäre besser du wärst niemals geboren etc…“ Das ebenfalls täglich

Nach einigen Jahren solcher Erfahrungen war ich einfach nur noch ein Wrack, ich denke sogar psychisch krank, super labil, ein Unmensch. Nun, und nun griff Jesus ein (es ist sogar so, dass er bereits viel früher angriff, ohne das ich dessen gewahr wurde, was ich aber ein andermal erzählen werde). Ich hatte völlig übertriebene Menschenfurcht, eine ganz entartete Art von (natürlichem) Egoismus, denn ich auslebte, getrieben von Verzweiflung und Hass! Hass wird wohl DAS Wort sein, um den Zustand am besten Festzuhalten. Hass als Lebensprinzip. Oder anders ausgedrückt: Diagnose: Nicht Lebensfähig!

Genesene Seele

Worauf ich heute in besonderem Maße aufmerksam machen will, ist der Umfang des Heils in Christus. Erstens war mir meine unglaublich große Not als Teen eigentlich so gar nicht bewusst, und selbst als ich Jesus bat, rette mich, konnte ich gar nicht ahnen, wie selig diese Rettung sein soll! Um vielleicht bildlich zu sprechen: Ich stelle mir vor, ich gehe zum Arzt und klage über Bauchschmerzen, dieser untersucht mich, und stellt fest, dass er einen unfassbar riesigen, in diesem Ausmaß gar nicht bekannten, und super tödlichen Tumor entdeckt. Wie durch ein Wunder gelingt eine brisante Operation (wobei mein finanzielles Budget eigentlich nur für die Diagnose gereicht hätte) und ich werde geheilt. So fühlt sich mein Zustand im Rückblick an. Eigentlich ging man wegen Kleinigkeiten zu Jesus und wurde aber völlig als ganzer Mensch geheilt. Das fasziniert mich. Und so wie sich ein auf wundersame Weise geheilter Krebskranker nicht dessen rühmen würde, dass Er es war der mit Beschwerden zum Arzt ging, und sich so selbst rettete, kann ich mich nicht meines Rufes nach Rettung rühmen, es war unser Herr Jesus Christus der eine wunderbare Rettung vollführte!

Stück für Stück fand eine Genesung statt, oft völlig unbemerkbar. Dass ich z.B. heute nicht mehr nervös an den Fingernägeln kauen muss, fasziniert mich. Dass ich überhaupt für eine Familie belastbar bin, oder Kritik vertrage, oder nicht Freude, eine unverdiente Errettung die ich hier erfahren durfte. Frei zu sein vom Hass auf das Leben, ich hätte mir nie träumen lassen können, dass das überhaupt möglich ist. Dass ich Jahrelang frei sein darf von Depressionen und Verzweiflung und panischen Ängsten, die Liste ließe sich viel länger schreiben.

Heil- und Gnadenmittel!

Wie machte Jesus das! Natürlich ist das Hauptmittel sein Wort gewesen, aber ich bin dankbar, dass immer wieder Menschen meinen Weg kreuzten, die mir mit einer christlichen Liebe begegneten. Allen voran muss ich hier meine Frau erwähnen, die bereit war mit einem derart labilen Menschen wie mir in die Ehe zu treten. Gott gebrauchte sie als eine wunderbare Seelsorgerin für mein Leben. Und ja ich bekenne: ich brauche Seelsorge!

Schon geheilt?

Ich sagte: „Rettung vollführte“, was ich aber meine, ist Rettung vollführt. Es gibt noch so viel, wo ich Heilung bedürfe, ja auf eine gewisse Weise stelle ich fest, dass ich einen Retter heute noch viel mehr brauche, als damals in der Gefangenschaft meiner Jugendzeit. Ich will nicht zu denen gehören, die so heilig werden, dass sie keinen Erlöser mehr bräuchten. Ich brauche einen Erlöser Minute für Minute, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Jahr für Jahr bis an das Ende meiner Tage. Vielleicht kann man das ausdrücken, ein Traum, von dem ich nicht einmal mehr wagte, diesen zu träumen, wird immer mehr Realität: Das Vorrecht zu haben, ein echter Mann zu werden! (Verwandelt in SEIN Bild)

Weil mir also nichts anderes übrig bleibt: Nur mit Jesus, will ich, Pilger, wandern

Gebet

Danke, mein Vater im Himmel, dass du mich teuer erkauft hast, es war dir kein Weg zu weit, mich zu retten, und du erhörtest meine Bitte um Rettung in überaus überragendem Masse. Ja, als ich noch nicht einmal wusste, dass Rettung möglich ist, erreichtest du mich mit dem Evangelium. Danke Herr, dass das Leben hier unter Sünde und nach dem Verrat des Sündenfalles nicht ohne Hoffnung ist. Danke Herr, für die unverdiente Gnade!

 

Autor: paulisergej

Christ, Ehemann, Vater, Ingenieur und Literaturliebhaber

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