A Shocking Message

Eine persönliche „shocking message“ (zu deutsch: Schockierende Mitteilung) erlebte ich auf diese Weise:

Als 16 jähriger bis dahin fleißiger Kirchengänger entschloß ich mich regelmäßig die Bibel zu lesen: Die Erfahrungen waren überaus grausam! Um es kurz auszudrücken: Ich war entsetzt! Bei allen Lebensereignissen war doch kaum eines so aufrüttelnd wie die Begegnung mit dem Wort Gottes! Einige Eindrücke, und Fragen die bei mir aufkamen:

  • „Habe ich noch nie gehört!“ Wow, so viele Sachen wurden ja nicht ein einziges Mal in der Predigt erwähnt: Ich habe z.B. überaus gestaunt, wie versaut die Gemeinde der Korinther war. Und diese Leute nannte Paulus trotzdem Brüder? Wahnsinn, dabei schienen es recht seltsame streitsüchtige Hobbypfingstler gewesen zu sein. Menschen, die man üblicherweise als Irrlehrer links (heute wohl eher rechts) liegen lässt. Ganz ehrlich gesagt, über die kleinen Propheten hört man auch heute wenig und ich selbst bin da auch kein gutes Beispiel.
  • „Das Evangelium soll für den Christen da sein?“ Ich habe erwartet, dass Jesus, aber auch die Propehten deutlicher zwischen Nachfolgern und „Nichtnachfolgern“ unterscheiden würden. Aber alle schrieben so viel vom Evangelium, als würden selbst erfahrene Jünger, es zum ersten mal hören. Es war z.B. klar, dass die Briefe der Apostel an Gemeinden geschrieben sind, trotzdem erzählten sie teilweise sehr weitschweifig und oftmals von den Grundlagen auf das Evangelium. Braucht den ein Geretteter noch das Evangelium? Das war für mich etwas neues und unklares, auch ein Punkt, den ich viele Jahre nicht so recht verstand (und auch heute noch stück für stück neu lerne)
  • AT und NT sind sehr nah beieinander! Ich hätte eine deutlich größere Diskrepanz (obwohl das Buch der Richter schon sehr extravagant klang) zwischen AT und NT erwartet, angetroffen hat man eher einen sehr fließenden Übergang (ich meine, die ersten Christen haben ein dutzend Jahre darauf gewartet, bis sie bereit waren den Heiden das Evangelium zu erzählen…)
  • „Bin ich überhaupt unter Christen?“ Es viel schmerzlich auf, dass selbst unsere deutlich konservative evangelikale Liturgie nicht wirklich viel mit der des Neuen Testamentes zu tun hatte: Die Christen trafen sich täglich, sehr häufig (offensichtlich einmal die Woche) wurde Abendmahl gefeiert, man hatte einen sehr originellen Umgang mit Geld (zumindest Lokal). Es entstanden damals viele Fragen darüber, in wie weit die Urgemeinden überhaupt als Prototyp für Gottesdienstgestaltung geeignet sind. Die meisten Beschreibungen waren eher Indizien, weniger Anweisungen.
  • „Bin ich überhaupt Christ?“ Der Apostel Johannes schrieb davon, dass die Christen Gott lieben und ihre Brüder. Das war ein Abgrund: Mir wurde schmerzlich klar, dass schon die Aussage, weil ich Christ bin, strenge ich mich an Gott zu lieben, einen Wurm beinhaltet: Zwingen jemanden zu lieben kann man sich kaum, denn da steht man selbst an erster Stelle. Das schien mir ein unfassbares Hindernis zu sein. Von allen Schriften meiner ersten Runde durch die Bibel konnte ich mit den Schriften des Apostel Johannes wenig anfangen. Sie klagten mich ungemein an oder waren total unverständlich
  • „Kaum Fixierung auf DEN einen Augenblick DER Entscheidung“ Das habe ich ungemein vermisst, Texte über Bekehrungen, Zurufe. Die verschiedenen evangelistischen Predigten von Paulus und Petrus in der Apostelgeschichte wirkten ungemein blass. Ich hoffte sehr eine Stelle zu finden, die einen Altarruf deutlich machen würde und die Entscheidung für Christus klar macht, stattdessen wurde sehr statisch zwischen Gläubigen und Ungläubigen, Volk Gottes und Heiden, Geretteten und Feinden unterschieden. Statt eines Augenblicks ein ganzes Leben. Das irritierte, gab aber auch irgendwie auf eine mir damals unklare oder schwer zu beschreibende Weise sehr viel Kraft!
  • „Hilflosigkeit des Menschen“ Es war natürlich wieder Johannes (man muss hier hinzufügen, dass mein geistlicher Vater vor allem immer vom Johannes-evangelium angetan war, was das Dilemma verschärfte) der mit der Erzählung über die Begegnung von Jesus mit Nikodemus mich ganz schön vor den Kopf stieß: Ich meine Nebukadnezer will eigentlich was lernen, aber Jesus erzählt ihm was von Wiedergeburt, also von etwas, was er eh nicht verstehen kann, denn das könne eh nur einer wissen, der vom Himmel kommt, und ergreifen kann man es genauso wie den Wind, von dem man nur wisse von wo er weht und wohin er geht. Wow, Nikodemus kam mir ganz schön hilflos vor! Überhaupt wurde mir ein unfassbares Elend des Menschen an ganz vielen Stellen der Schrift deutlich. Nehmen wir z.B. das Gleichnis vom vierfältigen Acker. Als ich dieses Gleichnis zum ersten mal las, war ich entsetzt: Mir war klar, dass wenn ein Zuhörer eher vom „Typ Weg“ ist, er das nicht merken würde, dass er vom „Typ Weg“ ist, denn um das zu merken, müsste das Wort ja bereits Frucht tragen, aber es kann ja kein Frucht tragen, wenn es nicht eindringt, wodurch er bereits aufhören würde, vom „Typ Weg“ zu sein. Und das schlimmste: Er könnte sogar denken, dass er gar nicht vom „Typ Weg“ ist, und eigentlich eher „fruchtbarer Ackerboden“! Nun ja, die tatsächlichen Zuhörer zur Zeit Jesu waren mir da recht egal, aber was ist, wenn genau das auf mich zutraf? Diese beiden Begebenheiten sind exemplarisch für eine zentrale Botschaft der Schrift: „Gott erbarmt sich der Hoffnungslosen!“ Nur wie kann ich hoffnungslos werden, denn selbst wenn ich das weiß, dass sich Gott der Hoffnungslosen erbarmt, und ich mir vornehme hoffnungslos zu werden, steht schon mein eigenes Bemühen darum, und ich nutze etwas als Mittel, was ein Ziel sein soll. –> Das machte mich (Gott sei dank!) hoffnungslos! –> es muss jemand von außen eingreifen, aber wie erwirke ich mir seine Gunst? Wird er mich hören, wenn ich rufe?
  • Gott ist unfassbar gewaltig! Neben dieser Linie der Hilflosigkeit des Menschen eines  entwickelte sich die Zweite der Herrlichkeit Gottes. Ich verstand nicht viel von den Tieren und Rädern bei Hesekiel  (kaum mehr ist es heute), aber recht deutlich war das: Die heiligsten Männer mühten sich dabei ab, die Herrlichkeit Gottes zu erfassen! Schon hiermit waren Sie ordentlich beschäftigt! Wenn schon seine Herrlichkeit kaum ergründlich ist, war es kein Wunder, dass man Gott selbst nicht sehen konnte! Als ich zum zweiten Buch Mose kam und vom Wunsch Moses las, war ich so gefesselt, dass ich unbedingt weiterlesen wollte, ob sich denn sein Wunsch erfüllte. Aber er konnte nur die Herrlichkeit unter den Füßen Gottes sehen! Mehr war/ist für einen Menschen nicht drin! –>Damals erkannte ich an dieser Stelle nicht den Sprung zur Offenbarung Gottes in Jesus: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. “ (Joh 1,14)
  • In Christus die Mitte: Damals nur wage aber doch etwas verstanden (vor allem durch „Wer zu mir kommt, denn werde ich nicht von mir stoßen“), dass die zwei Punkte der Herrlichkeit Gottes und der Hilflosigkeit des Menschen nur durch den Mittler Jesus gelöst werden können. Deswegen haben die recht, die verkündigen, dass Christus die Mitte der Schrift sei!

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Gott hört Gebet!

Gebete sind zentral in der Bibel: Die Psalmen sind Lieder, und doch auch Bekenntnisse und Gebete der Gläubigen. Neben diesem Gebetsliederbuch haben wir noch viele ganze Kapitel von Gebeten, so z.B. das Tempelweihgebet Salomos, das Gebet Nehemias, die Gebete der Gemeinde….Beten tun die, die wissen wie groß Gott ist. Oder die wissen wie klein der Mensch ist. Offenbar gehören diese Beiden zueinander. Einer kann nicht beanspruchen, ein christuszentriertes Weltbild zu besitzen, ohne auch ein Beter zu sein. Obwohl, – so könnte man einwenden-, muss man überhaupt beten, wenn doch nichts gegen den Ratschluss Gottes geschieht und geschehen kann? Offensichtlich ist es so, dass Gebet und Vorsehung auf irgendeine Art zusammenhängen, was in der Schrift oftmals deutlich wird: So betet Daniel für die Rückkehr des Volkes Israel aus Babylon, obwohl er die Verheißung der Rückkehr kannte (Daniel 9). So beteten Gläubige für den Messias, obwohl hier der Heilsplan vor Grundlegung der Welt feststand. Und doch wurden diese Gebete auch erhört. Für mich ist es ein Mysterium, welches ein Weiserer als ich lösen muss. Aber dieses Mysterium motiviert mich zum Beten und heute möchte ich einige persönliche Gebetsanliegen erzählen, und wie diese erhört wurden:

  • Als wir mit unserem Zweiten bei der U3 waren, stellte der Kinderarzt eine intensive Hüftdysplasie fest und verordnete einen Termin beim Orthopäden. Vor diesem beteten wir intensiv für das Baby. Interessant waren die Details: Der Orthopäde begrüßte uns mit den Worten: „Ah, Dr. Leonhard schickt euch, er ist unfehlbar in seinen Diagnosen“. Nach einer intensiven Untersuchung kam aber die Diagnose, man könne keine Unregelmäßigkeiten vorstellen. Bei der U4 wurden wir zunächst getadelt, dass das Kind immer noch keine Spreizhose hatte. Hier wurde etwas großes in kurzer Zeit erhört
  • Etwas später hatte ich eine relativ verantwortliche Bestellung in der Arbeit zu tätigen, die knapp terminiert war und einen recht hohen Betrag wert war. Dies geschah am Freitag nachmittag. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde mir bewusst, dass ich aufgrund eines Denkfehlers fast alle Teile falsch bestellt habe. Schweißgebaded wachte ich auf und schrie zum Herrn. Ich musste mit mir kämpfen am Montag überhaupt zur Arbeit zu kommen aber ich ringte mich durch hier meinen Fehler einzugestehen. Doch davor schaute ich nocheinmal in die Bestellliste, diese wurde offensichtlich von einer unsichtbaren Hand korrigiert, anders kann ich es mir nicht erklären
  • Obiges sind zwei Beispiele für viele unzählige Gebetserhörungen: Ich habe erst nach der Heirat angefangen zu studieren, und die Anfangszeit war von unterschiedlichen finanziellen Problemen  beherrscht, wir besprachen diese aber nie mit Menschen sondern nur mit Gott. Wir haben so oft auf wunderbare Weise von Gott Hilfe erfahren. So konnte ich z.B. als Student eine sehr gut bezahlten Nebenjob finden, oder ich bekam eine unerwartete Entschädigungszahlung (die ich nicht beantragt habe) von der Zivildienststelle etc… Das interessante ist, die Hilfe kam immer gerade rechtzeitig. So oft haben wir erfahren, dass Gott stark ist, und haben aber oftmals zuerst an irdische Mittel gedacht, bevor man im Gebet zu ihm rief.
  • Ich bin handwerklich eine Niete und muss es immer wieder als eine demütigende Erfahrung neu lernen, mit Gottes Hilfe habe ich aber wirklich gelernt auch praktische Aufgaben zu bewältigen. Jesus ist einfach der beste Handwerker!
  • Neben diesen obigen Beispielen einer persönlichen Führung und Versorgung in praktischen Dingen, erfahren wir Hilfe im Gebet in vielen Seelischen Dingen, sei es, dass man um offene Augen bittet, um seinem Nächsten helfen zu können, um Demut eine Beleidigung zu ertragen, um Kraft in Durcheinanderzeiten ruhig zu bleiben etc… Hierfür vielleicht auch ein Beispiel: Einer meiner Kollegen macht mir das Leben eher schwer, aber ich sehe in Ihm genau den Kollegen den Gott sandte, um mich zu formen, so weiß ich auch, dass es nichts nützt, sich hier das Joch leichte r machen zu wollen, Gott ist keine Wunschmaschine! Aber es nützt definitiv was, bei Gott zu bitten in dieser Schule zu wachsen.

Was mir in den Jahren immer wichtiger wurde, keine Aufgabe zu trivial zu halten, um dafür zu beten!

(Apg 4:31) Und da sie gebetet hatten, bewegte sich die Stätte, da sie versammelt waren; und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und redeten das Wort Gottes mit Freudigkeit.

(Spr 15:29) Der HErr ist fern von den Gottlosen; aber der Gerechten Gebet erhört er.

Hochzeitswunsch an Alex U.

Ein langjähriger Freund von mir wird morgen heiraten. Aus unterschiedlichen Gründen, werde ich dort nicht dabei sein können. Ich habe mich entschieden einen durchaus ungewöhnlichen Gruß in Audioform zu verfassen.

Diesen findest du hier.

Das erwähnte Lied findet sich übrigens hier (nicht unbedingt die beste Übersetzung)

 

Counterpoints (1): Taufe

Eine große Gefahr, die ich im Bloggen sehe, ist es Unfrieden zu stiften. Vor allem kritische Artikel haben die Gefahr Fragen aufzuwerfen, die so nicht geplant waren. So stehen meine Leser und ich selbst in der Gefahr z.B. meine Kritik an den Russlanddeutschen nur bei den anderen zu sehen. Nach dem Motto: Was bin ich froh, nicht so zu sein, wie die anderen. Das große Problem ist doch, dass wir (wir einzeln und höchstpersönlich) gesündigt haben und der Vergebung benötigen. Auch bei Positionierung bei kontroversen Themen gibt es diese Option: Man verurteilt entweder den Autor (als ob dieser seine Meinung einfach so biegen und ändern könnte) oder man nimmt Gedanken auf, um mit einem unnötigen Stolz herunterzuschießen. Mit dem folgenden will ich weder jemand belehren, noch konvertieren noch zur Streitsucht aufbringen, aber ich beanspruche die Freiheit meine Position darstellen zu dürfen!

Persönliche Geschichte

Ich wurde als Kind in Kasachstan in einer halbillegalen-halbkommunstischüberwachten lutherischen Kirche getauft. Ich weiß vom dortigen Pastor nichts. Meine Eltern waren (und sind es immer noch) überzeugte Atheisten, sie tauften mich, weil es jeder der Deutschen es so im Dorf praktizierten. Sie gingen nach der Taufe nie wieder dort zur Kirche. Meine Taufpaten waren, da legte meine Mutter wert drauf, sehr anständige Leute, aber ebenfalls praktizierende Atheisten. So blieb meine Familie evangelisch, und wurde 1997 (da war ich 8) als luth.-evangelisch in den Papieren eingetragen. Bis heute zahlt meine Mutter und mein Bruder Kirchensteuer obwohl sie wirklich alles an Religion und Glaube verachten. Durch eine sehr ungewöhnliche Vorsehung kam ich zum Glauben an Christus. Es ist eine besondere Geschichte, die an anderen Stellen erzählt wurde. Nun war dies in einer Baptistengemeinde. Da ich noch meine Familie noch irgendwas auch nur in den entferntesten Verwandten etwas an christlicher Tradition hatte, war für mich klar, dass ich mich taufen lassen werde. So bin ich also tatsächlich ein klassischer Wiedertäufer geworden. Ich wurde zweimal getauft.

Die Wiedertäufer

Jahre später als ich die Geschichte oben in einem Kreis liberaler Theologen erzählte, ging ein Raunen in die Ecke. Erst damals bemerkte ich, dass in meiner persönlichen Geschichte durchaus etwas anstößiges liegt. Ich hätte immerhin die „eine Taufe“(Eph.4,5) in Frage gestellt. Wobei hier ja von der einen (im sinne von einzig wahren) christlichen Taufe die Rede ist, und nicht von einem Ereignis, dass sich auf gar keinen Fall wiederholen darf (im Sinne von einmalig). Witzig und völlig irritierend war, dass die selben Theologen die Irrtumslosigkeit der Schrift, die Jungfrauengeburt und ähnliches verwarfen. Man hatte also offensichtlich für die modernsten Züge Verständnis, aber bei der Taufe hörte das Verständnis seltsamerweise auf. Man beachte wie hart z.b. die Augustana von den Wiedertäufern redet.

Wildern bei der Bundestaufe

Auf jeden Fall und man darf mich korrigieren, wird von Vertretern der Bundestaufe gerne von einem Bundeszeichen gesprochen, vergleichbar der Beschneidung. So wird  eine ganze Familie (wie bei Noah, Abraham) etc unter einen Bund genommen, so dass eine Bundestaufe immer zeigt, Gott liebt dich und will einen Bund mit dir,noch bevor du dich für ihn entscheiden konntest. Und so wie ein Jude aufgrund der Beschneidung ständig daran erinnert wurde, hey du bist besonders, du bist erwählt, Gott hat ein Bund mit deinem Volk und dass ihn antrieb zur Heiligkeit, zur Absonderung, zur Treue an Gottes, so ist das mit der Taufe. Einem getauften Kind sagt diese ständig: Du hast das Bundeszeichen Gottes, und dass willst du jetzt durch Unglauben von dir Stoßen? (Dann bleibt logischerweise auch nur der Bundesfluch). Eine super Darstellung dieser Gedanken findet sich bei Ligon Duncan „Covenant Theology„.

Beim Lesen seiner umfangreichen Ausführungen zur Bundestaufe kam ich zum Ergebnis, dass meine Glaubenstaufe auch eine Bundestaufe war. Keines der von ihm angesprochenen Elemente dieses Bundeszeichens (z.B. dass es nicht retten kann) würde mir in meiner Glaubenstaufe fehlen. Was ich sagen möchte: Ich habe durch das Lesen eines Presbyterianers über die Kindertaufe sehr viel Trost über meine Taufe erfahren. Bisher war die Taufe für mich ausschließlich ein öffentliches Bekenntnis des persönlichen Glaubens (Vor allem 1. Tim.6,12 war hier für mich ausschlaggebend), der Bundesgedanke war mir fremd. Obwohl eigentlich gerade unsere Gemeinde ständig betonte, die Taufe ist „der Bund eines guten Gewissens“. was es genau bedeutete blieb mir verborgen, und ich erkenne welch unglaublicher Trost dahinter liegt zu wissen, Gott tritt in einem Bund, es ist dahinter ja eine sehr große Heilszusage verborgen, die in viel Not viel Kraft schenken kann. All dies beziehe ich übrigens auf meine Taufe als Erwachsener, ich habe aufgrund oben beschriebener Situationen wirklich Mühe dahinter irgendeine Art von Gottesfurcht zu entdecken (Man beachte, dass selbst zur Urzeit nicht nur das Volk Israel eine Beschneidung praktizierte, und nicht immer war die Beschneidung ein Bundeszeichen)

Fragen und Einwände

Zunächst einmal respektiere ich unterschiediche Taufverständnisse im Rahmen der Rechtgläubigkeit. Wie ich schon oben schrieb, will ich niemanden verprellen. Bei der Bundestaufe verstehe ich aber noch diese Dinge nicht:

a) Warum gibt es Paten? Ich meine Beschneidungspaten gab es ja nicht

b) Die Beschneidung galt nur den Männern, hier zieht die Parallele nicht. Zum Neuen Volk Gottes wird man nun nicht durch Beschneidung des Fleisches, sondern durch die Beschneidung des Herzens hinzugefügt, dieses Zeichen ist Männern und Frauen offen.

c) aus b folgt auch: Wenn ein Amoriter, Moabiter oder ein anderer Ausländer sich dem Volke Gottes anschloss (Vgl. im Buch Ester und an anderen Stellen Konvertiten), so nahm er das Bundeszeichen auch als Erwachsener an. Wenn man das Bild übernimmt, so gibt es ja den Bund Gottes nur mit solchen „Ausländern“, die das nicht von Natur oder ähnlichem haben. Ich meine, ich kann für meine Kinder nicht den Bund Abrahams beanspruchen, nur der Gläubige darf es.

 

Welche Fragen habt ihr an die Glaubenstaufe?

 

Ich liebe dich, aber nur unter diesen Bedingungen…!

barmherziger_Samariter

Einer meiner Freunde hat recht große Probleme in seiner Ehe. Die Ehefrau sagte ihm, dass Vergebung und Versöhnung nur möglich ist, wenn er verschiedene Anforderungen erfüllt. Nun warf er sich mächtig ins Zeug. Als aber die To-Do Liste erfüllt wurde, lag plötzlich eine weitere vor. Wohlgemerkt, ich rede hier nicht von ehelicher Treue, sondern Aussagen, wie “ du musst romantischer werden“, „du musst mir mehr Freiräume geben“ etc… Übrigens, einen beachtlichen Anteil an der Krise in dieser Ehe, haben auch beide Elternteile des Paares. Die eigenen Eltern des Betroffenen versagen ihm jegliche(!) Unterstützung, wie materiell oder beratend, da er sie als jugendlicher (also über 10 Jahre her) „enttäuscht hätte“. Die Schwiegermutter wiederum scheint größte Freude dabei zu haben, Öl ins Feuer zu gießen, wie konnte ihre Tochter sich nur so einen seltsamen Ehemann aussuchen….

Dieses Beispiel erzähle ich als Illustration für Folgendes: Wenn ich Liebe als das wirklich mindeste definiere, nämlich die Fähigkeit zur Gemeinschaft und Toleranz, dann stelle ich fest, wie oft diese Liebe einem verweigert wird, da man den Anspruch dafür erst verdienen muss. In der Praxis sieht das dann so aus: „Ich kann dir nicht helfen, in diese Misslage, in der du bist, hast du dich schließlich selbst reingebraucht, warum warst du auch so blöd, um…“ (Mit beliebigem Ausfüllen). Ach ne, welches Problem ist denn nicht (zumindest zu einem Teil) selbst verschuldet. Wenn ich keine Probleme hätte, würde ich doch gar keine Hilfe brauchen. es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass diese „Liebe mit Bedingungen“ gar keine Liebe ist. Liebe kann man hier auch mit Brüderlichkeit, Freundlichkeit, Treue, Hilfsbereitschaft ersetzen. Einmal brach ein mir sehr wichtiger Mensch mit mir jeglichen Kontakt ab, weil ich eines unserer Kinder so nannte, wie er es sich nicht wünschte. Zu einem anderen Zeitpunkt wurde ich dafür verachtet, dass ich Abitur habe und Studiere, mit der Anmerkung: „Christen, die studieren, darf man nicht trauen“. Die Beziehung zu meiner Mutter ist ebenfalls sehr angespannt, denn Sie ist sehr unglücklich über mich, erfülle ich doch ihre Vorstellungen nicht. Als ich einen beachtlichen Teil der Ansprüche wett machen konnte, wurde die Liste einfach entsprechend um weitere erweitert. Man ist also nicht einen Schritt weiter gekommen auf der Akzeptanz. Hier möchte ich nicht von der anderen Seite vom Pferd fallen, und entgegenrufen, wenn du mich nicht akzeptierst, dann liebe ich dich auch nicht, denn dann würde ich in die selbe Falle tappen (auch wenn die Versuchung dafür manchmal groß ist). Einmal, habe ich eine falsche Entscheidung getroffen, und habe dieses Szenario sehr deutlich zu spüren bekommen: Wir haben als Familie mal eine eher ungeschickte Wohnungswahl getroffen. Nach nur einem Jahr sind wir dann wieder umgezogen, und als ich einige um Hilfe frug, kam die Antwort prompt: „Warum sollte ich dir jetzt helfen, wärst du doch bloß nicht so doof, dahin zu ziehen“. Das mit dem Umzug ist natürlich eine Kelinigkeit, aber wenn Beziehungen über Jahre leiden, weil wir zu stolz zum Vergeben sind, dann ist die Lage eine ganz andere. Hier zeigen Sünden über Generationen ihre Wirkungen. Weiterlesen „Ich liebe dich, aber nur unter diesen Bedingungen…!“

Der Glanz und das Elend eines reformierten Christen

FivePillars

(Off 10:9)
Und ich ging hin zu dem Engel und sprach zu ihm: Gib mir das Büchlein! Und er sprach zu mir: Nimm hin und verschling es! und es wird dich im Bauch grimmen; aber in deinem Munde wird’s süß sein wie Honig.

Abgrenzung

Zunächst einmal verstehe ich unter reformierter Theologe vor allem das, was der Westminster Katechismus so einfach ausdrückt:

Das höchste Ziel des Menschen ist Gott zu verherrlichen und sich für immer an ihm zu erfreuen

So einfach kann man es also zusammenfassen. Willst du glücklich sein, dann suche Gott! Willst du Antwort auf die Frage „wie lebe ich richtig“ haben? dann suche Gott! Ein erfülltes Leben kann nur zur Ehre Gottes geführt werden, ein edleres, weiteres Ziel zu haben ist nicht möglich. Reformierte Theologie fängt also bei Gott an, und wenn Gott der Retter ist, ist man schnell bei dem, was die fünf Säulen der Reformation bezeichnet werden: Die Rettung ist nur aus Gottes Gnaden durch das Sühneopfer Jesu Christi möglich, welches alleine durch Glauben uns angerechnet wird. Kenntnis über diesen Weg des Heils und über diese Offenbarung der Gnade Gottes in Jesus Christus können wir nur durch die Heilige Schrift bekommen.

Folgen…

Hört sich zunächst einfach an, fängt aber irgendwann an, das ganze Leben des Menschen zu ergreifen. Wer vor Gott tritt oder ihm nahe kommt, kann nicht unverändert bleiben. Es fängt mit einer intensiven Sündenerkenntnis an, mündet in Reue und Buße und trägt Frucht in der Heiligung. Doch geheiligt werden kann nicht nur ein Glied, sondern nur der ganze Mensch. So muss sich Denken, Fühlen, Handeln dem Willen Gottes bücken.

…auch negative (?)

Der Preis für die Entdeckung der Offenbarung Gottes in Jesus Christus ist durchaus oft zu spüren. So…

  • gilt man gerne als einer, der die Praxis weniger wert achtet als die Theorie
  • langweilt man andere Menschen mit theologischen Fragen, die einen beschäftigen
  • löst man auch unter Christen nur ein Schmunzeln aus, wenn man von der Fürsorge, Führung und Vorsehung Gottes redet, die man geradezu sekündlich in seinem eigenen Leben erlebt.
  • findet man nur wenige andere Christen, die wirklich lebendiges Interesse daran haben, Gott zu entdecken, die meisten sind zufrieden damit, nicht in die Hölle zu kommen, oder in größere Sünden
  • wird man von der liberalen Theologie geradezu verdammt dafür, dass man der Schrift einen so hohen Stellenwert zumisst
  • bleibt man oft einsam
  • wird man verpönt für Ansichten, die die Kirche Christi fast 2000 Jahre fast einstimmig vertrag, aber heute so gut wie verloren sind

… vor allem positive (!!!)

aber mal im ernst, wie Paulus schrieb (Röm 8:37): Aber in dem allem überwinden wir weit um deswillen, der uns geliebt hat, was ist schon der Preis im Vergleich zum Lohn, der da ist (unter vielen Punkten einige ausgewählt).

Du hast als Reformierter nämlich

  • Zugang zu einem allumfassenden Weltbild. Hier eine tolle Zusammenfassung (Ausschnitt) „Reformierte Theologie ist auch eine allumfassende Theologie. Sie verändert nicht nur, was wir wissen, sondern auch, wie wir wissen, was wir wissen. Sie verändert nicht nur unser Verständnis von Gott, sondern auch unser Verständnis von uns selbst. Ja, sie verändert nicht nur unsere Sicht auf die Errettung, sondern auch wie wir anbeten, wie wir evangelisieren, wie wir unsere Kinder aufziehen, wie wir die Gemeinde behandeln, wie wir beten, wie wir die Bibel studieren – sie verändert, wie wir leben, weben und sind. Reformierte Theologie ist keine Theologie, die wir verstecken können, und sie ist keine Theologie, der wir nur ein Lippenbekenntnis zollen könne“
  • Kein Lebensbereich der nicht mit Sinn erfüllt wird. Ob Leid oder Freude, hohe oder tiefe Tage, bäm, in allem ist ein Werk Gottes zu führen
  • freie Lust und Liebe und Freude, Gott zu dienen, wir rufen „Abba, lieber Vater!“
  • Einklang mit der Lehre der Kirche, vor allem kirchengeschichtlich gesehen, ob Augustin, Luther, die Puritaner oder auch manch einer der mittelalterlichen Autoren, alle waren unglaublich bemüht, Gott und Christus ins Zentrum ihres Denkens zu bringen. Viele moderne Spielarten des Evangelikalismus kennen diese Nähe zur geschichtlichen Gemeinde kaum.
  • Heilsgewissheit

 

 

 

 

Über verschloßene Türen

Ist ein Mensch invalide oder hat besondere Unzulänglichkeit, spekulieren alle gerne darum, welches Ziel Gott mit diesem Menschen hat. Oft bleibt es unbekannt, aber doch ist auch dem betroffenen Christen oft klar, dass Gott ihn „seinen speziellen“ Weg führen will. Leider vergessen wir das allzu oft im Alltag. Der Charakter deiner (und meiner ) Kinder ist nicht zufällig. Die Ablehnung, die dir von Verwandschaft, Nachbarschaft oder Gemeinde entgegenbläst ist eine Gnadentat Christi. Oder sollte nicht alles zum Besten dienen, für den der Gott liebt? Das tröstet. Viel Unzufriedenheit rührt daher, dass man nicht mehr bereit ist überall die Führung Gottes und seine Fürsorge zu erkennen. Das hat zunächst einmal wenig damit zu tun, was genau Gott plant, obwohl wir das oft genug auch hier auf der Erde erfahren. Endgültig erkennen werden wir dies im Himmel. Weiterlesen „Über verschloßene Türen“