Vier Erzählungen über die Rechtfertigung

„So beobachten wir eindrücklich, dass bei Augustinus, Luther, Calvin und Bunyan jeweils eines der Ämter Christi besonders deutlich in ihrer Rechtfertigung in Christus zum Tragen kommt. Das heißt jedoch nicht, dass die anderen Ämter nicht ebenfalls ihre Funktion und Aufgabe in diesen Erlebnissen erfüllten. Die drei Ämter Jesu Christi können nicht voneinander getrennt werden, jedoch können sie deutlich voneinander unterschieden werden“  (B. Tanner in „Eine Theologie der Seelsorge„, S. 252)

Beat Tanner lehrte mich die drei Ämter Christi als König, Priester und Prophet. In seinem Buch entwickelt er diese Idee in unterschiedliche Richtungen, am ungewöhnlichsten fand ich die Anwendung in der praktischen Rechtfertigung:

Aurelius Augustinus (354 – 430)

„Schon als Jüngling war ich elend, sehr elend; bei dem Beginn meiner Jünglingsjahre hatte ich dich um Keuschheit gebeten und gesagt: „Gib mir Keuschheit und Enthaltsamkeit, doch nicht sogleich!“ Denn ich fürchtete, du möchtest mich allzu schnell erhören, mich allzu schnell heilen von der Krankheit meiner Lüste, die ich lieber bis zur Hefe genießen als erlöschen wollte. So wandelte ich auf schlimmen Pfaden in gottlosem Aberglauben, zwar nicht davon überzeugt aber ich zog ihn allem andern vor, was ich nicht mit Frömmigkeit suchte, sondern feindlich bekämpfte.
Ich hatte geglaubt, daß ich es nur deshalb von Tag zu Tag Aufgehoben alle Hoffnung der Welt aufzugeben und dir allein zu folgen, weil sich mir nichts Sicheres darböte, um meinen Lauf dahin zu richten. So war der Tag gekommen, wo ich in meiner ganzen Blöße vor mir stand und mein Gewissen in mir schrie: Wo bist du, Sprache? Du sagtest ja, du wollest, weil die Wahrheit unsicher sei, die Bürde der Eitelkeit noch nicht abwerfen (…)  Denn von ihr fühlte ich mich gefesselt und stöhnte laut in kläglichem Jammer. Wie lange? Wie lange? Morgen und immer wieder morgen? Warum nicht jetzt, weshalb setzt nicht diese Stunde meiner Schande ihr Ziel? So sprach ich und weinte bitterlich in der Zerknirschung meines Herzens. Und siehe, da hörte ich eine Stimme aus einem benachbarten Hause in singendem Tone sagen, ein Knabe oder ein Mädchen war es: Nimm und lies! Nimm und lies! Ich entfärbte mich und sann nach, ob vielleicht Kinder in irgendeinem Spiele dergleichen Worte zu singen pflegen, konnte mich aber nicht erinnern, jemals davon gehört zu haben. Da drängte ich meine Tränen zurück, stand auf und legte die gehörten Worte nicht anders, als daß ein göttlicher Befehl mir die heilige Schrift zu öffnen heiße und dass ich das erste Kapitel, auf welches mein Auge fallen würde, lesen sollte. Denn ich hatte von Antonius gehört, dass er beim Vorlesen des Evangeliums in  der Kirche, zu dem er zufällig gekommen war, das Wort, das da vorgelesen wurde, als eine Ermahnung auf sich bezog: Gehe hin und verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach. Durch solche Gottesstimme sei er sogleich bekehrt worden. Und so kehrte ich eiligst zu dem Orte zurück, wo Alypius saß und wo ich bei meinem Weggehen die Schriften des Apostels Paulus zurückgelassen hatte. ich ergriff das Buch, öffnete es und las still für mich den Abschnitt, der mir zuerst in die Augen fiel: Nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid, sondern ziehet an den Herrn Jesum Christum und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. Ich las nicht weiter, es war wahrlich nicht nötig, denn alsbald am Ende dieser Worte kam das Licht des Friedens über mein Herz und die Nacht des Zweifels entfloh. (Aus Augustinus, Aurelius: Bekenntnisse, Buch 8)

Augustinus bezeugt vorwiegend die befreiende Macht des Königs Jesus, welche ihn von der Sklaverei der Sünde befreite, aus dessen Macht er mit eigener Willenskraft niemals herausgefunden hätte. (B. Tanner, ibd, S. 254)

Martin Luther (1483 – 1546)

„Unterdessen war ich in diesem Jahre von neuem daran gegangen, den Psalter auszulegen. Ich vertraute darauf, geübter zu sein, nachdem ich die Briefe des Paulus an die Römer, an die Galater und an die Hebräer in Vorlesungen behandelt hatte. Mit außerordentlicher Leidenschaft war ich davon besessen, Paulus im Brief an die Römer kennenzulernen. Nicht die Herzenskälte, sondern ein einziges Wort im ersten Kapitel (V. 17) war mir bisher dabei im Wege: »Die Gerechtigkeit Gottes wird darin (im Evangelium) offenbart.« Ich hasste nämlich dieses Wort »Gerechtigkeit Gottes«, weil ich durch den Brauch und die Gewohnheit aller Lehrer unterwiesen war, es philosophisch von der formalen oder aktiven Gerechtigkeit (wie sie es nennen) zu verstehen, nach welcher Gott gerecht ist und die Sünder und Ungerechten straft. Ich konnte den gerechten, die Sünder strafenden Gott nicht lieben, im Gegenteil, ich hasste ihn sogar. Wenn ich auch als Mönch untadelig lebte, fühlte ich mich vor Gott doch als Sünder, und mein Gewissen quälte mich sehr. Ich wagte nicht zu hoffen, dass ich Gott durch meine Genugtuung versöhnen könnte. Und wenn ich mich auch nicht in Lästerung gegen Gott empörte, so murrte ich doch heimlich gewaltig gegen ihn: Als ob es noch nicht genug wäre, dass die elenden und durch die Erbsünde ewig verlorenen Sünder durch das Gesetz des Dekalogs mit jeder Art von Unglück beladen sind – musste denn Gott auch noch durch das Evangelium Jammer auf Jammer häufen und uns auch durch das Evangelium seine Gerechtigkeit und seinen Zorn androhen? So wütete ich wild und mit verwirrtem Gewissen, jedoch klopfte ich rücksichtslos bei Paulus an dieser Stelle an; ich dürstete glühend zu wissen, was Paulus wolle.

Da erbarmte sich Gott meiner. Tag und Nacht war ich in tiefe Gedanken versunken, bis ich endlich den Zusammenhang der Worte beachtete: »Die Gerechtigkeit Gottes wird in ihm (im Evangelium) offenbart, wie geschrieben steht: Der Gerechte lebt aus dem Glauben.« Da fing ich an, die Gerechtigkeit Gottes als eine solche zu verstehen, durch welche der Gerechte als durch Gottes Gabe lebt, nämlich aus dem Glauben. Ich fing an zu begreifen, dass dies der Sinn sei: durch das Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart, nämlich die passive, durch welche uns der barmherzige Gott durch den Glauben rechtfertigt, wie geschrieben steht: »Der Gerechte lebt aus dem Glauben.« Da fühlte ich mich wie ganz und gar neu geboren, und durch offene Tore trat ich in das Paradies selbst ein. Da zeigte mir die ganze Schrift ein völlig anderes Gesicht. Ich ging die Schrift durch, soweit ich sie im Gedächtnis hatte, und fand auch bei anderen Worten das gleiche, z.B.: »Werk Gottes« bedeutet das Werk, welches Gott in uns wirkt; »Kraft Gottes« – durch welche er uns kräftig macht; »Weisheit Gottes« – durch welche er uns weise macht. Das gleiche gilt für »Stärke Gottes«, »Heil Gottes«, »Ehre Gottes«.

Mit so großem Hass, wie ich zuvor das Wort »Gerechtigkeit Gottes« gehasst hatte, mit so großer Liebe hielt ich jetzt dies Wort als das allerliebste hoch. So ist mir diese Stelle des Paulus in der Tat die Pforte des Paradieses gewesen. Später las ich Augustins Schrift »Vom Geist und vom Buchstaben«,23 wo ich wider Erwarten darauf stieß, dass auch er »Gerechtigkeit Gottes« in ähnlicher Weise auslegt als eine Gerechtigkeit, mit der Gott uns bekleidet, indem er uns gerecht macht. Und obwohl dies noch unvollkommen geredet ist und nicht alles deutlich ausdrückt, was die Zurechnung betrifft, so gefiel es mir doch, daß (hier) eine Gerechtigkeit Gottes gelehrt werde, durch welche wir gerecht gemacht werden. „(Martin Luther: Vorrede zu Band I der lateinischen Schriften der Wittenberger Luther-Ausgabe, zitiert hier aus der Digitalen Bibliothek Band 63 S. 1083 (c) Vandenhoeck und Rupprecht)

Durch die Bekleidung mit dieser fremden Gerechtigkeit in Christus hat Luther das Erbarmen Gottes erfahren. Das Amt des Priesters bedeutet, dass Christus als das Lamm Gottes an der Stelle des Sünders gestorben ist. Das ist für Luther die passive, geschenkte Gerechtigkeit. (B. Tanner, ibd, S. 256)

Johannes Calvin (1509 – 1564)

Wir finden keine detaillierten Angaben über die Bekehrung von Johannes Calvin (…) Calvin erwähnt seine „plötzliche Bekehrung“ im Vorwort zu den Genfer Psalmen (1543). (B. Tanner, ibd, S. 257)

„Darum hat [Gott] mein trotz seiner Jugend schon recht starres Herz durch eine unerwartete Bekehrung zur Gelehrsamkeit gebracht. Erfüllt vom Geschmack der wahren Frömmigkeit, entbrannte ich in einem solchen Eifer, darin Fortschritte zu machen, dass ich die übrigen Studien zwar nicht fallen ließ, wohl aber ziemlich nachlässig betrieb“  (Johannes Calvin in seinem Kommentar zum Buch der Psalmen, zu finden hier.)

„Und als sich mein Geist nun zu ernsthafter Aufmerksamkeit bereit fand, da merkte ich erst, wie wenn mir jemand plötzlich ein Licht aufgesteckt hätte, in was für einen Sumpf von Irrtümern ich mich gewälzt hatte, mit wie viel Schmutz und Flecken ich daher verunstaltet war. Tief bestürzt über die Erkenntnis des Elends, in das ich gefallen war, und viel mehr noch dessen, was mir drohte – des ewigen Todes- tat ich, was meine Pflicht war, hielt nichts für dringlicher, als unter Seufzen und Tränen über meine bisherige Lebensführung den Stab zu brechen und mich auf deinen Lebensweg zu verpflichten. Und nun, Her, was bleibt mir Elenden anderes übrig, als Dir statt einer Verteidigung die Bitte vorzulegen, Du mögest mir diesen schrecklichen Abfall von deinem Wort nicht anrechnen, aus dem Du mich ein für allemal durch deine wunderbare Güte als dein Eigentum befreit hast.“ (Johannes Calvin (1539): Johannes Calvin entbietet Kardinal Sadolet seinen Gruss)

Calvin war der Schüler und das Wort Gottes sein Lehrer. Für ihn ist es wahre Erkenntnis, wenn der Mensch mit Ehrfurcht annimmt was Gott von sich selber bezeugen will (…) Für ihn war die Erkenntnis der Schrift ein wichtiger aspekt der Erlösung (B. Tanner ibd, S. 257)

John Bunyan

„Oh die Erinnerungen an meine großen Sünden, an meine großen Anfechtungen und an meine große Furcht vor dem ewigen Verderben, sie erwecken in meiner Seele aufs Neue die Erinnerung an die große Hilfe, die mir zuteil geworden ist, den grossen Beistand vom Himmel und die große Gnade, die Gott einem solchen Lumpen wie mir geschenkt hat.“ (…) „Eines Tages jedoch, als ich über Land zog, war mein Gewissen dermaßen niedergedrückt, dass ich fürchtete, es könne doch nicht alles in Ordnung sein. Da kam plötzlich folgender Spruch zu meiner Seele: „Deine Gerechtigkeit ist im Himmel“, und zugleich schien es mir, dass ich mit den Augen meiner Seele Jesus Christus zur rechten Gottes schaute. Dort, sage ich, war meine Gerechtigkeit. Wo immer ich auch sein mochte, und was immer ich auch tat, Gott konnte von mir nicht sagen, ihm mangelt meine Gerechtigkeit, denn diese hatte er gerade vor seinen Augen. Obendrein erkannte ich, dass nicht die gute Verfassung meines Herzen  meine Gerechtigkeit besser mache, noch meine schlechte Verfassung meine Gerechtigkeit verderbe; denn meine Gerechtigkeit war Jesus Christus selbst,  „Jesus Christus gestern und heute und derselbe in Ewigkeit“. Jetzt fielen meine Ketten wirklich von mir ab. Ich war erlöst aus meinen Anfechtungen und meinen Fesseln, auch meine Versuchungen wichen von mir.“ (John Bunyan in Überreiche Gnade., S 6 und 69)

Bei Bunyan erleben wir den prophetischen Aspekt der drei Ämter Christi am deutlichsten. Die Erinnerung an das Wort Gottes ist das Amt des Propheten (B. Tanner, ibd, S. 260)

 

Eine zeitgemäße Umdichtung von Hesekiel 16

Hast du auch diese ganzen Anklagen der Bibel satt? Möchtest du etwas lesen, was dir einfach gut tut, was dich bestätigt, was dir nicht irgendwie total super fremd vorkommt? Nun, ich helfe heute nach und fange damit an, dass ich Hesekiel 16 etwas humaner umformuliere. Dadurch geht der Text viel mehr um dich! Er ist viel humaner, denn du mein Leser, bist ein guter Mensch, einen Erlöser brauchst du natürlich nicht! Deswegen können diese veralteten Texte nicht so gemeint gewesen sein, sondern müssen in unsere Zeit übertragen werden und deine und meine Seele fein streicheln! Überhaupt diese ganzen absoluten Aussagen der Schrift! wir müssen alles relativieren, ich fange mal mit den ersten 18 Versen an, Hesekiel mit der Augen der Selbstrechtfertigung zu lesen! Nie vergessen, du bist das Zentrum des Universums und deswegen will Gott einzig und allein, dass du dich super gut fühlst!

Die Menschliche Variante von Hesekiel, Kapitel 16:

  1. Ich denke, dass könnte sowas wie Gottes Wort sein. Gott würde sagen:
  2. Selbst von einem Jerusalem, dass nicht ganz optimal ist, würde ich nur das Beste erzählen(nichts läge mir ferner als von Greueln zu reden)
  3. Wie ein absoluter Gott sage ich: Eure Vorfahren waren gute Völker, wie alle Völker es sind
  4. Als du als Volk enstandest, warst du genauso ein gutes Volk, wie ein feines gutes Kind, einfach ein typisch guter Mensch. Ich denke ein feines Baby symbolisiert dich gut
  5. Alle freuten sich über dich, so wie man sich über ein hübsches Baby freut. Du wurdest gut versorgt, denn du bist ja gut!
  6. Und ich freute mich auch, du warst einfach süß wie ein Baby, ich konnte dich einfach so annehmen. Jeder freut sich schließlich über feine Kinder
  7. Wie von alleine wurdest du fein und gut erzogen. Wie ein holdes Mädchen, so schön bist du, kaum Makel, komisch nur, dass du oft keine Kleider anhattest, aber es war ja deine eigene Entscheidung auf diese zu verzichten
  8. Ob nackt oder angezogen, mein ganzes göttliches Wohlgefallen ruhte auf dir! Ich gab dir noch mehr Kleider. Eigentlich brauchtest du keinen Bund mit mir, aber zusätzlich wollte ich meine Gunst durch einen besonderen Bund ausdrücken. Das soll aber auf keinen Fall so verstanden werden, dass ich irgendjemanden irgendwie bevorzuge.
  9. Du bist sauber und rein, und doch wenn du noch ein Wellnessbad bräuchtest, ich bin jederzeit da und gieße dir ein Bad ein
  10. Ich weiß dass du nicht so drauf stehst Kleider anzuziehen, aber falls du es mal erwägen solltest, ich könnte dir ein paar auch nicht schlechte Kleider geben, ist aber natürlich nur optional, ganz so wie du dich wohlfühlst
  11. Auch ohne Schmuck bist du spitze, überhaupt sich schmücken soll wohl böse sein, aber hier noch ein paar Ohrringe und Co. relax!
  12. Die ungeordneten Haare sind natürlich stylisch, wenn du magst, kannst du sie auch ordnen
  13. Finde ich spitze, dass du dich aus eigener Entscheidung für einen Style entscheidest, der mir gefällt. Natürlich kommt auf deinen Tisch nur das Beste!
  14. Schon vorher fanden dich alle super, aber wenn du noch den Glauben annimmst, wirst du noch coooler!
  15. Niemals wirst du dir was böses tun, wenn du mit anderen Götzen flirtest, dann nur mit den besten Absichten, Ich habe vollstes Verständnis dafür (Was für ein veraltetes und unzeitgemäßes Wort doch die Hurerei ist)
  16. Kein Problem habe ich damit, dass du meine Kleider mehr liebst als mich. Die Gaben anzubeten und nicht den Geber ist natürlich völlig in Ordnung
  17. Du betest alles an außer mich, aber ich stehe trotzdem voll Anerkennung vor dir, du bist nämlich gut!
  18. Und die Kleider die ich dir schenkte schmeißt du fort. Das respektiere ich, wenn dir mein Werk nicht genug ist!

Zur Klarstellung: Obiger Text ist Sarkasmus, unbedingt den tatsächlichen Text von Hesekiel 16 lesen!

Wer überwindet!

Folgende Zeilen habe ich in „In den Spuren Jesu“ von Georg Steinberger gefunden (S. 221f):

Eine dreifache Bedeutung liegt wohl in dem: „Wer überwindet“,das wir am Schluß von jedem der sieben Sendschreiben finden:1. eine Mahnung, 2. eine Ermutigung, 3. eine Verheißung.

1. Eine Mahnung.Mit diesem „wer überwindet“ ist nicht nur gemeint eine Überwindung der Sünde und der Welt im allgemeinen Sinn. Es soll nicht den Gegensatz bezeichnen zu dem früheren Weltleben,denn es richtet sich ja an die Gemeinde des Herrn. Es richtet sich an einzelne in der Gemeinde und will sagen: Wer die Trägheit,Gleichgültigkeit, das Abweichen und Zurückbleiben in den Gemeinden überwindet, wer da, wo andre hängen- und stehengeblieben sind,durchbricht, wer trotz aller Veräußerlichung um sich her in den göttlichen Linien bleibt und dem göttlichen Ziel zueilt, wer nicht wie Orpa umkehrt, wenn sie von Bitterkeit und Entsagung hört, sondern wie Ruth durchbricht und ihr Leben wagt (Ruth 1,6-14). Der erste und engste Kreis, wo wir Überwinder werden sollen, ist nächst der Familie die Gemeinde, der wir angehören und die ja auch nur eine Familie ist im weitern Sinn des Wortes. In Frau und Frau gegen Mann, gab es die erste Niederlage, und hier ist auch der Platz, wo der Überwinder die erste Probe machen muß; hier sollen die Überwinder erzogen und gebildet werden. Manche verlassenden Familienkreis, weil der Übungen hier so viele sind und weil ihnen dieselben so alltäglich und wertlos erscheinen, und treten in den Missionskreis, um dort in den Linien der Überwinder zukämpfen; andre verlassen ihren Gemeindekreis und schließen sich einem andern an, in der Meinung, dort eher ein Überwinder werden zu können. Aber das ist nicht der Weg, auf dem man ein Überwinder wird. Der Herr hat die Treuen nicht aus der Gemeinde weggerufen,sondern sie ermahnt, da ein Überwinder zu werden, wo sie stehen.Erst wenn wir uns in dem engen Kreis der Familie, der Gemeinde ausgewiesen haben als Überwinder, kann uns der Herr in weitere Kreise führen. Mancher will ein „Zeuge“ sein, bevor er ein „Zeugnis“gewesen ist. Die Art und Weise aber, wie Gott Seine Zeugen bereitet,ist: erst ein Zeugnis, dann ein Zeuge.

Weiterlesen „Wer überwindet!“

Hero of Faith (2): Jakob Wanke

Jakob Wanke, oder wie ich ihn damals nannte „Onkel Jakob“ ist der Mensch, der mich zu Christus führte, aber nicht nur mich, sein Zeugnis hat mindestens einem Dutzend Menschen die Augen aufgemacht! Heute möchte ich von ihm erzählen:

Ursprünge

Diesen Teil kenne ich nur von seinen persönlichen Erzählungen, die er aber selten machte, deswegen kann ich nicht für die Zuverlässigkeit aller Aussagen gerade stehen:

Jakob Wanke wurde in Kasachstan geboren und wuchst unter säkularen und armen Verhältnissen auf dem Land auf. Er lernte gut, durfte studieren (was er, so erzählte er einmal mir, nur deswegen machte, um dem Militärdienst zu entkommen) und arbeitete später als Lehrer. Als Sportlehrer war er so erfolgreich, dass er später auch eine Fußballmannschaft der ersten sowjetischen Fussballiga trainierte. Relativ spät heiratete er und hatte mit seiner Frau eine Tochter. Zu diesem Zeitpunkt trank er schon regelmäßig Alkohol und wurde irgendwann auch Alkoholabhängig. Alkohol bestimmte nun sein Leben und setzte seine Ehe permanent unter Druck und Gefahr. Mehrmals wollte seine Frau sich von ihm trennen. Knapp unter Fünfzig zog er Anfang der Neunziger mit seiner Familie nach Deutschland, in der Hoffnung einen Neuanfang machen zu können. Aber Satan erwies sich auch in Deutschland als der Selbe, und die Auswahl an Alkohol war hier nur größer. er versuchte intensiver davon freizukommen und goß regelmäßig die Flasche in die Toilette, aber am nächsten Tag griff er zu einer Neuen. Irgendwann wurde er sogar in eine Heilanstalt eingewiesen, die aber wenig Hoffnung auf Genesung gaben (Anmerkung: Davon zeigte er mir einmal einige offizielle Dokumente): Auch die inneren Organe waren nun stark betroffen auch von Leberzirrhose.

Gott greift ein:

Doch hier griff Gott ein. In einem Deutsch-Sprachkurs begegnete er einem Christen, der ihn in den Gottesdienst mitnahm. Er ging hin, sah und glaubte! Ja bereits nach einigen Wochen erkannte er, dass Rettung nur in Christus liegt, konnte Buße tun und Glauben. Auch seine Familie schloss sich seiner Entscheidung an. Die Gemeinde lag 30 km von seinem Wohnort entfernt, doch weil es seine Geistliche Heimat war, besuchte er diese von da zu allen Gottesdiensten

Gott befreit:

Jakob Wanke wurde von seiner Alkoholsucht sofort befreit, was ihm sehr viel Kraft gab von Christus zu zeugen. Er wusste, dass in Christus Heil und Heilung liegt!

Gott verändert:

Nun fängt die Zeit an,in der auch ich ihn persönlich kennengelernt habe: Onkel Jakob wurde nun ein eifriger Zeuge für Christus. Egal wenn er traf, er erzählte diesem, dass Heil in Christus liegt. Da er zunächst noch nicht so gut Deutsch konnte, ging er vor allem auf die Russlanddeutschen zu. So war er eigentlich ständig im Übergangswohnheim für Aussiedler und suchte mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. „Du brauchst Jesus!“ „Du musst dich bekehren!“, „Wie willst du frei werden?“, relativ direkt ging er auf die Leute zu. Damals als zehnjähriger konnte ich ihm gelegentlich zuhören, wie er mit den Leuten sprach. Da ich durch den Umzug nach Deutschland meinen Vater verloren habe, fühlte ich mich zu ihm angezogen und so frage ich ihn einmal: „Dürfen Kinder eigentlich auch in die Kirche gehen?“.

Gott gebraucht

Ab diesem Zeitpunkt nahm er mich regelmäßig zum Gottesdienst mit. Aber nicht nur mich, denn seine Arbeit zeigte langsam Frucht. Ständig fuhren auch andere Leute mit, die aber bald das Übergangswohnheim verließen und in private Wohnungen zogen. So sammelte er Sonntags zweimal (zweimal Gottesdienst) und jeweils Freitags die Leute in ihren Wohnungen ein und fuhr dann mit einem voll gefüllten Neunsitzer-Bulli (ich will gar nicht erzählen, wie oft ich im Kofferraum saß, weil alle Plätze belegt waren) ins 30 km entfernte Öhringen. Es gab damals auch einen kleineren Hauskreis in Schwäbisch Hall, den er selbst organsierte, er mietete dafür einen Raum. Sowohl für die Kosten wie auch für die Fahrten kam er immer aus eigenem bzw. dem Einkommen seiner Frau auf. Nicht ein einziges Mal habe ich ihn um finanzielle Unterstützung biten gehört. Jeder wusste um seine Selbstlosigkeit. Man konnte (damals war er bereits 60 und in Rente) ihn jederzeit besuchen und er nahm sofort ein Gespräch auf. Immer wieder lebte Hilfsbedürftige für Wochen, in einigen Fällen sogar für Jahre in seiner Wohnung. Diese Selbstlosigkeit erforderte ein großes Opfer. Das was anderen gegeben wurde, sparte die Familie an allen Ecken und Enden und lebte selbst auf Sparflamme. Die Familie lebte wirklich für Jahrzehnte in Armut, um andere reich machen zu können (2. Kor 6,10). Er ist es, der mir jahrelang die Grundlagen im Glauben beibrach. Eigentlich war das Bild, wenn man in seine Wohnung kam, immer das selbe: Er saß am Küchentisch mit der Bibel. Mit über 60 versuchte  er sich im altgriechisch und lerne eine große Menge Psalmen auswendig. Er wusste, dass das Heil im Worte Gottes ist und trichterte es eigentlich ständig seinen Mitmenschen ein. Einmal fuhr er in den Urlaub nach Griechenland, mit der Folge, dass dort mehrere Menschen zum Glauben kamen, die von nun an von seiner Ortsgemeinde betreut wurden.

Ihr möchtet ihn kennen lernen? Besucht die ECB-GEmeinde in Öhringen  und dort werdet ihr einen bereits dementen alten Opa im Rollstuhl sehen, das ist „Onkel Jakob“, aber gebt eure Suche dort nicht auf, fragt den Pastor und den Diakon der Gemeinde, dass sie euch von Onkel Jakob erzählen. Fragt seine Frau und seine Tochter, ihr werdet einen ganz ungewöhnlich gewöhnlichen Glaubenshelden kennen lernen können.

 

Bereits jetzt, aber noch nicht!

Thomas Schreiner und Ardel Caneday  haben ein sehr wichtiges Werk verfasst, dass nun seit einiger Zeit auch im deutschsprachigen Raum erhältlich ist. Eine allgemeine Rezension wird noch auf nimm-lies erfolgen, an dieser Stelle möchte ich einen sehr hochwertigen Gedanken im Buch ausführlicher darstellen, das ist das Konzept des „Bereits Jetzt, aber noch nicht. Schreiner und Canaday kündigen ihre Absicht an:

„wir werden nachweisen, dass die Bibel das Heil mit vielen verschiedenen Metaphern so schildert: Es ist etwas, das schon jetzt wirklich unser Eigentum ist, weil wir als Erben einen Rechtsanspruch darauf haben, aber wir haben dieses Erbe noch nicht empfangen.“ (S. 45)

Die Beispiele, die die Autoren aufzählen, zeigen eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema: Weiterlesen „Bereits jetzt, aber noch nicht!“

Gute Vorsätze gesucht?

Jakobus 4,17: Denn wer da weiß Gutes zu tun, und tut’s nicht, dem ist’s Sünde.

Gute Vorsätze für das Jahr 2019 gesucht? Hier zehn Vorschläge!

Zunächst etwas Theorie:

Jakobus macht uns darauf aufmerksam, dass gute Werke zunächst Weisheit benötigen, und nachdem man erkannt hat („das Gute weiß“) auch Fleiß aufzubringen hat, um dem Nachzukommen. Da man hier schnell in Sünde fällt, können Gute Taten nicht ohne Gnade und Vergebung geschehen (Beachte auch den unmittelbaren Kontext des Verses, z.b.: „So Gott will und wir leben…“) Ein Spezial Input.: Als Reformiert Denkender erkenne ich hier natürlich auch das dreifache Amt Christi als König (Fleiß für gute Werke), Priester (Weisheit für gute Werke) und Prophet (Gnade für gute Werke)

Drei Ideen um ein besserer „Nächster“ für seinen Nächsten zu werden: Weiterlesen „Gute Vorsätze gesucht?“

Hero of Faith (1): Wolfgang Dyck

wolfgangdyck

Ich habe in 2018 etwas zurückgeschaut auf meine Quellen, die mich in bald 20 Jahren Nachfolge Christi genährt haben. Ein Name ist hier mit besonders vielen Emotionen verbunden: Wolfgang Dyck. Einige Basisinformationen:

Ich weiß gar nicht mehr wie ich auf die berühmte Predigt von Wolfgang Dyck „Vom Knast zur Kanzel“ gestoßen bin. Sie hat mich als Teen total gefesselt, so dass ich sie in kürzester Zeit mehr als einige dutzend Mal angehört habe. Später habe ich festgestellt, dass noch  Später habe ich noch weitere Predigten von ihm entdeckt.

Als uneheliches Kind geboren und in Heimen und Erziehungshäusern aufgewachsen wurde Wolfgang Dyck schon als Jugendlicher wiederholt straffällig und verbrachte elf Jahre seines Lebens hinter Gefängnis- und Zuchthausmauern. Durch den Kontakt zur Heilsarmee erlebte Dyck 1960 in Stuttgart seine Umkehr zu Jesus Christus, die sein Leben total veränderte. Aus dem ehemaligen Schwerverbrecher wurde nun ein leidenschaftlicher Rufer zu Jesus Christus. In Kneipen, Nachtlokalen, Gefängnissen und auf der Straße verkündigte er die Frohe Botschaft vom Kreuz. 1970 verstarb er bei einem tragischen Autounfall mit gerade erst 39 Jahren. Trotzdem sind seine Predigten auch heute noch äußerst aktuell. Sein Stil ist einfach, lebendig und erfrischend. An dieser Stelle, sollen die heute noch verfügbaren Werke von und über Wolfgang Dyck vorgestellt werden f. Seine Lebensgeschichte gibt es auch in Buchform. Insgesamt sind etwa drei kurze Schriften vorhanden, die von seinem Denken berichten.  Ein Erlebnis hier! Wolfngag Dyck verstarb viel zu früh durch einen Autounfall!

Aufgenommen in die Liste der Lehrer!