Warum ich Protestant bin

Ein Artikel von Carl R. Trueman:

Die Woche des 31. Oktobers, die Zeit an der man der Reformation gedenkt, ist für mich der jährliche Zeitpunkt, an dem ich gerne darüber nachdenke, warum ich Protestant bin.

Mit den Jahren fällt es mir immer leicht ein Protestant zu sein. Papst Franziskus ist hierfür schließlich ein Geschenk mit Dauerwirkung. Mit seinem offensichtlichen Wunsch, die römisch-katholische Kirche in eine standardisierte Form liberalen Protestantismus (jedoch mit etwas mehr Farbe) umzuwandeln, bleibt sein Programm für jeden uninteressant, der, mit den Worten Newmans1 in „Geschichte verankert ist (deep in history)“. Möglicherweise werden wir nie die Wahrheit über seine mutmaßliche Leugnung der Göttlichkeit Christi erfahren, doch schon die Tatsache, dass diese Geschichte plausibel war, bezeugt den Mangel an theologischem Verständnis, das sein Pontifikat von Anfang an geprägt hat.

Seit den glorreichen Tagen der Renaissance hatte die Katholische Kirche nicht mehr einen solchen Papst, der den rechtgläubigen Protestantismus so attraktiv machte.

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Folgt Yeezus jetzt Jesus? – Eine Presseschau

Kanye West at the 2009 Tribeca Film Festival.jpg

By David Shankbone – Own work, CC BY 3.0, Link

Seit dem letzten Freitag schreiben die Feuilletons der deutschen Zeitungen wieder über „Jesus Christus“. Zu verdanken haben wir es diesmal Kanye West, der bereits mehr als 60 Mio. Schallplatten verkauft hat und als Partner von Kim Kardashian regelmäßig für Furore sorgt. Sei es, dass er sich als Trump-Sympathisant outet, eine Zukunft als Präsident der USA plant oder AIDS als von Menschen gemachte Krankheit bezeichnet. West wusste wohl schon länger, dass er diese Provokation nur mit einer Sache toppen kann: Mit der Bekehrung zum Christentum. Das empört dann wirklich alle und bringt Rechte wie Linke in Rage. Sein neuestes Album mit dem Titel „Jesus is King“ ist, so Wikipedia, „inhaltlich und ästhetisch vom Christentum“ geprägt. Es berichteten unter anderem sowohl der Spiegel, der Stern, die Süddeutsche und die Welt darüber. Interessanterweise nimmt Keines der genannten Blätter Wests Bekehrung ab. Irgendwie hat man sich am Christentum eh schon abgearbeitet und scheint damit nichts anfangen zu können. Aus der christlichen Perspektive diskutierte First Things Wests Bekehrung gleich zweimal (hier und hier), aber auch Jesus.ch berichtete. Für mich sind aber diese Ereignisse anregend fürs Denken. Was in meinen Gehirnzellen stattfindet, ist wie ein Glitzerfeuerwerk, dass als Sand in Form eines Delphinschwarms zu Boden fällt. Einige der Überlegungen im Sturzflug:

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Ist „Sola Fide“ dasselbe wie „Sola Gratia“?

2017 wurde in jeder freien Kirche Deutschland ein Thema zumindest angeschnitten! Die 500-Jahr Feier der lutherischen Reformation un die 4 Solis wurden zumindest in unserer Gemeinde in dieser Zeit regelmäßig angesprochen. Was mir bereits damals aufgefallen ist, dass sowohl Sola Gratia, wie Sola Fide irgendwie als identisch miteinander betrachtet wurden. Deutlich wird dies vor allem dann, wenn man versucht, auf die theologische Abgrenzung hinter diesen 4 Sätzen (Sola Gratia, Sola Fide, Solus Christus, Sola Scriptura) hinzuweisen, die die Reformatoren gegenüber der katholischen Kirche schufen. Allein die Schrift und nicht Schrift und Tradition; Allein Christus und nicht Christus und die Kirche/die Heiligen; Allein der Glaube und nicht Glaube und Werke! So weit, so gut! Doch was ist dann die Abgrenzung von Gnade? Auch Gnade und Werke? Dann wäre ja eine Wiederholung nicht nötig. Luther und Konsorten hätten es kaum nötig, den selben Punkt doppelt zu widerlegen. Warum dann beide Punkte? Was ist der Unterschied zwischen Sola Fide und Sola Gratia? Noch wichtiger ist jedoch die Frage: Glauben wir wirklich an Sola Gratia?

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Oh Lord, please don’t let me be misunderstood ?

Dieser Artikel ist eine Fortsetzung zum Artikel: Für Wen ist das Evangelium? Diesmal möchte ich betrachten ob unsere Buße (oder was wir als solche verkaufen) wirklich eine geeignete Reaktion auf die Botschaft des Evangeliums ist.

1964 wurde der Song „Don’t Let Me Be Misunderstood“ geschrieben und stürmte wiederholt die Charts, so 1965 in der Variante der Animals und 1977 mit Santa Esmeralda. Die Szenerie ist schnell erzählt: Ein Freund/ Ehemann entschuldigt sich für irgend ein nicht wirklich definiertes Vergehen bei seiner Partnerin. Man kann in etwa denken, was vorgefallen ist. Betrachten wir die erste Strophe:

1. Baby, do you understand me now
Sometimes I feel a little mad
Well don’t you know that
no-one alive
Can always be an angel
When things go wrong I seem to be bad
Refrain:
I’m just a soul who’s intentions are good
Oh Lord, please don’t let me be misunderstood
Baby, verstehst du mich jetzt?
Manchmal fühle ich mich ein bisschen verrückt.
Du weißt doch,
dass man nicht immer ein Engel sein kann.
Und wenn es schief geht, scheine ich so schlecht zu sein
Refrain:
Ich jedoch bin eine Seele mit guten Absichten!
Oh Herr, lass mich bitte nicht missverstanden sein  

Um ehrlich zu sein, ich fühlte mich ertappt, als ich mit diesem Text konfrontiert wurde. Nicht wenige Male blieben und bleiben Buße, Reue und Tränen nur Teile einer aufwendigen Selbstrechtfertigung. Doch im Detail:

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Der falsche Verdacht

Im Gloucester Museum fand ich dieses Bild (the Emigrants,1910) von Victor Hageman

Diese kleine Anekdote erlebte ich in den letzten Tagen während meines Aufenthalts in einem Vorort vor Oxford. Ein ausführlicher Reisebericht über meinen Aufenthalt in Oxford folgt nach meiner Rückkehr nach Deutschland.

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Christus: Stütze der Versuchten – Eine Predigt von George Whitefield

(c) Public domain

Ich bin auf diese Predigt von Whitefield gestoßen. Als klarer Verteidiger reformatorischen Denkens tritt er hier in der Besprechung von Matth. 6,13 auf. Die, die vom „eigentlich ganz netten Menschen“ reden, sind dem Evangelium genau so fern, wie die heidnischen Philosophen. Denn der Mensch ist oft seinem Versucher sehr ähnlich. Voller Lüge, Stolz und Neid! Dass Satan Gott nichts gönnen kann ist eine Ursache der Versuchung durch den Satan. Ihm, diesen Uralten Listigen und Mächtigen Widersacher Gottes können wir alleine nicht widerstehen. Mit sehr deutlichen Tönen ruft Whitefield seine Zuhörer somit auf, Christus und sein Heil zu suchen. Spannend finde ich, dass Whitefield weder eine billige Gnade noch eine billige Buße verkauft. Buße und Bekehrung sind in dieser Predigt eine äußerst ernste Angelegenheit. Sicherlich ein Element der Verkündigung das heute verloren gegangen ist.

So macht man Christus zu einem halben Retter und gibt dem Menschen die halbe Ehre. Ich sage jedoch, Christus will deine ganze Gerechtigkeit, deine ganze Weisheit und deine ganze Heiligung sein, ansonsten wird er niemals zu deiner ganzen Erlösung.“

Meine Lieben verführt euch jedoch nicht selbst, denn Gott lässt sich nicht verspotten. Ihr ruiniert euch selbst für Zeit und Ewigkeit. Ihr betet „Führe uns nicht in Versuchung“, und fordert (gleichzeitig) Satan auf, zu kommen und euch zu versuchen.

„Oh! Wie sehr wünschen wir es uns, Jesus bereits früher gekannt zu haben, und sehnen uns nach seiner Liebe. Es ist eine aufsteigende Liebe, beeindruckend, vergebend, sterbend, erhöhend, vermittelnd und verherrlichend.“

Hier geht es zum download:

Die Predigt „Christus -Stütze der Versuchten“ von George Whitefield:

pdfdocxmobi und epub (Archiv)

Ich empfehle zudem die Kontroverse zwischen Whitefield und Wesley.

Übrigens: von Carl R. Trueman gibt es (auf englisch) einen wunderbaren Audio-Beitrag über George Whitefield, in dem er auch zahlreiche Literaturhinweise macht.

Eine Viertelstunde über Apg. 1,18-20

Im Rahmen der Betrachtung über die Wahl Matthias zum zwölften Apostel sollte ich über die Verse 18-20 im ersten Kapitel der Apostelgeschichte nachdenken. Ich muss sagen, es viel mir schwer. Der Selbstmord eines Verräters machte natürlich auch den Jüngern schwer zu schaffen. Wie nah waren Sie selbst dem Abfall gewesen. So hatten sie oftmals wenig Glauben, in Anfechtungen vor allem Menschenfurcht und Gleichgültigkeit und gleichzeitig aber auch genügend Stolz um nach dem rechten Platz im Reich Gottes zu fragen. Dennoch überrascht die Autorität Petri, der hier noch vor dem Pfingstereignis zum Kreuz Christi geht, und den „Riss“ Judas‘ möglichst schnell heilen möchte.

Hier geht es zum Audiofile: