Pauli goes to (1)… „Evangelischer Bibelkreis“

Es wird Zeit für eine neue Kolumne. Unter dem Reiter „Pauli goes to“ will ich meinen Besuch bei recht ungewöhlichen (zumindest für mich) religösen Veranstaltungen beschreiben. Mit dem Titel hoffe ich auch ausreichend Selbstironie zu besitzen.

Froh darf ich verkündigen, dass der erste Beitrag in dieser Serie einer Veranstaltung der Evangelischen Kirche in Deutschland geweiht ist!

Intro

Zunächst: Da ich wie immer, mit meiner Kritik nicht sparsam umgehen werde, könnte mancher Leser versucht sein, den „Tatort“ identifizieren zu wollen. Ich kann versichern, dass es keiner der Bibelkreise in meiner unmittelbaren Umgebung ist. Dennoch war mein Besuch genau aus diesem Grund motiviert. Seit ich im Frühjahr dieses Jahr eine fromme und „evangeliumssüchtige“ Familie (die unserer Familie ein großes Vorbild ist) in einem katholischen Milieu kennen lernen durfte, würde ich mir gerne Gemeinschaft mit Christen auch in meinem Dorf wünschen. So verteilte ich Flyer mit Einladungen zu einem Hauskreis. Jedoch verstehe ich, dass für Lang eingesessene Dorfbewohner bereits mein Vorname Schrecken hervorrufen dürfte. So suchte ich nach Pilotprojekten und wurde auf einen „Bibelkreis“ (so die Eigenbezeichnung) einige Örter weiter aufmerksam.

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Wo sind nur unsere Liedermacher hin?

Ein Sänger der aus meiner Spotify Favoritenliste zunehmend verschwindet ist Reinhard Mey. Ich fürchte „die Welt“ bezeichnete bereits 2005 Mey zurecht als einen Klassensprecher der müden Rebellen. Ohne von einem Künstler zu viel zu verlangen, merke ich doch, dass den Künstlern unserer Zeit der Stoff ausgeht. Ein Bejahen der Gegenwartskultur als Beste aller möglichen Zeiten mag nun schön in den Ohren klingen, von Kreativität ist das aber zumeist weit weg. Bedenke wie tragisch: Eine Zeit, die nicht mehr Buße tun will (und kann?). Vielleicht noch müder ist die österreichische Band EAV (Erste allgemeine Verunsicherung) geworden: Bashing gegen Rechte ist doch langweilig, wenn es nur noch ein paar kleine Prozentchen trifft, die gesellschaftlich nicht im mindesten relevant sind. Nun gehören also auch die rebellischsten Sänger zum Establishment. Wende man nun ein, die Rebellen seien nun mal gereift, wird nur die Tatsache um so tragischer, dass keinerlei Junges Blut nachfolgt.Dass Kritiker und Hofnarren oft nur Teil des Establishments sind, stellte ich einmal schockiert an Witzen von Didi Hallervorden fest. Irgendwo in Youtube lassen sich Witze von ihm aus den 70ern finden, in denen er nur so über Homosexuelle abzieht. Der Hallervorden der Neuzeit macht nun Witze über die engstirnigen (will nicht sagen Christen), die so intolerant sind, Homosexuelle nicht akzeptieren zu können. Perfektes Beispiel säkularer Buße? (Nebenbei gesagt, schon mal festgestellt, wie viele Komödien der Neunziger und der „Nuller“ so unfassbar sexistisch sind? Damals lachte man noch über sie….)

Langeweile dominiert offensichtlich die Kunstwelt? Zum Glück habe ich nicht über die noch größere Leere der Pop- oder der Schlagermusik nachgedacht. Ironischerweise erlebe ich ähnliches in den Kirchen: Wo erlebt man denn noch „Musik, von Hand gemacht“. (Halb?)-Professionelle Animatoren übernehmen begehrlich (für mich) den Lobpreis und singen die besten Lieder . „Press to Play“! Zudem verschwinden alte Liederbücher schneller, als neue mit Inhalt gefüllt werden.Klar hatten die alten Lieder langweilige Melodien, aber sie hatten wundervolle Texte! Geblieben sind oftmals (aber nicht immer! Es wäre allzu närrisch eine Kultur einer anderen so blind vorzuziehen) nichtssagende Texte, die eine unpersönliche Liebe preisen. Ob das reicht? Das motiviert mich, den größten aller „Liedermacher“ vorzustellen: Владимир Высоцкий, Vladimir Wysotsky.

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Christus im AT(2): Der Bruch und die Heilung

Wie angekündigt behandelt diese Fortsetzung Genesis 3,15 als Hebelpunkt für die Christologie des AT. Viele Impulse habe ich von Eduard Böhl, Christologie des Alten Testaments übernommen, der Gen. 3,15 besonders viel Zeit widmet (über 10 Seiten). Er selbst schreibt über diesen Vers, der auch das Protevangelium genannt wird:

Als ein erster leuchtender Stern tritt uns das Protevangelium Gen. 3,15 entgegen (S.5)

Über eine Christologie, die das Protevangelium übersieht stellt er fest:

Der Hauptmangel ist, dass ihm ein fester Anfangspunkt, das Protevangelium, fehlt. (S.25)

(Bildrechte: gemeinfrei)

Die Verkündigung des Evangeliums als SElbstoffenbarung Gottes

Adam versagt! Er versagt kläglich. Trotz bester Umgebungsbedingungen, paradiesischer Zustände fällt er tief. Dabei war sein Aufgabengebiet überschaubar: Den Garten bauen und bewahren (Gen. 2,15). Es gab nur ein Verbot: Finger weg vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen! Doch kaum kommt der erste Feind Gottes an die Pforte Edens, wird er reingelassen und der Mensch zeigt sich nur allzu willig zu kooperieren. Welch tiefer Fall: Der Mensch stellt sich auf die Seite des Feindes Gottes. Verführt durch den irren Wunsch, selber zu werden wie Gott!

Nun, als Gott erscheint um Gericht zu üben, stehen die Chancen unfassbar schlecht für Adam. Auf den Bundesbruch folgt der Bundesfluch: Der ewige Tod. Eine ewige Trennung von der Gemeinschaft mit Gott, die Adam umso schmerzhafter erfahren haben dürfte.

Doch nun erweist sich Gott als überragend gnädig. Mir ist beim Lesen der ersten Kapitel der Bibel wieder aufgefallen, dass Gott drei Reden hat. Zunächst in der Schöpfung, später indem er Adam seine Aufgaben mitteilt, und nun als Richter. Doch welch Richter redet so gütig? Die Todesstrafe scheint verschoben, und selbst das härteste Gericht stellt uns einen liebenden Gott dar: Gott verhindert nämlich, dass der Mensch mit Satan gemeinsame Sache machen kann, und weil Adam selbst unfähig ist mit Satan zu brechen, sagt Gott: ICH WILL FEINDSCHAFT MACHEN (ob es nun der Schlange oder dem Menschen gefällt oder nicht). Ich finde das eine über raus faszinierende Begebenheit wenn Gott aktiv die satanischen Mächte auf der Erde in Grenzen hält.

Der Mensch als Passiver Empfänger der Gnade

Böhl schreibt (S.30):

Das evangelische Wort (Gen. 3,14.15) redet nicht direkt zum Menschen, weil offenbar von den gefallenen Menschen kein Wollen und kein Vollbringen des Guten ferner zu erwarten war. Von den Menschen abgewendet, verkündet Gott seinen Ratschluss, der die Errettung bezweckte, und zwar redet er mit der Schlange. Der Mensch soll das rettende Wort hören zu seinem Trost, aber zur Mitwirkung ist er nicht berufen. Der Wortlaut des Evangeliums enthält zunächst eine Kriegserklärung für die Schlange auf Leben und Tod. Für den Menschen aber liegt eine Gerechterklärung darin, sofern er glaubt diesem durch Gottes Gerechtigkeit normierten Wort.

Aus Gnaden Gottes wird eine Verheißung verkündigt, der Mensch bekommt keine zweite Chance. Etwas ausführlicher habe ich diesen Gedanken in diesem Artikel verfolgt und verzichte an dieser Stelle auf weitere Ausführungen.

Was konnten Adam und Eva über die Erlösung wissen?

Offensichtlich entwickelt sich die Offenbarung des Heilsplans wie ein Krimi (man verzeihe den profanen Vergleich): Adam und Eva wissen bereits etwas, und es ist vollständig im Einklang mit dem Plan Gottes, aber doch wissen sie nicht so viel wie ein Mensch, der heute die Bibel aufschlagen kann, und die Geschichte vom Ende zurück zum Anfang zurückverfolgen kann.

Dennoch bekommen unsere Väter dennoch beeindruckend viele Informationen:

  • Ein Nachkomme der Frau: Natürlicherweise würde man den Samen des Mannes erwarten, doch wird hier das schwächere Geschlecht mit einem Vorrecht versehen(Auch wenn sich die Feministen über das schwächere Geschlecht ärgern mögen, wird dies zumindest im geschichtlichen Kontext vorausgesetzt) . Heute weiß die Christenheit, dass sich das auf eine besondere Weise erfüllte, durch die Jungfrauengeburt Marias. Irgendwo schwingt hier auch das Übermenschliche des Erlösers mit. Der Wohl auch Mensch ist, aber auch göttlicher Art. Wunderbar bestätigte es sich dann in Jesus Christus
  • Er wird die Schlange besiegen: Sprich er wird die Schlange besiegen. Zunächst einmal spricht es darüber, dass die Adamitische Mission doch noch erfüllt wird. Unter deutlich verschärften Bedingungen besteht Christus zunächst die Versuchungen Satans um ihm dann den Todesstoß zu verpassen. Hat man das vor Augen, wundert man sich nicht mehr, wenn Paulus in Christus mehrfach eine Parallele zu Adam zieht (Röm 5,11-21 oder 1 Kor. 15,45-47):

1. Korinther 15,45–47 : Wie es geschrieben steht: der erste Mensch, Adam, „ward zu einer lebendigen Seele“, und der letzte Adam zum Geist, der da lebendig macht. Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche; darnach der geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der andere Mensch ist der HERR vom Himmel.

  • Der Sieg wird teuer erkauft: Die Schlange wird sich nicht kampflos erheben, sondern alle Ressourcen in den Kampf werfen. Ja sie wird ihn in die Ferse stechen und wenn einen eine Schlange beißt, hat man eine tödliche Wunde zu erwarten. Genau das, was Christus widerfuhr. Spannend finde ich an dieser Stelle, dass auch das Motiv der Schlange weiter entwickelt. Petrus warnt die Gemeinde vor dem brüllenden Löwen, und in der Offenbarung finden wir plötzlich, wie aus der alten Schlange ein Drache, also ein weit mächtigeres Wesen geworden ist (1 Pet. 5,8; Offb. 12,9;20,2). Christus besiegt einen Satan, der deutlich mächtiger auftritt, als gegenüber Adam.
  • Was das Haupt trifft, trifft die Glieder: So wie wir alle in Adam gesündigt haben und das Todesurteil empfangen haben (1 Kor 15,22 UND Hos 6,7), so werden auch die, die Teil der Verheißungen in Christus sind, in den Kampf mit der Schlange hineingezogen. Die Feindschaft betrifft nicht nur den Fürsten, sondern seine Nachfolger. An dieser Stelle haben wir einen christologischen Anknüpfungspunkt für viele Begebenheiten des AT: Wenn Ismael dem Samen der Verheißung Isaak im Weg steht, wenn Pharao die Kinder der Israeliten töten lässt,wenn die Philister Israel bedrängen und Richter sie befreien, wenn Saul David verfolgt, dann wiederholt sich das immer selbe Motiv des „geistlichen Krieges“ zwischen Schlangenbrut und Samen der Verheißung. Lukas kann nicht umsonst rückblickend die Abstammungslinie Christi bis auf Adam zurückverfolgen (Luk 3,23ff)

Leben im Glauben

In der Vorbereitung auf diesen Beitrag bin ich darauf gestoßen, wie zentral die besprochene Stelle für die Reformatoren war. In meiner Lutherbibel finden sich zu kaum einem anderen Vers soviele Parallelstellen. Ausgehend von der Verheißung gingen Luther, Melanchton und Co. davon aus, dass Adam und Eva nun gläubig, und im Glauben lebten. Diese Argumente sprechen dafür:

  • Das Urteil Gottes ändert sich: Gott urteilt, dass der Mensch nun einer von uns geworden ist, wurde von den Reformatoren mit einer Erfüllung des Heiligen Geistes gleichgestellt, nicht mit der Kontaminierung mit der „verbotenen Frucht“.
  • Adams Urteil über Eva ändert sich: Aus „die Frau die mir gegeben hast“, wird „die Mutter aller, die da leben“. Böhl führt hierzu aus (S. 39): Solches ist ein testimonium fidei Adami, wie Melanchthon sagt zu dieser Stelle. Die Mitteilung einer trivialen naturhistorischen Erkenntnis konnte nur völlig Ratlosen in den Sinn kommen
  • Schließlich aber erwartet Eva nichts sehnsüchtiger als die Verheißung, ansonsten lässt sich ihr Verhalten bei der Geburt Kains kaum erklären, als sie ausruft: Ich habe einen Mann gewonnen mit dem Herrn. (1 Mo. 4,1)
  • Später lässt sich vermuten, dass sich Adam mit Sem und Henoch zu denen gesellte, die den Herrn anriefen (1. Mo. 4,25-26)

Vor allem die letzten beiden Argumente haben mich überzeugt und lassen den Schluss zu, dass Gemeinde, also die Versammlung all derer, die den Herrn anrufen, bereits kurz nach dem Fall entstand, durch eine Verheißung lebte und auch heute durch die Erfüllung der Verheißung zur neuen Kraft gelangt.


Als Fazit können wir festhalten:

  • Sofort nach der Niederlage Adams ist Gott da und verkündigt eine unerwartete Verheißung
  • Der Mensch stellt sich lieber auf die Seite der Schlange, doch Gott garantiert „Feindschaft“
  • Auch als die ganze Menschheit bis auf die Familie Noahs ausgerottet wird, bleibt Gott seiner Verheißung treu.
  • Wenn Jesus Christus als das Wort Gottes bezeichnet wird, können wir erahnen, welche Zuverlässigkeit hinter seinen Heilszusagen steht. Über Jahrtausende hindurch entwickelt Gott gegen allen Widerstand seinen Plan

In dem Nächsten Beitrag dieser Serie betrachten wir, wie sich die Verheißung im Leben der Patriarchen bahn bricht.

Hier geht es zu Teil 1.

Goldene Honigtöpfe

Normalerweise hätte zu diesem Artikel die Abbildung eines wohlgenährten gelben dicken Bären mit einem überquellenden Honigtopf gepasst. Aber wir wissen ja alle, welch riesigen kommerziellen Schaden ein Animationsstudio mit solcherlei Bildverletzungen nehmen würde (übrigens gefällt mir der sowjetische Winni Puch sowieso besser).

Auf jeden Fall fühle ich mich auch wie ein glücklicher Bär, der über eine riesige Kammer prall gefüllter Honigtöpfe stößt, wenn ich an die zahlreichen Möglichkeiten denke, vollständig kostenfrei an gute christliche Lehre zu stoßen.

(Eine wirklich kleine Kostprobe):

Monergism

Man muss dem Monergismus als theologisches Konzept nicht recht geben (was ich tue), um begeistert von dieser Webseite zu sein:

Ich finde das unfassbar heftig! jeder kann für genau Null Euro und Null Cent über eine Bibliothek verfügen, über die uns noch vor 50 Jahren ein jeder beneidet hätte.  (Wer noch mehr Bücher sucht, schaue auf CCEL) Wer sich da keinen e-Reader besorgt und anfängt zu lesen hat die Kontrolle über sein Leben verloren (frei nach K. Lagerfeld).

Monergism bietet Material an, das kaum zu überschauen ist, entsprechend gibt es im Grunde genommen sowas wie eine Anleitung, die wirklich hilfreich ist (Wie selten gibt es solche). Zudem greife ich gerne auf die Suchfunktion zurück: Das Stichwort „Calvin“ z.B. liefert 392 Ergebnisse. Die vollständige Übersicht über Autoren, von denen sich Material finden lässt gibt es hier.

Wem das freie Literaturmaterial zu alt ist, darf dennoch vor allem vom Audio-Material begeistert sein. Die Liste der 75 besten Predigten ist ein Super Startpunkt(unbedingt Tim Keller, John Piper und Don Carson anhören). Natürlich darf sermon-audio als eine riesige Predigt-Datenbank nicht vergessen werden.

Material amerikanischer Hochschulen.

Eine Sache ist wirklich zu bewundern. Ein Studium in Amerika kostet so viel Geld, dennoch bieten viele theologischen Seminare eine Unmenge an Material an. Monergism hat die Besten gesammelt. Ich könnte mich wirklich selbst treten dafür, dass ich so spät auf die Idee gekommen bin, nach freien Inhalten von Seminaren zu suchen. Ich ärgere mich ungemein, dass ich auf diese Idee nicht einige Jahre früher gekommen bin.

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Können wir glauben, dass Gottes Wort wahr ist, weil unsere Eltern es uns gesagt haben?

Ein Artikel von Michael J. Kruger:

Woher weißt du, dass die Bibel das Wort Gottes ist?

So gut wie jeder Christ hat diese Frage schon einmal gehört. Und wenn das passiert, schlägt unser Herz schneller und wir fühlen ein Kribbeln im Magen. Wir wollen eine umfassende und zufriedenstellende Antwort liefern. Am besten Etwas, dass uns nicht als Narren dastehen lässt.

In Gedanken gehen wir all die apologetischen Thesen und die zahlreichen historischen Daten durch, die wir vor Jahren gehört haben. Doch, weil wir uns an die Details nicht mehr erinnern, murmeln wir etwas darüber, dass die Bibel gute „historische Beweise“ für ihre Wahrheit besitzt (in der Hoffnung dass keiner genauer nachhackt).

Doch unterschwellig schlummert in  solcher Diskussionen eine Annahme, die herausgefordert werden sollte. Und diese Annahme ist, dass externe „historische Beweise“ der einzige geeignete Grund sind, um unseren Glauben an die Bibel zu untermauern. Oft denken wir, dass wir eine Berechtigung für unsere Überzeugungen können nur dann vorbringen können, wenn wir diese mit einer Reihe von wissenschaftlichen Fakten untermauern können.

Um es klar zustellen: Es gibt nichts falsches dabei, die Bibel aufgrund historischer Tatsachen zu verteidigen. Die Bibel hat beeindruckende historische Zeugnisse und es gibt Zeiten, um diese zu besprechen. Doch, wenn wir denken, dass diese Zeugnisse die einzige Grundlage für unseren Glauben sind, stoßen wir auf einige Probleme.

Zunächst bedeutet es, dass kaum ein Christ überhaupt wirklich wüsste, dass die Bibel das Wort Gottes ist. Wenn man erst einen Doktor der Theologie benötigt, um der Bibel zu vertrauen, dann kommen nur sehr wenige Christen in den Genuss eines solchen Privilegs.

Zudem deutet die Bibel selber andere Wege an, mit denen man erfahren kann, dass sie Gottes Wort ist. An dieser Stelle lässt sich dieser Ansatz nicht in voller Länge verteidigen, doch habe ich anderswo darüber ausführlich geschrieben (z.B. hier), wie auch andere Experten(siehe hier).

Doch es gibt auch einen anderen Weg: Das Zeugnis anderer, denen wir vertrauen. So seltsam es auch klingt, wir sind gerechtfertigt, weil wir glauben, dass Gottes Wort wahr ist, weil diejenigen, denen wir vertrauen, uns gesagt haben, dass es wahr ist.

Ja, selbst Paulus weist Timotheus darauf, als er ihn ermutigt dem Worte Gottes zu vertrauen: Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. (2. Tim 3,14-15)

Beachte, dass Paulus‘ Ermahnung an Timotheus, weiterhin dem Wort Gottes zu vertrauen, darauf beruht, wer es ihm beigebracht hat: du weißt ja, von wem du gelernt hast. Es besteht kein Zweifel, dass es sich um Timotheus‘ Mutter Eunike und Großmutter Lois handelt ( 2. Tim 1,5).

Anders ausgedrückt: Ein Grund (aber nicht der einzige) dem Worte Gottes zu vertrauen, ist das Zeugnis derer, denen wir vertrauen. Und dies gilt insbesondere für Eltern (oder Großeltern).

Natürlich klingt eine solche These in unserer antiautoritärer Kultur lächerlich. Einige übliche Einwände klingen so:

1. „Das Zeugnis anderer ist kein gültiger Grund für unseren Glauben. Wir müssen es persönlich überprüfen.“

Gemäß diesem Einwand können wir nur etwas glauben, von dem wir selbst genügend Beweise gesammelt haben. Doch dies ist für die meisten Dinge, die wir wissen nicht wahr. Darüber hinaus verrät es ein naives Vertrauen in unsere modernen investigativen Fähigkeiten – was der Philosoph Alvin Plantinga als „Aufklärungsoptimismus, der aus dem Ruder läuft“ bezeichnet. (Warrant and Proper Function, 78)

Platinga führt aus:

„Kann ich wirklich unabhängig von jedem Zeugnis erfahren, dass es im fünften Jahrhundert vor Christus einen Krieg zwischen Athenern und Spartanern gab? Kann ich so entdecken, dass Plato ein Philosoph war? Oder dass die Frau, die ich für meine Mutter halte, es wirklich ist? Oder dass ich den Namen bekommen habe, von dem ich es denke? Oder dass es ein Land mit dem Namen „Australien“ gibt?“

Er folgert: „Wir sind daher für das meiste, was wir wissen, auf Zeugnisse (testimony) angewiesen“.

2. „Meine Eltern könnten sich irren“ Weiterlesen „Können wir glauben, dass Gottes Wort wahr ist, weil unsere Eltern es uns gesagt haben?“

Unfähig oder Gleichgültig?

und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« (5. Mose 6,4–5 in Mark 12,30).

Um als Teen in den Gottesdienst zu kommen, musste ich einen ganz schön teuren Preis dafür zahlen. Man lehrte mich, dass ein „bibeltreuer“ Gottesdienst nur in einem 30 km entfernten Ort gewährleistet war. So wurde ich mit einem VW-Bulli zweimal in der Woche und zweimal sonntags von einem Prediger abgeholt, der noch einige weitere – vor allem ältere Menschen aus der Gegen einsammelte – und zum Gottesdienst brachte. Dadurch war ein beträchtlicher Teil meiner Kindheit davon geprägt, der Konversation von älteren Damen zu lauschen. Nun die Empörung wird natürlich groß sein, wenn ich jetzt erkläre, dass man wenig gescheites zu hören bekommen hat, aber so war es trotzdem!

Einen Punkt möchte ich besonders hervorheben. Recht häufig beklagte man sich über nachlassende Intellektuelle Kräfte, dass man kaum noch Kraft und Ressourcen zum Bibellesen fände, und die wenigen Kraftmomente wären durch Enkelkindbetreuung  und Haushalt verbraucht. Doch ich durfte immer wieder staunen, wie alle vergessenen Kräfte erwachten, wenn es um allerlei unterschiedliche Heilmittel ging, ein Thema, welches vor allem von einer Dame mit hingegebener Leidenschaft geführt wurde. Nie waren die Gespräche leidenschaftlicher und intensiver. als es um die neueste Entdeckung von Mittelchen, Rezepten und Kräutern ging. Bis heute könnte ich stundenlang über die Wunderwirkungen von Callisia fragrans reden. Bei entsprechender Witterung und Vollmond geerntet und in ausreichend Alkohol eingelegt hat es selbst Dutzenden Krebskranken, denen kein Arzt mehr helfen konnte, geholfen. Nun, jetzt könnte man meinen, dass ich nichts zu tun habe, als mich über ehrwürdige alte Kämpferinnen des Christlichen Glaubens auszulassen. Aber genau das ist doch meine Sorge, dass ich wenig zu hören bekommen habe von geistlichen Erfahrungen mit dem Herrn, von Trost in der Schrift.  (Vergleiche auch die Berufung älterer Frauen gemäß 1 Tim 5,2 oder Tit 2,3) Christentum war flop, aber Gesundheit war top. Ist es falsch, sich um seine Gesundheit zu kümmern? Wohl kaum!

Das ärgert mich, ja auch so viele Jahre später, viel weniger an diesen alten Schwestern, als an vielen anderen, die gerne auf Unfähigkeit verweisen, damit aber Gleichgültigkeit meinen. Dutzende Male erlebte ich „Handwerker“ und sogenannte „einfache Menschen“, die sogar sehr stolz darauf waren, dass sie  keine Theoretiker, sondern Praktiker waren. Selbst einfachste Glaubensfragen waren zu kompliziert, auch unnötiges Pfaffengeschwätz, und überhaupt man weiß genug, zu handeln. Aber frage so einen Handwerker nach irgendeinem Bodenbelag oder irgendetwas ähnlichem aus dem Hausbau aus. Du bekommst geradezu die ganze Kulturgeschichte von Bodenbelägen aufgesagt, samt einer Analyse unterschiedlichster Arten, dem Zweck derselbigen, dem günstigsten und dem besten Lieferanten, der besten Verlege-Art und der durchdachtesten Pflege. Untermalt werden diese sachlichen Darstellung durch verschiedenste Zeugnisse verschiedenster Erlebnisse, die man zu berichten hat.  Überall dürfen die Ansprüche also ja nicht hoch genug sein, außer es geht um Fragen des Glaubens, da darf man nie zu einfach genug bleiben, nie zu allgemein genug. Bis man so trivial wird, dass man sich zu Tode langweilt, und doch wieder lieber über seinen nächsten Bodenbelag nachdenkt. Ich könnte viele christlichen Jugendliche und Teenager auftreiben, die ohne weiteres sämtliche Spieler des FC Bayern auflisten können, ohne auch nur einen Psalm der Bibel auswendig zu kennen. Was geht hier schief?  Ist Fußball das Problem? Wohl kaum!

Neben dieser Prioritätenverschiebung beobachte ich auch eine Versteifung und übertriebene Beharrlichkeit auf dem, was man wisse. Neulich erklärte mich ein Mensch zu einem Ketzer und zu und einem Menschen der Spaltung anrichte, weil ich nicht bereit war zu bestätigen, dass man aus 2 Mo 20,26 auf den Verbot von Shorts schließen könne. Ich kenne einige Analphabeten, die völlig selbst verschuldet im Analphabetentum geendet sind, und dennoch völlig gewiss die haarstreubendsten Behauptungen aufstellen können. Manchmal liegt trotz Kirchgang, Bibel lesen und Gebet so wenig Wissen von Christus und seinem Werk vor, dass man sprachlos wird. Ich möchte hier keine Ansprüche hochschrauben, aber was ist von einem Glauben zu halten, der nichts von den dahinterliegenden Tatsachen hält?

Das größte Gebot ist klar, dass wir Gott von allen Kräften, Mitteln, nach allem Wissen, mit allen Emotionen und von ganzem Herzen und Wesen zu lieben haben. Wie oft versage ich hierin! Wie gut, dass wir als Christen die Möglichkeit zur Buße haben!