Gedanken über den echten Gangsta!

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Wenn in der Gegenwart ein stark bewegter Mann hervortritt, der
den Preis des Christseins nur ein Fünftel so hoch bestimmt, wie das Evangelium:
so ruft man „hütet Euch vor dem Menschen, leset nicht, was er schreibt, am allerwenigsten in der Einsamkeit, redet nicht mit ihm, am allerwenigsten einsam,
er ist ein gefährlicher Mensch.“ Aber die heilige Schrift! Ja, fast jeder Mensch besitzt sie, man trägt kein Bedenken, jedem Konfirmanden, also im gefährlichsten
Alter, dies Buch zu schenken. In Wahrheit, es muss viel Sinnenbetrug dabei sein,
man muss dadurch verwöhnt sein, dass dies Buch nun einmal existiert, man
muss es auf eine ganz eigne Weise lesen – am wenigsten so, dass man mit demselben allein ist. (S. Kierkegaard, Zur Selbstprüfung der Gegenwart empfohlen)

Noch nie war es so einfach zu einem Rebell zu werden, wie in unserem glorreichen Zeitalter der Postmoderne. Dem einzig wahren und erleuchteten Zeitalter, welches wir nach eigener Selbstbeurteilung allen Vorangehenden für deutlich überlegen halten. Offensichtlich auch in der Frage, wie man in seiner Umgebung ein Ärgernis erregt. Weird Al Yankovic bringt es mit seiner Parodie über die Amischen doch wunderbar auf den Punkt: Die heutigen „Gangster“ sind doch längst nicht mehr die Rapper (Info: Die Melodie seines Songs geht auf den Song Gangsta’s Paradise zurück, der Huldigung eines „besonders krassen tough life„)!

Es ist überhaupt nichts (mehr) rebellisches oder anstößiges dabei, möglichst wilden Sex mit möglichst vielen Partnern zu haben, und das so früh wie möglich. Das ursprünglich  hochgelobte Ideal der wilden Gangsterrapper ist nur noch kalter Kaffee (und das auch noch von vorgestern). Als viel rebellischer gilt es, dem selben Partner ein Leben lang treu zu bleiben. Und man stelle sich vor, man würde es überhaupt noch wagen, in eine Ehe noch jungfräulich zu treten!

Oder schon mal probiert von Party zu Party auf Alkohol zu verzichten? Fällt viel mehr auf, als Saufen bis zum Kotzen!

Die Verantwortung für die Erziehung an andere abzugeben, sorgt für keine Empörung mehr, diese aber übernehmen zu wollen, kann zu den wildesten Konflikten führen!

Eine super Karriere-Leiter kann es werden, für alle Varianten der sexuellen Vielfalt zu kämpfen – wie bunt man sich diese auch ausdenken mag; das „traditionelle“ Familienbild, oder sollte ich sagen, das einzig echte Familienbild zu verteidigen, das sorgt für Empörung, und was für eine! (Ich höre schon die Facebook-Kommentare und bedanke mich im Voraus für die Blumen.) Und es wäre natürlich definitiv und unausweichlich das Ende aller Karriere!

Und denke einmal wie krass es ist, den Kinderwunsch nicht an die üblichen 4,5-Sitzer-Fahrzeuge anzupassen, nach dem Motto: „Hinten passen nur zwei Kindersitze rein“.

Keiner wird auch nur die Achseln zucken, wenn man ruft: „Gott ist tot“, aber welcher Chaos sollte entstehen, wenn  man riefe: „Gott lebt!“

Genießen ist einfach geworden und der selbstverständliche Anspruch auch des Ärmsten, aber die Zeit auskaufen zu wollen, unfassbar provokativ! Zu shitstormen, geifern, spotten und rumäffen ist so einfach wie nie. Man muss dafür nicht einmal mehr vom Sofa aufstehen! Auf sein Recht auf Selbstverteidigung zu verzichten, so verpönt wie selten zuvor.

Dem Naturalismus und Relativismus zu huldigen, ist so einfach wie noch nie. Es wird kein Inquisitor kommen! Dieser wird schon eher vor der Tür dessen stehen, der an den Absoluten Gott glaubt, und nur ihm allein dienen will.

Keiner wird blass, wenn man bekennt: „Fußball  (oder ein anders Hobby) ist mein ein und alles, ja mein Leben“. Groß jedoch der Spott, wenn man es auch nur wagen würde, zu äußern: „Gott, der Herr ist mein einziger Gott! Meine einzige Hoffnung und mein ganzes Heil“ (Ist es nicht das apostolische Bekenntnis aller Christen?)

An die Evolution zu glauben, obwohl man nicht einmal eine einzige Zeile an Quellenmaterial heranzog, ist absolut anerkannte gesellschaftliche Mitte. (Kant mit seinem Appell an persönliche Mündigkeit wäre wohl beim Anblick auf den fortgeschritten Europäer auf der Stelle tot umgefallen.) An die Schöpfung zu glauben, weil man in der Bibel darüber lass, dass sorgt für blankes Entsetzen.

Darauf zu hoffen, dass Gebete erhört werden, dass ist wirklich krass! Sein Anliegen auf den Herrn zu werfen, das ist wirklich heftig. Jeder kann an das Zeitliche und an den Augenblick denken, aber wer wagt es sich an die Ewigkeit zu denken?

Noch nie war es so einfach wie heute als Schüler, und somit am untersten Glied der Nahrungskette von der Kanzlerin höchstpersönlich Lob und Anerkennung zu erfahren! Man muss dafür einfach nur die Schule schwänzen. Wie schwer dürfte es aber werden, heute ein Staatsoberhaupt zu provozieren? Offensichtlich lässt sich der Schluß ziehen, dass wer den ultimativen individualistischen Kick der Selbsterfüllung finden möchte, durchaus bei der Bibel anfangen darf. Somit: Nimm und Lies!

 

Autor: paulisergej

Christ, Ehemann, Vater, Ingenieur und Literaturliebhaber

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