Gnade ist keine zweite Chance für den alten Adam

Romans 916 [widescreen]
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Segen im Fluch

Mitten im Fall, während Adam sich hinter Selbstrechtfertigungen ja sogar Anschuldigungen gegen Gott („die Frau, die DU mir gegeben hast“) versteckt, verkündigt Gott sein Evangelium:

Gen. 3,15: „Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“

Gnade ruht also im „Wollen Gottes“. Die Botschaft oben richtet sich ja noch nicht einmal an den Menschen. Ganz passiv steht er neben dran. Und eigentlich auch völlig überraschend, dass Gott, nachdem der Mensch mit Satan paktiert sich doch auf die Seite des Menschen setzt und einen Sieg über den Versucher verkündigt.

Es gibt keine zweite Chance für Adam. Es gibt nicht eine zweite Prüfung, die er zu bestehen bekommt, eine Erneuerung, in der er sich zu bewähren hätte, um das verlorene Paradies wieder herzustellen. So wenig wie ein Toter sich selbst auferwecken kann, so wenig kann Adam sich auch selbst retten.

Adam kann nur glauben an die Verheißung, was er offensichtlich auch tut, denn er ändert seine Perspektive gegenüber Eva (Gen 3,20), und auch Gottes Urteil über ihn ändert sich (Gen3,21-22). Was Eva bei der Geburt Kains ausruft, zeugt auch von ihrer Hoffnung auf einen Erlöser (Gen 4,1).

Nur Gnade!

Das diese Gnade keine billige Gnade ist bekommen die aufkommenden Generationen zu spüren. Alle versündigen sich und verdienen ausschließlich den Zorn Gottes (Gen 6,5-6): „Ich will den Menschen vertilgen, den ich geschaffen habe“, ruft Gott aus. Doch was bliebe dann aus der Verheißung. Um seinem Wort und Ratschluß treu zu bleiben, wird Noah gerettet. Doch bei weitem nicht aus eigenem Verdienst: „Aber Noah fand Gnade vor dem Herrn“ (Gen 6,8).

Was für Noah galt, galt um so mehr für seine Familie, die ebenfalls gerettet wird. Doch bald schon stellt sich auch in den neuen Generationen Gottlosigkeit und Stolz ein, der im Gericht zu Babel endet. Wo findet sich Errettung? Kaum ein Buch redet mehr über die Souveränität Gottes im Umgang mit Gnade als das erste Buch Mose. Auch die Begegnung mit Abraham ist eine rein gnädigliche. Josua zeugt davon:

Josua 24,3: „Da nahm ich euren Vater Abraham von jenseits des Stroms und ließ ihn umherziehen im ganzen Land Kanaan und mehrte sein Geschlecht und gab ihm Isaak.“

Diese Bilder und das gnädigliche Erweisen Gottes ließen sich immer weiter verfolgen. Ein Nachkomme (Isaak) ist nur aus Gnaden durch ein Wunder möglich. Nicht durch Fleisches Kraft kann Christus geboren werden, der ja schließlich auch der Sohn einer Jungfrau ist. Der Vorzug wird Jakob gegeben., bevor die Kinder geboren sind und sich bewähren konnten um Gnade. Wie deutlich drückt es der Römerbrief aus:

Römer 9,11–13: Ehe die Kinder geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten, da wurde, auf dass Gottes Vorsatz der Erwählung bestehen bliebe – 12 nicht aus Werken, sondern durch den, der beruft –, zu ihr gesagt: »Der Ältere wird dem Jüngeren dienen« (1. Mose 25,23), 13 wie geschrieben steht (Maleachi 1,2–3): »Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.«

Israel wird durch eine wunderbare Vorsehung vor dem Hunger gerettet, ein Erlöser (Mose) wird in einem Korb inmitten von Nilkrokodilen bewahrt. Die Sklaverei Israels in Ägypten wird nicht einfach nur gelindert, der Auszug findet nicht einfach bloß statt, sondern die Verheißung bricht sich Bahn und Israel nimmt Kanaan ein. Das auch hier noch ein langes Warten auf die endgültige Erfüllung der Verheißung ansteht muss nicht gesagt werden.

Der alte Adam kann sich nicht retten, er kann die Mission nicht mehr erfüllen. Ein neuer Adam, Christus muss her. Dieser bewährte sich, erfüllte die Mission und rief aus: Es ist vollbracht! 

Die freie Gnade ist nicht nur eine Botschaft des AT, und wird in Römer 9,16 bekannt: So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.

Nicht weil der Mensch will, wird er gerettet, sondern weil Gott will, erbarmt er sich über die Menschheit! Gnade ist nicht eine zweite Chance für den alten Adam, sondern die Bewährung des neuen Adam, nämlich Christus.

Wirklich nur Gnade?  drei übliche Einwände

Das oben geschilderte ist eine an tausenden Stellen der Schrift, wie ich versuchte zu zeigen, bestätigte Lehre der Bibel. Doch es ist keine, die mir gefällt. Sollte ich wirklich nichts Gutes beitragen können zum Heil? Sollte meine Situation so völlig verloren sein? Prinzipiell kenne ich drei übliche Einwände zum oben geschilderten, die aber direkt in der Schrift beantwortet werden.

A: Es ist zwar Gnade die rettet, aber MEINE Treue, die mich bewahrt!

Dem wendet Paulus ein in Galater 3,3: Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr’s denn nun im Fleisch vollenden?

B: Solche freie Gnade für Sünder führt nur dazu, dass man gleichgültig gegenüber Sünde wird!

Paulus nimmt dieses Argument fast wörtlich auf in Römer 6,15–18 auf : Wie nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne!16 Wisst ihr nicht? Wem ihr euch zu Knechten macht, um ihm zu gehorchen, dessen Knechte seid ihr und dem gehorcht ihr – entweder als Knechte der Sünde zum Tode oder als Knechte des Gehorsams zur Gerechtigkeit. 17 Gott sei aber gedankt: Ihr seid Knechte der Sünde gewesen, aber nun von Herzen gehorsam geworden der Gestalt der Lehre, an die ihr übergeben wurdet. 18 Denn indem ihr nun frei geworden seid von der Sünde, seid ihr Knechte geworden der Gerechtigkeit.

Nicht mehr Knecht der Sünde zu sein, dass ist der Wunsch geplagter Sklaven der Sünde! Kein wieder auferweckter dem Tode Geweihter wird wieder die Pistole in die Hand nehmen um sich zu töten! Kein aus dem Meere in letzter Not geretteter wird von der Reling wieder ins Meer springen.

C: Was beschuldigt Gott uns dann noch? Röm. 9,19-23: Nun sagst du zu mir: Was beschuldigt er uns dann noch? Wer kann seinem Willen widerstehen? 20 Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht etwa ein Werk zu seinem Meister: Warum hast du mich so gemacht? 21 Hat nicht der Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht ehrenvollem Gebrauch zu machen? 22 Da Gott seinen Zorn erzeigen und seine Macht kundtun wollte, hat er mit großer Geduld ertragen die Gefäße des Zorns, die zum Verderben bestimmt waren, 23 auf dass er den Reichtum seiner Herrlichkeit kundtue an den Gefäßen der Barmherzigkeit, die er zuvor bereitet hatte zur Herrlichkeit.

Von den drei Einwänden sehe ich vor allem C als einen wirklich relevanten Einwand zur Gnade. Jedoch kann man auf Gnade einfach kein Anspruch erheben, so wenig ein zur Todesstrafe verurteilte auf die Begnadigung eines Gouverneurs Anspruch erheben kann. Dennoch wirkt Gnade an dieser Stelle hart und Kalt. Wie kann man das auflösen?

Das fehlende Gegenstück

Etwas scheint oben aber doch zu fehlen, aber es ist nicht die menschliche Entscheidung, sondern die göttliche Einladung zum Heil! Vor allem in Christus wird das Angebot des Heils an vielen Stellen sichtbar:

Oben versuchte ich zu schildern, dass die Gnade Gottes sich ganz in seinem souveränen Ratschluss verbirgt. Das Urteil ist uns sicher. Die Rettung liegt nun in seinem Erbarmen. Doch wie soll uns das Hoffnung geben? Die Ergänzung zur freien und souveränen Gnade ist aber nicht der rege Gebrauch der Gnadenmittel, sondern die Offenbarung dieser Gnade in einer tiefen Liebe zum Sünder: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab! (Joh 3,16). Wenn nun einer zaudern sollte, ob er denn Gnade bei Gott finden kann, dann dürfen wir wissen, dass sein Haus offene Türen hat. Ja, Christus bezeugt selbst an vielen Stellen in seinem Handeln. Es gab nicht einen, denn er von sich wies. IMMER blieb er ein mächtiger Erretter. Christus selbst verknüpft den ethischen und den „dekrativen“ Willen Gottes, als er spricht:

Johannes 6,37: Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.

Jeder Sünder, der zu Christus kam, wurde angenommen. So komme auch du!

Die alten Lieder konnten diese Wahrheiten wunderbar und geradezu kindlich auf den Punkt bringen:

Mein ganzes Hoffen ruht allein
auf Christi Blut und Kreuzespein;
ob jede andre Stütze bricht,
der ewge Fels betrügt mich nicht.

Christus der Fels allein hält stand!

Abschließende Bemerkung

Nur weil uns etwas an der Gnade unergründlich, vielleicht auch unvereinbar mit anderen Punkten erscheint, einfach darüber zu schweigen, statt diese zu loben und zu verkündigen, scheint mir eine unpassende Reaktion zu sein. Wer hat je behauptet, dass wir alle Ratschlüsse Gottes bis ins letzte ergründen werden? Sollten wir deswegen keine Erkenntnis vom Heilsplan haben?

Schau ich zurück…

Schau ich zurück, wie hat mich Gott getragen! Heute möchte ich etwas davon erzählen!

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Zerschundete Seele

Immer wieder wurde meiner Frau und mir in den letzten Wochen bewusst, vor wie viel uns eigentlich der Herr gerettet hat! Mit wie viel Segen und Glück und Gaben mich Gott geradezu überschüttet hat. Hört sich super unnötig euphorisch an, ich weiß, aber genau so ist es. Dafür muss man einfach nur wissen, was für ein kaputtes Wrack ich als Teeny war. Ohne unnötig in die Tiefe einsteigen zu wollen:

  • Mit 8 Jahren verlässt mein Vater meine Familie: Er war die Super Leitfigur für mich. Er nahm sich super viel Zeit für mich. Für mich brach damals eine Welt zusammen, aufgrund des Alters konnte ich das aber noch nicht einmal artikulieren. Da das mit einem Umzug aus Kasachstan nach Deutschland einherging fand ich in der neuen Umgebung gar keinen Anschluss
  • Irgendwie gab es das Anschlussproblem auch für meine Mutter. Sie verlor dadurch auch den Draht zu uns drei Kindern, mein deutlich älterer Bruder driftete in die Drogensucht ab.
  • Entsprechend sah mein Alltag jahrelang so aus: Mutter geht schaffen, ist frustriert von Deutschland, kommt nach Hause und lässt ihre Verzweiflung stundenlang in Geschrei, Tränen und Gebrüll an mir aus! Und das Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr
  • Entsprechende Begabung konnte nicht entwickelt werden, da aus mir heute nicht ganz erklärlichem Grund, meine Mutter nicht bereit war, mir auch nur eine Kleinigkeit zu zutrauen. Entsprechend wuchs ich ohne Rückgrat und super verweichlicht auf.
  • Statt mich kreativ zu betätigen floh ich in den Konsum der Pornographie. Das war mein Ventil um meinen Frust rauszulassen. Manchmal griff ich bis zu einem Dutzend Mal täglich zur Selbstbefriedigung. Gleichzeitig erkannte ich mich, als einen Knecht eines niedrigen Triebes, was eine tiefe Selbstverachtung schürrte. Das auch Tag für Tag über viele Jahre hin.
  • Seltsamerweise hielt meine Mutter öffentliche Beschämungen und Demütigungen für ein geeignetes und wohl auch einziges Erziehungsmittel (ich will nicht gegen das fünfte Gebot verstoßen, und doch muss gesagt werden, wie die Dinge waren): Als sie mich einmal bei einem Pornofilm erwischte, erzählte sie dies einfach allen ihren Bekannten (auch in der Gemeinde), zumeist auch in Anwesenheit von mir. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand sie auf ein Problem so einer Strategie hinwies, da viele Christen davon ausgingen, so lerne ich wenigstens Demut…
  • Bei mir kam von der Mutter die Botschaft an: „Ich wollte dich nicht, du bist eine Last und eine Enttäuschung, es wäre besser du wärst niemals geboren etc…“ Das ebenfalls täglich

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