Track: In Gott allein

Die Christen Russlands lieben Gesang und Musik. So kenne ich heute auch keine umfangreichere christliche Notensammlung als das Notenarchiv des „Internationalen Bundes der Evangeliums-Christen-Baptisten“ (offensichtliche lieben sie auch lange Denominations-Namen). Hier finden sich ganze Partituren, Aufbereitungen für Soloinstrumente und auch Ensembles von bekannten und weniger bekannten Christlichen Liedern. Es ist etwas mühselig sich als deutschsprachiger durchzukämpfen, aber nicht ganz unmöglich.

Das Lied „In Gott allein“, dessen Version für Gitarre sich hier findet, konnte ich auch als Track  zur CD „O, weißt du, wie er für dich litt“ beitragen.

Das Lied kann hier angehört werden.

 

Gedanken über die Wiedergeburt

In unserer Gemeinde wird in der Bibelstunde das Glaubensbekenntnis unserer Gemeinde besprochen. 2 Prediger stellen jeden Dienstag dann jeweils eines der insgesamt 16 Kapitel des Glaubensbekenntnisses vor. Diesen Dienstag durfte ich mich mit einem Beitrag zum Thema „Wiedergeburt“ beteiligen.

Ich wählte die Heilung des Aussätzigen in Markus 1,40-45 als Leittext:

40 Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. 41 Und es jammerte ihn, und er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun; sei rein! 42 Und alsbald wich der Aussatz von ihm, und er wurde rein. 43 Und Jesus bedrohte ihn und trieb ihn alsbald von sich 44 und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. 45 Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekannt zu machen, sodass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; und sie kamen zu ihm von allen Enden.

Die Heilung des Aussätzigen eignet sich meiner Meinung nach aus mehreren Gründen dafür:

  • Aussatz trennt von der Gemeinschaft des Volkes Gottes, dem Gottesdienst im Tempel und somit auch von Gott. So geht es mit Sünde
  • Aussatz ist nicht übertünchbar, linderbar oder heilbar. So ist es mit Sünde
  • Aussatz konnte in der Bibel nur durch ein Wunder Gottes geheilt werden. So ist es ein Wunder wenn Sünder zu Heiligen werden. Ein Wunder der Gnade
  • Die Wiedergeburt bedeutet, dass Christus unsere Krankheit trägt. Zentral ist 2 Kor 5,20: Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.
  • Christus nimmt unsere Sünde und gibt uns seine Gerechtigkeit
  • Aufgrund dieser Aneignung der Gerechtigkeit ist wieder Gemeinschaft mit Gott möglich.

Audiobeitrag hier:

Track 1

Track 2

Zitat: „Der Glaube ist ein unruhig Ding“

„(…)wie alle Andern sich Christen und Gläubige nennen, so will ich auch sagen: „ich bin ein Gläubiger,“ denn sonst erhalte ich ja über das keine Aufklärung, was ich aufgeklärt wünsche.

Also ich antworte: „ja, ich bin ein Gläubiger.“

„Wie,“ antwortet Luther, „davon habe ich Dir Nichts angemerkt, und ich habe doch auf Dein Leben geachtet. Du weißt, der Glaube ist ein unruhig Ding. Wo hat der Glaube, von dem Du sagst, dass Du ihn habest, Dich unruhig gemacht; wo hast Du für die Wahrheit gezeugt und wo gegen die Unwahrheit; welche Opfer hast Du gebracht, was von Verfolgung erlitten für Dein Christentum; und daheim in Deinem häuslichen Leben, wo ist Deine Selbstverleugnung und Entsagung zu merken gewesen?“

„Ja, aber, lieber Luther, ich kann Dir versichern, ich habe den Glauben.“

„Versichern, versichern, was ist das für eine Rede? Den Glauben betreffend bedarf es keiner Versicherung, falls man ihn hat, denn der Glaube ist ein unruhig Ding, und gleich zu merken; und keine Versicherung kann helfen, falls man ihn nicht hat.“

„Ja, aber glaube mir doch nur, ich kann Dir so feierlich wie möglich versichern…“

„Ach halt doch ein mit dem Geschwätz, was kann Deine Versicherung nützen!“

„Ja, aber wenn Du doch nur eine von meinen Schriften lesen wolltest; so würdest Du sehen, wie ich den Glauben darstellen kann; so weiß ich denn auch, ich muss ihn haben.“ „Ich glaube, der Mensch ist toll! Wenn dem so ist, dass Du den Glauben darstellen kannst, so beweist das nur, dass Du ein Dichter bist, und wenn Du es gut machst, dass Du ein guter Dichter bist, aber es beweist Nichts weniger, als dass Du ein Gläubiger bist. Vielleicht kannst Du auch weinen, wenn Du den Glauben darstellst; das würde dann beweisen, dass Du ein guter Schauspieler wärest; Du erinnerst Dich wohl der Geschichte von dem Schauspieler im Altertum, der in dem Grade das Gerührtsein
darzustellen vermochte, dass er sogar weinte, wenn er vom Theater nach Hause kam, und mehrere Tage nachher weinte – das bewies nur, dass er ein guter Schauspieler war. Nein, mein Freund, der Glaube ist ein unruhig Ding; er ist Gesundheit, aber stärker und heftiger als das hitzigste Fieber, und wie es nicht hilft, dass ein Kranker versichert: ich habe das Fieber nicht, wenn der Arzt es am Pulse fühlt, und andrerseits, dass ein Gesunder sagt: ich habe Fieber, wenn der Arzt am Pulse fühlt, dass es nicht wahr ist – ebenso, wenn man nicht den Puls des Glaubens in Deinem Leben fühlt, so hast Du auch den Glauben nicht. Wenn man dagegen des Glaubens Unruhe als Deines Lebens Puls vernimmt, so kann  von Dir gesagt werden, Du habest den Glauben und Du „zeugest“ vom Glauben. Und das heißt dann wieder im eigentlichen Sinne predigen; denn predigen heißt weder den Glauben in Büchern darstellen, noch ihn in „stillen Stunden“ als Redner
darstellen, – es sollte ja, wie ich in einer Predigt gesagt habe, eigentlich „nicht in der Kirche, sondern auf der Gasse gepredigt werden“, – und der Prediger soll auch nicht ein Redner sein, sondern ein Zeuge, das heißt: „der Glaube, dies unruhige Ding, soll in seinem Leben erkennbar sein.“
Ja, der Glaube ist ein unruhig Ding. Lass mich, um doch in dieser Hinsicht ein
wenig aufmerksam zu machen, des Glaubens Unruhe in einem solchen Glaubenshelden
oder Wahrheitszeugen darstellen. So nimm die Wirklichkeit vor Augen;
die ist ja da in jedem Augenblick. Diese Tausende und aber Tausende und
Millionen, sie gehen Jeder seinen Geschäften nach: der Beamte den seinigen, der
Gelehrte den seinigen, der Künstler den seinigen, der Gewerbetreibende den
seinigen, der Verleumder den seinigen, und der Müßiggänger, nicht minder in
Anspruch genommen, den seinigen, und so weiter, Jeder geht seinen Geschäften
nach in diesem bunten Spiel der Mannigfaltigkeit, aus dem die Wirklichkeit besteht.
Inzwischen sitzt, wie Luther in einer Klosterzelle, oder auf einem abgelegenen
Zimmer, kurz für sich allein ein einsamer Mensch in Furcht und Zittern
und vieler Anfechtung. Ein einsamer Mensch! Ja, es ist Wahrheit. Es ist Unwahrheit,
was diese Zeiten erfunden haben, dass die Majorität, die Menge, oder das
geehrte gebildete Publikum es sei, von dem Reformationen ausgehen“

Sören Kierkegaard in „Zur Selbstprüfung der Gegenwart empfohlen„.

Mehr über und von Kierkegaard…

Hermeneutica fatale

Wie sieht eigentlich fundamentalistische Hermeneutik aus? Oftmals so:

Textwahl: Gab es eine Lohnerhöhung, so wähle man einen Text über Segen. Gab es einen Sündenfall, von dem jeder spricht, so wähle einen Text über die gottlose Zeit, den großen Abfall der Endzeit oder allternativ über die große Gnade Gottes. So vermeidet man ganz sicher, dass neue Gedanken und Impulse auf unwissende Schäffchen zukommen können.

Exegese: Die Story ist absolut pur auf dich zugeschnitten. In Fachkreisen wird diese Methode auch Narzigese genannt: der Held der Story ist man selbst, die Widerstände werden entsprechenden Problemen oder Problem-Menschen zugewiesen, die einen daran hindern das selige Nirvana, äh die himmlische Heimat zu erreichen. Umfangreiche Erklärung der Narzigese hier.

Appell an den Hörer: Hör auf mit XY (aber wie?)  und fange endlich an mit YZ (aber wie?), Versuche es noch etwas mehr, dich zu ändern! Wusste wohl schon auch Janis Joplin: Try, just a little bit harder. (P.S.: Mit dieser Anmerkung habe ich wohl zwischen erzkonservativen Evangelikalen und der 68er-Bewegung eine Verbindung hergestellt, man möge mir verzeihen)

Umgebungsbedingungen: Zeit unbedingt überziehen und sich regelmäßig wiederholen, wie schon Kurt Tucholsky feststellte (wieder ein Hauch von 68, war doch Tucholsky ein Kommunist):

 Sprich nie unter anderthalb Stunden, sonst lohnt es gar nicht erst anzufangen.
Wenn einer spricht, müssen die anderen zuhören – das ist Deine Gelegenheit!
Missbrauche sie.

Stilmittel: die Predigt wird eine kleine Terz (unbedingt Moll-Tonart einnehmen!) gesprochen als sonst. Ansonsten kann wahre Andacht nicht herrschen. Ironie ist dabei entweder das einzig zulässige oder das völlig verbotene Stilmittel.


PS: Für die Ernsteren unter uns ein Wort zur Besänftigung: Eigentlich liebe ich die Möglichkeit, dass möglichst viele in der Gemeinde mit einem Wort teilnehmen können. Aber alle die diese Möglichkeiten kennen, wissen wie viel Schabernack wir da getrieben haben. Ich fasse mich da zuallererst an der Nase! So viele Predigten, wo nicht einmal der geringste Bezug zu Jesus fiel, müssen gebrandmarkt werden!

Hochzeitswunsch an Alex U.

Ein langjähriger Freund von mir wird morgen heiraten. Aus unterschiedlichen Gründen, werde ich dort nicht dabei sein können. Ich habe mich entschieden einen durchaus ungewöhnlichen Gruß in Audioform zu verfassen.

Diesen findest du hier.

Das erwähnte Lied findet sich übrigens hier (nicht unbedingt die beste Übersetzung)

 

Nachgedacht: Du sollst nicht lesen!

Kaum eine Anmerkung höre ich öfter als diese. Meist lautet es eher so: „Ich würde dir empfehlen mich weniger damit auseinanderzusetzen“. Zu lange habe ich die Falle dahinter übersehen: Ratet mir einer auf andere weniger zu hören, will er sich ja selber zu einem Ratgeber machen! Wie aber kann ich einen Rat annehmen, wenn ich prinzipiell Ratgeber ablehnen soll? Nur von Jesus akzeptiere ich: „Hör nicht auf andere, höre auf mich!“

Anderes ist noch stupider:

  • Für was lesen, wenn man alles in Wikipedia nachschlagen kann
  • Es ist besser alles selbst zu entdecken (was ist aber wenn meine Meinungsbrille so dick ist, dass ich kaum was erkenne?)
  • Man wird nur verwirrt (Was ist aber wenn ich schon vor dem ersten Buch völlig verwirrt bin?)

Besser gefällt mir, was Spurgeon feststellte:

„It  seems odd that certain men who talk so much of what the Holy Spirit reveals to themselves should think so little of what he has revealed to others“

Kritik von Propheten

Man stelle sich eigentlich die Ungeheurlichkeiten vor, die die Propheten um sich warfen. Amos sprach davon, dass Gott Juda und Israel nicht schonen wird (Amos 2.4,6). Damit sagte er kurzerhand, dass all Unglück in Israel, sei es die Ausbeutung durch die Feinde, seien es Missernten ein Eingreifen Gottes ist. (Amos 3,6). Jeremija beklagte überall den Bundesbruch des Volkes (z.b. Jeremija 11) und selbst als man ihn ins Gefängnis steckte schrieb er seine Reden einfach auf. Nach dem Verbrennen derselben wurde die Kritik sogar noch länger. Aber ich glaube niemand trieb es toller als Hesekiel und Hosea. Hesekiel bezeichnete das Volk Gottes als Hure.  (Man stelle sich das einmal vor: das erwählte und erkaufte Volk Gottes wird mit einer Prostituierten verglichen, was für ein Sakrileg…) Dabei bedient er sich geradezu pornographischer Sprache (Hesekiel 16 ist ja wohl das Kapitel dass jeder Teenie verschmitzt in der Kirche liest…immerhin dieses Kapitel). Hosea treibt dieses Bild auf die Spitze (Achtung: Anachronismus), so dass er sich sogar selbst mit einer Hure vermählte, um die Situation des Volkes Gottes darstellen zu können.

Mögliche Reaktionen des Volkes:

  • Amos was fällt dir ein, wenn Israel so schlimm ist, dann bleib doch in Juda! Geh doch zurück in deine Heimat. Und überhaupt schau dir doch an was in Moab und Edom abgeht, da ist Israel das reine Paradies…
  • Jeremija du sagst, dass wir Gott untreu sind, dabei sind deine ständigen Depressionen und Jammerlieder auch nur ein Zeichen dessen, dass du an Gott irre wirst, offensichtlich bist du also kein Deut besser als wir… Das Gericht falle also auch über dich!
  • Hesekiel, so schlecht wie du es sagst, kann es gar nicht sein. Bestimmt hat Gott nur gute Absichten mit uns in Babel…Überhaupt ein Unding ein erwähltes Volk mit derart derben Begriffen zu belegen. Hesekiel, du bist bestimmt nicht orthodox