Warum „Ich will es noch mehr versuchen“ kein Gnadenmittel ist!

Ein Gnadenmittel ist etwas, was uns näher zu Gott bringt. Auch wenn ich unseren Anteil dabei eingestehen will, so muss uns doch klar sein, dass diese Mittel immer nur von Gott kommen. Denken wir doch über einige nach:

a) Gebet: Es ist zwar wahr, dass ich es bin der es betet (Ps. 69,14), aber doch nur weil ich es in Jesu Namen tue (Joh 16, 23-26), weil der Heilige Geist mich übersetzt (Röm 8,26) und schließlich weil der Vater bereit ist, mich zu hören! (Ps. 34,7.18)

b) Buße: In der Tat kann und muss ich sogar Buße tun (Matth. 3,2). Und doch ist es Gott, der mir Raum zur Buße gibt! (Apg. 11,18; Heb. 12,17)  Vielmehr muss er mich sogar bekehren (Jer 31,18)

c) Abendmahl: Ich esse das Brot und trinke den Wein (Luk. 22,16-22), und doch nur deswegen weil Christi Leib für mich zerbrochen und Christi Blut für mich gefloßen ist (1. Kor. 10,16).

d) Taufe: Ich werde zwar getauft (Matth. 28,19), aber doch kann ich dieses Zeichen nur annehmen, weil Christus bereits in den Tod getauft wurde (Röm 6,4: ….mit ihm begraben…).

e) Bibellesen: Ich lese zwar die Bibel und muss sie lesen (Joh. 5,39), aber doch bin ich darauf angewiesen, dass Christus mir die Schrift öffnet (Luk. 24,45).

f) Gemeinschaft mit den Heiligen: Ich bin es zwar, der unter seinen Brüdern wandelt (Apg. 2,42) , und doch werden wir Heilig gemacht, und bringen keine eigene innewohnende Heiligkeit in diese Gemeinschaft (1. Joh 1,7).

 

Doch oftmals legen wir diese sechs Mittel der Gnade allzu schnell bei Seite und greifen allzu eifrig zu dem einen Mittel, dass sicherlich kein Gnadenmittel ist, und das lautet so: „Ich will es noch etwas härter und stärker und besser versuchen. Ja ich sehe ein, ich habe versagt, ja ich muss geheiligt werden, ja ich brauche Mut, Geduld, Demut und alle weiteren Früchte des Geistes, also will ich es nur härter versuchen“.

Während wir regelmäßig, ja geradezu hartnäckig zu einem regen Gebrauch obiger Gnadenmittel aufgerufen werden, werden wir nicht eine Stelle finden, die davon spricht, dass man es doch nur noch ein bisschen härter versuchen soll. Ja es wäre ja gar nicht möglich, würde es schließlich bedeuten, dass wir wieder mehr auf uns schauen sollten und weniger auf Gott. Während alle Gnadenmittel von uns wegschauen auf Gott und sein Gnadenwerk in Christus. Deswegen lasst uns Buße tun, für unsere Selbstgerechtigkeit!

 

 

Predigt: Jesus Christus herrscht als König

hebräer 1.5a

Jedem Bibelleser fällt auf, dass der Hebräerbrief voll alttestamentlicher Zitate ist; Kapitel 1 ist zu mehr als die Hälfte Material des AT.

So auch Vers fünf:

Hebräer 1,5 Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: „Du bist mein lieber Sohn, heute habe ich dich gezeugt „? 

Der Schreiber des Hebräerbriefes hatte unterschiedliche Anlässe: Die Christen, an die er seinen Brief richtete standen in der Gefahr, sich von Christus abzuwenden, ja sogar von ihm abzufallen! Abfall! wenn wir dieses Wort hören, dann kommen wir ganz schön ins Schwitzen. Jedoch der Autor erkennt das Problem der Hebräer: Diese denken zu gering von Christus, und deswegen versucht er mit auf unterschiedliche Weise, die Herrlichkeit Christi wieder groß zu machen unter den Hebräern. Und wie macht er das? In dem er das Alte Testament aufmacht und daraus die unterschiedlichsten Lehren zieht. So sind mehr als die Hälfte des ersten Kapitels des Hebräerbriefs, Zitate (sieben an der Zahl) aus dem Alten Testament. Das ist doch überraschend, man würde vielleicht auf weitere Erlebnisse hoffen, auf weitere Begebenheiten oder Erzählungen über Jesus Christus, aber der Autor begnügt sich damit, das alte Testament zu Rate zu ziehen. Offensichtlich macht das Alte Testament Christus groß. Und wie es das macht,davon ist der gelesene Vers ein Beispiel. Er sagt uns: Lies noch einmal genau nach! Habt ihr denn nicht gelesen, “dass die Schrift von Jesus zeugt” (Johannes 5,39)…

Hier geht es zum Skript der Predigt!

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Weiteres Material: Biblische Theologie im Hebräerbrief.

Warum die Taufe mehr als „der zweite Gehorsamsschritt“ ist!

acts 238 [widescreen]Ein Satz, den ich häufig, aber ebenso ungerne höre ist: „Die Bekehrung war der erste Gehorsamsschritt und die Taufe der zweite“.

Zunächst einmal, würde ich gerne mal eine Bibelstelle hören, wie man so eine These begründen möchte. Gibt es (baptistisch gesehen) zwischen der Buße (vllt. noch vor dem Teeny-alter) und der Taufe (im Jugendalter) keinerlei Möglichkeiten zum Gehorsam? Muss man nicht tausende Gehorsamsschritte tun? In der Tat ist es so, denn der Kampf gegen den brüllenden Löwen ist heiß, und mit der geistlichen Waffenrüstung dürfen IHM treue Kinder täglich dutzende Gehorsamsschritte tun.

Was aber ist überhaupt ein Gehorsamsschritt? Meint man damit den Glauben? Dann gilt erst recht, dass Tag für Tag nur das Mittel des Glaubens, des von sich weg (und den Umständen) Schauens und des Schauens auf Christi bleibt, was als ein Gehorsam gelten darf, der Gott gefällt!

Aber lassen wir die These für einen Moment gelten, dass es zwei Schritte seien, die aufeinanderfolgen. So bin ich doch am allermeisten entsetzt darüber, dass gerade wir Baptisten die Taufe oft so billig, als einen einfachen Glaubensschritt verkaufen. Nach dem Motto, Jesus befahl es, also tun wir es. Als hätte sie nicht viel mehr zu bedeuten!

Ohne hier den Artikel in zu große Länge gehen zu lassen, möchte ich auf zwei Bibelstellen verweisen, die deutlich machen, was für ein kostbares Bundeszeichen die Taufe ist:

1. Pe 3,21 Das ist ein Vorbild der Taufe, die jetzt auch euch rettet. Denn in ihr wird nicht der Schmutz vom Leib abgewaschen, sondern wir bitten Gott um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi,

Kol 2,12: Mit ihm seid ihr begraben worden in der Taufe; mit ihm seid ihr auch auferweckt durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.

Beide Verse machen deutlich, dass die Taufe ein Bundeszeichen ist. Sie drückt aus, dass Gott sich für uns entschieden hat. Die Taufe ist also durchaus ein Gnadenmittel (also ein Mittel, dass uns hilft, Gnade „anzureichern“). Denke ich an die Taufe, wird mir klar, dass mein Leben mit Gott in einem Bund steht? Aber ist es wirklich mein Leben? Nein, es ist vielmehr so, dass es ja eigentlich Christus ist, der in einem Bund mit dem Vater steht! Und ich als ein Glied Christi habe Anteil an den Segnungen des Bundes durch Ihn als mein Haupt. Er nahm ja schließlich den Bundesfluch auf sich, so dass die Bundestreue gewahrt wird. Ja die Taufe ist eine Wunderbare Zusage der Bewahrung, denn wenn ich dem Gesetz und seinem Anspruch tot bin, kann es seine Anklage nicht mehr geltend machen. Wenn mich mein Versagen anklagt, darf ich an die Taufe denken, und erfahren, dass ich mit Christus dem Gesetz gestorben bin.  Da ich aber nicht im Wasser bleibe, sondern wieder aufgerichtet werde, erfahre ich, dass ich durch Christus auferstehe. Was bereits hier anfängt, wird in der Auferstehung vollendet, denn da wird der Geist endgültig über das Fleisch triumphieren. Die Taufe macht also öffentlich für Gemeinde, Welt und unsichtbare  Zuschauer deutlich, dass ich als Christ und Christi Eigentum eine neue Kreatur geworden bin. Ich darf meine Wiedergeburt durch den Geist Gottes bekennen.

Für wen ist Christus gestorben?

Eine Analyse zum Römerbrief!

Eduard Klassen hat mir freundlicherweise diese Aufstellung zur Verfügung gestellt. Die Antwort: Für sein Volk, dass an ihn glaubt!

Römer 1,16

 

Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen;

Das Evangelium hat eine rettende Kraft für die Glaubenden.

Römer 3,22

 

nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, die zu allen und auf alle kommt, die glauben. Denn es ist kein Unterschied;

Gerechtigkeit Jesu kommt nur auf die Glaubenden.

Römer 4,24–25

 

24 sondern auch um unsertwillen, denen es angerechnet werden soll, wenn wir an den glauben, der unseren Herrn Jesus aus den Toten auferweckt hat, 25 ihn, der um unserer Übertretungen willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt worden ist.

Paulus spricht ausdrücklich nur von denjenigen, die glauben. Für deren Übertretungen und deren Rechtfertigung ist Christus gestorben und auferstanden. (Für alle anderen – noch ungläubigen – trifft das nicht zu.)

Römer 5,8

 

Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Nur die Gläubigen können wahrlich bekennen, dass Christus für sie gestoben ist. Paulus sagt nirgends im Römerbrief, dass Christus für alle gestorben ist. Dagegen betont er einige male das „für uns“.

Römer 5,15

 

Aber es verhält sich mit der Gnadengabe nicht wie mit der Übertretung. Denn wenn durch die Übertretung des Einen die Vielen gestorben sind, wieviel mehr ist die Gnade Gottes und das Gnadengeschenk durch den einen Menschen Jesus Christus in überströmendem Maß zu den Vielen gekommen.

Jeweils nicht alle. Sowohl was die Folgen Adams betrifft, als auch die Rettung durch Jesus.

Römer 5,19

 

Denn gleichwie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten gemacht.
Römer 8,1

 

So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind, die nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist.

Nur die Erlösten können das aussprechen.

Römer 8,4

 

damit die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt würde, die wir nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist.

Gerechtigkeit wird den Geistlichen angerechnet.

Römer 8,32

 

Er, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken?

Nicht für alle.

Römer 8,34

 

Wer will verurteilen? Christus ist es doch, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der auch zur Rechten Gottes ist, der auch für uns eintritt!

Für uns. Wie klar und schön.

Römer 9,23

 

damit er auch den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Barmherzigkeit erzeige, die er zuvor zur Herrlichkeit bereitet hat?

 

Römer 10,4

 

Denn Christus ist das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt.

Gerechtigkeit – das zentrale des Kreuzestodes – nur für die Gläubigen. Wenn er Gerechtigkeit für alle erworben hätte, dann würden auch alle gerettet werden.

Römer 10,13

 

denn: »Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden«.
Römer 14,15

 

Wenn aber dein Bruder um einer Speise willen betrübt wird, so wandelst du nicht mehr gemäß der Liebe. Verdirb mit deiner Speise nicht denjenigen, für den Christus gestorben ist!

Für den Bruder ist Christus gestorben.

Auch lesenswert: Warum ist Jesus in die Welt gekommen?

Loblieder über die Souveränität Gottes

Beim Lesen der Psalmen wird deutlich wie die Allmacht und Souveränität Gottes besungen wird. Das ist wohl der größte Beweis dafür, dass sich Christen nicht der Lehre um die Souveränität Gottes schämen müssen, sondern viel Heil darin verborgen ist, die Größe, Macht und Herrschaft Gottes über Raum und Zeit zu sehen und zu loben! Unbegreiflich? – Na klar! Deswegen lieber darüber schweigen? – Niemals!

  • Was mir nach der Durchschau der ersten 14 Psalmen auffiel: Es gibt nicht einen davon, der nicht direkt mindestens eine Eigenschaft Gottes beschreibt!
  • Es gibt ein Verhalten der Gnade über sein Volk! Ein Verhalten des Gerichts (eines brutalen, knallharten und dabei völlig rechtmäßigen Gerichtes) gegen seine Feinde!
  • Schlüsselwort DENN! Immer wieder klingt die Erinnerung an die Souveränität Gottes als Begründung für Gebete in tiefster Not heraus
  • Zusätzlich vielen immer wieder Beziehungen Gottes auch zu einer einzelnen Person (David) auf. Der echte, wahre David Jesus ist natürlich der, der diese Gebete völlig für sich beanspruchen konnte. Wir als begnadigte Gerechte, können dies durch die Rechtfertigung auch.
  • Die Bandbreite der Verheißungen reicht von Hilfe in eher trivialen Alltagssorgen (des bedrückten Armen) bis zur Erfüllung des großen Heilsplanes (Seinen König auf Zion einzusetzen)

Anmerkung: Neben diesen direkten Aussagen, gibt es noch viele Aufrufe (Zerbrich den Arm der Frevler in Ps. 10,15 oder Steh auf, erhebe deine Hand Ps. 10,12). Da wir von der Inspiration und Gottgefälligkeit der Psalmen ausgehen wurden alle diese Bitten ebenfalls erhört, und stellen somit auch indirekt Aussagen über Gottes Eigenschaften fest! Auf die Auflistung dieser indirekten Aussagen habe ich in den unteren Tabellen verzichtet.

Gottes Gnade über sein Volk Gottes Gericht über seine Feinde
Der Herr kennt den Weg der Gerechten (Ps. 1,6) Der Herr lacht über seine Feinde und verspottet sie (Ps. 2,4)
ER hat seinen König eingesetzt auf Zion (Ps. 2,6) Frevel gefällt Gott nicht (Ps. 5,5)
ER führt seine Heiligen wunderbar (Ps.4,3) Böse können vor ihm nicht bestehen (Ps. 5,5)
DENN:Der Herr segnet die Gerechten (Ps. 5,13) Er vernichtet die Lügner (Ps. 5,7)
Der Herr hilft frommen Herzen (Ps. 7,11) Alle Blutgierigen und Falschen sind ihm ein Gräuel (Ps. 5,7)
Gottes Name ist Herrlich überall (Ps. 8,2,10) Gott ist ein gerechter Richter (Ps 7,12)
ER bereitet sich einen Lob aus dem Munde von Kleinkindern vor (Ps. 8,3) ER wetzt sein Schwert und tötet mit feurigen Pfeilen die Unbusswilligen (Ps. 7,13-14)
Der Herr ist ein rechter Richter auf seinem Thron (Ps. 9,6), ewiglich (Ps. 9,8) und wird den Erdkreis richten (Ps. 9,9) Der Herrr schilt die Völker und vernichtet Frevler ,ja er vernichtet ihren Namen auf immer und ewig (Ps. 9,6)
Der Herr ist der Armen Schutz besonders in Not (Ps. 9,10) Der Herr hasst den Frevler und Gewalttätigen (Ps. 11,5), ja er wird sie mit Feuer, Schwefel und Glut strafen (Ps. 11,6)
ER verlässt den nicht die ihn suchen (Ps. 9,11) Der Herr sucht einen Gerechten auf der Erde und findet ihn nicht (Ps. 14,2-3)
DENN: Er vergisst der Armen und Elenden nicht (Ps. 9,19)
ER sieht alles (Ps. 10,14)
Das Elend und das Jammer der Menschen ist in seinen Händen (Ps. 10,14)
ER ist der Waisen Helfer (Ps. 10,14)
Der Herr schenkt Heilsgewissheit nach dem Verlangen der Elden (Ps. 10,17)
Der Herr ist in seinem heiligen Tempel/Thron im Himmel (Ps. 11,4)
Seine Augen prüfen die Menschenkinder (11,5)
DENN: Der Herr ist gerecht (Ps. 11,7)

Gottes Verhalten gegenüber David
DENN: Er schlägt alle Feinde Davids auf die Backe und zerschmettert der Frevler  Zähne (Ps. 3,8)
Er tröstet David in der Angst (Ps. 4,2)
Er hört Davids Gebet (Ps. 4,4)
Er leitet David in Gottes Gerechtigkeit (Ps. 5,9)
DENN: Der Herr hört Davids Weinen und Flehen und Gebet (Ps. 6,9)
Der Herr schafft David Recht (Ps. 7,9)
Der Herr führt die Sache Davids (Ps. 11)
DENN: Gott ist Gnädig zu David (Ps. 13,6)

Über den pragmatischen Bildungsbegriff

Durch eine wundersame Führung der Vorsehung Gottes bin ich auf fünfzig Thesen zur Pädagogik aus christlicher Weltsicht  von Hanniel Strebel gestoßen. Diese sind übrigens auch in der Zeitschrift Glaube und Erziehung  (2/2018) erschienen. Seufzen musste ich bei Artikel 30:

Abzulehnen ist der pragmatische Bildungsbegriff. Bildung ist nicht Mittel zum Zweck, etwa um ein sorgenfreies Leben oder ein Leben in Konsum und Luxus zu erreichen.

Endlich sehe ich das schwarz auf weiß! Der Pragmatische Bildungsbegriff ist ein unendlicher Abgrund (bottomless pit), der einen in einen Abgrund von Verzweiflung stürzen kann. Kurz analysiert:

  • Das Kind habe gut zu lernen, damit es später mal gut/einfach/besser hat. Dieser Einwand ist oftmals der Einzige, der überhaupt je genannt wird! –> Bildung wird vom Leben entkoppelt, und später entsprechend auch Arbeit!
    • Was man aber aufgrund eines legeren Schülerlebens gut übersteht, kann für einen Arbeiter ganz schön unerträglich werden! Was, mehr als 40 Jahre jeweils fünf Tage buckeln, um zwei Tage frei zu bekommen? Wer hat hier von gut/einfach/besser geredet? Da wird man irre!
    • Man investiert Unmengen in Musikschulen und weitere ähnliche Einrichtungen, jedoch ebenfalls ausschließlich aus pragmatischen Gründen, z.B. „Wer ein Musikinstrument spielt, lernt besser!“. Zu Beobachten ist der Pragmatismus daran, dass die Eltern dem Kind nie (außer natürlich bei den Schülerkonzerten) beim Musizieren zuhören!
    • Bei Lernerfolgen bleibt jegliche Art von Freude nicht nur aus, sondern ist auch tabu. (denn du hast ja noch nichts erreicht, und der Lohn ist in einem angenehmeren Leben in weiter Ferne). Wie schrecklich sich nicht an den Gaben und der Berufung Gottes freuen zu können!
  • Entsprechend dann die Pragmatische Ausbildungs- und Berufswahl! „Suche dir den Job, der der sicherste ist und die meiste Kohle bringt“ Pragmatische Eltern scheinen hier ungewöhnliche prophetische Fähigkeiten entwickeln zu können! Doch wer trägt die Verantwortung, wenn die ideelen Vorstellungen zerbrechen? Eine Ursache für wachsende Generationenkonflikte (Ich sehe eine dunkle Wolke am Horizont)

Wirklich so böse?

Ja, absolut! Denn, wer pragmatisch von Bildung redet,

  • verliert Freude an guter Arbeit. Man beachte die ganzen „Gleichberechtigungsdebatten“, die immer nur von der Entlohung als Parameter für gute Arbeit reden! Man muss aber kein Hellseher sein um zu erkennen, dass am Geldförderlichsten die Illegalität ist. Fängt mit Schwarzarbeit an, führt am Steuerbetrug vorbei und endet bei den Edelschlitten mit rumänischen Kennzeichen, die vor jedem Villinger Bordell (und es gibt hier wirklich viele) zu beobachten sind. Die Zuhälter wissen schon lange, dass die beste Kohle nicht aus moralischer Tätigkeit folgt
  • kann an schlechten Tagen nicht gut durchhalten. Warum sollte man seinem Chef treu sein? Warum sollte man seine Arbeit gut machen, wenn man dafür doch eh nicht das bekommt, was man eigentlich verdiene. Wer nicht zu Gottes Ehre arbeitet, der arbeitet eigentlich gar nicht!
  • hasst Bildung! Eigentlich würde man es gerne anders haben, aber weil es nun mal nicht anders geht, dass man zu Geld, Gesellschaftlicher Anerkennung und guter Rente kommt, muss man sich durch Physik, Mathe, Religion, Deutsch und Englisch durchquälen, um dann doch endlich den Beruf machen, bei dem man mit der geringsten Leistung am weitesten kommt.  Wäre es der Islam und Joga was man lernen müsste, würde man auch das tun. Eine Gleichmacherei übelster Sorte macht sich breit

Die fünfzig Thesen Hanniels zeigen einen Ausweg aus der pragmatischen Falle: Die Dankbarkeit für die Errettung in Christus und die Freude in seinem Heil und seinen Gaben.

Rechtfertigung = Glaube + Nichts

Übersetzung eines Artikels von Thomas Schreiner:

51mudo8ycvlEiner der fünf Schlachtrufe der Reformation war die Aussage, dass wir alleine aus Gnade gerettet werden – sola fide. Diese Worte erklären, dass die Errettung nicht vom Schauen auf die Werke unserer eigenen Gerechtigkeit kommt, sondern von Schauen von uns weg zu jemand anderem, auf die Person und das Werk Jesu Christi. Diese Feststellung erwuchs aus dem Wunsch zu den Schriften  und zu den Lehren der frühen Kirchenväter zurückzukehren, – ein Ruf die Kirche zu reformieren und biblische Rechtgläubigkeit herzustellen.

Fünf Jahrhunderte sind nun seit der Reformation vergangen und wir dürfen uns fragen: Hat heutzutage sola fide immer noch Relevanz? Ist die Vorstellung der Rechtfertigung durch den Glauben allein nur ein Relikt vergangener Zeiten, die die Nostalgie verflosserner Tage reflektiert? Ich glaube, dass der reformatorische Ruf des sola fide auch heute weiterhin gelehrt und bewahrt werden sollte, weil es biblische Lehre zusammenfasst- und Gottes Wort verliert niemals seine verändernde Kraft. Das Wort Gottes spricht in jeder Zeit und in allem Raum.

Während einige sich an sola fide einzig aus Tradition hängen mögen, sollten wir uns daran hängen, weil es im Einklang mit dem Wort Gottes ist. Die Rechtfertigung aus Glauben allein ist nicht das Produkt starrer und öder Rechtgläubigkeit. Es spricht zu den Köpfen und Herzen durch die ganze Geschichte hindurch, weil es eine der fundamentalen Fragen unseres menschlichen Zustandes angeht: Wie kann ein Mensch gerecht werden vor Gott? (How can a person be right with God?)

Die Worte von Francis Turretin (1623-1687) bezeugen die pastorale Bedeutung der Rechtfertigung allein durch den Glauben. Er sagt, wir verstehen „die Kontroverse“ um die Rechtfertigung, wenn wir unseren eigenen Stand als Individuen vor einem heiligen und gerechten Gott berücksichtigen:

Doch wenn wir uns zum himmlischen Tribunal erheben und vor unsere Augen den höchsten Richter sehen, (…) durch dessen Klarheit sich alle Sterne verdunkeln, durch dessen Stärke die Berge schmelzen, durch dessen Zorn die Erde erschüttert wird; dessen Gerechtigkeit nicht einmal die Engel gleichberechtigt sind, der den schuldigen nicht unschuldig macht, dessen Rache, wenn sie einmal entfacht wurde, selbst die tiefsten Tiefen der Hölle durchdringt… dann zerfällt in einem Augenblick die eitle Sicherheit des Menschen, sie verschwindet und zerfällt und das Gewissen ist gezwungen (…) zu bekennen, dass es nichts habe womit es vor Gott bestehen kann.  Und so schreit es mit David, „Herr wenn du Ungerechtigkeit anrechnest, wer kann bestehen? (…) Wenn das Verstand vollständig vom Bewusstsein der Sünde und einem Gefühl des Zornes Gottes erschreckt ist, was ist das dann für ein Ding, auf Grundlage dessen er freigesprochen und als eine gerechte Person anerkannt werden kann? (…) Ist es die Gerechtigkeit die in uns wohnt und die unvollkommene Heiligkeit, oder allein die Gerechtigkeit, und der Gehorsam Christi, der uns zugerechnet wird?

Weiterhin relevant

Wir dürfen nie vergessen, warum diese biblische Wahrheit heute wichtig ist. Während einige möglicherweise aufgrund theologischer Disputationen über Theologie reden möchten, ist der zentrale Punkt, wie Turretin ausarbeitet, persönlicher Art. Wir reden davon, wie man vor Gott am letzten Tag bestehen kann, am Tage des Gerichts und sola fide beantwortet die Frage: Wie können wir vor dem Einen Heiligen bestehen?

Andere wiederum können mit uns übereinstimmen, dass die Frage nach dem Bestehen am letzten Gericht eine entscheidende Frage ist und doch denken, dass die Rechtfertigung durch den Glauben allein aufgegeben werden sollte. Schließlich ist sola fide schnell missverstanden und so glauben sie, dass der Slogan abgeschafft werden sollte. Warum auf einen Slogan zurückgreifen, der qualifiziert und erklärt werden muss, um Missbrauch zu vermeiden?

Doch dieser Einwand lässt sich auf jede theologische Wahrheit anwenden. Wir verwefen den Begriff „Dreieinigkeit“ nicht deswegen, weil er regelmäßig missverstanden wird. Stattdessen muss das, was wir mit „Dreieinigkeit“ meinen sorgfältig erklärt werden. Wir müssen sorgfältig aufzeigen was der Term bedeutet und was nicht, damit jene, die uns zuhören, nicht denken, Christen seien Tritheisten. Trotz dieser Herausforderungen verwerfen wir den Begriff nicht deswegen, weil er gelegentlich missverstanden wird.

Nicht einfach nur beschützen

Manchmal wird reformierten Christen vorgeworfen, zu viel Energie auf die Bewahrung und den Schutz von Lehren und Traditionen einzusetzen, wie z.B. der Rechtfertigung durch den Glauben allein. Vielleicht sind wir manchmal schuldig die lehrmäßige Treue derart zu betonen, dass wir die Hochschätzung der Wahrheit, die wir bekennen, vernachlässigen.

Dennoch ist die Verteidigung des Glaubens ein nobles und biblisches Bestreben. Judas 3 fordert uns dazu in sehr klaren Worten auf, und sowohl der Galaterbrief wie 2. Timotheus betonen, dass wir das Evangelium hochhalten müssen, selbst wenn andere dasselbe verleugnen. Und doch müssen wir uns davor hüten, dass unsere „evangeliumsschützenden“ Anstrengungen uns nicht wichtiger werden, als das Genießen der lebensspendenden Freiheit und Freude, mit der uns das Evangelium versorgt. Wir beschützen die Wahrheit, weil wir sie schätzen, und wir schätzen die Wahrheit, weil sie unser Leben ist.

Wenn wir alleine und stille vor Gott sind erinnern wir uns unserer vieler Sünden und unserer großen Unwürdigkeit. In solchen Momenten spüren wir die Ehre und die Schönheit des sola fide; wir bekennen „Da ich denn nichts bringen kann schmieg ich an Dein Kreuz mich an“ (nothing in my hand I bring, simply to the cross I cling). Wir realisieren, dass wir nur aufgrund der Gnade Gottes mutig in die Gegenwart Gottes treten können, durch den Glauben in die Gerechtigkeit Christi allein. In der Tat ist sola fide belebend, weil es uns an die Gnade des Evangeliums erinnert und festhält, dass unsere Errettung- unser Bestehen und die Annahme vor Gott- vollständig von Gott kommt. Menschliche Werke können die göttliche Errettung nicht vollbringen. Somit schreibt sola fide alle Ehre Gott zu, so dass niemand sich Menschen rühmen könne (1. Kor. 1,31). Es erinnert uns daran, dass alles was wir haben ein Geschenk ist (1. Kor. 4,7).

Die fünf solas der Reformation sind eng zusammengebunden, doch wenn es um sola fide geht, gibt es eine besondere Verknüpfung mit sola gratia und solus Christus. Der Glaube schaut auf jemand anderen um Rettung, so dass die Rettung allein durch Gnade und allein in Christus ist.

Karten und nicht Matehmatik

Ein abschließendes Wort über die Verwendung von Slogans und Doktrinen. Anthony Lane stellt korrekt fest, dass Doktrinen Karten und Modelle und nicht mathematische Formeln seien. Deshalb müssen wir es vermeiden, uns auf vereinfachte Appelle an sola fide zu verlassen und ohne Gespräch oder Annahme jene zu verurteilen, die den Begriff ablehnen.

Stattdessen sollten wir uns fragen, was diejenigen, die sola fide ablehnen, beabsichtigen, wenn sie seine Eignung in Frage stellen. Vielleicht sprechen diejenigen, die es ablehnen und diejenigen, die es bestätigen, aneinander vorbei. Die Ängste derjenigen, die sola fide ablehnen, können berechtigte Einwände gegen Missverständnisse des Satzes darstellen.

Um mich klar auszudrücken, ich sage nicht, dass alle Unstimmigkeiten bloße Missverständnisse sind. Ich sage, wir sollten offen für den Dialog sein, damit wir nicht zu schnell davon ausgehen, dass wir anderer Meinung sind.

Slogans wie sola fide sind hilfreich, denn sie fassen kurz unsere Theologie zusammen, aber Slogans können auch gefährlich sein, denn wir können uns in einem Gespräch befinden, in dem wir unwissentlich mit verschiedenen Definitionen und Konzepten arbeiten. Bevor wir jemand anderen anklagen, sollten wir sicher sein, dass wir gehört haben, was er wirklich sagt.

Editors’ note:Dies ist ein angepasster Auszug aus Thomas Schreiners Buch: Faith Alone: The Doctrine of Justification (Zondervan, 2015) [review].Es ist der erste Band der The 5 Solas Series.


thomas-r-schreinerDieser Artikel erschien zuerst am 23.10.2017 auf The Gospel Coalition. Autor ist Thomas R. Schreiner. Er ist James Buchanan Harrioson Professor für Neues Testament und biblische Theologie, sowie Dekan für Bibelkunde und Hermeneutik am Southern Baptist Theological Seminary in Louisville, Kentucky. Folge ihm auf Twitter.

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Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors und The Gospel Coalition.

Bei der Übersetzung einzelner Sätze wurde DeepL Translator verwendet.