Luther über den Bann

mwm07633.jpgAuszüge aus den Tischreden Luthers zu einem brisanten Thema, das jahrhundertelang von der katholischen Kirche missbraucht wurde. Dennoch muss man rückblickend eingestehen, dass es Luther nicht gelang den Sakralismus einer Staatsreligion zu überwinden:

402. Bann soll man wieder aufrichten

Wir müssen den Bann wieder aufrichten, obwohl wirs bisher noch nicht mit Gewalt getrieben haben. Wenn wir einen Wucherer, Ehebrecher sehen, dem sagen wir: Hörst du, es ist das Geschrei, du seiest ein solcher oder solcher, darum gehe nicht zum Sakrament, enthalte dich der (Teilnahme als Pate an der) Taufe, führe keine Braut in die Kirche. In Summa: man verbiete ihm alles, was der Kirche ist, wie Paulus sagt: Er sei dir wie ein Heide (1. Tim. 5, 8). Aber ich fürchte für unseren Teil, unsere Pfarrer werden zu kühn sein und in die leiblichen Dinge nach dem Gute greifen wie der Papst, wenn er einen exkommuniziert. Und kehrt er sich nicht daran, sagt er: Ei, wir müssen ihm auch den Markt verbieten, daß er nichts kaufe oder verkaufe. Das ist der Teufel, wenn man zu weit greifen will!
Zum Bann gehören in geistlichen Sachen mutige Pfarrer. Wir haben ihrer viele, die Mut in leiblichen Dingen haben; aber das tuts nicht allein.
Da fragte einer: Ob ein Gebannter auch an den Predigten teilnehmen und sie hören könnte? Darauf antwortete der Doktor: Selbstverständlich! Das soll man ihnen nicht verbieten, denn in Predigten lernen sie, wo es ihnen fehlt!

403. Ursache, daß der Bann jetzt gefallen ist

Den Bann hindert jetzt zu unsern Zeiten nichts anderes, als daß niemand in diesem Stück tut, was einem Christen gebührt und zusteht. Du hast einen Nachbarn, dessen Leben und Wandel dir wohl bewußt und bekannt ist, deinem Pfarrer aber ist es entweder ganz unbewußt oder wenigstens nicht so wohl bewußt; denn wie kann er eines jeglichen Leben im einzelnen kennen, wie es ist?
Darum, wenn du siehst, daß dein Nachbar durch unrechte Hantierung oder Handel reich wird; siehst, daß er Unzucht oder Ehebrecherei treibt oder sein Gesinde unfleißig und nachlässig erzieht und regiert: so sollst du ihn ernstlich vermahnen und christlich verwarnen, daß er seiner Seligkeit wahrnehmen und Ärgernis meiden wollte. Und, oh wie ein gar heilig Werk hast du getan, wenn du ihn so gewinnst.
Aber, Lieber, wer tuts? Denn aufs erste ist die Wahrheit ein feindselig Ding; wer die Wahrheit sagt, dem wird man gram. Darum willst du lieber deines Nachbarn Freundschaft und Gunst behalten, besonders wenn er reich und gewaltig ist, als daß du ihn erzürnen und dir zum Feinde machen wolltest. Wenn der zweite, dritte, vierte Nachbar desgleichen auch so tut, so fällt mit der ersten Vermahnung auch die zweite und dritte in den Brunnen, wodurch der Nächste wieder auf den rechten Weg hätte gebracht werden können, wenn du nur mit Vermahnen tätest, was du schuldig und verpflichtet bist. Zum zweiten geschiehts auch deswegen, daß der Bann gefallen ist: denn weil wir schier alle dergleichen Laster unterworfen und damit beschmutzt sind, so fürchten wir, wenn wir das Stäublein aus des Nachbars Augen nehmen wollen, man möchte uns vorwerfen und sagen von dem Balken, der aus unsern Augen hervorragt.
Dies ist die rechte und vornehmste Ursache, daß der Bann schier allenthalben gefallen ist: deshalb, weil der rechten Christen allenthalben wenig und gar ein kleines Häuflein von geringer Anzahl ist. Denn so wir allzumal, wie es wohl recht und billig wäre, ja sein sollte, die rechte Gottseligkeit und Gottes Wort von Herzen lieb hätten, so würden wir des Herrn Christus Befehl größer und teurer achten als alle Güter dieses zeitlichen Lebens. Denn dies Gebot, den Bruder, der da sündigt, zu vermahnen und zu warnen, ist gleich so nötig wie das: Du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen usw.; sintemal in dem, wenn du diese Vermahnung entweder aus Furcht oder um einer anderen Ursache willen unterläßt, nicht des Nächsten Leib und Gut, sondern seiner Seelen Seligkeit in Gefahr steht. Und so ein Pfarrer weiß, daß die Sünde öffentlich stadt- und landkundig ist, so ist er schuldig, daß er solche Leute zum Sakrament des wahren Leibs und Blutes Jesu Christi nicht zulasse, es sei denn, daß sie zuvor Buße tun, das ist aufhören zu sündigen und mit wahrhaftigem Bekenntnis und rechtschaffenen Früchten anzeigen und beweisen, daß sie der Sünden feind seien und sie verdammen; doch soll eine christliche und ernste Vermahnung vorhergehen.

404. Bann ist zweierlei

Der Bann wie auch die Kirche ist zweierlei. Einer ist weltlich oder äußerlich und sichtbar, welchen die Kirche wider die braucht, so in öffentlichen Sünden und Schanden liegen, nach Christi Befehl Matth. 18, 15 ff. Und diesen muß man vor allen Dingen in der Kirche behalten, denn es ist nicht ein einfach, gering Ding um den Bann, als der da stracks ausschließt und absondert vom Reich Christi, behält die Sünde ohne Hoffnung der Vergebung, es sei denn, daß man Buße tut. Darum will Christus, daß ein Sünder nicht allein von Privat- und einzelnen Personen, die in keinem öffentlichen Amte sind, einmal oder zweimal, sondern auch von denen, die im öffentlichen Predigtamt sind, zuvor vermahnt und verwarnt werde, ehe dies harte Urteil des Bannes gefällt, publiziert und eröffnet wird.
Jetzt sind ihrer viele, welche die Kirchendiener, Pfarrherrn und Prediger beschuldigen, als sei der Bann durch ihre Nachlässigkeit gefallen. Viele klagen über die Obrigkeit, als stellte sich die dagegen und wollte nicht gestatten, daß man des Bannes brauchen sollte. Aber der Spruch und Befehl Christi bezeugt klar, man soll den Sünder in Sonderheit und heimlich zuvor vermahnen und warnen, ehe die, so im öffentlichen Predigtamt sind, die Sentenz fällen. Gleichwohl soll solche Sentenz nicht eher öffentlich gefällt werden, es sei denn, daß der Kirchendiener zuvor eine ernste und christliche Vermahnung getan habe. Verachtet nun der Sünder die und fährt in Sünden fort, will nicht aufhören noch von den Sünden, ablassen, alsdann soll man ihn öffentlich in den Bann tun.

405. Heimlicher und unsichtbarer Bann

Gleich aber wie diese äußerliche und sichtbare Exkommunikation und Bann allein die angeht und wider die gebraucht werden soll, die in öffentlichen Sünden leben und derselben überwiesen und überführt werden: so ist noch ein anderer heimlicher und unsichtbarer Bann, der nicht der Menschen ist noch von Menschen geschieht, daß mans sehen könnte, sondern er ist Gottes selber und geschieht von ihm allein. Denn Gott richtet nicht allein nach den Werken, wie wir Menschen tun, sondern sieht das Herz an und richtet die Heuchler, welche die Kirche nicht richten noch strafen kann, nach dem allgemeinen Spruch: Die Kirche richtet nicht, was heimlich und verborgen ist.
Aber nicht alle sind mit öffentlichen Ärgernissen so grob beschmutzt, daß man sie irgendeiner Missetat und Untat öffentlich, wie recht, bezichtigen und beschuldigen könne. Denn obwohl viel Geizhälse, Hurer, Ehebrecher usw. sind, gehen sie doch so vorsichtig damit um, machen es so heimlich, daß mans nicht wohl auf sie bringen noch beweisen kann, wie sichs gebührt. Darum sind sie mit in der Kirche unter der christlichen Gemeinde, hören Predigt und Gottes Wort, brauchen auch mit den andern rechtschaffenen Christen der Sakramente und sind doch in der Tat von
[Martin Luther: Kirche und Gemeinde. Martin Luther: Gesammelte Werke, S. 6512
(vgl. Luther-W Bd. 9, S. 168 ff.) (c) Vandenhoeck und Ruprecht
http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm ]

ER & ich

Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns (denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jedermann, der am Holz hängt !“(Gal 3,13)

Ein Liebeslied

Von der Liebe Christi kann man auf unterschiedliche Art und Weise singen, ein Neues Lied habe ich die letzten Monate gelernt, welches ich versuche hier (schief und schräg) zu singen:

Keine Geschichte fesselt mich mehr als diese: Gott schließt einen Bund mit Abraham und sagt zu ihm: Du wirst mein Volk werden und ich werde dein Gott sein. Abraham glaubt es, sagt aber auch: Woran soll ich es merken(1.Mo 15,8) ? Nun, daraufhin lässt Gott sich darauf herunter mit Abraham einen Vertrag zu schließen. Abraham bereitet alle Formalitäten dafür vor, indem er das Kadaver von Tieren zweiteilt.  Gott spricht zu Abraham, dem klar ist, dass er nun einen wichtigen Bund mit Gott schließen wird, doch jeder Bund hat auch Bedingungen. Jeder der ihn bricht, trägt die Folgen des Bundesfluches. Das besiegelte man in Kanaan damaliger Zeit üblicherweise folgend: der Geringere Part eines Bundes ging durch die Kadaver und nahm so den Bundesfluch auf sich, in dem er bekannte dass ihm gleich wie dem Kadaver geschehen sollte, beim Versagen. Nun, dass Gott seinen Teil des Bundes hält, steht ja nicht zur Debatte, aber der Mensch, wie soll er seinen Teil erfüllen? Dass Gott Abrahams Gott sein sollte, dass kann Abraham gut glauben, aber wie sollen alle seine Nachkommen Gottes Volk bleiben? Unmöglich! Aber achtet darauf was geschieht: Durch die Kadaver geht nicht Abraham hindurch sondern Gott (1.Mo 15,17-18). Gott nimmt den Bundesfluch auf sich! Er sagt, wenn du versagst, und der Bund wird gebrochen, wird einer sterben müssen, und das werde Ich sein! Wisst ihr wann das geschah, am Kreuzestod Christi. Diese Geschichte fesselt mich ungemein. Das gibt unfassbar viel Halt im Glaubensleben, Trost, Motivation. So sehr liebt Gott sein Volk, dass er bereit ist, den Bundesfluch für den Bundesbruch (wie oft und unbedingt begangen, da ich ja ein Sohn Adams bin) auf seinen Eingeborenen Sohn zu laden! Wow, unglaublich. Diese Geschichte ist eine Geschichte teurer Gnade!

Nun, das unfassbare, ein Erbe Abrahams, bin auch ich geworden.  Irgendwie bin ich ein Teil der Kinder der Verheißung geworden (Röm 9,8; Heb 2,16). Diese Geschichte fesselt mich so sehr in den letzten Wochen, sie krempelt mein Leben um! Wie sollte ich da stumm bleiben? (P.S.: eine wunderbare Predigt zu 1.Mo 15 gibt es von Timothy Keller)

Deswegen nun das Loblied: Weiterlesen „ER & ich“

Laban, ein Götzendiener

Bildergebnis für laban und jakob

„Da sprach Laban zu Jakob: Was hast du getan, dass du mich überlistet und meine Töchter wie Kriegsgefangene weggeführt hast? Warum bist du heimlich geflohen und hast mich überlistet und mir nichts gesagt, dass ich dich mit Jubel und Liedern, mit Trommel und Leier hätte geleiten können? Du hast mich nicht einmal meine Enkel und Töchter küssen lassen. Töricht hast du gehandelt. Ich hätte wohl die Macht, euch Übles anzutun, aber der Gott eures Vaters hat vergangene Nacht zu mir gesprochen: Hüte dich, Jakob im Guten oder im Bösen anzusprechen. Nun, du bist gegangen, weil du dich so sehr nach dem Haus deines Vaters gesehnt hast. Aber warum hast du meine Götter gestohlen?“ ( 1 Mo 31,26-30)

Neulich packte mich diese Begebenheit: Zwanzig Jahre dient Jakob dem Laban, und das bei weitem nicht nur unter guten Bedingungen Jakobus klagt durchaus berechtigt: „Zwanzig Jahre bin ich jetzt bei dir. Deine Schafe und Ziegen haben nicht fehlgeworfen, und die Widder deiner Herde habe ich nicht gegessen. Was von Raubtieren gerissen war, durfte ich dir nicht bringen. Ich selbst musste es ersetzen, von mir hast du es gefordert, ob es mir am Tag geraubt wurde oder in der Nacht. Am Tag verzehrte mich die Hitze und in der Nacht der Frost, und der Schlaf floh meine Augen.“ (1 Mo 31,38-40). Laban sah, dass Gott Jakob segnete, und er durch diesen Segen reicher und reicher wurde. Aus diesem Grund war er auch mehr als entsetzt, als Jakob plötzlich nicht mehr da war. Er stürzte sich in eine Verfolgung, und hierbei erschien er bereit zu sein, sogar zu töten aus Rache. Er vergaß alle verwandtschaftliche Bindung, die im Falle Jakobs ja sogar mehrfach bestand. Nun Laban lernen wir in 1. Mo als geizig, gierig und undankbar kennen. Was mich aber am meisten fesselte, war sein Götzendienst. Laban konnte Gott auf vielfältige Weise kennen lernen, was er sogar selbst mehrfach bezeugt, aber er verharrt weiter in seinem Götzendienst. Beachtet die Abfolge:

a. Gott erscheint Laban und spricht mit ihm
b. Laban weiß, dass es Gott, der HERR ist
c. Laban weiß, dass dieser Gott stark ist
d. Laban interessiert sich weiterhin nur für seine Götzen

Im Detail:

a. Wenn wir in 1. Mose überhaupt die Leute aufzählen würden, denen Gott der Herr erschien, wäre die Liste nicht besonders lang. Zur Lebenszeit Labans haben wir Abraham, Isaak und Jakob. Vielleicht könnten wir noch Lot dazu zählen. Zu dieser kleinen Schar Gläubiger gesellt sich nun Laban. Beachtet wie umfangreich Laban Gott kennen lernen konnte. Er hatte:

  • Das Zeugnis Jakobs. Jakob hat ihm berichtet, wie Gott seine Familie gesegnet hat. Es heißt, „er erzählte Laban alle diese Begebenheiten.“ (1. Mo 29,13). Hierbei erkennt Laban auch an, dass er ein Verwandter von Jakob ist (1. Mo 29,14). Dabei dürfte ihn eine Erinnerung besonders bewegen.
  • Er war ein Verwandter Jakobs, denn Jakobs Mutter, Rebekka war seine Schwester. Schon viele Jahre zuvor, konnte Laban hautnah erleben, auf welch wunderbare Weise Gott eingriff, um für Abraham einen Erben zu bereiten. Damals kam auch unbedingt zur Sprache, dass Isaak ein Sohn der Verheißung war. Das hat Laban gewusst, dass Isaaks Geburt ein Wunder war. Laban bestätigte die Echtheit dieses Zeugnisses (1.Mo 24,50). Damals sprach er mit seinem Vater Betuel: „Das ist vom HERRN gefügt“. Von diesem HERRN wollte er viele Jahre später aber nichts mehr wissen. (Und im Zweifel wäre es durchaus möglich gewesen auch Abraham und Isaak zu besuchen).
  • Laban konnte sehen, dass Gott mit Jakob war. Nicht, dass Erfolg immer ein Zeichen vom Segen Gottes ist, aber unverkennbar war für Laban, dass Jakob ein Gläubiger ist, trotz all seiner Fehler. Aber offensichtlich drang das kaum durch. Denn die Erfolge Jakobs wollte Laban zu seinen Gunsten wenden. Ob ihn das endgültig blind machte?
  • Schließlich aber, beachtet den Wortlaut in 1. Mo 31,24: „Aber Gott kam des nachts im Traum zu Laban, dem Aramäer und sprach zu ihm. Stellt euch das vor. Gott sprach höchstpersönlich zu ihm. Wie schon oben aufgeführt, das geschah nicht oft in den Erzählungen der Genesis.

b. Die Erscheinung Gottes hätte Laban als Albtraum abtun können. Es lag ja sogar eine Ausrede bereit: Die lange Reise (nun musste er ja sogar die Landesgrenze überschreiten) war beschwerlich, er war müde von dem Dauerritt auf den Kamelen und konnte nur schlecht in einem Zelt schlafen, er war ja auch nicht mehr der Jüngste. Doch das macht er nicht. Er bekennt frei vor Jakob: „Aber der Gott eures Vaters hat vergangene Nacht zu mir gesprochen“.

c. Interessant ist, dass Laban sich dazu zwingt freundlich mit Jakob zu reden. Er ist also sogar diesem Gott gehorsam, der zu ihm sprach. Zähneknirschend zwar, aber doch zwingt er sich zur Selbstbeherrschung. Von Rache bleibt nicht viel übrig, und so klammert er sich an den einzigen Zipfel fest, der ihm bleibt: „Wo ist mein Götze!“

d. Jakob kann es sich zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen, dass jemand in seinem Haushalt noch an Götzen hängen könnte. Später wird er besseren belehrt und reinigt seinen Haushalt vor denselben (1. Mo, 35,4). Labans Götzendienst war also auch ansteckend, und so hing zumindest Rahel an denselben. Ob Rahel diesen nun aus Furcht versteckt, weil Jakob eine hohe Bestrafung androht oder tatsächlich deswegen, weil Sie selbst am selben hängt, lasse ich offen. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass Rahel in einer spontan arrangierten Flucht nicht vergisst, die Götzen ihres Vaters einzupacken. Laban interessiert sich für einen Götzen, den er nicht einmal finden kann. Warum interessiert er sich nicht für Gott, den HERRN, der ihm so viele Möglichkeiten gab, ihn zu finden!

Wir lernen: Obwohl Gott spricht, führt, mächtig ist, wirkt und obwohl wir dass alles spüren, wissen, anerkennen und sogar teilweise überprüfen könnten, bleiben wir so oft weiterhin einfach ungläubig. Unser Herz hängt weiterhin völlig unverändert an unseren Götzen. Was hätte noch geschehen müssen, um Labans Herz zu verändern? Wenn ich an Laban denke, denke ich auch an Matth. 22,14: Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“ Dies sagte Jesus, als er das Gleichnis vom Hochzeitsmahl erzählte. So viele lehnten eine Hochzeitseinladung des Königs ab. Wie im Falle Labans lagen ausreichend Evidenzen vor (man kannte König und Sohn, man hörte die Einladung etc…), doch man verwarf die göttliche Einladung mit Nichtigkeiten. Manch ein Geladener hing weiterhin an seinem Götzen. Gott mahnt uns ständig zur Buße. Etwas was wir Menschen, aber auf gar keinen Fall tun wollen. So enttarnen wir uns selbst als Verräter und Bundesbrecher.

Wie sehr müssen wir die Gnade Gottes schätzen, wenn diese bis in uns durchdringen konnte und erwecklich wurde und uns wiedergebar zu einem neuen Leben im Geist.

Vor allem aber bringt es mich zum Erschaudern über mich selbst, der ich ja auch ein Mensch bin wie Laban, auch ein Sohn Adams. Wie sehr liegt mir Götzendienst näher als ein rechter Gottesdienst vor Gott dem HERRN!

Den Glauben kompromittieren

Einige Gedanken über Kompromisse im Glauben

Kompromisse im Glauben

a) Oftmals waren es kleine Anpassungen die man sich erlauben müsste, um eine deutliche Erleichterungen zu verspüren. So oft war es ein derart kleiner Kompromiss von geradezu banalen Dingen, die kaum jemand außerhalb auffallen würden, geschweige denn verdammen würde. Zugleich erschien der Lohn zu diesem Kompromiss unvergleichlich viel größer oder der Verlust als Folge davon, in einer solchen Kleinigkeit nicht nachgeben zu wollen, riesig. Blieb man treu im Glauben, blieb man auch einsam in einer Wüste (Aber Gott ist immer gnädig geblieben, und ließ einen dabei nicht allein)

b) Um nicht als gar allzu närrisch zu gelten (Um Christi willen wird man ja ein Narr), erlaubte ich mir häufiger mal einen solchen Kompromiss einzugehen. Doch der Lohn wollte einem nie recht schmecken. Ein belastetes Gewissen und eine zerstörte Beziehung zu Christus waren die Folge. Preist den Herrn, wir haben einen Anker durch Christus der bis ins Allerheiligste reicht (Heb. 6,19). Man war also bereit einen Kompromiss einzugehen, aber Christus lies es einem nicht gelingen und führte einen durch Buße zurück zu sich.

c) Manchmal verwehrte es Christus auch total, überhaupt einen Kompromiss einzugehen, obwohl man mehr als bereit dazu war. Und obwohl (offensichtlich) jeder im Umkreis diesen beging, wollte es einem persönlich nicht gelingen. Die Tür war zu. Auch hier kann ich Gott nur für seine Bewahrung danken.

d) Manchmal wusste/weiß man gar nicht, dass man einen groben Kompromiss duldet. Hier vergleiche ich dass mit einer Brille die man anhat, ohne es zu merken. Diese kann rosa oder grau sein, vergrößern oder verkleinern, die Schärfe nehmen oder nahezu vollständig blind machen. In geistlichen Fragen braucht es eines übernatürlichen Eingriffs (durch das Werk Christi und das Wirken des Heiligen Geistes), dass wir überhaupt erkennen können, dass wir eine solche Brille anhaben.

e) Neben diesen Punkten muss ich auch eingestehen, dass ich bewusst Kompromisse dulde. Man rechtfertigt sich oftmals selbst (Achtung pharisäische Selbstrechtfertigung) mit

  • einer ungewöhnlichen Situation
  • der (angeblichen) Geringfügigkeit des Kompromisses
  • der Ausrede: „Alle anderen täten es auch“

Weiterlesen „Den Glauben kompromittieren“

Biblische Theologie im Hebräerbrief

Photo of Thomas R. SchreinerThomas R. Schreiner, Prof. für Neues Testament am SBTS,hielt 2015 am RTS drei Vorträge über die Theologie des Hebräerbriefes.

Im ersten Teil entwickelt der Autor die theologische Struktur des Briefes. Hierbei gibt er wichtige Hinweise zur Typologie. Die typologische Bedeutung kann nicht nur nachwirkend in den Text des AT hinein gelesen, sondern hatte bereits für die Gläubigen des Alten Testaments eine in die selbe Richtung weisende Bedeutung. So konnte ein Gläubiger des AT ein Lamm opfern und darin das Sühneopfer Christi erkennen. Bei dieser Typologie wird immer deutlich, wie überragend der neue Bund gegenüber dem alten ist: Während im AT ein Lamm unwillig und unwissend geopfert wurde, tat Christus willig und bewusst den Willen des Vaters.  Heb.9,15: Und darum ist er auch der Mittler des neuen Bundes, auf dass durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen.

Die Überlegenheit wird vor allem im Priesterdienst deutlich (zweiter Teil). Schreiner macht deutlich, wie Jesus Christus in die Priesterwürde reifte, in dem er im Gehorsam wuchs (Heb. 5,5-9). In allen seinen Leiden und Demütigungen entfernte sich Christus nicht vom Vater (was uns oft passiert in Anfechtungen) sondern wuchs im Gehorsam:  (Heb 5:7-9) Und er hat in den Tagen seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen geopfert zu dem, der ihm von dem Tode konnte aushelfen; und ist auch erhört, darum dass er Gott in Ehren hatte. Und wiewohl er Gottes Sohn war, hat er doch an dem, was er litt Gehorsam gelernt. Und da er vollendet war, ist er geworden allen, die ihm gehorsam sind, eine Ursache zur ewigen Seligkeit. Dieser Priesterdienst ist nach der Ordnung Melchisedeks (z.B. Heb 5,10; 6,20; 7,17) und in jeder Hinsicht besser als der levitische Priesterdienst (z.B. Heb 7,15-17;  7,20; 7,26; 9,11)

Wenn wir nun eine soviel bessere Herrlichkeit haben als am Sinai (Heb 12,18), wie viel mehr gilt dann die Mahnung an diesem Priester fest im Glauben festzuhalten. Das ist ja schließlich die Absicht des Autors: Haltet fest an Christus fest, der euch bewahren wird und fallt ja nicht ab! der Dritte Vortrag befasst sich den Warnungen und Ermahnungen des Hebräerbriefes, die sich an die Gläubigen richten. Schreiner führt dabei die beste Erklärung zu Heb 6,4-6 aus, die ich bisher gehört habe.

Ein Q+A schließt die Vortragsreihe ab. Prädikat: Sehr hörenswert!

Hier geht es zum iTunes-Podcast!

 

Louis Berkhof über die Bestrafung der Sünde

Louis Berkhof führt in seiner „Systematic Theology“ 4 Punkte der tatsächlichen Bestrafung der Sünde auf (S. 284 ff.): Geistlicher Tod, Leiden des Lebens, Physischer Tod, Ewiger Tod.

Das Thema Tod dominiert also, besonders hervorragend fand ich aber seine Ausführungen zu Leiden des Lebens, die ich im folgenden übersetzt habe:

„Die Leiden des Lebens, die eine Folge des Eintritts von Sünde in die Welt sind, sind auch Teil der Bestrafung der Sünde. Sünde bedeutet Störung des ganzen Lebens des Menschen. Sein physisches Leben fiel Schwächen und Krankheiten zum Opfer, die zu Beschwerlichkeiten führen und oft in quälenden Schmerzen enden; Und sein mentales Leben wurde Ziel von beunruhigenden Störungen, die ihm oft die Freude des Lebens rauben, für die täglichen Aufgaben disqualifizieren und manchmal sein ganzes geistiges Gleichgewicht zerstören. Seine ganze Seele wurde zum Schlachtfeld widersprüchlicher Gedanken, Lüste und Wünsche. Der Wille verweigert es den Urteilen des Intellekts zu folgen, und die Leidenschaften rebellieren ohne die Kontrolle durch einen intelligenten Willen. Die wahre Harmonie des Lebens ist zerstört und macht Raum für den Fluch eines geteilten Lebens. Der Mensch ist in einem Zustand der Auflösung, der sehr oft mit ergreifenden Leiden einhergeht. Über dies hinaus wurde auch die ganze Schöpfung Opfer der Eitelkeit/Sinnlosigkeit und an den Verfall gebunden. Insbesondere die Evolutionisten haben uns gelehrt auf die Natur zu sehen als „rot in Zähnen und Klauen“. Zerstörende Kräfte werden oft durch Erdbeben, Zyklone, Tornados, Vulkanausbrüche und Überflutungen freigesetzt, die unermesslich viel Elend über die Menschheit bringen. Nun gibt es viele, insbesondere in unseren Tagen, die in all diesem nicht die Hand Gottes sehen, und all diese Unglücke nicht als Teil der Bestrafung von Sünde bewerten. Und doch ist es genau das, was sie im allgemeinen Sinn sind. Dennoch wird es nicht angebracht sein, zu spezifizieren und und sie als besondere Bestrafung für einige schwere Sünden zu werten, begangen von denen die in den betroffenen Gebieten leben. Es wird auch nicht weise sein die Idee voranzutreiben, es existieren kausale Zusammenhänge wie im Fall der Städte in der Ebene (Sodom und Gomorrah), die durch ein Feuer vom Himmel zerstört wurden*. Wir sollten stets bedenken, dass eine gemeinschaftliche Verantwortung besteht, und dass es immer genug ausreichende Gründe gibt, weshalb Gott Städte, Bezirke oder Nationen mit schrecklichen Katastrophen besuchen sollte. Es ist eher ein Wunder dass Er diese nicht öfter mit Seinem Zorn und heftigem Unmut besucht. Es ist immer hilfreich zu bedenken, was Jesus eins zu den Juden sagte, die ihm von einem Unglück berichteten, welches bestimmten Galiliäern widerfuhr, und offensichtlich annahmen, dass diese Galiläer besonders sündig sein müssten. „Meint ihr, dass diese Galiläer mehr gesündigt haben als alle andern Galiläer, weil sie das erlitten haben? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen.  Oder meint ihr, dass die achtzehn, auf die der Turm von Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger gewesen seien als alle andern Menschen, die in Jerusalem wohnen? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen“ (Lukas 13,2-5).

Berkhof gelingt es uns daran zu erinnern, dass jedes Unglück dieser Weltzeit ihren Ursprung in der Sünde hat, ohne aber für jedes Unglück die bestimmte Sünde des oder der Betroffenen suchen zu müssen.


*Ich bin mir nicht sicher ob ich diesen Satz hier korrekt übersetzt habe, der im Original so lautet: „Neither will it be wise to ridicule the idea of such a causal connection as existed in the case of the Cities of the Plain (Sodom and Gomorrah), which were destroyed by fire from heaven.“ Ich bedanke mich bereits jetzt für einen besseren Vorschlag.

Der pöbelnde, rebellische, saufende und antisemitische Luther

Ok, ich gestehe ein, ich habe die Überschrift nur als Lesemagnet gewählt, ändert aber wenig an meinem Anliegen:

Von Luther ist in der Welt wenig bekannt: Im besten Fall erkennt man ihn als einen, der für freies Denken und mehr Gerechtigkeit kämpfte, aber im großen und ganzen ein Kind seiner Zeit blieb. Mit „seiner Zeit“ meint man übrigens sowieso alle Zeiten, vor unserer Generationen, und diese Zeiten sind prinzipiell immer als dunkel, trüb, unfair zu werten. Aus irgendeinem mystischen Grund haben wir uns weiterentwickelt. Nur wohin wir uns entwickeln, das vermag keiner zu sagen.

Aber einen glaubenden Luther kennt man wenig. Auch der Christ hat von Luther ein Bild, eines unzufriedenen Mönches, dem mal das Papsttum so sehr auf den Keks ging, dass er 95 Sätze an eine Kirchentür drannagelte, später den Ausschluss aus der katholischen Kirche ignorierte, und selbst vor dem Kaiser nicht einknickte. Ein sturer, übermütiger Deutscher, der sich vor keinem beugen ließ, weil er es gehörig satt hatte. Den Rest seines Lebens verbrachte er damit zu saufen, gegen Juden und Katholiken zu pöbeln und selbst mit Leuten aus seinem Lager wegen Nichtigkeiten im Clinch zu liegen. Weiterlesen „Der pöbelnde, rebellische, saufende und antisemitische Luther“