Eine Viertelstunde über Apg. 1,18-20

Im Rahmen der Betrachtung über die Wahl Matthias zum zwölften Apostel sollte ich über die Verse 18-20 im ersten Kapitel der Apostelgeschichte nachdenken. Ich muss sagen, es viel mir schwer. Der Selbstmord eines Verräters machte natürlich auch den Jüngern schwer zu schaffen. Wie nah waren Sie selbst dem Abfall gewesen. So hatten sie oftmals wenig Glauben, in Anfechtungen vor allem Menschenfurcht und Gleichgültigkeit und gleichzeitig aber auch genügend Stolz um nach dem rechten Platz im Reich Gottes zu fragen. Dennoch überrascht die Autorität Petri, der hier noch vor dem Pfingstereignis zum Kreuz Christi geht, und den „Riss“ Judas‘ möglichst schnell heilen möchte.

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Input zum Heidelberger Katechismus

Überlegungen

In 129 Fragen und Antworten bietet der Heidelberger Katechismus (im Folgenden HK) eine sehr kompakte, gleichzeitig umfassende Darstellung des Christlichen Glaubens. Dabei folgt er der Dreiteilung: Elend (8 Fragen) – Erlösung(74 Fragen) – Dankbarkeit (42 Fragen)

Dabei wird die Gotteslehre,die Christologie un die Lehre der Sakramente im Teil der Erlösung behandelt. Der Schwerpunkt auf die Christologie ist ein besonders beeindruckendes Beispiel für reformierte Theologie. Der Abschnitt zur Dankbarkeit macht deutlich, dass zwischen Dogmatik und Ethik nicht getrennt wird, behandelt hier der Autor die zehn Gebote und das Gebet. Insgesamt reiht sich der HK durch diesen Aufbau in die Tradition der Reformation aber auch des Mittelalters ein, Theologische Fragen systematisch zu ordnen.

Dennoch machen einige Umstände den HK zu einem besonders wertvollen Katechismus:

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Der unsichtbare Dritte im Tempel

(c) Faithlife Logos

Selten wird die Zielgruppe bei einem Gleichnis Jesu so klar angegeben, wie bei der Erzählung über den Pharisäer und dem Zöllner im Tempel (Luk 18,9-9). „Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern“, Jesus erzählte nun, wie ein Pharisäer mutig betete und seine Gerechtigkeit vor Gott bekannte. Abseits stand ein Zöllner. Überwältigt von seinen Sünden wagte er nicht einmal seine Augen empor zu heben. Verzweifelt ruft er aus: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ und geht daraufhin gerechtfertigt in sein Haus. Kaum ein Gleichnis wird häufiger besprochen und doch habe ich den Verdacht, dass wir uns allzu gerne eine dritte Person im Tempel wünschen würden, eine Art Über-Pharisäer.

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Money for Nothing

(c) Faithlife Logos

Wenn ich mal wieder in der Gefahr stehe, die vielen ärgerlichen, provozierenden und kaum zu ertragenden Aussagen der Bibel zu vergessen oder gleichgültig über diese drüber weg zu lesen, erinnere ich mich gerne an den reichen Kornbauer, ein Gleichnis Jesu, welches uns in Luk 12, 16-20 überliefert ist. Vielleicht ignorieren wir dieses Gleichnis auch deswegen so gerne, weil es klassische Lektüre der Sonntagsschule war. So vertraut, dass wir die Aktualität übersehen?

Ein absolut natürliches Verhalten

Zunächst frage ich mich: Jesus, was gibt es hier zu kritisieren! Gott segnet diesen Bauer übermäßig. Die Vorsehung scheint es offensichtlich gut mit ihm zu meinen. Er erwartet 100 Tonnen Getreide, erntet aber 200. Soll er das gute Essen etwa vergammeln lassen? Als ein erfahrener, fleißiger Bürger tut er schließlich nur seine Pflicht und nutzt die Gelegenheit zur Expansion.

Ich fürchte, als moderner Europäer kann man die Aktualität dieses Gleichnisses leicht übersehen: In den letzten Jahren haben wir mit der Familie ein Eigenheim gebaut, und mir ist immer wieder bewusst geworden, dass bei entsprechend höherem Verdienst auch die Ausstattung des Hauses anders ausgefallen wäre. Es wäre ein sehr natürliches, geradezu automatisches Verhalten für mich. Aus Plastikfensterrahmen währen es dann welche aus Metall geworden und auf dem Dach lägen neben Solarthermie-Platten auch welche für die Stromerzeugung. Und auf Urlaub hätten wir dann auch nicht verzichten müssen. Und falls jemand denkt, dass ich dafür Kritik ernten würde, Pustekuchen! Überhaupt niemand hätte daran etwas auszusetzen. Eher würde man anerkennd den Kopf schütteln über eine erfolgreiche, im konservativen Sprachgebrauch „gesegnete“ Karriere. Niemand, außer offensichtlich Jesus Christus.

Nun stelle ich fest, dass ich in meinem Kampf mit der Gier bei weitem nicht alleine da stehe, sondern in jedem von uns ein ganz schön großer Kornbauer drin steckt. Mit gewisser Erschütterung denken wir an einen uns bekannten Christen, der jahrelang eine prägende Persönlichkeit für unsere Familie war. Durch wundersame Vorsehung zu unerwartetem Reichtum gelangt, stürzt er sich nun von einem Luxus in den Nächsten. (Glücklicher ist er aber dadurch nicht geworden). Doch bevor wir hier auf jemand mit dem Finger zeigen: Ehrlich gesagt kenne ich kaum jemanden, der nicht so handeln würde, wie der Kornbauer.

Achte auf den Kontext

Nun könnte man meinen, dass ich hier der Geschichte mehr Gewalt antue, als zulässig, schließlich waren die Stunden des Kornbauern ja gezählt. Aber genau hier setzt die Kritik Jesu an: Vielleicht habe ich eine Finanzierung, die so weitreichend ist, dass ich sie noch „im Himmel weiterzahlen muss“? Anders ausgedrückt: wie oft planen wir so, als stünde uns ein ewiges Leben hier auf Erden bevor. Somit reihen sich die Ausführungen Jesu an dieser Stelle an die zahlreichen Betonungen, dass unser Leben vollständig von Gott abhängig ist, und wir dem Leben nicht eine Elle (also ein Stückchen) Länge hinzufügen können (Matth. 6,27). Entsprechend verweist Jesus darum eine Perspektive einzunehmen, die weiter reicht als der Horizont „unter der Sonne“. Das Gleichnis hier in Lukas wird übrigens direkt nach einer Frage nach einer gerechten Verteilung des Erbes eingefügt. Wieder ist es eher unerwarteter Wohlstand, der den Fragenden trifft. Jesu Botschaft ist aber klar: Nicht auf jeder vermeintlichen Erfolgswelle gilt es zu reiten.

Eine Prise Spott und ein knallhartes Urteil

Für diesen Hinweis bin ich Leland Ryken dankbar, welches er in seinem Werk „Jesus the Hero“ bespricht, ein Primer zu den literarischen Stilmitteln in den vier Evangelien. Offensichtlich greift Christus zum Stilmittel der Ironie: Den statt zusätzliche Scheunen zu bauen, reißt er vorhandene wieder ab. Doch bevor er seinen Plan auch nur anstoßen oder in Auftrag geben kann, verspottet Gott höchstpersönlich unseren Erfolgreichen Alltagshelden: Du Narr!

Das Gleichnis vom Reichen Kornbauer in einem Gemälde Rembrands (Bildrechte – gemeinfrei-)

Rembrandt hat das wunderbar festgehalten. Es ist bereits spät abend! Der Geschäftsmann ist aber fleißig am kombinieren und rechnen. Gekleidet in feinste Gewänder (und mit einer europäischen Brille) entwickelt er seine Pläne. Nur noch wenige Sekunden bis zu seinem Urteil bleiben. Schon kann man erahnen, dass ihn gleich ein helleres Licht, als das Licht seiner Kerze umleuchten wird. Rembrandt ist einfach ein großartiger Künstler.

Obwohl ich große Freude am Begriff „Narr“ habe, übersehen wir gerne die Tragik des Urteils. Ich bin angetan von der Hoffnung für Alle, die, – sehr süffisant-, diesen Abschnitt mit dem Titel „der arme Reiche“ überschreibt! Auch das Urteil Gottes klingt hier saftig: „Wie dumm du doch bist!“ In dieser Nacht wurde aus der Reichen Ernte, Money, welches für Nothing reichte. In der Tat ein Mensch in dire straits (engl. für „in ernsten Schwierigkeiten sein“)

FAzit

Viel könnte man über das schäumige Ideal eines ruhigen Lebens im Überfluß schreiben. Wer hat nicht schon mal darüber philosophiert, wi toll es wäre finanziell so unabhängig zu sein, dass man nicht einmal mehr aus dem Bett zur Arbeit aufstehen müsste. Wenn wir offensichtlich alle am Reichen-Kornbauer-Syndrom leiden, müssen wir entsprechend auch regelmäßig dieses Urteil hören: „Wie dumm du doch bist!“ Ich höre das Urteil nicht gerne, es will mir nicht schmecken. Aber es ist nötig. Wie oft hörte meine Perspektive unter der Sonne auf? Gott bewahre uns davor, dass wir nicht nur arm, sondern gar bankrott vor Gottes Bank stehen, als arme arme Reiche.

Übrigens ich glaube nicht, dass die Alternative ein Leben in Armut wäre: Der Reiche Kornbauer sollte seine Felder nicht verbrennen! Doch in seiner Gier nach Luxus übersah er die Möglichkeiten zum Dienst am Nächsten!

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Die Leiden des jungen Jeremia

jer 2,13

Für die meisten Ausführungen griff ich auf das Buch „The King in His Beauty“ von T. Schreiner zurück. Besonders gelungen fand ich auch die Hörspielbearbeitung von „Abenteuer zwischen Himmel und Erde: Josia„, die viele Erfahrungen Jeremias plastisch festhält:

Jeremia war ein Prophet des Gerichts. Er verkündigte mehrfach, dass ein Feind aus dem Norden Juda und Jerusalem zerstören wird (4,6; 6,1; 10,22; 13,30; 25;9). Jeremia sah das Eindringen Nebukadnezars voraus (5,14-17; 6,1-9; 21-7). Den Grund für das Gericht schilderte Jeremia natürlich auch: Es war der Bundesbruch Israels: Israel hat den Herrn und seinen Bund verlassen (1,16; 2,17; 5,7): Denn mein Volk tut eine zwiefache Sünde: Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und das Wasser nicht halten.( Jer 2,13). Die Abweichung Judas wird mit Hurerei verglichen (2,20; 3,1-3; 13,27). Anstatt am Herrn zu hängen, lebte man hemmungslosen Götzendienst aus (13,1-13).

Jeremia, ergriffen von der Ehre Gottes, wagt es nicht, irgendwo eine Botschaft „light“ zu verkündigen und redet durchweg Klartext. Auf den Bruch folgt das Gericht. Diese Botschaft stieß natürlich auf ordentlich Widerstand! Ein kurzer Überblick:

Jeremia im Konflikt mit dem Adel

Die Könige Judas  erwartete ein Gericht Gottes, denn sie beuteten und unterdrückten die Armen im Volk (Was nur möglich war, weil man auf die Umsetzung der Gebote, wie des Jubeljahres oder ein fixes Erbrecht verzichtete). (21,12;22,2-3). Arme die zusehr aufmuckten wurden sogar getötet (22,13-18). König Jojakim als Hauptverantwortlicher für die Missstände, hat eine schnelle Lösung für die Kritik Jeremias: Die Blätter landen Stück für Stück im Kamin (Kap. 36). König Zedekia wiederum entließ zunächst hebräische Sklaven um sie kurz danach wieder gefangen zu nehmen (34,8-16). Für Jeremia hat er nur Schläge und Arrest übrig (37,12-16; 37,17-21). Schließlich landet Jeremia in einem Wasserloch (38,1-6). Nur eine wundersame Vorsehung verhindert seinen qualvollen Tod.

Jeremia im Konflikt mit den Propheten.

Die Propheten  weissagten nach den Methoden Baals (2,8; 23,13) und lebten ein gottloses Leben (23,11). Hurerei und Lügen waren an der Tagesordnung (23,14). Sie beschwichtigten und unterstützen die Könige in ihren täglichen Abweichungen (6,13, 8,10), waren sie ja gierig nach finanzieller Unterstützung. Jeremia war hier mehr als ein Dorn im Auge. Pashur und Hananija waren zwei der Propheten, die aktiv Widerstand gegen die Botschaft Jeremias leisteten: Hanania greift hierbei auch auf eine spektakuläre Show zurück (Kap. 28).

Jeremia im Konflikt mit dem Priestertum.

Jeremia, selbst Priester wird vom Priester Pashur inhaftiert (20,1-6) Jeremia, selber  aus einem Priestergeschlecht erlebt hier Widerstand aus dem engsten Familien- und Freundeskreis. Den Priestern wird ebenfalls häufig das Gericht verkündigt (1,18; 2,26; 4,9; 8,1; 13,13; 23,33-34; 32,32;34,19), denn statt für die Ihnen anvertrauten Schafe zu sorgen (23,1-4) raubten sie diese aus und missbrauchten sie.

Ein notorischer Dauernörgler?

es stellt sich die Frage, ob Jeremia einfach nur ein Schwerenöter und missmutiger, gar rachsüchtiger Pessimist war?. Hier stellen wir aber fest, dass Jeremia immer wieder such durch größte Zweifel dazu durchkämpft die Worte Gottes zu verkündigen (Jer. 1,9 vor allem 20,8-9). Er selbst leidet mit dem Volk Gottes das Gericht mit, dass er nicht verursacht hat (4,19; 8,18; 9,1; 13,17).  Er ist wie ein harmloses Lamm und dennoch versammelt sich die Menge gegen ihn (11,19). Obwohl er weiß, dass das Volk keine Buße tun wird, ruft er sie permanent und beharrlich dazu auf. Spätestens in den Klageliedern wird seine Liebe für sein Volk deutlich

Lessons learned!

Diese Lektionen nehme ich mit:

  • Schockiert bin ich von vielen Parallelen zu unserer Zeit. Der Mensch ist heute der selbe wie vor 2600 Jahren. Immer wenn mir Menschen mit „alles ist doch so toll“ daherkommen, greife ich gerne zu Jeremia.
  • Bestimmte Botschaften lassen sich nicht „unanstößig“ und ohne Widerstand an den Mann bringen.
  • Gerade für diese Botschaften gibt es oft eine Verpflichtung die höher ist als gegenüber der Rücksicht auf den Nächsten: Die Ehrfurcht vor Gott
  • Treue gegenüber dem Wort Gottes führt oft auch Widerstand aus dem Familien- und Freundeskreis.
  • Eine Verkündigung des Gerichts und der Buße führt oft zu einem Mitleben mitten im Gericht und tiefem Leiden.
  • Während die Worte all der Zeitgenossen Jeremias, die sich wunderbar anpassten spätesten bei der Zerstörung des Tempels durch Nebukadnezar wie blanker Hohn klangen, stellte das ganze Volk fest, das Jeremia recht hatte: Seine Botschaft bleibt auch bis heute

Gnade ist keine zweite Chance für den alten Adam

Romans 916 [widescreen]
(c) Faithlife Logos

Segen im Fluch

Mitten im Fall, während Adam sich hinter Selbstrechtfertigungen ja sogar Anschuldigungen gegen Gott („die Frau, die DU mir gegeben hast“) versteckt, verkündigt Gott sein Evangelium:

Gen. 3,15: „Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“

Gnade ruht also im „Wollen Gottes“. Die Botschaft oben richtet sich ja noch nicht einmal an den Menschen. Ganz passiv steht er neben dran. Und eigentlich auch völlig überraschend, dass Gott, nachdem der Mensch mit Satan paktiert sich doch auf die Seite des Menschen setzt und einen Sieg über den Versucher verkündigt.

Es gibt keine zweite Chance für Adam. Es gibt nicht eine zweite Prüfung, die er zu bestehen bekommt, eine Erneuerung, in der er sich zu bewähren hätte, um das verlorene Paradies wieder herzustellen. So wenig wie ein Toter sich selbst auferwecken kann, so wenig kann Adam sich auch selbst retten.

Adam kann nur glauben an die Verheißung, was er offensichtlich auch tut, denn er ändert seine Perspektive gegenüber Eva (Gen 3,20), und auch Gottes Urteil über ihn ändert sich (Gen3,21-22). Was Eva bei der Geburt Kains ausruft, zeugt auch von ihrer Hoffnung auf einen Erlöser (Gen 4,1).

Nur Gnade!

Das diese Gnade keine billige Gnade ist bekommen die aufkommenden Generationen zu spüren. Alle versündigen sich und verdienen ausschließlich den Zorn Gottes (Gen 6,5-6): „Ich will den Menschen vertilgen, den ich geschaffen habe“, ruft Gott aus. Doch was bliebe dann aus der Verheißung. Um seinem Wort und Ratschluß treu zu bleiben, wird Noah gerettet. Doch bei weitem nicht aus eigenem Verdienst: „Aber Noah fand Gnade vor dem Herrn“ (Gen 6,8).

Was für Noah galt, galt um so mehr für seine Familie, die ebenfalls gerettet wird. Doch bald schon stellt sich auch in den neuen Generationen Gottlosigkeit und Stolz ein, der im Gericht zu Babel endet. Wo findet sich Errettung? Kaum ein Buch redet mehr über die Souveränität Gottes im Umgang mit Gnade als das erste Buch Mose. Auch die Begegnung mit Abraham ist eine rein gnädigliche. Josua zeugt davon:

Josua 24,3: „Da nahm ich euren Vater Abraham von jenseits des Stroms und ließ ihn umherziehen im ganzen Land Kanaan und mehrte sein Geschlecht und gab ihm Isaak.“

Diese Bilder und das gnädigliche Erweisen Gottes ließen sich immer weiter verfolgen. Ein Nachkomme (Isaak) ist nur aus Gnaden durch ein Wunder möglich. Nicht durch Fleisches Kraft kann Christus geboren werden, der ja schließlich auch der Sohn einer Jungfrau ist. Der Vorzug wird Jakob gegeben., bevor die Kinder geboren sind und sich bewähren konnten um Gnade. Wie deutlich drückt es der Römerbrief aus:

Römer 9,11–13: Ehe die Kinder geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten, da wurde, auf dass Gottes Vorsatz der Erwählung bestehen bliebe – 12 nicht aus Werken, sondern durch den, der beruft –, zu ihr gesagt: »Der Ältere wird dem Jüngeren dienen« (1. Mose 25,23), 13 wie geschrieben steht (Maleachi 1,2–3): »Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.«

Israel wird durch eine wunderbare Vorsehung vor dem Hunger gerettet, ein Erlöser (Mose) wird in einem Korb inmitten von Nilkrokodilen bewahrt. Die Sklaverei Israels in Ägypten wird nicht einfach nur gelindert, der Auszug findet nicht einfach bloß statt, sondern die Verheißung bricht sich Bahn und Israel nimmt Kanaan ein. Das auch hier noch ein langes Warten auf die endgültige Erfüllung der Verheißung ansteht muss nicht gesagt werden.

Der alte Adam kann sich nicht retten, er kann die Mission nicht mehr erfüllen. Ein neuer Adam, Christus muss her. Dieser bewährte sich, erfüllte die Mission und rief aus: Es ist vollbracht! 

Die freie Gnade ist nicht nur eine Botschaft des AT, und wird in Römer 9,16 bekannt: So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.

Nicht weil der Mensch will, wird er gerettet, sondern weil Gott will, erbarmt er sich über die Menschheit! Gnade ist nicht eine zweite Chance für den alten Adam, sondern die Bewährung des neuen Adam, nämlich Christus.

Wirklich nur Gnade?  drei übliche Einwände

Das oben geschilderte ist eine an tausenden Stellen der Schrift, wie ich versuchte zu zeigen, bestätigte Lehre der Bibel. Doch es ist keine, die mir gefällt. Sollte ich wirklich nichts Gutes beitragen können zum Heil? Sollte meine Situation so völlig verloren sein? Prinzipiell kenne ich drei übliche Einwände zum oben geschilderten, die aber direkt in der Schrift beantwortet werden.

A: Es ist zwar Gnade die rettet, aber MEINE Treue, die mich bewahrt!

Dem wendet Paulus ein in Galater 3,3: Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr’s denn nun im Fleisch vollenden?

B: Solche freie Gnade für Sünder führt nur dazu, dass man gleichgültig gegenüber Sünde wird!

Paulus nimmt dieses Argument fast wörtlich auf in Römer 6,15–18 auf : Wie nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne!16 Wisst ihr nicht? Wem ihr euch zu Knechten macht, um ihm zu gehorchen, dessen Knechte seid ihr und dem gehorcht ihr – entweder als Knechte der Sünde zum Tode oder als Knechte des Gehorsams zur Gerechtigkeit. 17 Gott sei aber gedankt: Ihr seid Knechte der Sünde gewesen, aber nun von Herzen gehorsam geworden der Gestalt der Lehre, an die ihr übergeben wurdet. 18 Denn indem ihr nun frei geworden seid von der Sünde, seid ihr Knechte geworden der Gerechtigkeit.

Nicht mehr Knecht der Sünde zu sein, dass ist der Wunsch geplagter Sklaven der Sünde! Kein wieder auferweckter dem Tode Geweihter wird wieder die Pistole in die Hand nehmen um sich zu töten! Kein aus dem Meere in letzter Not geretteter wird von der Reling wieder ins Meer springen.

C: Was beschuldigt Gott uns dann noch? Röm. 9,19-23: Nun sagst du zu mir: Was beschuldigt er uns dann noch? Wer kann seinem Willen widerstehen? 20 Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht etwa ein Werk zu seinem Meister: Warum hast du mich so gemacht? 21 Hat nicht der Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht ehrenvollem Gebrauch zu machen? 22 Da Gott seinen Zorn erzeigen und seine Macht kundtun wollte, hat er mit großer Geduld ertragen die Gefäße des Zorns, die zum Verderben bestimmt waren, 23 auf dass er den Reichtum seiner Herrlichkeit kundtue an den Gefäßen der Barmherzigkeit, die er zuvor bereitet hatte zur Herrlichkeit.

Von den drei Einwänden sehe ich vor allem C als einen wirklich relevanten Einwand zur Gnade. Jedoch kann man auf Gnade einfach kein Anspruch erheben, so wenig ein zur Todesstrafe verurteilte auf die Begnadigung eines Gouverneurs Anspruch erheben kann. Dennoch wirkt Gnade an dieser Stelle hart und Kalt. Wie kann man das auflösen?

Das fehlende Gegenstück

Etwas scheint oben aber doch zu fehlen, aber es ist nicht die menschliche Entscheidung, sondern die göttliche Einladung zum Heil! Vor allem in Christus wird das Angebot des Heils an vielen Stellen sichtbar:

Oben versuchte ich zu schildern, dass die Gnade Gottes sich ganz in seinem souveränen Ratschluss verbirgt. Das Urteil ist uns sicher. Die Rettung liegt nun in seinem Erbarmen. Doch wie soll uns das Hoffnung geben? Die Ergänzung zur freien und souveränen Gnade ist aber nicht der rege Gebrauch der Gnadenmittel, sondern die Offenbarung dieser Gnade in einer tiefen Liebe zum Sünder: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab! (Joh 3,16). Wenn nun einer zaudern sollte, ob er denn Gnade bei Gott finden kann, dann dürfen wir wissen, dass sein Haus offene Türen hat. Ja, Christus bezeugt selbst an vielen Stellen in seinem Handeln. Es gab nicht einen, denn er von sich wies. IMMER blieb er ein mächtiger Erretter. Christus selbst verknüpft den ethischen und den „dekrativen“ Willen Gottes, als er spricht:

Johannes 6,37: Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.

Jeder Sünder, der zu Christus kam, wurde angenommen. So komme auch du!

Die alten Lieder konnten diese Wahrheiten wunderbar und geradezu kindlich auf den Punkt bringen:

Mein ganzes Hoffen ruht allein
auf Christi Blut und Kreuzespein;
ob jede andre Stütze bricht,
der ewge Fels betrügt mich nicht.

Christus der Fels allein hält stand!

Abschließende Bemerkung

Nur weil uns etwas an der Gnade unergründlich, vielleicht auch unvereinbar mit anderen Punkten erscheint, einfach darüber zu schweigen, statt diese zu loben und zu verkündigen, scheint mir eine unpassende Reaktion zu sein. Wer hat je behauptet, dass wir alle Ratschlüsse Gottes bis ins letzte ergründen werden? Sollten wir deswegen keine Erkenntnis vom Heilsplan haben?

30 Stunden Hörmaterial zum AT

Die Auffindung des Moseknaben (Lombardische Meister, 17 Jhdt.)

Ein herzlicher Dank geht an Hanniel Strebel an seine Fertigstellung der „Vogelflüge“ zum Alten Testament. Die Leser von Biblipedia wiederum möchte ich auf dieses hochwertige Bibelkundematerial hinweisen, nachdem ich dies bereits mehrfach auf NIMM-LIES getan habe. Hören, Denken, Handeln!

Ich habe hier die Links zum AT gesammelt und aufgelistet:

Anfänge, Bund & Torah:

Landnahme und Verlust:

Weisheit, Kunst & Poesie:

Asyl & Rückkehr:

Große Propheten:

Zwölfprophetenbuch:

Außerdem  zu empfehlen:

Ich schaffe es nicht, Er muss es richten. Predigt zum Alten Testament.

Kurze Inhaltsangabe zu jedem Bibelbuch