Treffen sich Knox, Foxe und Cox in Frankfurt…

Beim Hören der wunderbaren und insgesamt 33 h. dauernden Vorlesung von Carl R. Trueman zur Reformationsgeschichte (in iTunes oder youtube) bin ich auf diese spannende Anekdote englischer oder eher schottischer Kirchgeschichte gestoßen, die sich tatsächlich in Frankfurt abgespielt hat und die sogar in einem eigenen Wikipedia-Artikel besprochen wird. Doch zunächst ein paar Infos zum Hintergrund und den Hauptfiguren:

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Ein Held unserer Zeit!

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(c) Faithlife Logos

Viele Pastoren sind Helden! Gestern durfte ich eine kleine Gemeinde in Böblingen (Kopernikusstraße 10) besuchen und ich durfte einem solchen Helden bei seinem Kampf zu schauen. Die Gemeinde ist eher klein, aber umso bunter. Viele unterschiedliche Verständnisse treffen aufeinander, manche durchaus auch problematisch Doch der Pastor hält die Gemeinde zusammen. Ein sowjetisches Mechatronik-Studium wurde natürlich nicht anerkannt, so arbeitet er als „ungelernter“ Arbeiter in einer Fabrik um sein täglich Brot zu verdienen. Hinzu kommt ein immer noch vorhandener „Akzent“. So lernt man schnell den Preis der Demut und die Lieder tief unten in diesem Tale.

Neben einer großen Familie schafft er es, sich um Jung und Alt zu kümmern. Um Menschen, die den Anschluss verloren haben, als sie nach Deutschland kamen. Um Menschen, die als Hiesige auch den Anschluss verloren haben, oder sich im Glaubensleben verirrt haben. Seine Frau unterstützt die vielen Mütter in der Gemeinde. Selbst an einem runden Geburtstag, als das Haus voll war mit Gästen, stieg er in sein Auto und fuhr mehrere Kilometer zu einer jungen Schwester der Gemeinde um diese und ihr Kind zum Kinderarzt zu bringen. Auf die Frage: „Na alles klar“, ruft er seinen Kollegen zu: „Mit Christus ist alles klar, aber ohne Ihn ist alles trüb“. Einmal war ich mit dieser Gemeinde einige Tage auf einer Freizeit dabei. Niemand war mehr und länger in der Küche und am Aufräumen beteiligt, als er. Fußwaschdienst vom allerfeinsten. Man gewöhnt sich allzu schnell daran und vergisst die Dankbarkeit. Immer ist die Gefahr dabei ausgebeutet und ausgenutzt zu werden. Als ich diesen Sonntag ins Gemeindehaus laufe, ist der erste den ich treffe ein Slowake, der sehr gebrechlich etwas davon murmelt, dass er nach Hause will, dass er krank sei, dass er auch Christ ist, dass er kein Geld hat. Später erfahre ich vom Pastor, dass man ihn nicht zum ersten Mal im Versammlungsraum hat. Mitleid und Weisheit kämpfen im Herzen. Viele Geschwister sind schon älter, so werden für alle Liederbücher in Großschrift besorgt. Ich kenne so viele Gemeinden, die überaltet sind, aber diese Rücksicht auf Ältere habe ich noch nie getroffen! Das hat mich bewegt.

Kurz bevor der Gottesdienst beginnt, und er eigentlich zum Gebet aufrufen möchte, sieht er hinten, dass ein Rollstuhlfahrer ankommt. Wer hilft ihm vom Treppenlift in den Stuhl? Natürlich er. Nach dem Gottesdienst wird keiner übergangen, stets bestrebt, jeden wenigstens zu grüßen. Und auch den Kindern wird ein ungewohnt hoher Respekt entgegengebracht. Nur gute Werke, aber keine Schriftkenntnis? Weit gefehlt, der Bruder lebt im Wort Gottes und hat immer einen wichtigen Hinweis aus der Schrift auf den Lippen.

Die Gemeinde ist im Verband klein und kaum beachtet, so wird vielleicht echte Anerkennung für immer ausbleiben. Wirklich für immer? Spätestens im Neuen Jerusalem wird es heißen: Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! (Matth. 25,23)

Macht euch selbst ein Bild: Gottesdienst ist um 10.00 und um 17.00 Uhr jeden Sonntag. Bibelstunde  jeden Mittwoch um 19.00 Uhr.

 

 

Hero of Faith (2): Jakob Wanke

Jakob Wanke, oder wie ich ihn damals nannte „Onkel Jakob“ ist der Mensch, der mich zu Christus führte, aber nicht nur mich, sein Zeugnis hat mindestens einem Dutzend Menschen die Augen aufgemacht! Heute möchte ich von ihm erzählen:

Ursprünge

Diesen Teil kenne ich nur von seinen persönlichen Erzählungen, die er aber selten machte, deswegen kann ich nicht für die Zuverlässigkeit aller Aussagen gerade stehen:

Jakob Wanke wurde in Kasachstan geboren und wuchst unter säkularen und armen Verhältnissen auf dem Land auf. Er lernte gut, durfte studieren (was er, so erzählte er einmal mir, nur deswegen machte, um dem Militärdienst zu entkommen) und arbeitete später als Lehrer. Als Sportlehrer war er so erfolgreich, dass er später auch eine Fußballmannschaft der ersten sowjetischen Fussballiga trainierte. Relativ spät heiratete er und hatte mit seiner Frau eine Tochter. Zu diesem Zeitpunkt trank er schon regelmäßig Alkohol und wurde irgendwann auch Alkoholabhängig. Alkohol bestimmte nun sein Leben und setzte seine Ehe permanent unter Druck und Gefahr. Mehrmals wollte seine Frau sich von ihm trennen. Knapp unter Fünfzig zog er Anfang der Neunziger mit seiner Familie nach Deutschland, in der Hoffnung einen Neuanfang machen zu können. Aber Satan erwies sich auch in Deutschland als der Selbe, und die Auswahl an Alkohol war hier nur größer. er versuchte intensiver davon freizukommen und goß regelmäßig die Flasche in die Toilette, aber am nächsten Tag griff er zu einer Neuen. Irgendwann wurde er sogar in eine Heilanstalt eingewiesen, die aber wenig Hoffnung auf Genesung gaben (Anmerkung: Davon zeigte er mir einmal einige offizielle Dokumente): Auch die inneren Organe waren nun stark betroffen auch von Leberzirrhose.

Gott greift ein:

Doch hier griff Gott ein. In einem Deutsch-Sprachkurs begegnete er einem Christen, der ihn in den Gottesdienst mitnahm. Er ging hin, sah und glaubte! Ja bereits nach einigen Wochen erkannte er, dass Rettung nur in Christus liegt, konnte Buße tun und Glauben. Auch seine Familie schloss sich seiner Entscheidung an. Die Gemeinde lag 30 km von seinem Wohnort entfernt, doch weil es seine Geistliche Heimat war, besuchte er diese von da zu allen Gottesdiensten

Gott befreit:

Jakob Wanke wurde von seiner Alkoholsucht sofort befreit, was ihm sehr viel Kraft gab von Christus zu zeugen. Er wusste, dass in Christus Heil und Heilung liegt!

Gott verändert:

Nun fängt die Zeit an,in der auch ich ihn persönlich kennengelernt habe: Onkel Jakob wurde nun ein eifriger Zeuge für Christus. Egal wenn er traf, er erzählte diesem, dass Heil in Christus liegt. Da er zunächst noch nicht so gut Deutsch konnte, ging er vor allem auf die Russlanddeutschen zu. So war er eigentlich ständig im Übergangswohnheim für Aussiedler und suchte mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. „Du brauchst Jesus!“ „Du musst dich bekehren!“, „Wie willst du frei werden?“, relativ direkt ging er auf die Leute zu. Damals als zehnjähriger konnte ich ihm gelegentlich zuhören, wie er mit den Leuten sprach. Da ich durch den Umzug nach Deutschland meinen Vater verloren habe, fühlte ich mich zu ihm angezogen und so frage ich ihn einmal: „Dürfen Kinder eigentlich auch in die Kirche gehen?“.

Gott gebraucht

Ab diesem Zeitpunkt nahm er mich regelmäßig zum Gottesdienst mit. Aber nicht nur mich, denn seine Arbeit zeigte langsam Frucht. Ständig fuhren auch andere Leute mit, die aber bald das Übergangswohnheim verließen und in private Wohnungen zogen. So sammelte er Sonntags zweimal (zweimal Gottesdienst) und jeweils Freitags die Leute in ihren Wohnungen ein und fuhr dann mit einem voll gefüllten Neunsitzer-Bulli (ich will gar nicht erzählen, wie oft ich im Kofferraum saß, weil alle Plätze belegt waren) ins 30 km entfernte Öhringen. Es gab damals auch einen kleineren Hauskreis in Schwäbisch Hall, den er selbst organsierte, er mietete dafür einen Raum. Sowohl für die Kosten wie auch für die Fahrten kam er immer aus eigenem bzw. dem Einkommen seiner Frau auf. Nicht ein einziges Mal habe ich ihn um finanzielle Unterstützung biten gehört. Jeder wusste um seine Selbstlosigkeit. Man konnte (damals war er bereits 60 und in Rente) ihn jederzeit besuchen und er nahm sofort ein Gespräch auf. Immer wieder lebte Hilfsbedürftige für Wochen, in einigen Fällen sogar für Jahre in seiner Wohnung. Diese Selbstlosigkeit erforderte ein großes Opfer. Das was anderen gegeben wurde, sparte die Familie an allen Ecken und Enden und lebte selbst auf Sparflamme. Die Familie lebte wirklich für Jahrzehnte in Armut, um andere reich machen zu können (2. Kor 6,10). Er ist es, der mir jahrelang die Grundlagen im Glauben beibrach. Eigentlich war das Bild, wenn man in seine Wohnung kam, immer das selbe: Er saß am Küchentisch mit der Bibel. Mit über 60 versuchte  er sich im altgriechisch und lerne eine große Menge Psalmen auswendig. Er wusste, dass das Heil im Worte Gottes ist und trichterte es eigentlich ständig seinen Mitmenschen ein. Einmal fuhr er in den Urlaub nach Griechenland, mit der Folge, dass dort mehrere Menschen zum Glauben kamen, die von nun an von seiner Ortsgemeinde betreut wurden.

Ihr möchtet ihn kennen lernen? Besucht die ECB-GEmeinde in Öhringen  und dort werdet ihr einen bereits dementen alten Opa im Rollstuhl sehen, das ist „Onkel Jakob“, aber gebt eure Suche dort nicht auf, fragt den Pastor und den Diakon der Gemeinde, dass sie euch von Onkel Jakob erzählen. Fragt seine Frau und seine Tochter, ihr werdet einen ganz ungewöhnlich gewöhnlichen Glaubenshelden kennen lernen können.

 

Hero of Faith (1): Wolfgang Dyck

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Ich habe in 2018 etwas zurückgeschaut auf meine Quellen, die mich in bald 20 Jahren Nachfolge Christi genährt haben. Ein Name ist hier mit besonders vielen Emotionen verbunden: Wolfgang Dyck. Einige Basisinformationen:

Ich weiß gar nicht mehr wie ich auf die berühmte Predigt von Wolfgang Dyck „Vom Knast zur Kanzel“ gestoßen bin. Sie hat mich als Teen total gefesselt, so dass ich sie in kürzester Zeit mehr als einige dutzende Mal angehört habe. Später habe ich festgestellt, dass noch  Später habe ich noch weitere Predigten von ihm entdeckt.

Als uneheliches Kind geboren und in Heimen und Erziehungshäusern aufgewachsen, wurde Wolfgang Dyck schon als Jugendlicher wiederholt straffällig und verbrachte elf Jahre seines Lebens hinter Gefängnis- und Zuchthausmauern. Durch den Kontakt zur Heilsarmee erlebte Dyck 1960 in Stuttgart seine Umkehr zu Jesus Christus, die sein Leben total veränderte. Aus dem ehemaligen Schwerverbrecher wurde nun ein leidenschaftlicher Rufer zu Jesus Christus. In Kneipen, Nachtlokalen, Gefängnissen und auf der Straße verkündigte er die Frohe Botschaft vom Kreuz. 1970 verstarb er bei einem tragischen Autounfall mit gerade erst 39 Jahren. Trotzdem sind seine Predigten auch heute noch äußerst aktuell. Sein Stil ist einfach, lebendig und erfrischend. Seine Lebensgeschichte gibt es auch in Buchform. Insgesamt sind etwa drei kurze Schriften vorhanden, die von seinem Denken berichten.  Ein Erlebnis hier! Wolfgang Dyck verstarb viel zu früh durch einen Autounfall!

Aufgenommen in die Liste der Lehrer!

Der pöbelnde, rebellische, saufende und antisemitische Luther

Ok, ich gestehe ein, ich habe die Überschrift nur als Lesemagnet gewählt, ändert aber wenig an meinem Anliegen:

Von Luther ist in der Welt wenig bekannt: Im besten Fall erkennt man ihn als einen, der für freies Denken und mehr Gerechtigkeit kämpfte, aber im großen und ganzen ein Kind seiner Zeit blieb. Mit „seiner Zeit“ meint man übrigens sowieso alle Zeiten, vor unserer Generationen, und diese Zeiten sind prinzipiell immer als dunkel, trüb, unfair zu werten. Aus irgendeinem mystischen Grund haben wir uns weiterentwickelt. Nur wohin wir uns entwickeln, das vermag keiner zu sagen.

Aber einen glaubenden Luther kennt man wenig. Auch der Christ hat von Luther ein Bild, eines unzufriedenen Mönches, dem mal das Papsttum so sehr auf den Keks ging, dass er 95 Sätze an eine Kirchentür drannagelte, später den Ausschluss aus der katholischen Kirche ignorierte, und selbst vor dem Kaiser nicht einknickte. Ein sturer, übermütiger Deutscher, der sich vor keinem beugen ließ, weil er es gehörig satt hatte. Den Rest seines Lebens verbrachte er damit zu saufen, gegen Juden und Katholiken zu pöbeln und selbst mit Leuten aus seinem Lager wegen Nichtigkeiten im Clinch zu liegen. Weiterlesen „Der pöbelnde, rebellische, saufende und antisemitische Luther“