Eine Viertelstunde über die Selbstzufriedenheit

Ich halte die Zufriedenheit mit sich selbst für das Hauptleiden des konservativen Evangelikalismus. Darüber dachten wir gemeinsam in der Gemeinde auf der Gebetsstunde nach. Die Frage ist also nicht nur, ob Veränderung möglich ist, sondern auch notwendig ist. Die Bibel bejaht beides und sieht in Stolz einen Widerstand gegen die Autorität Gottes. Das dürfte ein lebenslanges Kampffeld werden.

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Christus: Stütze der Versuchten – Eine Predigt von George Whitefield

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Ich bin auf diese Predigt von Whitefield gestoßen. Als klarer Verteidiger reformatorischen Denkens tritt er hier in der Besprechung von Matth. 6,13 auf. Die, die vom „eigentlich ganz netten Menschen“ reden, sind dem Evangelium genau so fern, wie die heidnischen Philosophen. Denn der Mensch ist oft seinem Versucher sehr ähnlich. Voller Lüge, Stolz und Neid! Dass Satan Gott nichts gönnen kann ist eine Ursache der Versuchung durch den Satan. Ihm, diesen Uralten Listigen und Mächtigen Widersacher Gottes können wir alleine nicht widerstehen. Mit sehr deutlichen Tönen ruft Whitefield seine Zuhörer somit auf, Christus und sein Heil zu suchen. Spannend finde ich, dass Whitefield weder eine billige Gnade noch eine billige Buße verkauft. Buße und Bekehrung sind in dieser Predigt eine äußerst ernste Angelegenheit. Sicherlich ein Element der Verkündigung das heute verloren gegangen ist.

So macht man Christus zu einem halben Retter und gibt dem Menschen die halbe Ehre. Ich sage jedoch, Christus will deine ganze Gerechtigkeit, deine ganze Weisheit und deine ganze Heiligung sein, ansonsten wird er niemals zu deiner ganzen Erlösung.“

Meine Lieben verführt euch jedoch nicht selbst, denn Gott lässt sich nicht verspotten. Ihr ruiniert euch selbst für Zeit und Ewigkeit. Ihr betet „Führe uns nicht in Versuchung“, und fordert (gleichzeitig) Satan auf, zu kommen und euch zu versuchen.

„Oh! Wie sehr wünschen wir es uns, Jesus bereits früher gekannt zu haben, und sehnen uns nach seiner Liebe. Es ist eine aufsteigende Liebe, beeindruckend, vergebend, sterbend, erhöhend, vermittelnd und verherrlichend.“

Hier geht es zum download:

Die Predigt „Christus -Stütze der Versuchten“ von George Whitefield:

pdfdocxmobi und epub (Archiv)

Ich empfehle zudem die Kontroverse zwischen Whitefield und Wesley.

Übrigens: von Carl R. Trueman gibt es (auf englisch) einen wunderbaren Audio-Beitrag über George Whitefield, in dem er auch zahlreiche Literaturhinweise macht.

Eine Viertelstunde über Kol 3,2

Diesen Dienstag betrachtete ich Kol 3.2:

Leben in Christus

Kol 3,1-12 reiht sich in ein häufiges Motiv ein, dass Paulus regelmäßig in seinen Briefen bespricht: Der Gläubige ist gestorben (dem System der Sünde) und lebt nun im Geist/in Christus. (Vgl. auch Röm 6,1-14; 1 Kor 15,22; Eph 2,1-10). Insgesamt fasziniert die Dringlichkeit des Aufrufs zur Heiligung

Keine Askese

Ein „Trachten nach dem Himmlischen“ ist kein Leben als Eremit oder Asketiker. Nur einige Verse davor wendet sich Paulus gegen eine „engelhafte Frömmigkeit“ und ein asketisches Leben (Kol 2,16.18.21-22)

Gesalbt mit dem Geist Christi

Was ist denn überhaupt oben zu finden? Nun wir finden, Christus zur Rechten des Vaters! Aufgrund der Kürze der Zeit und der besseren Übersicht verfolge ich dieses Trachten gemäß der Ämter Christi (König/Priester/Prophet), die er auch mit uns auf gewisse Weise teilt (Vergleiche hierfür auch Frage 31 und 32 im Heidelberger Katechismus)

Hier geht es zum Audiofile:

Eine Viertelstunde über Kolosser 1.9-10

Auf unserer Gemeinde-Bibelstunde wurde ich gebeten fünfzehn Minuten über Kol. 1.9-10 nachzudenken:

Der Abschnitt ist natürlich in ein grandioses Gebet von Paulus eingebetet! Wie so oft verknüpft er Lehre, Ethik und Gebet in eine kaum zu entwirrende Einheit. Triumphierend wird die Überlegenheit Christi verkündigt, so wie im ganzen Kolosserbrief. Doch zunächst fiel mir die Wachstumsspirale auf, um die Paulus betet; Eines führe zum Nächsten: Erkenntnis des Willen Gottes –> Würdiges Leben vor dem Herrn –> Frucht bringen in jedem Werk –> Wachsen in der Erkenntnis.

Was bei der Erkenntnis anfängt, führt durch eine veränderte Praxis zu einer neuen Erkenntnis. Für einen Dualismus zwischen Theorie und Praxis bleibt da kein Raum. Auch bleibt wenig Platz für eine Mystifizierung des Bekerungserlebnisses als Ziel für Heiligung.

Im zweiten Teil der Predigt konzentriere ich mich darauf, was diese Wachstumsspirale unterbrechen kann. Ich denke, wenn das Wort Gottes nicht erst ins Herz dringt, und so Erkenntnis unterbunden wird, dann gibt es im Leben des Menschen auch nichts, was Frucht bringen kann. Neben Eisegese, Gleichgültigkeit gibt es weiteres Fehlverhalten gegenüber dem Wort Gottes: Man fixiert sich auf einige vertraute Autoritäten, liest den Text für den Anderen etc… Echte Erkenntnis Gottes bleibt da fern. Insgesamt war ich so angetan von dem Text, dass ich die vorgegeben 15 Minuten leicht überzogen habe:

A Preacher Man in New York

(c) Faithlife Logos

Heute möchte ich auf 7 Predigten von Timothy Keller aufmerksam machen. Immer wieder werde ich wirklich ergriffen und bewegt von seinen Predigten. Im Stil erinnert er mich oft an Wilhelm Busch: eine sehr enge Verknüpfung von Christlichen Dogmen mit der Verkündigung des Evangeliums. Dabei sticht Keller aber grundsätzlich durch eine präzise Textarbeit heraus. Keller konfrontiert den Skeptiker aus New York mit den der Botschaft vom Kreuz und zeigt wie es in das ganze Leben hineingreift

1 The Gospel in a Pluralistic Society

Während Religion höchstens noch als ein Gut für die Privatsphäre geduldet wird, konfrontiert das Christentum den Postmodernen Menschen mit seiner Exklusivität. Ist es dabei nur eine Religion von vielen? Nein, denn nur Christus beanspruchte von sich Gottgleichheit! Die Einzigartigkeit des Christentums sollte für jeden Skeptiker Motivation genug sein, sich mit dem Christentum auseinanderzusetzen. –>hier

2 Love and Lust

Christus warnt uns in der Bergpredigt eine Frau mit Begierde anzusehen. Nun, definieren wir unser Leben als unvollständig, wenn uns Sex fehlt, verdrängen wir Gott von einem nur Ihm zustehenden Platz. Zudem verliert, die Sexualität ihren „bündniserneuernden Charakter“ und verkommt vor allem in außerehelichen Beziehungen zu „Marketing“. –>hier

3 Everyone with A Gift

Nach 11 Kapiteln intensiver Doktrin der Rechtfertigung geht Paulus in Kapitel zwölf mit einem einfachen „Darum“ an die Umsetzung. Der gerechtfertigte Chrsit lebt mit einem lebendigen Opfer. Was ja wohl ein Paradox ist, denn wie kann ein Opfer noch leben. Offensichtlich hat ein noch lebendes Opfertier den entscheidenden Nachteil, dass es permanent vom Altar abhauen möchte. Hier ist täglich neue Hingabe nötig. Wie will man sonst seinem Nächsten dienen, wenn die Motive nicht erneuert werden? –>hier

4 A Tale of Two Cities

Gott ruft Kain permanent zur Buße, doch genau das will Ihm gar nicht schmecken. Er läuft lieber von Gott weg, und baut Städte. Ist das nicht der perfekte Nährboden für ein antichristliches System? In dieser Predigt entwickelt Keller sein Verständnis vom Dienst einer Gemeinde in einer Großstadt. –>hier

5 Meditation

Was hat der erste Psalm für heute zu bieten. Dabei trägt er dick auf. Der an den Geboten Gottes (= Schrift vollständig autoritativ) festhält wird so fest wie ein Baum. Dabei dürfte kaum ein Baum über Nacht tiefe Wurzeln kriegen. –>hier

6 David and Bathseba

Wenn schon die Helden des Christentums zu Mördern und Ehebrechern wurden, wie sieht dann wohl der Rest aus? Offensichtlich ist unser Zustand schlimmer, als uns bewusst ist, und nur die Vorsehung Gottes bewahrt uns vor dem Abgrund. –>hier

7 Abraham and The Torch

Nun meine Liebste Predigt: Gott schließt mit Abraham einen Bund. Doch wer trägt den Bundesfluch? Gott. Und der Bund wurde ja gebrochen, ja vielfach, bewusst und mutwillig. Gleichgültig und arrogant. Doch Gott bleibt seinem Worte treu und so nahm Christus den Fluch auf sich, damit uns die Bundessegnungen uns zuteil wurden. Eine biblisch-theologische Verteidigung der Bundestheologie und ihrer Bedeutung für die sehr praktische Frage: Wie kann ich wissen, dass ich aushalten werde!–>hier

NImm Keller aus der Quarantäne!

Ich meine es ist nicht so schwer im Web zahlreiche Kritik zu Keller zu finden. Offensichtlich macht es Keller vielen zu schwer. Einem Großteil zu „biblisch“ und „streng“ riecht er für die konservativen Evangelikalen zu sehr nach einem modernen Pastor. Das ermutigt mich für ein kleines Plädoyer: Als ich mich vor gar nicht so langer Zeit dabei erwischte, wie ich mich mit halb ausgegarten Argumenten und Antworten für ein christliches Leben zufriedenstellte, befielen mich tiefe Zweifel. Keller nimmt Skeptiker ernst, und er führt immer wieder dahin, dass das Christentum sehr wohl Antworten liefert, die Hand und Fuß haben.

Weiteres

Ca. 10% seiner Predigten gibt es umsonst zum Download. Bei mehreren tausend veröffentlichten Predigten ist das bereits eine ganze Menge. Ich empfehle auch den iTunes Kanal. Schließlich ist Keller aber auch ein begabter Autor. Eine gute Einführung in sein umfangreiches Werk findet sich hier.

Übrigens: Keller sprach 2017 bei google und 2018 vor Mitgliedern des britischen Parlaments.

Predigt: Wir aber predigen Christus, den gekreuzigten

kreuz an der Ostsee

Bildinfo: Caspar David Friedrich: Kreuz an der Ostsee

Bei einem Vortrag einer Musikalischen Gruppe über das Thema Kreuz, sprach ich über die Botschaft von 1. Kor. 1,23:

„wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit;“

Hierbei ging ich diesen vier Fragen nach:

  1. Für wen wurde gepredigt? –> Für ziemlich hoffnungslose Fälle aus der Gemeinde Korinth
  2. Wann wurde gepredigt? –> Als alle etwas anderes hören wollten, und die einen die Botschaft von Christus für Torheit und die anderen  für ein Ärgernis hielten
  3.  Wie wurde gepredigt? –> von sich weg zeigend, jederzeit und mit allen Mitteln
  4. Mit welcher Wirkung wurde gepredigt? –> Im Wegschauen von sich und Hinschauen auf Christus entwickelt sich eine mächtige Gotteskraft.

Die Predigt zum nachhören (Download):

Predigt: Jesus Christus herrscht als König

hebräer 1.5a

Jedem Bibelleser fällt auf, dass der Hebräerbrief voll alttestamentlicher Zitate ist; Kapitel 1 ist zu mehr als die Hälfte Material des AT.

So auch Vers fünf:

Hebräer 1,5 Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: „Du bist mein lieber Sohn, heute habe ich dich gezeugt „? 

Der Schreiber des Hebräerbriefes hatte unterschiedliche Anlässe: Die Christen, an die er seinen Brief richtete standen in der Gefahr, sich von Christus abzuwenden, ja sogar von ihm abzufallen! Abfall! wenn wir dieses Wort hören, dann kommen wir ganz schön ins Schwitzen. Jedoch der Autor erkennt das Problem der Hebräer: Diese denken zu gering von Christus, und deswegen versucht er mit auf unterschiedliche Weise, die Herrlichkeit Christi wieder groß zu machen unter den Hebräern. Und wie macht er das? In dem er das Alte Testament aufmacht und daraus die unterschiedlichsten Lehren zieht. So sind mehr als die Hälfte des ersten Kapitels des Hebräerbriefs, Zitate (sieben an der Zahl) aus dem Alten Testament. Das ist doch überraschend, man würde vielleicht auf weitere Erlebnisse hoffen, auf weitere Begebenheiten oder Erzählungen über Jesus Christus, aber der Autor begnügt sich damit, das alte Testament zu Rate zu ziehen. Offensichtlich macht das Alte Testament Christus groß. Und wie es das macht,davon ist der gelesene Vers ein Beispiel. Er sagt uns: Lies noch einmal genau nach! Habt ihr denn nicht gelesen, “dass die Schrift von Jesus zeugt” (Johannes 5,39)…

Hier geht es zum Skript der Predigt!

Download

Weiteres Material: Biblische Theologie im Hebräerbrief.