Eine neue gleichgültige Welle!

Pred 11,4: „Wer auf den Wind achtet, der sät nicht; und wer auf die Wolken sieht, der erntet nicht“

Beichte: Ich bin super egoistisch! Bei vielen Themen total gleichgültig und ich bin oftmals noch nicht einmal daran interessiert, wer so alles was darüber denkt, worüber ich was denke! Schräger Satz! Nun ja…

Zwei Steilvorlagen:

  • Auseinandersetzung mit Johannes Hartl! Ich muss ehrlich eingestehen, es ist mir völlig egal ob Hartl gegebenenfalls doch rechtgläubig sein könnte! Ohne Biblipedia würde ich noch nicht einmal wissen, dass es Hartl gibt. Und ich muss ehrlich sagen: Ich muss nicht alles verstehen, und alles widerlegen können. Und ich werde sicher nicht eine Unmenge an Zeit und Schweiß investieren um sich durch seine Promotionsarbeit zu kämpfen um dann doch besser beurteilen zu können, wie nah Hartl an Bibelkritik kommt. Ehrlich: ist mir egal! Ich werde es nicht machen. Ich habe weder die Zeit dafür, noch die Muße und übrigens, man stempele mich als Spälter und Hinterwäldler und von Vorgestern ab! Gern geschehen, hier die Steilvorlage: Der Katholizismus hat für mich einfach von vornherein keinerlei Anreiz? Hab ich damit gesagt, dass alle Katholiken schlechte (oder besser: keine) Christen sind? Weit gefehlt, es ist mir einfach egal. Mein Glaube ist im Einklang mit Schrift und den alten Bekenntnissen, und mir will dünken „orthodoxe“ Protestanten kommen den alten Bekenntnissen (Apostolicum, Nicänum etc..) deutlich näher kommt, als es die Katholiken kommen
  • Mir ist auch der ganze progressive Evangelikalismus wurst. Ehrlich so gleichgültig bin ich, dass mir völlig egal ist, was Hossatalk so neues raus gebraucht hat. Ich suche nichts neues, ich habe Christus gefunden! Es interessiert mich nicht, wie viel Rechtgläubigkeit bei Hossatalk vorhanden ist, und selbst wenn diese deutlich größer sein sollte als meine, sei es drum! Ich habe Christus!

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Hermeneutica fatale

Wie sieht eigentlich fundamentalistische Hermeneutik aus? Oftmals so:

Textwahl: Gab es eine Lohnerhöhung, so wähle man einen Text über Segen. Gab es einen Sündenfall, von dem jeder spricht, so wähle einen Text über die gottlose Zeit, den großen Abfall der Endzeit oder allternativ über die große Gnade Gottes. So vermeidet man ganz sicher, dass neue Gedanken und Impulse auf unwissende Schäffchen zukommen können.

Exegese: Die Story ist absolut pur auf dich zugeschnitten. In Fachkreisen wird diese Methode auch Narzigese genannt: der Held der Story ist man selbst, die Widerstände werden entsprechenden Problemen oder Problem-Menschen zugewiesen, die einen daran hindern das selige Nirvana, äh die himmlische Heimat zu erreichen. Umfangreiche Erklärung der Narzigese hier.

Appell an den Hörer: Hör auf mit XY (aber wie?)  und fange endlich an mit YZ (aber wie?), Versuche es noch etwas mehr, dich zu ändern! Wusste wohl schon auch Janis Joplin: Try, just a little bit harder. (P.S.: Mit dieser Anmerkung habe ich wohl zwischen erzkonservativen Evangelikalen und der 68er-Bewegung eine Verbindung hergestellt, man möge mir verzeihen)

Umgebungsbedingungen: Zeit unbedingt überziehen und sich regelmäßig wiederholen, wie schon Kurt Tucholsky feststellte (wieder ein Hauch von 68, war doch Tucholsky ein Kommunist):

 Sprich nie unter anderthalb Stunden, sonst lohnt es gar nicht erst anzufangen.
Wenn einer spricht, müssen die anderen zuhören – das ist Deine Gelegenheit!
Missbrauche sie.

Stilmittel: die Predigt wird eine kleine Terz (unbedingt Moll-Tonart einnehmen!) gesprochen als sonst. Ansonsten kann wahre Andacht nicht herrschen. Ironie ist dabei entweder das einzig zulässige oder das völlig verbotene Stilmittel.


PS: Für die Ernsteren unter uns ein Wort zur Besänftigung: Eigentlich liebe ich die Möglichkeit, dass möglichst viele in der Gemeinde mit einem Wort teilnehmen können. Aber alle die diese Möglichkeiten kennen, wissen wie viel Schabernack wir da getrieben haben. Ich fasse mich da zuallererst an der Nase! So viele Predigten, wo nicht einmal der geringste Bezug zu Jesus fiel, müssen gebrandmarkt werden!

Kritik von Propheten

Man stelle sich eigentlich die Ungeheurlichkeiten vor, die die Propheten um sich warfen. Amos sprach davon, dass Gott Juda und Israel nicht schonen wird (Amos 2.4,6). Damit sagte er kurzerhand, dass all Unglück in Israel, sei es die Ausbeutung durch die Feinde, seien es Missernten ein Eingreifen Gottes ist. (Amos 3,6). Jeremija beklagte überall den Bundesbruch des Volkes (z.b. Jeremija 11) und selbst als man ihn ins Gefängnis steckte schrieb er seine Reden einfach auf. Nach dem Verbrennen derselben wurde die Kritik sogar noch länger. Aber ich glaube niemand trieb es toller als Hesekiel und Hosea. Hesekiel bezeichnete das Volk Gottes als Hure.  (Man stelle sich das einmal vor: das erwählte und erkaufte Volk Gottes wird mit einer Prostituierten verglichen, was für ein Sakrileg…) Dabei bedient er sich geradezu pornographischer Sprache (Hesekiel 16 ist ja wohl das Kapitel dass jeder Teenie verschmitzt in der Kirche liest…immerhin dieses Kapitel). Hosea treibt dieses Bild auf die Spitze (Achtung: Anachronismus), so dass er sich sogar selbst mit einer Hure vermählte, um die Situation des Volkes Gottes darstellen zu können.

Mögliche Reaktionen des Volkes:

  • Amos was fällt dir ein, wenn Israel so schlimm ist, dann bleib doch in Juda! Geh doch zurück in deine Heimat. Und überhaupt schau dir doch an was in Moab und Edom abgeht, da ist Israel das reine Paradies…
  • Jeremija du sagst, dass wir Gott untreu sind, dabei sind deine ständigen Depressionen und Jammerlieder auch nur ein Zeichen dessen, dass du an Gott irre wirst, offensichtlich bist du also kein Deut besser als wir… Das Gericht falle also auch über dich!
  • Hesekiel, so schlecht wie du es sagst, kann es gar nicht sein. Bestimmt hat Gott nur gute Absichten mit uns in Babel…Überhaupt ein Unding ein erwähltes Volk mit derart derben Begriffen zu belegen. Hesekiel, du bist bestimmt nicht orthodox