Probleme mit Title IX für das Fuller Seminary

Ein Artikel von Carl R. Trueman:

Das Fuller Theological Seminary steht vor einer Anklage nach dem Title IX. Initiiert durch eine ehemalige Studentin, die das Fuller für den Eintritt in eine gleichgeschlechtliche Ehe vom Studium ausgeschlossen hat. Title IX verbietet die geschlechtliche Diskriminierung jeder Einrichtung für höhere Bildung, die staatliche Zuschüsse empfängt. Wie ich bereits früher auf First Things ausgeführt habe, führt dieses Gesetz Ausnahmen für religiöse Einrichtungen, doch diese werden zunehmend spärlich. Obwohl die Trump-Regierung den unseligen „Dear Colleague“ Brief der Regierung Obamas rückgängig gemacht hat, mit dem diese die Erweiterung von Title IX auf Transgender anstrebte, macht die Anpassungsfähigkeit der Gesetzgebung in unserem aktuellen Klima sie zum linken Äquivalent des Universalgürtels von Batman.

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Warum ich Protestant bin

Ein Artikel von Carl R. Trueman:

Die Woche des 31. Oktobers, die Zeit an der man der Reformation gedenkt, ist für mich der jährliche Zeitpunkt, an dem ich gerne darüber nachdenke, warum ich Protestant bin.

Mit den Jahren fällt es mir immer leicht ein Protestant zu sein. Papst Franziskus ist hierfür schließlich ein Geschenk mit Dauerwirkung. Mit seinem offensichtlichen Wunsch, die römisch-katholische Kirche in eine standardisierte Form liberalen Protestantismus (jedoch mit etwas mehr Farbe) umzuwandeln, bleibt sein Programm für jeden uninteressant, der, mit den Worten Newmans1 in „Geschichte verankert ist (deep in history)“. Möglicherweise werden wir nie die Wahrheit über seine mutmaßliche Leugnung der Göttlichkeit Christi erfahren, doch schon die Tatsache, dass diese Geschichte plausibel war, bezeugt den Mangel an theologischem Verständnis, das sein Pontifikat von Anfang an geprägt hat.

Seit den glorreichen Tagen der Renaissance hatte die Katholische Kirche nicht mehr einen solchen Papst, der den rechtgläubigen Protestantismus so attraktiv machte.

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Folgt Yeezus jetzt Jesus? – Eine Presseschau

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By David Shankbone – Own work, CC BY 3.0, Link

Seit dem letzten Freitag schreiben die Feuilletons der deutschen Zeitungen wieder über „Jesus Christus“. Zu verdanken haben wir es diesmal Kanye West, der bereits mehr als 60 Mio. Schallplatten verkauft hat und als Partner von Kim Kardashian regelmäßig für Furore sorgt. Sei es, dass er sich als Trump-Sympathisant outet, eine Zukunft als Präsident der USA plant oder AIDS als von Menschen gemachte Krankheit bezeichnet. West wusste wohl schon länger, dass er diese Provokation nur mit einer Sache toppen kann: Mit der Bekehrung zum Christentum. Das empört dann wirklich alle und bringt Rechte wie Linke in Rage. Sein neuestes Album mit dem Titel „Jesus is King“ ist, so Wikipedia, „inhaltlich und ästhetisch vom Christentum“ geprägt. Es berichteten unter anderem sowohl der Spiegel, der Stern, die Süddeutsche und die Welt darüber. Interessanterweise nimmt Keines der genannten Blätter Wests Bekehrung ab. Irgendwie hat man sich am Christentum eh schon abgearbeitet und scheint damit nichts anfangen zu können. Aus der christlichen Perspektive diskutierte First Things Wests Bekehrung gleich zweimal (hier und hier), aber auch Jesus.ch berichtete. Für mich sind aber diese Ereignisse anregend fürs Denken. Was in meinen Gehirnzellen stattfindet, ist wie ein Glitzerfeuerwerk, dass als Sand in Form eines Delphinschwarms zu Boden fällt. Einige der Überlegungen im Sturzflug:

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Flower Power?

Ein Artikel von Carl R. Trueman:

Vor kurzem machte ein Tweet des Union Theological Seminary in New York City deutlich, dass die Einrichtung, die früher Koryphäen von der Größe eines Reinhold Niebuhr und Paul Tillich hervorbrachte, nun zu einer innovativen Bußpraxis ermutigt: Das Sündenbekenntnis gegenüber Pflanzen. Um den Tweet zu zitieren: „Heute in der Kapelle beichteten wir zu Pflanzen. Zusammen hielten wir unseren Schmerz, Freude, Reue, Hoffnung Schuld und Leid im Gebet fest; und opferten dies an Wesen, die uns erhalten, deren Gaben wir jedoch viel zu selten ehren. Was bekennst du den Pflanzen in deinem Leben?“ (Hier geht’s zum Original Tweet)Leider berichtet das Seminar nichts darüber, wie die Pflanzen auf diese verspätete Beichte reagierten.

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Die wahrhaftige Buße eines lästigen Hofnarrs

Ein Artikel von Carl R. Trueman:

Fools Rush In Where Monkeys Fear to Tread: Taking Aim at Everyone (English Edition) von [Trueman, Carl R.]

Der typisch britische schwarze Humor im Sinne von „jesting, which is inconvenient“ bis zur Beschreibung protestantischer Literatur, die „beyond satire“ sei, lässt sich kaum übertragen. Geradezu grenzwertig ist das Empfinden der Single-Ladies mit „very deep“. Auch das Zitat von Wordsworth konnte ich nicht gut übersetzen. Wer also kann, sollte lieber dass Original lesen. Wer nicht kann, muss sich mit meiner Übersetzung begnügen. Übrigens: Dieser Essay ist auch Teil der wunderbaren Essay-Sammlung Truemans: Fools Rush In, Where Monkeys Fear to Tread.

Vor einigen Monaten kritisierte ein presbyterianisches Magazin eine meiner Antworten auf Kommentare über mich von einem bestimmten gut bekannten Autor bekannter Christlicher Schriften. Meine Antwort, so führte der Autor in frommer und üblicher Weise aus, war misslungen, denn sie enthielt „unangebrachte Scherze“ und behandelten eine „altehrwürdige Person“ unangemessen. Der Autor war überzeugt davon, dass Prosa, die gelegentlich Sinn für Humor zeigt, viel verwerflicher sei, als die Verleumdung der „altehrwürdigen Person“, auf die ich reagierte. Ja,Verleumdung wie in „absichtliche und böswillige Fehldarstellung des Handelns einer Person, um ihren öffentlichen Ruf zu schädigen“ – offensichtlich eine ziemlich triviale Anschuldigung, soweit es die Meinung meines presbyterianischen Keuschheitshüters betrifft. Schließlich war der Vorwurf der Verleumdung, wenn auch falsch, nur ein Verstoß gegen das neunte Gebot und somit nicht so ernst wie ein bisschen „unangebrachtes Scherzen“. Und wenn er auch berechtigt wäre, würde sich wohl niemand die Mühe eines kirchlichen Verhörs machen, sowie die Anklagen, Verteidigungen und ein faires kirchliches Verhör für den Angeklagten (um sich reinzuwaschen) und den ganzen sonstigen liberalen Quatsch durchführen. Welch Zeitverschwendung und Mühe das doch wäre. Was den harten Umgang der „altehrwürdigen Person“ angeht, muss ich mich wohl in der Tat entschuldigen: Ich kann lediglich darauf plädieren, dass mir zum Zeitpunkt des Schreibens nicht bewusst war, dass die Einhaltung des Neunten Gebotes oder des Anstands und die Reihenfolge eines ordentlichen Verfahrens unnötig sind, sobald man eine Busfahrkarte und ein Rentenbuch besitzt.

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Wo sind nur unsere Liedermacher hin?

Ein Sänger der aus meiner Spotify Favoritenliste zunehmend verschwindet ist Reinhard Mey. Ich fürchte „die Welt“ bezeichnete bereits 2005 Mey zurecht als einen Klassensprecher der müden Rebellen. Ohne von einem Künstler zu viel zu verlangen, merke ich doch, dass den Künstlern unserer Zeit der Stoff ausgeht. Ein Bejahen der Gegenwartskultur als Beste aller möglichen Zeiten mag nun schön in den Ohren klingen, von Kreativität ist das aber zumeist weit weg. Bedenke wie tragisch: Eine Zeit, die nicht mehr Buße tun will (und kann?). Vielleicht noch müder ist die österreichische Band EAV (Erste allgemeine Verunsicherung) geworden: Bashing gegen Rechte ist doch langweilig, wenn es nur noch ein paar kleine Prozentchen trifft, die gesellschaftlich nicht im mindesten relevant sind. Nun gehören also auch die rebellischsten Sänger zum Establishment. Wende man nun ein, die Rebellen seien nun mal gereift, wird nur die Tatsache um so tragischer, dass keinerlei Junges Blut nachfolgt.Dass Kritiker und Hofnarren oft nur Teil des Establishments sind, stellte ich einmal schockiert an Witzen von Didi Hallervorden fest. Irgendwo in Youtube lassen sich Witze von ihm aus den 70ern finden, in denen er nur so über Homosexuelle abzieht. Der Hallervorden der Neuzeit macht nun Witze über die engstirnigen (will nicht sagen Christen), die so intolerant sind, Homosexuelle nicht akzeptieren zu können. Perfektes Beispiel säkularer Buße? (Nebenbei gesagt, schon mal festgestellt, wie viele Komödien der Neunziger und der „Nuller“ so unfassbar sexistisch sind? Damals lachte man noch über sie….)

Langeweile dominiert offensichtlich die Kunstwelt? Zum Glück habe ich nicht über die noch größere Leere der Pop- oder der Schlagermusik nachgedacht. Ironischerweise erlebe ich ähnliches in den Kirchen: Wo erlebt man denn noch „Musik, von Hand gemacht“. (Halb?)-Professionelle Animatoren übernehmen begehrlich (für mich) den Lobpreis und singen die besten Lieder . „Press to Play“! Zudem verschwinden alte Liederbücher schneller, als neue mit Inhalt gefüllt werden.Klar hatten die alten Lieder langweilige Melodien, aber sie hatten wundervolle Texte! Geblieben sind oftmals (aber nicht immer! Es wäre allzu närrisch eine Kultur einer anderen so blind vorzuziehen) nichtssagende Texte, die eine unpersönliche Liebe preisen. Ob das reicht? Das motiviert mich, den größten aller „Liedermacher“ vorzustellen: Владимир Высоцкий, Vladimir Wysotsky.

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Die gute Meinung über den bösen Trump

File:Donald Trump official portrait.jpg
Donald Trump – Ein Ärgernis der deutschen Presselandschaft (Bild lizenzfrei)

Heute mal ein höchst politischer Beitrag. Die Vorsehung spielte mir in die Hände: Da der Independence Day in den USA und der Nationalfeiertag in Frankreich nur wenige Tage entfernt von einander lagen, konnte man sich über zwei sehr unterschiedliche Darstellungen freuen. Ich habe die Überschriften bekannter Zeitungen und Zeitschriften (Online-Artikel) zu beiden Themen gegenübergestellt. Macht euch selbst eine Meinung, wer besser abschneidet. Beachtet, wie persönliche Anmerkungen zu Trump völlig an der Tagesordnung sind. Sie gelten als ein akzeptabler Bestandteil einer guten Kritik. Ich habe auf Verlinkungen zu den Artikeln verzichtet, weil ich nicht weiß, ob das mit Art 13 und Leistungsschutzrecht vereinbar wäre, habe mir aber privat einige Screenshots von google-news Ergebnissen erstellt als Nachweise erstellt. Der einfachste Weg eine persönliche Beurteilung zu bekommen ist die google-Suche mit Schlagworten wie, „Titel der Zeitung/Zeitschrift +Trump + 4 Juli“ oder „titel der Zeitung/Zeitschrift + Macron + Nationalfeiertag“. (Edit: Ich sehe gerade, dass die Tabelle in jedem Browser unterschiedlich angezeigt wird und versuche das Problem zu lösen)

Die WeltAngela Merkel beim Nationalfeiertag in Paris:
Macron marschiert vorneweg /
Panzer für Präsident
Trump
Die Welt(2) Kanzlerin Merkel bestaunt Macrons Militärmaschine Trumps große Nationaltagsfeier preist Geschichte und Armee der USA
Tages
-spiegel
Nationalfeiertag in Paris:
Macrons Vorstoß ins All
Ego Show zum
Unabhängigkeitstag /
Trump kopiert den
Absolutismus
Deutsch
landfunk
Trotz Unruhen ein souveräner
Macron
Trump setzt Politik
der Spaltung fort
ZDFHeuteMacron empfängt europäische
Freunde /
„Die charmanteste Nation der Welt“
Trump mit Militärparade
zum 4 Juli
tagesschauMacron setzt auf die europäische Verteidigung Trump kapert den Nationalfeiertag / Eine Inszinierung des Patriotismus
tagesschau(2) „So ein Wochenende gab es
noch nie“
Trump nutzt Unabhängigkeitstag für
militärische Machtdemonstration
Stern Gesten der Versöhnung zwischen Merkel und Macron – Proteste am Rande der Feierlichkeiten Donald Trumps Festspiele
FAZBundeswehr Seite an Seite mit den
Franzosen / Frankreich feiert
mit Europa
Patriotismus und Pomp /
Handzahm zwischen
Panzern
t-onlineFrankreich zeigt Deutschland wie man führt
Berliner MOPO Merkel und Macron: Gesten der
Versöhnung am Nationalfeiertag
Trumps Pläne für den
Nationalfeiertag sorgen für Ärger
der Standard.atFrankreichs linke PatriotenTrump bricht das
nächste Tabu
FocusGesten der Versöhnung am Nationalfeiertag– nichts zu berichten-
SpiegelMerkel dankt Macron für die „große Geste“Bomber und Bombast:
Trump kapert den 4.Juli
Deutsche WelleFrankreich zelebriert seinen
Nationalfeiertag
Umstrittene Trumpfeier
am Nationalfeiertag
Pro
Sieben
Merkel und Makron:
Gesten der Versöhnung
Trumps fragwürdige
militärische
Machtdemonstration
SüddeutscheGroße Gesten – Politik Trump versucht sich am
Schulterschluss mit dem
Militär
watson– nichts zu berichten-Seine Militärshow ist
politisch clever – und perfide
rp onlineEine Militärparade mit wichtigen
Botschaften in F.
Donald Trumps große Ego-Show
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