Der tiefe Fall eines jungen Prinzen

Absaloms Lebenslauf, wie er uns in 2. Sam. Kap. 13 bis Kap. 18 berichtet wird, fasziniert mich regelmäßig: Ein Mensch, der alles hat, der jung ist und auch noch schön. Und dennoch immer noch unzufrieden und gierig. Also durch und durch ein moderner Westler. Somit geht die Geschichte Absaloms auch knallhart der Frage nach, ob wir glücklicher wären, wenn wir jünger und reicher wären. Das motiviert mich zu diesem Gedicht, obwohl ich mit dem etwas pietistischen Ende nicht ganz zufrieden bin. Absaloms Geschichte sollte uns aber zur Demut anleiten und nicht zu einem verbitterten Versuch der Selbstrechtfertigung.

Absaloms Mahl in einem Gemälde des Niccolò De Simone um 1650. (Bildrechte: gemeinfrei)
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Money for Nothing

(c) Faithlife Logos

Wenn ich mal wieder in der Gefahr stehe, die vielen ärgerlichen, provozierenden und kaum zu ertragenden Aussagen der Bibel zu vergessen oder gleichgültig über diese drüber weg zu lesen, erinnere ich mich gerne an den reichen Kornbauer, ein Gleichnis Jesu, welches uns in Luk 12, 16-20 überliefert ist. Vielleicht ignorieren wir dieses Gleichnis auch deswegen so gerne, weil es klassische Lektüre der Sonntagsschule war. So vertraut, dass wir die Aktualität übersehen?

Ein absolut natürliches Verhalten

Zunächst frage ich mich: Jesus, was gibt es hier zu kritisieren! Gott segnet diesen Bauer übermäßig. Die Vorsehung scheint es offensichtlich gut mit ihm zu meinen. Er erwartet 100 Tonnen Getreide, erntet aber 200. Soll er das gute Essen etwa vergammeln lassen? Als ein erfahrener, fleißiger Bürger tut er schließlich nur seine Pflicht und nutzt die Gelegenheit zur Expansion.

Ich fürchte, als moderner Europäer kann man die Aktualität dieses Gleichnisses leicht übersehen: In den letzten Jahren haben wir mit der Familie ein Eigenheim gebaut, und mir ist immer wieder bewusst geworden, dass bei entsprechend höherem Verdienst auch die Ausstattung des Hauses anders ausgefallen wäre. Es wäre ein sehr natürliches, geradezu automatisches Verhalten für mich. Aus Plastikfensterrahmen währen es dann welche aus Metall geworden und auf dem Dach lägen neben Solarthermie-Platten auch welche für die Stromerzeugung. Und auf Urlaub hätten wir dann auch nicht verzichten müssen. Und falls jemand denkt, dass ich dafür Kritik ernten würde, Pustekuchen! Überhaupt niemand hätte daran etwas auszusetzen. Eher würde man anerkennd den Kopf schütteln über eine erfolgreiche, im konservativen Sprachgebrauch „gesegnete“ Karriere. Niemand, außer offensichtlich Jesus Christus.

Nun stelle ich fest, dass ich in meinem Kampf mit der Gier bei weitem nicht alleine da stehe, sondern in jedem von uns ein ganz schön großer Kornbauer drin steckt. Mit gewisser Erschütterung denken wir an einen uns bekannten Christen, der jahrelang eine prägende Persönlichkeit für unsere Familie war. Durch wundersame Vorsehung zu unerwartetem Reichtum gelangt, stürzt er sich nun von einem Luxus in den Nächsten. (Glücklicher ist er aber dadurch nicht geworden). Doch bevor wir hier auf jemand mit dem Finger zeigen: Ehrlich gesagt kenne ich kaum jemanden, der nicht so handeln würde, wie der Kornbauer.

Achte auf den Kontext

Nun könnte man meinen, dass ich hier der Geschichte mehr Gewalt antue, als zulässig, schließlich waren die Stunden des Kornbauern ja gezählt. Aber genau hier setzt die Kritik Jesu an: Vielleicht habe ich eine Finanzierung, die so weitreichend ist, dass ich sie noch „im Himmel weiterzahlen muss“? Anders ausgedrückt: wie oft planen wir so, als stünde uns ein ewiges Leben hier auf Erden bevor. Somit reihen sich die Ausführungen Jesu an dieser Stelle an die zahlreichen Betonungen, dass unser Leben vollständig von Gott abhängig ist, und wir dem Leben nicht eine Elle (also ein Stückchen) Länge hinzufügen können (Matth. 6,27). Entsprechend verweist Jesus darum eine Perspektive einzunehmen, die weiter reicht als der Horizont „unter der Sonne“. Das Gleichnis hier in Lukas wird übrigens direkt nach einer Frage nach einer gerechten Verteilung des Erbes eingefügt. Wieder ist es eher unerwarteter Wohlstand, der den Fragenden trifft. Jesu Botschaft ist aber klar: Nicht auf jeder vermeintlichen Erfolgswelle gilt es zu reiten.

Eine Prise Spott und ein knallhartes Urteil

Für diesen Hinweis bin ich Leland Ryken dankbar, welches er in seinem Werk „Jesus the Hero“ bespricht, ein Primer zu den literarischen Stilmitteln in den vier Evangelien. Offensichtlich greift Christus zum Stilmittel der Ironie: Den statt zusätzliche Scheunen zu bauen, reißt er vorhandene wieder ab. Doch bevor er seinen Plan auch nur anstoßen oder in Auftrag geben kann, verspottet Gott höchstpersönlich unseren Erfolgreichen Alltagshelden: Du Narr!

Das Gleichnis vom Reichen Kornbauer in einem Gemälde Rembrands (Bildrechte – gemeinfrei-)

Rembrandt hat das wunderbar festgehalten. Es ist bereits spät abend! Der Geschäftsmann ist aber fleißig am kombinieren und rechnen. Gekleidet in feinste Gewänder (und mit einer europäischen Brille) entwickelt er seine Pläne. Nur noch wenige Sekunden bis zu seinem Urteil bleiben. Schon kann man erahnen, dass ihn gleich ein helleres Licht, als das Licht seiner Kerze umleuchten wird. Rembrandt ist einfach ein großartiger Künstler.

Obwohl ich große Freude am Begriff „Narr“ habe, übersehen wir gerne die Tragik des Urteils. Ich bin angetan von der Hoffnung für Alle, die, – sehr süffisant-, diesen Abschnitt mit dem Titel „der arme Reiche“ überschreibt! Auch das Urteil Gottes klingt hier saftig: „Wie dumm du doch bist!“ In dieser Nacht wurde aus der Reichen Ernte, Money, welches für Nothing reichte. In der Tat ein Mensch in dire straits (engl. für „in ernsten Schwierigkeiten sein“)

FAzit

Viel könnte man über das schäumige Ideal eines ruhigen Lebens im Überfluß schreiben. Wer hat nicht schon mal darüber philosophiert, wi toll es wäre finanziell so unabhängig zu sein, dass man nicht einmal mehr aus dem Bett zur Arbeit aufstehen müsste. Wenn wir offensichtlich alle am Reichen-Kornbauer-Syndrom leiden, müssen wir entsprechend auch regelmäßig dieses Urteil hören: „Wie dumm du doch bist!“ Ich höre das Urteil nicht gerne, es will mir nicht schmecken. Aber es ist nötig. Wie oft hörte meine Perspektive unter der Sonne auf? Gott bewahre uns davor, dass wir nicht nur arm, sondern gar bankrott vor Gottes Bank stehen, als arme arme Reiche.

Übrigens ich glaube nicht, dass die Alternative ein Leben in Armut wäre: Der Reiche Kornbauer sollte seine Felder nicht verbrennen! Doch in seiner Gier nach Luxus übersah er die Möglichkeiten zum Dienst am Nächsten!

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