Meine protestantischen Vorhersagen zur Oscarverleihung

Ein Artikel von Carl R. Trueman: Die „Oscarverleihung“ (Academy Award) schaue ich nie an. Wenn ich vier Stunden meines Lebens damit verschwenden möchte, abwechselnd bevormundet oder daran erinnert zu werden, was für ein erbärmlicher Misserfolg Ich gemäß der Kriterien bin, an denen die heutige Gesellschaft festhält, kann ich jederzeit „The New Yorker“ lesen. Dennoch bin ich ausreichend über die Vorgänge bei den Oscars vertraut, so wage ich ein paar Vorhersagen:

Als Erstes sage ich voraus, dass die üblichen Verdächtigen dort sein werden, um ihre Tugenden zu verkündigen und heldenhafte Positionen gegen die Bosheit einzunehmen, obwohl #MeToo das eher traditionellere #JusticeForRoman ersetzt haben wird.

Als Zweites sage ich voraus, dass die Dankesreden voll von der Art tiefer politischer und philosophischer Analyse sein werden, die zu einer Selbstverständlichkeit für all jene geworden sind, die mit der besonderen Fähigkeit ausgestattet sind, sich einige Zeilen zu merken und vor einer Kamera vorzugeben, jemand anderes zu sein. Nur habe ich den schleichenden Verdacht dass ich völlig zufällig an irgendeine Tür in meiner Nachbarschaft klopfen könnte und einen tiefgründigeren Kommentar zu aktuellen Ereignissen hören würde, als je von einem Bewohner von Tinseltown. Doch nur wenige meiner Nachbarn sind fotogen, somit haben sie auch nichts von echtem Wert für unsere politischen Kultur beizutragen.

Das bringt mich zu meiner dritten Vorhersage: Wir werden erneut erleben, wie Ästhetik über Ethik triumphieren wird, oder vielmehr wie Ästhetik mit Ethik identifiziert wird, als die Vorgabe der Westlichen Gesellschaft für heute.

Denk dir nur: Der rote Teppich wird uns mit einer Parade wunderschöner Menschen versorgen. Das ist eine der Perspektiven. Hier ist die Andere: Es wird uns mit einem endlosen Strom an Menschen überfluten, die ihre Partner betrogen, Freunde verraten, Eheversprechen gebrochen, Familien zerstört und Abtreibungen durchgeführt haben. Die entlarvten Sexualstraftäter dürften dieses Jahr weniger auffällig sein. Aber ansonsten wird der übliche Karneval der Korruption in voller Länge gezeigt. Und er wird aufgrund seiner körperlichen Schönheit attraktiv sein.

Für bereits viele Generationen Amerikas darf Schönheit eine Vielzahl an Sünden zudecken. Oder vielleicht ist es präziser zu sagen, dass Schönheit eine Menge von Sünden in einen erstrebenswerten Lebensstil verwandelt hat. Natürlich haben die meisten Zuschauer der „Oscars“ eine genauso hohe Chance diesen Lebensstil zu erreichen wie die New Jersey Lotterie zu gewinnen. Freizügigkeit kann von den Reichen und Berühmten mit relativer Straffreiheit begangen werden, aber für den Armen ist sie äußerst destruktiv. Wenn, wie Dr. Johnson sagt, Lotterien die Steuern der Leichtgläubigen sind, dann verkauft Hollywood einen Lebensstil, dessen Hypothek von den Schwächsten bezahlt wird.

Hier gehe ich davon aus, dass wir in einem Bereich sind, in dem die „Oscars“ den Christen tatsächlich helfen können: Das Thema der Schönheit. In unserer äußerst sexualisierten Welt, wird Schönheit mit körperlicher Attraktivität identifiziert. Bedenkt man die Rolle, die Sex in einer Welt spielt, in der die sofortige Befriedigung zunehmend als Ziel menschlicher Existenz bewertet wird, wird die Verbindung, ja sogar Identifikation von Ästhetik und Ethik stärker zunehmen.

Doch Christen sollen dieses Spiel nicht mitspielen. Ein alternativer Ansatz wäre die Betonung von Ethik als unterschiedlich von Ästhetik. Ein Anderer Ansatz,  der anerkennt, dass die Menschen „poetische Tiere“ sind (nach William Hazlitt),  und dass wir zutiefst von Schönheit und Form angezogen werden,  besteht darin, in Christlichen Kreisen ein Verständnis wahrer Schönheit  zu fördern.

Es wird oft gesagt, dass der Katholizismus hier dem Protestantismus überlegen sei. Aber der Protestantismus verfügt über Schönheitsideale, die den Kern der Hollywood-Ethik treffen und in den Treiben des gewöhnlichen Lebens zu finden sind.

In Luthers Ablehnung der Grenzen zwischen den „Heiligen“ und den „Weltlichen“ haben wir den konzeptionellen Rahmen, um das Schöne im Alltäglichen zu sehen. Dieses Konzept wird von einigen katholischen Philosophen als Ursache der Säkularisierung verschrien, doch ich widerspreche.  Es sagt aus, dass eine einfache Freundschaft schön sein kann, eine alltägliche Hausarbeit schön sein kann, ein angenehmes Essen mit Freunden schön sein kann. Und in Luthers Betonung eines paulinischen Verständnisses des Kreuzes im 1. Korintherbrief als Widerspruch zur weltlichen Ästhetik haben wir die theologische Grundlage, Schönheit in und durch das zu sehen, was die Welt als schwach und widerwärtig bezeichnet.

Vergleiche zum Beispiel den Anblick einiger Hollywood Pärchen auf dem roten Teppich mit dem Anblick eines alten Ehemannes, der sich nach fünfzig Jahren Ehe um seine Frau kümmert, die von Alzheimer tödlich befallen ist. Natürlich ist das zweite Bild schöner; und doch muss dieser Standpunkt in einer Welt, die durch das Ziel persönlicher Befriedigung dominiert wird, rigoros verteidigt werden.

Wir sollten es nicht zulassen, dass das, was moralisch abscheulich ist, die Sprache der Schönheit beherrscht. In einer Welt, in der Geschmack die Wahrheit ist, ist es die Aufgabe der Kirche, Geschmack zu pflegen.

Christen müssen die Schönheit des Lebens in der Übereinstimmung mit dem Evangelium sehen und wir müssen wieder die Sprache der Schönheit verwenden und immer wieder betonen. Wir sollten es nicht zulassen, dass das, was moralisch abscheulich ist, die Sprache der Schönheit beherrscht. In einer Welt, in der Geschmack die Wahrheit ist, ist es die Aufgabe der Kirche, Geschmack zu pflegen. Und das beginnt mit dem Verständnis, dass das Kreuz, so dumm und beleidigend wie es für die Bewohner dieser Welt ist, für uns die Grundlage der Schönheit darstellt.

Es ist eine Botschaft, die bei den Teilnehmern der „Oscars“  leicht abprallen wird, so viel ist sicher. Und für viele im Publikum ist es Torheit. Eine Welt blanker Immanenz wird sich immer auf eine immanente Vorstellung von Schönheit konzentrieren. doch #MeToo macht deutlich, dass die Welt der sexuellen Schönheit seine eigene innere Hässlichkeit hat. Und wir sollten daran danken, dass Schwachheit, Leiden und Tot das Los aller Menschen sind. Für die Welt, sind solche Dinge nichts weiteres als Hässlichkeit und Niederlage. Für den Christen, liegt unter der äußeren Hässlichkeit die Schönheit des Evangeliums, denn das Kreuz bringt Leben und der Tod führt zur Auferstehung.


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Carl R. Trueman unterrichtete lange Zeit Kirchengeschichte am Westminster Theological Seminary und unterrichtet seit 2018 am Grove City College. Der hier veröffentlichte Artikel erschien zuerst am 27. 02. 2018 auf firstthings unter dem Titel: „My Protestant Oscar Predictions“Die Hervorhebungen wurden aber von mir vorgenommen.

Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors und firstthings.

Goldene Honigtöpfe

Normalerweise hätte zu diesem Artikel die Abbildung eines wohlgenährten gelben dicken Bären mit einem überquellenden Honigtopf gepasst. Aber wir wissen ja alle, welch riesigen kommerziellen Schaden ein Animationsstudio mit solcherlei Bildverletzungen nehmen würde (übrigens gefällt mir der sowjetische Winni Puch sowieso besser).

Auf jeden Fall fühle ich mich auch wie ein glücklicher Bär, der über eine riesige Kammer prall gefüllter Honigtöpfe stößt, wenn ich an die zahlreichen Möglichkeiten denke, vollständig kostenfrei an gute christliche Lehre zu stoßen.

(Eine wirklich kleine Kostprobe):

Monergism

Man muss dem Monergismus als theologisches Konzept nicht recht geben (was ich tue), um begeistert von dieser Webseite zu sein:

Ich meine, ist das nicht der Wahnsinn??? jeder kann für genau Null Euro und Null Cent über eine Bibliothek verfügen, über die uns noch vor 50 Jahren ein jeder beneidet hätte.  (Wer noch mehr Bücher sucht, schaue auf CCEL) Wer sich da keinen e-Reader besorgt und anfängt zu lesen hat die Kontrolle über sein Leben verloren (frei nach K. Lagerfeld).

Monergism bietet Material an, das kaum zu überschauen ist, entsprechend gibt es im Grunde genommen sowas wie eine Anleitung, die wirklich hilfreich ist (Wie selten gibt es solche). Zudem greife ich gerne auf die Suchfunktion zurück: Das Stichwort „Calvin“ z.B. liefert 392 Ergebnisse. Die vollständige Übersicht über Autoren, von denen sich Material finden lässt gibt es hier.

Wem das freie Literaturmaterial zu alt ist, darf dennoch vor allem vom Audio-Material begeistert sein. Die Liste der 75 besten Predigten ist ein Super Startpunkt(unbedingt Tim Keller, John Piper und Don Carson anhören). Natürlich darf sermon-audio als eine riesige Predigt-Datenbank nicht vergessen werden.

Material amerikanischer Hochschulen.

Eine Sache ist wirklich zu bewundern. Ein Studium in Amerika kostet so viel Geld, dennoch bieten viele theologischen Seminare eine Unmenge an Material an. Monergism hat die Besten gesammelt. Ich könnte mich wirklich selbst in den Hintern beißen, dass ich so spät auf die Idee gekommen bin, nach freien Inhalten von Seminaren zu suchen. Ich ärgere mich ungemein, dass ich auf diese Idee nicht einige Jahre früher gekommen bin. Weiterlesen „Goldene Honigtöpfe“

Zwei Essays von J. Gresham Machen

Bildrechte: gemeinfrei

Heute möchte ich auf die Übersetzung zweier Essays von J. Gresham Machen hinweisen.

„Geschichte und Gott“  war seine Antrittsrede zum  Assistent-Professor für Neutestamentliche Literatur am Princeton Theological Seminary.  Sachlich und Direkt rechnet Machen mit einem „historischen Jesus“ der liberalen Theologie ab.

In „Meine Gottesidee“ ringt Machen um die Verknüpfung der Transzendenz und Immanenz Gottes! Wie kann ein begrenztes Wesen einen unbegrenzten Gott aufnehmen? Besonders gelungen ist die Verknüpfing zwischen spezieller und allgemeiner Offenbarung Gottes.

Frei zum Download verfügbar als .pdf und .docx und in den üblichen e-Book-Formaten:

pdf: Geschichte und Glaube

docx: Geschichte und Glaube

E-Book: Echter Glaube an einen echten Gott

Pi ist gleich drei!

Das galt gelegentlich im Studium beim Bewältigen von technischen Aufgaben, wenn in Prüfungen kein Taschenrechner erlaubt war. Dabei weiß natürlich jeder, dass die berühmte Kreiszahl π etwas größer als 3 ist, nämlich

π= 3.1415926…

Und so weiter bis in die Unendlichkeit. So recht weiß also eigentlich gar keiner wie genau π lautet, ja es gibt sogar Wettbewerbe, die meisten Nachkommastellen zu ermitteln,aktuell ist man bei über 22 Billionen Nachkommastellen angelangt. Nicht umsonst nennt man solche Zahlen ja sogar Irrational. Und doch sind sie perfekt erfassbar, denn ich könnte mit einfachen Geographischen Mitteln Pi exakt bestimmen, dafür müsste ich nur die Funktion f(x) = sin(x) auf einem Blatt Papier aufzeichnen:

sinvonx
f(x) = sin(x)

Genau da wo die grün eingezeichnete Kurve die waagerechte y-Achse schneidet haben wir die Kreiszahl konstruiert. Obwohl man Pi also exakt konstruieren kann, kann man die Nachkommastellen aber nur als Ergebnis einer Folge ermitteln. Das scheint mir eine geeignete Illustration dafür zu sein, wie wir als beschränkte Wesen Zugang zu echter und wahrer Erkenntnis haben können. Doch vorerst ein Exkurs:

Exkurs: Salomo kannte π

Ein bisschen Mathematik, nicht nur für πetisten:

Und zwar beim Tempelbau, besser gesagt beim Bau des großen Wasserbeckens für die Priester. 1 Kö 7,23 berichtet davon: „Und er machte das Meer, gegossen, von einem Rand zum andern zehn Ellen weit, ganz rund und fünf Ellen hoch, und eine Schnur von dreißig Ellen war das Maß ringsherum“

Man wusste damals also schon um das ungefähre Verhältnis zwischen Umfang und Durchmesser bescheid, dabei nahmen die Konstrukteure Salomos ebenfalls großzügig π=3 an.

Das Becken Salomos sah also eher wie eine Ellipse aus, vielleicht so (Ermittelt mit diesem Tool hier):

ellipse
So sieht eine Ellipse mit einem Umfang von 30m und der langen Achse von 10m aus.

Die Konstruktuere konnten ganz schön stolz auf sich sein, eigentlich sieht man der obigen Ellipse fast nicht an, dass sie kein Kreis mehr ist! Weiterlesen „Pi ist gleich drei!“

Bereits jetzt, aber noch nicht!

Thomas Schreiner und Ardel Caneday  haben ein sehr wichtiges Werk verfasst, dass nun seit einiger Zeit auch im deutschsprachigen Raum erhältlich ist. Eine allgemeine Rezension wird noch auf nimm-lies erfolgen, an dieser Stelle möchte ich einen sehr hochwertigen Gedanken im Buch ausführlicher darstellen, das ist das Konzept des „Bereits Jetzt, aber noch nicht. Schreiner und Canaday kündigen ihre Absicht an:

„wir werden nachweisen, dass die Bibel das Heil mit vielen verschiedenen Metaphern so schildert: Es ist etwas, das schon jetzt wirklich unser Eigentum ist, weil wir als Erben einen Rechtsanspruch darauf haben, aber wir haben dieses Erbe noch nicht empfangen.“ (S. 45)

Die Beispiele, die die Autoren aufzählen, zeigen eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema: Weiterlesen „Bereits jetzt, aber noch nicht!“

Der HERR Jesus ist König!

hebräer_2_1-2.pngKeiner kann das erste Kapitel im Hebräerbrief lesen, ohne von der Menge der alttestamentlichen Zitate erschlagen zu werden. Bisher war ich zu faul, diese intensiver durchzuschauen und habe beinahe vieles verpasst, was sehr viel Freude am Heil bewirkt!

Hierfür habe ich mir ein relativ großes Diagramm erstellt. (Großversion hier downloadbar und hier in meinem Logos-Workspace; zur Ansicht ist ein kostenloser hierfür Account benötigt). Eine alternative Darstellung als Din-A4 PDF (Achtung: andere Farben der Markierung)  Mehr als die Hälfte des ersten Kapitels sind ja nur Zitate aus dem AT (orange hinterlegt), dabei vornehmlich aus den Psalmen, indirekte Hinweise nicht mitgezählt. Manche Erwähnung überrascht! Was, all diese Texte des AT sollen messianisch sein? Das lässt tief in das Verständnis der neutestamentlichen Autoren blicken, die überall im AT Christus entdeckten.

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Luther zur Übersetzung von Röm 3,28

Ein Vorwurf so alt wie die Reformation ist ja die Übersetzung Luthers von Röm 3,28: »Wir halten (dafür), daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.«  Das Wörtchen allein löste bereits zur Lebzeiten Luthers einen Sturm an Empörung aus! Wobei natürlich eine Übersetzung, die nur diesen einen Mangel hätte, ja durchaus als hervorragend zu gelten hätte, möchte ich hier auf eine Schrift Luthers aufmerksam machen:

Wenig bekannt zu sein scheint, dass Luther in seinem „Sendbrief vom Dolmetschen“ selber auf diesen Einwand eingegangen ist. Ein umfangreiches Zitat hier (der Text ließt sich leicht, flüssig, man ist oft belustigt, aber er ist wohl auch nichts für katholische Ohren…). Ich konnte mich nicht entscheiden welcher Abschnitt am sinnvollsten ist, aber die Quintessenz findet sich wohl vor allem im von mir kursiv gesetzten Teil (für die Eiligen–> Aber ihr verpasst definitiv was, seid also gewarnt!):
„Dem ehrbaren und klugen N., meinem geneigten Herrn und Freunde. Gnade und Friede in Christus. Ehrbarer, kluger, lieber Herr und Freund! Ich habe Eure Zuschrift empfangen mit den zwei Fragen, darin Ihr meines Unterrichts begehrt: Erstens, warum ich (im Brief an die Römer) im dritten Kapitel (Vers 28) die Worte des Paulus: »Arbitramur hominem iustificari ex fide absque operibus« so verdeutscht habe: »Wir halten (dafür), daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.« Ihr weist dabei darauf hin, wie die Katholiken sich über die Maßen unnütz ereifern, weil im Text des Paulus nicht das Wort »sola« (allein) stehet und solcher Zusatz von mir in Gottes Wort nicht zu leiden sei usw. Zum zweiten, ob auch die verstorbenen Heiligen für uns bitten, weil wir (Hiob 33, 32 ff.) lesen, daß ja die Engel für uns bitten usw. Auf die erste Frage (wo es Euch gelüstet) mögt Ihr Euren Katholiken von mir aus so antworten:

Weiterlesen „Luther zur Übersetzung von Röm 3,28“