Der pöbelnde, rebellische, saufende und antisemitische Luther

Ok, ich gestehe ein, ich habe die Überschrift nur als Lesemagnet gewählt, ändert aber wenig an meinem Anliegen:

Von Luther ist in der Welt wenig bekannt: Im besten Fall erkennt man ihn als einen, der für freies Denken und mehr Gerechtigkeit kämpfte, aber im großen und ganzen ein Kind seiner Zeit blieb. Mit „seiner Zeit“ meint man übrigens sowieso alle Zeiten, vor unserer Generationen, und diese Zeiten sind prinzipiell immer als dunkel, trüb, unfair zu werten. Aus irgendeinem mystischen Grund haben wir uns weiterentwickelt. Nur wohin wir uns entwickeln, das vermag keiner zu sagen.

Aber einen glaubenden Luther kennt man wenig. Auch der Christ hat von Luther ein Bild, eines unzufriedenen Mönches, dem mal das Papsttum so sehr auf den Keks ging, dass er 95 Sätze an eine Kirchentür drannagelte, später den Ausschluss aus der katholischen Kirche ignorierte, und selbst vor dem Kaiser nicht einknickte. Ein sturer, übermütiger Deutscher, der sich vor keinem beugen ließ, weil er es gehörig satt hatte. Den Rest seines Lebens verbrachte er damit zu saufen, gegen Juden und Katholiken zu pöbeln und selbst mit Leuten aus seinem Lager wegen Nichtigkeiten im Clinch zu liegen. Weiterlesen „Der pöbelnde, rebellische, saufende und antisemitische Luther“

Einige Slogans aus der Reformation

Sehr stolz bin ich auf eine Hülle für meinen E-Reader, denn mir meine Frau erstellt hat. Weiches Filz schont den empfindlichen Display des Reader, mir persönlich wichtig sind die Sprüche, die darauf gestickt wurden:

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Die 5 Soli

Sola Fide: Allein der Glaube! Nur durch Glauben können wir gerechtfertigt werden vor Gott.

Sola Scriptura: Allein die (Heilige) Schrift! Die Heilige Schrift ist genug, ausreichend, klar und notwendig für das Erkennen Gottes.

Solus Christus: Allein Christus! Nur er kann Mittler zwischen Gott und Mensch sein. Er ist das A und das O.

Sola Gratia: Allein die Gnade! Für seine Rechtfertigung hat der Sünder keinen Anspruch und Anrecht, diese geschieht allein aus Gnaden.

Soli Deo Gloria: Allein zur Ehre Gottes! Nichts kann unter dem Himmel geschehen, was nicht zur Ehre Gottes gereicht.

Neben diesen fünf bekannten Sätzen sind mir auch andere wichtig geworden:

Post tenebras lux: Nach der Dunkelheit kommt das Licht. Beginnend bereits hier wachsen wir immer weiter im Glauben bis wir das ewige Licht ergreifen.

Simul justus et peccator: Gleichzeitig Gerechter und Sünder. Ein Spruch Luthers, der damit mehrfach den Zustand eines Gläubigen beschrieb

Coram Deo: Vor dem Angesicht Gottes. Oder wie Francis Schaeffer es ausdrückte: A God who is there.

Veritas vos liberabit (nicht ganz klassisch reformatorisch): Die Wahrheit wird euch freimachen! Im Christlichen Denken bleibt wenig Raum für relativistische Weltsicht.

So möchte ich meine Bücher lesen: Im Bewusstsein, dass ich gerechtfertigt bin und doch Sünder zugleich, oftmals im Dunkeln stochere auf der Suche nach mehr Licht, und doch nur lesen vor dem Angesicht Gottes kann! Meine E-Book Hülle ist also auch meine Mahnung ist recht anzufassen. Mit der Absicht, die Wahrheit besser zu erkennen, um freier Christus dienen zu können, was nur durch Christus, durch Glauben und aus Gnaden möglich ist, wie es die Schrift uns lehrt! Schließlich mag auch dieser Tropfen zu seiner Ehre gereichen.

P.S.: eine ähnliche Hülle wird gerne auf Bestellung erstellt :-)

Dispensationalismus und Bundestheologie im Vergleich

Meines Erachtens eine faire Gegenüberstellung dieser beiden Strömungen im bibeltreuen Schriftverständnis hat Ligon Duncan in seiner Vorlesung Covenant Theology. Ein gut lesbares Skript dazu findet sich im .pdf-Format und .epub und .mobi Format.  Für Visuelle Typen geht es hier Richtung youtube (youtube-Pro-Tip: es gibt die Möglichkeit automatische Untertitel auf Englisch zu aktivieren).

Im Kapitel „Dispensationalism – A Reformed Evaluation“ führt Duncan eine hilfreiche und präzise Gegenüberstellung der beiden Positionen aus, die ich übersetzt habe und hier veröffentliche, man lese und staune über hermeneutische Unterschiede…

(Eine Anmerkung zu Beginn: Vor allem bei den letzten Punkten  kommen einige Fremdwörter. Diese können irritieren, was völlig verständlich ist. Ich habe gelernt diese zu akzeptieren, als ich anfing dahinter Codewörter zu sehen, um theologisches Verständnisse mit einem Label zu versehen. So kann man größere Zusammenhänge in kurzer Zeit gegenüberstellen. Eine kurze Erklärung der Begriffe findet sich unter dieser Tabelle. Wichtig: Es nützt wenig sich in Details zu verlieren und die klaren Linien zu übersehen) Weiterlesen „Dispensationalismus und Bundestheologie im Vergleich“

David in der Höhle Adullam

Aus der Beschäftigung mit Vern Poythress Buch „Reading the Word of God in the Presence of God“ ist diese kleine Andacht entstanden, die ich heute in einem Hauskreis besprechen werde:

1 Samuel 22,1-2:

1 David ging von dannen und entrann in die Höhle Adullam. Da das seine Brüder hörten und das ganze Haus seines Vaters, kamen sie zu ihm hinab dahin.

2 Und es versammelten sich zu ihm allerlei Männer, die in Not und Schulden und betrübten Herzens waren; und er war ihr Oberster, dass bei vierhundert Mann bei ihm waren.

Ausgangslage:

Beachtet die Ausgangslage: Seit 1 Samuel 19 ist David auf der Flucht vor einem rachsüchtigen Saul. Rache möchte Saul nehmen an David, und schließlich aber vor allem an Gott, der ihn als König verwirft. David soll sein erstes Opfer werden. So flieht David aus seinem Haus und von seiner Frau Michal nach Rama zu Samuel. Gemeinsam fliehen sie nach Najot bei Rama (1. Sam.19,18-24). Dort trifft sich David mit Jonathan und erfährt, dass der Hass Sauls tief in seinem Herzen verwurzelt ist. Es bleibt nur weitere Flucht, zunächst zu den Priestern nach Nob, später dann sogar zu Achisch, einem philistäischen Fürsten.

Schließlich findet David in der Höhle Adullam, also in der Nähe seiner Heimat Schutz. Dort schließen sich ihm zunächst seine Verwandten an, die auch fürchten mussten unter die Räder der Rache Sauls zu kommen und schließlich auch Menschen, die „in Not, in Schulden und betrübten Herzens“ sind. Diese sollen die Ausgangsarmee bilden, die angefangen bei 400 Mann irgendwann das ganze Israel besitzen sollen. Ab diesem Zeitpunkt schließen sich immer mehr Menschen David an, nicht umsonst wird unmittelbar danach berichtet, dass der einzige überlebende Priester Abjatar sich David anschließt. So werden Königreich und Priestertum aus dem Wirkungsbereich Sauls entfernt! David tröstet Abjatar mit den Worten: „Bleibe bei mir und fürchte dich nicht. Denn der, der mir nach dem Leben trachtet, der trachtet auch dir nach dem Leben; du bist bei mir in Sicherheit“ (1. Sam 22,23) Weiterlesen „David in der Höhle Adullam“

Gedicht: Die Bewahrung Noahs

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Als der Regen kam war die Türe zu
Noah und die Seinen waren geborgen
In der Arche herrschte Frieden und Ruh
Für ein Jahr würde Gott Sie versorgen

Vor Jahren sprach der große Gott
Und erwählte sich Noah nach seinem Rat
Er sprach zu ihm: es kommt Gericht und Tod,
Du wirst bewahrt, glaube nur in der Tat!

und so nahm Noah Axt, Säge und Beil
die Arbeit begann- die Söhne dabei
Sie glaubten und bauten die Arche zum Heil
Wie groß auch der Spott der Menge sei

„Was, ein Schiff baust du mitten im Land?“
so sprachen die einen als sie ihn sahen
„Du glaubst auch wohl an Gott den Heiland?“
So hörte man andere, diese bejahen

Der Spott bekümmerte Noah kaum
Überaus wachsen im Glauben er konnte
Für sich, Tiere und Nahrung, schaffte er Raum
so sah man ein Schiff bald am Horizonte

Was Gott bekümmerte mit Großem Leid
Seit Adams Fall herrschte an jedem Ort
die Sünde und große Gottlosigkeit
diese führte die Menschen von der Wahrheit fort

Als nun die Sünde regierte zum Tod
War Rettung zu finden in einem Ort
So wie das Kreuz erlöst aus der Not
War damals das Heil in Noah’s Boot

Die Rettung zu suchen im einfachen Holz
War vielen Genossen Noahs zu billig
So verachtete man die Arche stolz
Nur die Glaubenden zeigten sich willig

Am Kreuz geht auch heute so mancher vorbei
Es ist ihm ein Anstoß und eine Torheit
der Gläubige – zum Trotz – wird dabei Frei
vom Gericht  und der Sünde befreit

Die Gläubigen wurden in der Arche bewahrt
Für Jesus Christus ist das ein Bild,
so werden auch wir durch den Glauben verwahrt
so wird unsere Sehnsucht auf ewig gestillt!

Gott hört Gebet!

Gebete sind zentral in der Bibel: Die Psalmen sind Lieder, und doch auch Bekenntnisse und Gebete der Gläubigen. Neben diesem Gebetsliederbuch haben wir noch viele ganze Kapitel von Gebeten, so z.B. das Tempelweihgebet Salomos, das Gebet Nehemias, die Gebete der Gemeinde….Beten tun die, die wissen wie groß Gott ist. Oder die wissen wie klein der Mensch ist. Offenbar gehören diese Beiden zueinander. Einer kann nicht beanspruchen, ein christuszentriertes Weltbild zu besitzen, ohne auch ein Beter zu sein. Obwohl, – so könnte man einwenden-, muss man überhaupt beten, wenn doch nichts gegen den Ratschluss Gottes geschieht und geschehen kann? Offensichtlich ist es so, dass Gebet und Vorsehung auf irgendeine Art zusammenhängen, was in der Schrift oftmals deutlich wird: So betet Daniel für die Rückkehr des Volkes Israel aus Babylon, obwohl er die Verheißung der Rückkehr kannte (Daniel 9). So beteten Gläubige für den Messias, obwohl hier der Heilsplan vor Grundlegung der Welt feststand. Und doch wurden diese Gebete auch erhört. Für mich ist es ein Mysterium, welches ein Weiserer als ich lösen muss. Aber dieses Mysterium motiviert mich zum Beten und heute möchte ich einige persönliche Gebetsanliegen erzählen, und wie diese erhört wurden:

  • Als wir mit unserem Zweiten bei der U3 waren, stellte der Kinderarzt eine intensive Hüftdysplasie fest und verordnete einen Termin beim Orthopäden. Vor diesem beteten wir intensiv für das Baby. Interessant waren die Details: Der Orthopäde begrüßte uns mit den Worten: „Ah, Dr. Leonhard schickt euch, er ist unfehlbar in seinen Diagnosen“. Nach einer intensiven Untersuchung kam aber die Diagnose, man könne keine Unregelmäßigkeiten vorstellen. Bei der U4 wurden wir zunächst getadelt, dass das Kind immer noch keine Spreizhose hatte. Hier wurde etwas großes in kurzer Zeit erhört
  • Etwas später hatte ich eine relativ verantwortliche Bestellung in der Arbeit zu tätigen, die knapp terminiert war und einen recht hohen Betrag wert war. Dies geschah am Freitag nachmittag. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde mir bewusst, dass ich aufgrund eines Denkfehlers fast alle Teile falsch bestellt habe. Schweißgebaded wachte ich auf und schrie zum Herrn. Ich musste mit mir kämpfen am Montag überhaupt zur Arbeit zu kommen aber ich ringte mich durch hier meinen Fehler einzugestehen. Doch davor schaute ich nocheinmal in die Bestellliste, diese wurde offensichtlich von einer unsichtbaren Hand korrigiert, anders kann ich es mir nicht erklären
  • Obiges sind zwei Beispiele für viele unzählige Gebetserhörungen: Ich habe erst nach der Heirat angefangen zu studieren, und die Anfangszeit war von unterschiedlichen finanziellen Problemen  beherrscht, wir besprachen diese aber nie mit Menschen sondern nur mit Gott. Wir haben so oft auf wunderbare Weise von Gott Hilfe erfahren. So konnte ich z.B. als Student eine sehr gut bezahlten Nebenjob finden, oder ich bekam eine unerwartete Entschädigungszahlung (die ich nicht beantragt habe) von der Zivildienststelle etc… Das interessante ist, die Hilfe kam immer gerade rechtzeitig. So oft haben wir erfahren, dass Gott stark ist, und haben aber oftmals zuerst an irdische Mittel gedacht, bevor man im Gebet zu ihm rief.
  • Ich bin handwerklich eine Niete und muss es immer wieder als eine demütigende Erfahrung neu lernen, mit Gottes Hilfe habe ich aber wirklich gelernt auch praktische Aufgaben zu bewältigen. Jesus ist einfach der beste Handwerker!
  • Neben diesen obigen Beispielen einer persönlichen Führung und Versorgung in praktischen Dingen, erfahren wir Hilfe im Gebet in vielen Seelischen Dingen, sei es, dass man um offene Augen bittet, um seinem Nächsten helfen zu können, um Demut eine Beleidigung zu ertragen, um Kraft in Durcheinanderzeiten ruhig zu bleiben etc… Hierfür vielleicht auch ein Beispiel: Einer meiner Kollegen macht mir das Leben eher schwer, aber ich sehe in Ihm genau den Kollegen den Gott sandte, um mich zu formen, so weiß ich auch, dass es nichts nützt, sich hier das Joch leichte r machen zu wollen, Gott ist keine Wunschmaschine! Aber es nützt definitiv was, bei Gott zu bitten in dieser Schule zu wachsen.

Was mir in den Jahren immer wichtiger wurde, keine Aufgabe zu trivial zu halten, um dafür zu beten!

(Apg 4:31) Und da sie gebetet hatten, bewegte sich die Stätte, da sie versammelt waren; und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und redeten das Wort Gottes mit Freudigkeit.

(Spr 15:29) Der HErr ist fern von den Gottlosen; aber der Gerechten Gebet erhört er.

Über Staatliche Erziehung

Einige Gedanken über meinen Schulweg:

Meine Mutter war allein erziehend, und so waren wir als Familie auf Stütze (Hartz 4) angewiesen. Die Versorgung nahm gelegentlich bizarre Züge an. So bekam man zum Schulanfang einen geringen Betrag für Schulmittel (ich denke es waren 12 oder 15 EUR), diese wurden jedoch mit dem Basisbetrag für Hartz 4 verrechnet. Ab dem 16ten Lebensjahr hatte man sich einmal im Jahr oder pro halbes Jahr beim Arbeitsamt zu einem persönlichen Beratungstermin zu melden und musste sich verantworten, warum man sich nicht bemüht eine Arbeit zu finden… Die Ausrede „Ich gehe doch in die Schule (= Gymnasium)“ galt da nicht. Das sage ich nicht, um das Sozialsystem Deutschlands zu kritisieren. Ich bin ein großer Fan der Agenda 2010. Schröders Politik (obwohl SPD Politiker) erscheint mir mit einem klaren Konzept, mit vielen Ideen zur Stärkung des Bürgers und hatte vor allem eine Konzentration auf Innenpolitik. Drei Punkte die ich nach über 12 Jahren Merkel nicht erkennen kann (Dabei bin ich natürlich wie jeder Russlanddeutsche in dem Bewusstsein erzogen worden, dass nur die CDU für uns wählbar sei…)

Mein Vater, der sich als ich 8 war, von meiner Mutter trennte, und denn ich seit da nur noch zweimal traf, war ein äußerst geschickter Didakt und brachte mir bereits vor Einschulung Lesen, Schreiben und Rechnen (bis hin zur Division und Prozentrechnen) bei. Wie er das machte, bleibt mir ein Geheimnis, aber diese Fähigkeiten halfen mir beim Umzug nach Deutschland (mit ebenfalls 8) nicht den Anschluß zu verlieren. Und so kam ich, obwohl ein asoziales Kind, dann in der fünften in ein sehr ehrenwertes Gymnasium. Es gab nur zwei arme Kinder unter 28 Schülern: Mich und eine Iranerin (deren Vater immerhin Oliven im Kaufland verkaufte). Ich habe die ganzen reichen Schnösel verachtet, die trotz bester Behütung und überquellendem Wohlstand kaum bessere Leistungen brachten als ich. Die Lehre die ich daraus heute ziehe ist, dass Arme oft sehr viel Hass gegen Bessergestellte besitzen, und diesen „mit sozialer Gerechtigkeit“ überdecken, der sogenannte „Bildungsplan“ schüttet hier übrigens ordentlich Öl ins Feuer. Viele Leute können den Reichen ihren Wohlstand nicht gönnen und vergehen vor Neid und Hass und sündigen so wohl noch mehr als die Reichen in ihrem Stolz… Was ich übrigens nie empfand sind rassische Diskriminierungen, außer der, dass man als Russe bezeichnet wurde, obwohl man keiner war. (So war ich noch nie in meinem Leben in Russland und habe auch nie die Bürgerschaft Russlands gehabt). Die Leute glauben einem aber eher schwer, dass man Deutscher sei, wenn man Sergej heißt.

Was ist mir sonst sitzengeblieben: Wirklich wunderbare und tüchtige Lehrer habe ich gehabt, ansonsten war aber vor allem der Bildungsplan enttäuschend und auch die vermittelten Inhalte, einige Punkte:

  • Insgesamt gab es von der 5ten bis zur 13ten 5 oder 6 mal Aufklärungsunterricht. Einmal gab es eine Wiederholung aufgrund einer Lehrplanverschiebung. Einmal wurde das eine Klasse später wiederholt, was zum Ende der vorhergehenden Klasse besprochen wurde. „Fächerübergreifender Unterricht“ führte dann auch dazu, dass Sexualkunde natürlich auch in Religion (und hier in einer besonders perfiden Art, wer hätte es gedacht) besprochen wurde
  • Geschichtsunterricht, wenn man bedenkt, dass man 7 Jahre lang Geschichte hatte, habe ich das Gefühl, dass wir nur vier Themen hatten: ganz bisschen Römer, etwas mehr über das Mittelalter, noch etwas mehr die Französische Revolution, und die restlichen 95% waren über unzählige Besprechungen des dritten Reiches gedeckt. Im Rückblick bin ich vor allem über den Geschichtsunterricht meiner Schulzeit enttäuscht. Es ist so ein unfassbar lehrreiches Fach, und man macht eine Farce daraus. (Im Übrigen rege ich mich vor allem über die Verherrlichung der französischen Revolution auf, die glorreiche Revolution der Engländer erwähnte man nicht mal mit einem Wort…)
  • Ganz Bizarr: Der Lehrer, der Evolution unterrichten sollte, war Evolutionsskeptiker (er glaubte, dass wir von Aliens geschaffen wurden), somit wurde in der 9ten das Thema Evolution fast vollständig übersprungen… Fast Vollständig bedeutet, dass die eine Stunde, die das Thema besprochen wurde, von einem von mir gehaltenen Referat gedeckt wurde, welches die Evolution kritisch untersuchte. Ansonsten kam das Thema nicht mehr.
  • Französisch: Kein Junge konnte Französisch leiden. Somit habe ich nach vier Jahren Französisch vielleicht noch 20 Vokabeln inne. (Asche auf mein Haupt)
  • Deutsch: Im Nachhinein regt mich ungemein auf, dass behauptet wurde, es gebe eine Art goldene Hermeneutik bei Aufsätzen: Also den einen wahren Weg, einen Text/ ein Buch zu interpretieren. Kein Lehrer konnte mir aber erklären, warum ich bei einem Lehrer nur Einser für meine Aufsätze bekam und ein Jahr später bei einem anderen nur Dreier
  • Kunst: Der letzte Kunstlehrer war ein echter Romeo. Als ich ihn in einer Romanze mit einer Schülerin erwischte, gab es halt eine 6 (nebenbei gemerkt: welch Ironie).
  • Physik war eine schreckliche Enttäuschung. Im an die Schulzeit folgenden technischen Studium musste man ständig die „schulischen Vereinfachungen“ ablegen und mal echte Naturwissenschaften lernen
  • Die Krönung war aber der Musikunterricht, zwischen fünter und dreizehnter Klasse gab es keinen wesentlichen Unterschied: Es wurden immer noch „der Akkordaufbau“ erklärt und die selben Lieder gesungen (Ich glaube ich würde alle 12 noch hinkriegen: „Country Roads“, „I am Sailing“, „Amazing Grace“, „Heute hier, morgen dort“, „Lady Madonna“, „ein kleiner grüner Kaktus“ ) Als ein durchaus musikalischer Mensch habe ich den Musikunterricht von ganzem Herzen gehasst
  • Wir haben nicht ein Werk von Goethe gelesen…Warum nur?
  • Die Linken Lehrer in Geographie, Gemeinschaftskunde und Ethik wollten uns von morgens bis abends weiß machen, dass wir reiche Schnösel (ich meine wir, vergleiche weiter oben???) schuld wären für die Misere der ganzen armen Länder, weil wir zu viel Fleisch essen, weil wir zu viel baden (ihr wollt gar nicht wissen, wie man in unserem Haushalt Wasser sparte), weil wir zu viel Plastik benutzen (…und er packte sein stylisches Smartphone aus) etc etc etc…Witzig (hmm, wohl eher nicht), dass man alle Regeln verwarf, und viele neue noch weniger erfüllbare aufstellte.

Das schlimmste war und ist aber das ständige Wechseln des Bildungsplanes. Zu meiner Zeit ging es die ganze Zeit mit G8/G9 hin und her (Ich wäre ja eigentlich ganz starker G8 Bekenner, wenn man doch nur dieses Elend um ein Jahr reduzieren könnte…). Ich meine ein Bildungsplan, der in zehn Jahren völlig obsolet ist.  Meine Allgemeinbildung des allgemein bildenden Gymnasiums könnte also bald nicht mehr viel wert sein…

Dankbar bin ich für: Englisch, Deutsche Grammatik, Mathematik, Sport.