Die Leiden des jungen Jeremia

jer 2,13

Für die meisten Ausführungen griff ich auf das Buch „The King in His Beauty“ von T. Schreiner zurück. Besonders gelungen fand ich auch die Hörspielbearbeitung von „Abenteuer zwischen Himmel und Erde: Josia„, die viele Erfahrungen Jeremias plastisch festhält:

Jeremia war ein Prophet des Gerichts. Er verkündigte mehrfach, dass ein Feind aus dem Norden Juda und Jerusalem zerstören wird (4,6; 6,1; 10,22; 13,30; 25;9). Jeremia sah das Eindringen Nebukadnezars voraus (5,14-17; 6,1-9; 21-7). Den Grund für das Gericht schilderte Jeremia natürlich auch: Es war der Bundesbruch Israels: Israel hat den Herrn und seinen Bund verlassen (1,16; 2,17; 5,7): Denn mein Volk tut eine zwiefache Sünde: Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und das Wasser nicht halten.( Jer 2,13). Die Abweichung Judas wird mit Hurerei verglichen (2,20; 3,1-3; 13,27). Anstatt am Herrn zu hängen, lebte man hemmungslosen Götzendienst aus (13,1-13).

Jeremia, ergriffen von der Ehre Gottes, wagt es nicht, irgendwo eine Botschaft „light“ zu verkündigen und redet durchweg Klartext. Auf den Bruch folgt das Gericht. Diese Botschaft stieß natürlich auf ordentlich Widerstand! Ein kurzer Überblick:

Jeremia im Konflikt mit dem Adel

Die Könige Judas  erwartete ein Gericht Gottes, denn sie beuteten und unterdrückten die Armen im Volk (Was nur möglich war, weil man auf die Umsetzung der Gebote, wie des Jubeljahres oder ein fixes Erbrecht verzichtete). (21,12;22,2-3). Arme die zusehr aufmuckten wurden sogar getötet (22,13-18). König Jojakim als Hauptverantwortlicher für die Missstände, hat eine schnelle Lösung für die Kritik Jeremias: Die Blätter landen Stück für Stück im Kamin (Kap. 36). König Zedekia wiederum entließ zunächst hebräische Sklaven um sie kurz danach wieder gefangen zu nehmen (34,8-16). Für Jeremia hat er nur Schläge und Arrest übrig (37,12-16; 37,17-21). Schließlich landet Jeremia in einem Wasserloch (38,1-6). Nur eine wundersame Vorsehung verhindert seinen qualvollen Tod.

Jeremia im Konflikt mit den Propheten.

Die Propheten  weissagten nach den Methoden Baals (2,8; 23,13) und lebten ein gottloses Leben (23,11). Hurerei und Lügen waren an der Tagesordnung (23,14). Sie beschwichtigten und unterstützen die Könige in ihren täglichen Abweichungen (6,13, 8,10), waren sie ja gierig nach finanzieller Unterstützung. Jeremia war hier mehr als ein Dorn im Auge. Pashur und Hananija waren zwei der Propheten, die aktiv Widerstand gegen die Botschaft Jeremias leisteten: Hanania greift hierbei auch auf eine spektakuläre Show zurück (Kap. 28).

Jeremia im Konflikt mit dem Priestertum.

Jeremia, selbst Priester wird vom Priester Pashur inhaftiert (20,1-6) Jeremia, selber  aus einem Priestergeschlecht erlebt hier Widerstand aus dem engsten Familien- und Freundeskreis. Den Priestern wird ebenfalls häufig das Gericht verkündigt (1,18; 2,26; 4,9; 8,1; 13,13; 23,33-34; 32,32;34,19), denn statt für die Ihnen anvertrauten Schafe zu sorgen (23,1-4) raubten sie diese aus und missbrauchten sie.

Ein notorischer Dauernörgler?

es stellt sich die Frage, ob Jeremia einfach nur ein Schwerenöter und missmutiger, gar rachsüchtiger Pessimist war?. Hier stellen wir aber fest, dass Jeremia immer wieder such durch größte Zweifel dazu durchkämpft die Worte Gottes zu verkündigen (Jer. 1,9 vor allem 20,8-9). Er selbst leidet mit dem Volk Gottes das Gericht mit, dass er nicht verursacht hat (4,19; 8,18; 9,1; 13,17).  Er ist wie ein harmloses Lamm und dennoch versammelt sich die Menge gegen ihn (11,19). Obwohl er weiß, dass das Volk keine Buße tun wird, ruft er sie permanent und beharrlich dazu auf. Spätestens in den Klageliedern wird seine Liebe für sein Volk deutlich

Lessons learned!

Diese Lektionen nehme ich mit:

  • Schockiert bin ich von vielen Parallelen zu unserer Zeit. Der Mensch ist heute der selbe wie vor 2600 Jahren. Immer wenn mir Menschen mit „alles ist doch so toll“ daherkommen, greife ich gerne zu Jeremia.
  • Bestimmte Botschaften lassen sich nicht „unanstößig“ und ohne Widerstand an den Mann bringen.
  • Gerade für diese Botschaften gibt es oft eine Verpflichtung die höher ist als gegenüber der Rücksicht auf den Nächsten: Die Ehrfurcht vor Gott
  • Treue gegenüber dem Wort Gottes führt oft auch Widerstand aus dem Familien- und Freundeskreis.
  • Eine Verkündigung des Gerichts und der Buße führt oft zu einem Mitleben mitten im Gericht und tiefem Leiden.
  • Während die Worte all der Zeitgenossen Jeremias, die sich wunderbar anpassten spätesten bei der Zerstörung des Tempels durch Nebukadnezar wie blanker Hohn klangen, stellte das ganze Volk fest, das Jeremia recht hatte: Seine Botschaft bleibt auch bis heute

Wie du deine geistlichen Gaben (nicht) entdecken kannst

Ein Artikel von Thomas Schreiner:

Ist es wichtig, deine geistlichen Gaben zu kennen? Oder ist dieses Anliegen ein Beweis für den heute so typisch für gewordenen Narzissmus?

Vielleicht können wir die Ermittlung unserer Geistlichen Gaben mit dem aktuellen Interesse an Persönlichkeits- und Profiltests vergleichen, wie z.B. dem (Persönlichkeits-)Enneagramm. Das Enneagramm sondiert neun unterschiedliche Persönlichkeitstypen und hat derzeit einen ziemlichen Einschlag in evangelikalen Kreisen. Kevin DeYoung warnt berechtigterweise vor den Gefahren  des Enneagramms und erläutert, dass es der Schrift in vielerlei Hinsicht fremd sei. Russell Moore stimmt den Aussagen DeYoungs zu, dass das Enneagram, als Ganzes nicht hilfreich ist, denkt aber, dass es als ein Werkzeug verwendet kann, um die persönlichen  potenziellen Stärken und Schwächen, wie auch die Motive hinter Wünschen und Neigungen anderer, aufdecken kann.

Ich denke, so ähnlich können wir uns auch über den Prozess der Ermittlung geistlicher Gaben äußern. Weiterlesen „Wie du deine geistlichen Gaben (nicht) entdecken kannst“

Rechtfertigung = Glaube + Nichts

Übersetzung eines Artikels von Thomas Schreiner:

51mudo8ycvlEiner der fünf Schlachtrufe der Reformation war die Aussage, dass wir alleine aus Gnade gerettet werden – sola fide. Diese Worte erklären, dass die Errettung nicht vom Schauen auf die Werke unserer eigenen Gerechtigkeit kommt, sondern von Schauen von uns weg zu jemand anderem, auf die Person und das Werk Jesu Christi. Diese Feststellung erwuchs aus dem Wunsch zu den Schriften  und zu den Lehren der frühen Kirchenväter zurückzukehren, – ein Ruf die Kirche zu reformieren und biblische Rechtgläubigkeit herzustellen.

Fünf Jahrhunderte sind nun seit der Reformation vergangen und wir dürfen uns fragen: Hat heutzutage sola fide immer noch Relevanz? Ist die Vorstellung der Rechtfertigung durch den Glauben allein nur ein Relikt vergangener Zeiten, die die Nostalgie verflosserner Tage reflektiert? Ich glaube, dass der reformatorische Ruf des sola fide auch heute weiterhin gelehrt und bewahrt werden sollte, weil es biblische Lehre zusammenfasst- und Gottes Wort verliert niemals seine verändernde Kraft. Das Wort Gottes spricht in jeder Zeit und in allem Raum.

Während einige sich an sola fide einzig aus Tradition hängen mögen, sollten wir uns daran hängen, weil es im Einklang mit dem Wort Gottes ist. Die Rechtfertigung aus Glauben allein ist nicht das Produkt starrer und öder Rechtgläubigkeit. Es spricht zu den Köpfen und Herzen durch die ganze Geschichte hindurch, weil es eine der fundamentalen Fragen unseres menschlichen Zustandes angeht: Wie kann ein Mensch gerecht werden vor Gott? (How can a person be right with God?)

Die Worte von Francis Turretin (1623-1687) bezeugen die pastorale Bedeutung der Rechtfertigung allein durch den Glauben. Er sagt, wir verstehen „die Kontroverse“ um die Rechtfertigung, wenn wir unseren eigenen Stand als Individuen vor einem heiligen und gerechten Gott berücksichtigen:

Doch wenn wir uns zum himmlischen Tribunal erheben und vor unsere Augen den höchsten Richter sehen, (…) durch dessen Klarheit sich alle Sterne verdunkeln, durch dessen Stärke die Berge schmelzen, durch dessen Zorn die Erde erschüttert wird; dessen Gerechtigkeit nicht einmal die Engel gleichberechtigt sind, der den schuldigen nicht unschuldig macht, dessen Rache, wenn sie einmal entfacht wurde, selbst die tiefsten Tiefen der Hölle durchdringt… dann zerfällt in einem Augenblick die eitle Sicherheit des Menschen, sie verschwindet und zerfällt und das Gewissen ist gezwungen (…) zu bekennen, dass es nichts habe womit es vor Gott bestehen kann.  Und so schreit es mit David, „Herr wenn du Ungerechtigkeit anrechnest, wer kann bestehen? (…) Wenn das Verstand vollständig vom Bewusstsein der Sünde und einem Gefühl des Zornes Gottes erschreckt ist, was ist das dann für ein Ding, auf Grundlage dessen er freigesprochen und als eine gerechte Person anerkannt werden kann? (…) Ist es die Gerechtigkeit die in uns wohnt und die unvollkommene Heiligkeit, oder allein die Gerechtigkeit, und der Gehorsam Christi, der uns zugerechnet wird?

Weiterhin relevant

Wir dürfen nie vergessen, warum diese biblische Wahrheit heute wichtig ist. Während einige möglicherweise aufgrund theologischer Disputationen über Theologie reden möchten, ist der zentrale Punkt, wie Turretin ausarbeitet, persönlicher Art. Wir reden davon, wie man vor Gott am letzten Tag bestehen kann, am Tage des Gerichts und sola fide beantwortet die Frage: Wie können wir vor dem Einen Heiligen bestehen?

Andere wiederum können mit uns übereinstimmen, dass die Frage nach dem Bestehen am letzten Gericht eine entscheidende Frage ist und doch denken, dass die Rechtfertigung durch den Glauben allein aufgegeben werden sollte. Schließlich ist sola fide schnell missverstanden und so glauben sie, dass der Slogan abgeschafft werden sollte. Warum auf einen Slogan zurückgreifen, der qualifiziert und erklärt werden muss, um Missbrauch zu vermeiden?

Doch dieser Einwand lässt sich auf jede theologische Wahrheit anwenden. Wir verwefen den Begriff „Dreieinigkeit“ nicht deswegen, weil er regelmäßig missverstanden wird. Stattdessen muss das, was wir mit „Dreieinigkeit“ meinen sorgfältig erklärt werden. Wir müssen sorgfältig aufzeigen was der Term bedeutet und was nicht, damit jene, die uns zuhören, nicht denken, Christen seien Tritheisten. Trotz dieser Herausforderungen verwerfen wir den Begriff nicht deswegen, weil er gelegentlich missverstanden wird.

Nicht einfach nur beschützen

Manchmal wird reformierten Christen vorgeworfen, zu viel Energie auf die Bewahrung und den Schutz von Lehren und Traditionen einzusetzen, wie z.B. der Rechtfertigung durch den Glauben allein. Vielleicht sind wir manchmal schuldig die lehrmäßige Treue derart zu betonen, dass wir die Hochschätzung der Wahrheit, die wir bekennen, vernachlässigen.

Dennoch ist die Verteidigung des Glaubens ein nobles und biblisches Bestreben. Judas 3 fordert uns dazu in sehr klaren Worten auf, und sowohl der Galaterbrief wie 2. Timotheus betonen, dass wir das Evangelium hochhalten müssen, selbst wenn andere dasselbe verleugnen. Und doch müssen wir uns davor hüten, dass unsere „evangeliumsschützenden“ Anstrengungen uns nicht wichtiger werden, als das Genießen der lebensspendenden Freiheit und Freude, mit der uns das Evangelium versorgt. Wir beschützen die Wahrheit, weil wir sie schätzen, und wir schätzen die Wahrheit, weil sie unser Leben ist.

Wenn wir alleine und stille vor Gott sind erinnern wir uns unserer vieler Sünden und unserer großen Unwürdigkeit. In solchen Momenten spüren wir die Ehre und die Schönheit des sola fide; wir bekennen „Da ich denn nichts bringen kann schmieg ich an Dein Kreuz mich an“ (nothing in my hand I bring, simply to the cross I cling). Wir realisieren, dass wir nur aufgrund der Gnade Gottes mutig in die Gegenwart Gottes treten können, durch den Glauben in die Gerechtigkeit Christi allein. In der Tat ist sola fide belebend, weil es uns an die Gnade des Evangeliums erinnert und festhält, dass unsere Errettung- unser Bestehen und die Annahme vor Gott- vollständig von Gott kommt. Menschliche Werke können die göttliche Errettung nicht vollbringen. Somit schreibt sola fide alle Ehre Gott zu, so dass niemand sich Menschen rühmen könne (1. Kor. 1,31). Es erinnert uns daran, dass alles was wir haben ein Geschenk ist (1. Kor. 4,7).

Die fünf solas der Reformation sind eng zusammengebunden, doch wenn es um sola fide geht, gibt es eine besondere Verknüpfung mit sola gratia und solus Christus. Der Glaube schaut auf jemand anderen um Rettung, so dass die Rettung allein durch Gnade und allein in Christus ist.

Karten und nicht Matehmatik

Ein abschließendes Wort über die Verwendung von Slogans und Doktrinen. Anthony Lane stellt korrekt fest, dass Doktrinen Karten und Modelle und nicht mathematische Formeln seien. Deshalb müssen wir es vermeiden, uns auf vereinfachte Appelle an sola fide zu verlassen und ohne Gespräch oder Annahme jene zu verurteilen, die den Begriff ablehnen.

Stattdessen sollten wir uns fragen, was diejenigen, die sola fide ablehnen, beabsichtigen, wenn sie seine Eignung in Frage stellen. Vielleicht sprechen diejenigen, die es ablehnen und diejenigen, die es bestätigen, aneinander vorbei. Die Ängste derjenigen, die sola fide ablehnen, können berechtigte Einwände gegen Missverständnisse des Satzes darstellen.

Um mich klar auszudrücken, ich sage nicht, dass alle Unstimmigkeiten bloße Missverständnisse sind. Ich sage, wir sollten offen für den Dialog sein, damit wir nicht zu schnell davon ausgehen, dass wir anderer Meinung sind.

Slogans wie sola fide sind hilfreich, denn sie fassen kurz unsere Theologie zusammen, aber Slogans können auch gefährlich sein, denn wir können uns in einem Gespräch befinden, in dem wir unwissentlich mit verschiedenen Definitionen und Konzepten arbeiten. Bevor wir jemand anderen anklagen, sollten wir sicher sein, dass wir gehört haben, was er wirklich sagt.

Editors’ note:Dies ist ein angepasster Auszug aus Thomas Schreiners Buch: Faith Alone: The Doctrine of Justification (Zondervan, 2015) [review].Es ist der erste Band der The 5 Solas Series.


thomas-r-schreinerDieser Artikel erschien zuerst am 23.10.2017 auf The Gospel Coalition. Autor ist Thomas R. Schreiner. Er ist James Buchanan Harrioson Professor für Neues Testament und biblische Theologie, sowie Dekan für Bibelkunde und Hermeneutik am Southern Baptist Theological Seminary in Louisville, Kentucky. Folge ihm auf Twitter.

thegospelcoalition

Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors und The Gospel Coalition.

Bei der Übersetzung einzelner Sätze wurde DeepL Translator verwendet.

Achtung vor theologischen Gefahren von links und rechts

Übersetzung eines Artikels von Thomas Schreiner: Paulus fordert Timotheus auf, das „anvertraute Gut zu bewahren“ (2 Tim 1.14), welches das Evangelium Jesu Christi ist. Wir müssen beim Beschützen des Evangeliums wachsam bleiben, denn sowohl die Schrift wie auch die Kirchengeschichte erinnern uns, dass viele von der Wahrheit abgewichen sind. Selbst ein oberflächliches Lesen macht deutlich, dass das Aufrechterhalten der Wahrheit und der Reinheit des Evangeliums von Anfang an eine Herausforderung war. Heute erleben wir nichts neues und wir haben das Versprechen, dass die Gemeinde Jesu Christi über die „Pforten der Hölle“ (Matt. 16,18) triumphieren wird.

In diesem Artikel möchte ich in Kürze die Angriffe auf das Evangelium betrachten: von links und von rechts. Weiterlesen „Achtung vor theologischen Gefahren von links und rechts“

Bereits jetzt, aber noch nicht!

Thomas Schreiner und Ardel Caneday  haben ein sehr wichtiges Werk verfasst, dass nun seit einiger Zeit auch im deutschsprachigen Raum erhältlich ist. Eine allgemeine Rezension wird noch auf nimm-lies erfolgen, an dieser Stelle möchte ich einen sehr hochwertigen Gedanken im Buch ausführlicher darstellen, das ist das Konzept des „Bereits Jetzt, aber noch nicht. Schreiner und Canaday kündigen ihre Absicht an:

„wir werden nachweisen, dass die Bibel das Heil mit vielen verschiedenen Metaphern so schildert: Es ist etwas, das schon jetzt wirklich unser Eigentum ist, weil wir als Erben einen Rechtsanspruch darauf haben, aber wir haben dieses Erbe noch nicht empfangen.“ (S. 45)

Die Beispiele, die die Autoren aufzählen, zeigen eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema: Weiterlesen „Bereits jetzt, aber noch nicht!“

Biblische Theologie im Hebräerbrief

Photo of Thomas R. SchreinerThomas R. Schreiner, Prof. für Neues Testament am SBTS,hielt 2015 am RTS drei Vorträge über die Theologie des Hebräerbriefes.

Im ersten Teil entwickelt der Autor die theologische Struktur des Briefes. Hierbei gibt er wichtige Hinweise zur Typologie. Die typologische Bedeutung kann nicht nur nachwirkend in den Text des AT hinein gelesen, sondern hatte bereits für die Gläubigen des Alten Testaments eine in die selbe Richtung weisende Bedeutung. So konnte ein Gläubiger des AT ein Lamm opfern und darin das Sühneopfer Christi erkennen. Bei dieser Typologie wird immer deutlich, wie überragend der neue Bund gegenüber dem alten ist: Während im AT ein Lamm unwillig und unwissend geopfert wurde, tat Christus willig und bewusst den Willen des Vaters.  Heb.9,15: Und darum ist er auch der Mittler des neuen Bundes, auf dass durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen.

Die Überlegenheit wird vor allem im Priesterdienst deutlich (zweiter Teil). Schreiner macht deutlich, wie Jesus Christus in die Priesterwürde reifte, in dem er im Gehorsam wuchs (Heb. 5,5-9). In allen seinen Leiden und Demütigungen entfernte sich Christus nicht vom Vater (was uns oft passiert in Anfechtungen) sondern wuchs im Gehorsam:  (Heb 5:7-9) Und er hat in den Tagen seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen geopfert zu dem, der ihm von dem Tode konnte aushelfen; und ist auch erhört, darum dass er Gott in Ehren hatte. Und wiewohl er Gottes Sohn war, hat er doch an dem, was er litt Gehorsam gelernt. Und da er vollendet war, ist er geworden allen, die ihm gehorsam sind, eine Ursache zur ewigen Seligkeit. Dieser Priesterdienst ist nach der Ordnung Melchisedeks (z.B. Heb 5,10; 6,20; 7,17) und in jeder Hinsicht besser als der levitische Priesterdienst (z.B. Heb 7,15-17;  7,20; 7,26; 9,11)

Wenn wir nun eine soviel bessere Herrlichkeit haben als am Sinai (Heb 12,18), wie viel mehr gilt dann die Mahnung an diesem Priester fest im Glauben festzuhalten. Das ist ja schließlich die Absicht des Autors: Haltet fest an Christus fest, der euch bewahren wird und fallt ja nicht ab! der Dritte Vortrag befasst sich den Warnungen und Ermahnungen des Hebräerbriefes, die sich an die Gläubigen richten. Schreiner führt dabei die beste Erklärung zu Heb 6,4-6 aus, die ich bisher gehört habe.

Ein Q+A schließt die Vortragsreihe ab. Prädikat: Sehr hörenswert!

Hier geht es zum iTunes-Podcast!