Zitat: „Der Glaube ist ein unruhig Ding“

„(…)wie alle Andern sich Christen und Gläubige nennen, so will ich auch sagen: „ich bin ein Gläubiger,“ denn sonst erhalte ich ja über das keine Aufklärung, was ich aufgeklärt wünsche.

Also ich antworte: „ja, ich bin ein Gläubiger.“

„Wie,“ antwortet Luther, „davon habe ich Dir Nichts angemerkt, und ich habe doch auf Dein Leben geachtet. Du weißt, der Glaube ist ein unruhig Ding. Wo hat der Glaube, von dem Du sagst, dass Du ihn habest, Dich unruhig gemacht; wo hast Du für die Wahrheit gezeugt und wo gegen die Unwahrheit; welche Opfer hast Du gebracht, was von Verfolgung erlitten für Dein Christentum; und daheim in Deinem häuslichen Leben, wo ist Deine Selbstverleugnung und Entsagung zu merken gewesen?“

„Ja, aber, lieber Luther, ich kann Dir versichern, ich habe den Glauben.“

„Versichern, versichern, was ist das für eine Rede? Den Glauben betreffend bedarf es keiner Versicherung, falls man ihn hat, denn der Glaube ist ein unruhig Ding, und gleich zu merken; und keine Versicherung kann helfen, falls man ihn nicht hat.“

„Ja, aber glaube mir doch nur, ich kann Dir so feierlich wie möglich versichern…“

„Ach halt doch ein mit dem Geschwätz, was kann Deine Versicherung nützen!“

„Ja, aber wenn Du doch nur eine von meinen Schriften lesen wolltest; so würdest Du sehen, wie ich den Glauben darstellen kann; so weiß ich denn auch, ich muss ihn haben.“ „Ich glaube, der Mensch ist toll! Wenn dem so ist, dass Du den Glauben darstellen kannst, so beweist das nur, dass Du ein Dichter bist, und wenn Du es gut machst, dass Du ein guter Dichter bist, aber es beweist Nichts weniger, als dass Du ein Gläubiger bist. Vielleicht kannst Du auch weinen, wenn Du den Glauben darstellst; das würde dann beweisen, dass Du ein guter Schauspieler wärest; Du erinnerst Dich wohl der Geschichte von dem Schauspieler im Altertum, der in dem Grade das Gerührtsein
darzustellen vermochte, dass er sogar weinte, wenn er vom Theater nach Hause kam, und mehrere Tage nachher weinte – das bewies nur, dass er ein guter Schauspieler war. Nein, mein Freund, der Glaube ist ein unruhig Ding; er ist Gesundheit, aber stärker und heftiger als das hitzigste Fieber, und wie es nicht hilft, dass ein Kranker versichert: ich habe das Fieber nicht, wenn der Arzt es am Pulse fühlt, und andrerseits, dass ein Gesunder sagt: ich habe Fieber, wenn der Arzt am Pulse fühlt, dass es nicht wahr ist – ebenso, wenn man nicht den Puls des Glaubens in Deinem Leben fühlt, so hast Du auch den Glauben nicht. Wenn man dagegen des Glaubens Unruhe als Deines Lebens Puls vernimmt, so kann  von Dir gesagt werden, Du habest den Glauben und Du „zeugest“ vom Glauben. Und das heißt dann wieder im eigentlichen Sinne predigen; denn predigen heißt weder den Glauben in Büchern darstellen, noch ihn in „stillen Stunden“ als Redner
darstellen, – es sollte ja, wie ich in einer Predigt gesagt habe, eigentlich „nicht in der Kirche, sondern auf der Gasse gepredigt werden“, – und der Prediger soll auch nicht ein Redner sein, sondern ein Zeuge, das heißt: „der Glaube, dies unruhige Ding, soll in seinem Leben erkennbar sein.“
Ja, der Glaube ist ein unruhig Ding. Lass mich, um doch in dieser Hinsicht ein
wenig aufmerksam zu machen, des Glaubens Unruhe in einem solchen Glaubenshelden
oder Wahrheitszeugen darstellen. So nimm die Wirklichkeit vor Augen;
die ist ja da in jedem Augenblick. Diese Tausende und aber Tausende und
Millionen, sie gehen Jeder seinen Geschäften nach: der Beamte den seinigen, der
Gelehrte den seinigen, der Künstler den seinigen, der Gewerbetreibende den
seinigen, der Verleumder den seinigen, und der Müßiggänger, nicht minder in
Anspruch genommen, den seinigen, und so weiter, Jeder geht seinen Geschäften
nach in diesem bunten Spiel der Mannigfaltigkeit, aus dem die Wirklichkeit besteht.
Inzwischen sitzt, wie Luther in einer Klosterzelle, oder auf einem abgelegenen
Zimmer, kurz für sich allein ein einsamer Mensch in Furcht und Zittern
und vieler Anfechtung. Ein einsamer Mensch! Ja, es ist Wahrheit. Es ist Unwahrheit,
was diese Zeiten erfunden haben, dass die Majorität, die Menge, oder das
geehrte gebildete Publikum es sei, von dem Reformationen ausgehen“

Sören Kierkegaard in „Zur Selbstprüfung der Gegenwart empfohlen„.

Mehr über und von Kierkegaard…

Hochzeitswunsch an Alex U.

Ein langjähriger Freund von mir wird morgen heiraten. Aus unterschiedlichen Gründen, werde ich dort nicht dabei sein können. Ich habe mich entschieden einen durchaus ungewöhnlichen Gruß in Audioform zu verfassen.

Diesen findest du hier.

Das erwähnte Lied findet sich übrigens hier (nicht unbedingt die beste Übersetzung)

 

Nachgedacht: Du sollst nicht lesen!

Kaum eine Anmerkung höre ich öfter als diese. Meist lautet es eher so: „Ich würde dir empfehlen mich weniger damit auseinanderzusetzen“. Zu lange habe ich die Falle dahinter übersehen: Ratet mir einer auf andere weniger zu hören, will er sich ja selber zu einem Ratgeber machen! Wie aber kann ich einen Rat annehmen, wenn ich prinzipiell Ratgeber ablehnen soll? Nur von Jesus akzeptiere ich: „Hör nicht auf andere, höre auf mich!“

Anderes ist noch stupider:

  • Für was lesen, wenn man alles in Wikipedia nachschlagen kann
  • Es ist besser alles selbst zu entdecken (was ist aber wenn meine Meinungsbrille so dick ist, dass ich kaum was erkenne?)
  • Man wird nur verwirrt (Was ist aber wenn ich schon vor dem ersten Buch völlig verwirrt bin?)

Besser gefällt mir, was Spurgeon feststellte:

„It  seems odd that certain men who talk so much of what the Holy Spirit reveals to themselves should think so little of what he has revealed to others“

Der Untergang der Pharisäer

Hochmütig, Stolz und voll Selbstvertrauen
Schritten die stolzen Pharisäer daher
Die Menge wich allein vom Schauen
man respektierte und ehrte sie sehr

Fürs ständige Fasten sollt‘ man sie ehren
sie verzehnteten Minze, Kümmel und Dill
man sah sie überall beten und andächtig lehren
sie spendeten, wenn andere es sahen, besonders viel

Aus Nazareth kam nun ein Rabbi daher
er lehrte anders, er sprach mit den Sündern
die Vollmacht der Worte beeindruckte sehr,
seine Lehre wurde bestätigt mit Wundern

Das irritierte die Schriftgelehrten und Pharisäer
Ein Rabbi, der anders lehrte als sie?
Man einigte sich sogar mit den Sadduzäern
Diesen gilt’s zu verwerfen, doch wie?

Man suchte nach einer Klage zum Tode!
– beklagte der Jünger mangelnde Pietät-
sie fasteten nicht, aßen unreine Brote
doch war es fürs Volk wohl zu spät

Bezaubert zu sein schien der Pöbel, die Menge
dem Jesus aus Nazareth hörte man zu
die alten Rabbiner jedoch brachte das in die Enge
nach Rache sinnend verlor man die Ruh

Man versuchte entlarvende Streitgespräche
Ja Meister, wem gehört nun der Zoll?
und wer ist mein Nächster, wer? – spreche!
Diesen zu lieben, wär das glaubensvoll?

Und kann ein von Gott gesandter Prophet
So demütig sein mit den gottlosen Zöllnern
Mit ihnen speisen und reden von früh bis spät
das Urteil: Dieser ist ein Genosse von Sündern

Zu all dieser schrecklichen Provokation
klagte der Messias sie nun auch noch an
an Kritik gab es eine ordentliche Portion
sie seien Heuchler und Sünder jedermann!

Sie, an deren Kleidung keine Quaste fehlte
sollten nicht leben nach Moses Gebot?
Jesus sagte, dass Gott sie nicht zählte
zu seinem Volk, denn sie wären tot!

Selbsgerechtigkeit sprach nun: es reicht
man sprach nun offen von Mord
man verbündete sich gar mit dem römischen Reich
mit bösen Verrat bekämpfte man das Wort!

Triumphierend am Kreuz rief man bald:
„Bist du der Messias, so steig doch herab“
Sie freuten sich außer Rand und Halt
so brachte man Jesus ins Grab

In all dieser Zeit erkannten sie nicht,
die Rettende Liebe, die Worte der Wahrheit
Verwirft man die Gnade, bleibt nur noch Gericht
Verwirft man Jesus, bleibt ewiges Leid!